„Für Autofahrende beginnt mit dem Herbst eine kritische Jahreszeit“, warnt der TÜV Nord. Schließlich sind die Sichtverhältnisse bei Regen oder Nebel schlecht, die Straßen sind aufgrund von Laub oder erstem Bodenfrost oftmals glatt und es besteht eine erhöhte Unfallgefahr. Landwirtschaftliche Fahrzeuge sowie ein vermehrtes Wildtieraufkommen in den Morgen- und Abendstunden bergen ein zusätzliches Risiko.
Der ADAC Nordrhein rät deshalb dazu, die Fahrweise im Herbst anzupassen. Drei wichtige Regeln seien dabei: „mehr Abstand halten, Geschwindigkeit reduzieren und Licht an“. Auf nasser Fahrbahn verlängere sich der Bremsweg und die Reifen könnten sogar den direkten Kontakt zur Straße verlieren. „Auch Sicherheitsassistenten wie ESP und ABS kommen in diesem Fall rasch an die Grenze des Machbaren“, erklärt ADAC Technik-Experte Andreas Kaurisch in einer Pressemitteilung.
Was sollten Autofahrer bei Glätte und Nebel tun?
Gerät das Fahrzeug ins Rutschen, rät der ADAC Nordrhein zu vier Schritten:
- „Fuß vom Gaspedal nehmen“
- „Auskuppeln“
- „Gefühlvoll gegenlenken“
- „Bremsen“
Denn mit niedrigerer Geschwindigkeit hat man eine bessere Kontrolle über das Auto. Grundsätzlich besteht bei langsamen Tempo eine geringere Rutschgefahr. Hilft auch das nicht, muss man dem Automobilklub zufolge eine Vollbremsung einleiten.
Zu einer sicheren Fahrt gehört zudem ein ausreichender Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug. Um den einzuhalten, hilft laut Kaurisch die Zwei-Sekunden-Regel. „Dabei sucht man sich einen markanten Punkt am Fahrbahnrand. Wenn das Fahrzeug vor einem diesen Punkt passiert hat, einfach langsam ‚21, 22‘ zählen. Erst dann sollte man selbst an dieser Stelle vorbeifahren. Sonst ist der Abstand zu gering“, zitiert der ADAC Nordrhein den Technik-Experten.
In der kalten Jahreszeit kann plötzlich auch Nebel auftreten. Hier sollte man den Fuß vom Gaspedal nehmen, vorausschauend fahren und stets bremsbereit sein, empfiehlt der ADAC Nordrhein. Kann man weniger als 150 Meter weit sehen, sollte man maximal 100 km/h schnell fahren, wie der Tüv Nord auf seiner Webseite schreibt. Bei einer Sichtweite von 100 Metern liegt das empfohlene Maximaltempo bei 80 km/h.
Beträgt die Sicht unter 50 Metern, gilt laut dem ADAC Nordrhein die Faustformel „Mindestabstand in Metern ist gleich Geschwindigkeit“. Ist man mit 50 km/h unterwegs, sollte der Sicherheitsabstand also 50 Meter betragen. In dem Fall sollte man laut dem Tüv Nord nicht schneller als 50 km/h fahren. Dabei kann man sich an den Leitpfosten am Straßenrand orientieren. Denn diese sind jeweils genau 50 Meter auseinander, erklärt Kaurisch. Um eine gute Sicht zu haben, sollte man dem ADAC Technik-Experten zufolge auf saubere Scheiben achten. Zudem sind gut funktionierende Wischerblätter wichtig.
Auch interessant: Wer in einen Unfall verwickelt ist, der wird dankbar darüber sein, wenn er eine Rettungskarte im Auto hat. Denn damit lassen sich kritische Minuten sparen.
Welche Risiken bestehen noch im Herbst im Straßenverkehr?
Eine weitere Gefahr besteht dem Tüv Nord zufolge durch landwirtschaftliche Maschinen. Denn im Spätsommer sind Landwirte vermehrt auf den Straßen unterwegs. Dadurch besteht der Prüfstelle zufolge eine erhöhte Gefahr durch Mähdrescher und landwirtschaftliche Geräte im Straßenverkehr. Demnach sollte man diese auf engen Straßen nicht überholen. Kommt ein landwirtschaftