Der Körper ist auf Vitamine angewiesen. Sie sind unter anderem unabdingbar für die richtige Funktion der Organe, helfen bei verschiedenen Prozessen im Körper, beeinflussen die Psyche und unterstützen die Heilung bei Beschwerden. Fehlt dem Körper langfristig ein Vitamin, kommt es zu Mangelerscheinungen, die ihn schwächen und Krankheiten begünstigen. Eine dieser Krankheiten ist wohl auch Grauer Star, eine Trübung des Auges, die bis zur vollständigen Erblindung anwachsen kann. Wie Forscher in einer Studie zeigen konnten, begünstigt der Mangel eines bestimmten Vitamins die Krankheit. Ob wiederum eine Einnahme des Vitamins in Form von Vitaminpräparaten dagegen schützen kann, lesen Sie in diesem Artikel.
Augenkrankheit: Was ist Grauer Star?
Bei Grauem Star - oder auch die Katarakt, wie die Erkrankung fachlich genannt wird - werden eine oder beide Augenlinsen trübe, erklärt die evidenzbasierte Info-Seite gesundheitsinformation.de. Die Trübung mindert das Sehvermögen, vor allem feine Einzelheiten können Betroffene nicht mehr klar erkennen. Manche haben demnach nur leichte Einschränkungen, bei anderen geht das Sehvermögen dagegen schnell verloren. Der Name „Grauer Star“ bezieht sich laut gesundheitsinformation.de auf die Graufärbung der Linse und den starren Blick, den Menschen mit fortgeschrittener Katarakt haben. Meistens sind demnach beide Augen betroffen, die Erkrankung kann jedoch auf einem Auge schneller voranschreiten als auf dem anderen.
Die Katarakt gilt vor allem als Alterskrankheit, die schleichend kommt: Schmerzen, Augenbrennen oder ähnliche Beschwerden treten dabei nämlich nicht auf. Der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) schreibt, dass die Hälfte der Bevölkerung im Alter zwischen 52 und 64 Jahren einen Grauen Star hat, ohne Sehstörungen zu bemerken. Zwischen 65 und 75 Jahren seien es weit mehr als 90 Prozent, wobei die Hälfte von ihnen Beeinträchtigungen ihres Sehvermögens wahrnehmen würden, wenn sie das 75. Lebensjahr erreicht haben. In Entwicklungsländern ist der Graue Star der Hauptgrund für Erblindungen.
Laut gesundheitsinformation.de gibt es keine Medikamente, um einen Grauen Star zu behandeln. Die einzige wirksame Behandlungsmöglichkeit ist eine Operation. Davon werden laut BVA in Deutschland insgesamt 700.000 bis 800.000 durchgeführt. Die trübe Linse wird dabei entfernt und durch eine neue, künstliche Linse ersetzt.
Neue Studie: Bei diesem Vitaminmangel droht Grauer Star
Die allermeisten Fälle treten aufgrund hohen Alters auf, doch es gibt auch Einflussfaktoren, die Grauen Star begünstigen können. Dazu zählt wohl neben der genetischen Veranlagung, Krankheiten wie Diabetes mellitus und Verletzungen am Auge wohl auch der Mangel bestimmter Vitamine. Das zeigte eine Studie des Forschungsteams um Jason C. Yam von der Chinese University in Hongkong, die im British Journal of Omphthalmology veröffentlicht wurde. Das Team analysierte die Blutwerte von über 442.000 Menschen im Alter zwischen 37 und 73 Jahren. Die Werte stammten aus einer britischen Datenbank. Das Ergebnis: Der Mangel an Vitamin D erhöht das Risiko für Grauen Star.
Das fettlösliche Vitamin, das viele Funktionen im Körper unterstützt, kann die Haut mithilfe von Sonnenstrahlen selbst herstellen. Und es ist wohl auch wichtig, um Grauen Star vorzubeugen. Menschen, die weniger als 25 Nanomol Vitamin D pro Liter Blut hatten, zeigten in der Analyse ein um zwölf Prozent höheres Risiko, an einer Katarakt zu erkranken. Und während der Nachbeobachtungszeit von im Schnitt knapp elf Jahren entwickelten 13 Prozent der Probanden einen Grauen Star. „Unsere Ergebnisse zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und einem erhöhten Risiko für Katarakte“, betont Studienautor Yam. Das Robert-Koch-Institut (RKI) definiert einen Wert von 75 bis 125 Nanomol Vitamin D pro Liter Blut als optimal.
Übrigens: Die Deutsche Krebsgesellschaft warnt vor der Einnahme von einigen Nahrungsergänzungsmitteln - bestimmte Vitamine könnten das Krebsrisiko erhöhen.
Vitamin-D-Mangel und Grauer Star: Jüngere Menschen stärker betroffen
Besonders auffällig ist, dass der Vitamin-D-Mangel sich besonders stark auf vergleichsweise jüngere Menschen auszuwirken scheint: Teilnehmer, die jünger als 50 Jahre alt waren, hatten bei starkem Vitamin-D-Mangel ein um 27 Prozent erhöhtes Risiko, an einer Katarakt zu erkranken. Bei Menschen zwischen 50 und 60 Jahren war das Risiko um zwölf Prozent erhöht, bei Teilnehmern über 60 Jahren waren es noch neun Prozent.
Die Wissenschaftler vermuten, dass gerade jüngere Menschen heute seltener Sonne tanken und beruflich häufiger in Innenräumen arbeiten. Das wirkt sich auf den Vitamin-D-Haushalt aus. Ältere Erwachsene nehmen außerdem häufiger Vitamin-D-Präparate ein, um Krankheiten wie Osteoporose vorzubeugen, da ein Vitamin-D-Mangel viele schwere Schäden nach sich ziehen kann. Dadurch liegen deren Vitamin-D-Werte im Schnitt höher, was zu einem Katarakt-Schutz beitragen könnte.
Vitaminmangel und Grauer Star: Hilft eine Vitamin-Einnahme?
Viele Nahrungsergänzungsmittel mit Vitaminen - etwa Vitamin C, Vitamin E oder Betacarotin - haben bereits den Ruf, gegen Grauen Star vorbeugend zu wirken. Ist da etwas dran? Eine Forschungsgruppe des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration hat den Nutzen solcher Vitaminpräparate allerdings mit Blick auf Katarakt untersucht. Dafür verglichen sie neun Studien mit insgesamt fast 120.000 Teilnehmern im Alter zwischen 35 und 85 Jahren. Diese wendeten je nach Studie bis zu zwölf Jahre lang Präparate mit Vitamin C, E und/oder Betacarotin an. Die Ergebnisse der Studien zeigten deutlich, dass diese Vitaminpräparate nicht gegen einen Grauen Star halfen.
Doch zeigt die neue Studie zu Vitamin D und Grauem Star nun, dass Vitaminpräparate gegen den Ausbruch der Augenkrankheit helfen könnten? Dass ein Vitamin-D-Mangel weitreichende gesundheitliche Folgen haben kann, ist schon länger bekannt. Deshalb nehmen viele Menschen Vitaminpräparate ein, um ihren Vitamin-D-Wert aufzubessern oder einen bestehenden Mangel zu beheben. Schützen sie sich damit gleichzeitig auch gegen Grauen Star, ohne es zu wissen? Das könnten die Untersuchungsergebnisse tatsächlich nahelegen: „Eine rechtzeitige Überwachung und Behandlung von Vitamin-D-Mangel dürfte sich positiv auf die Hemmung der Kataraktentwicklung auswirken, insbesondere in einem frühen Stadium“, erklärte der Wissenschaftler Yam.
Übrigens: Vitamin D durch Nahrungsergänzungsmittel zu supplementieren, ist sehr beliebt. Doch beim Griff zu den Tabletten ist Vorsicht geboten, denn von manchen Präparaten sollte man lieber die Finger lassen. Auch die Häufigkeit und richtige Menge des zusätzlich eingenommenen Sonnenvitamins spielt eine entscheidende Rolle - eine Überdosierung kann schwere Folgen nach sich ziehen. Außerdem sollte man beachten, dass man manche Vitamine nicht zusammen einnehmen sollte.
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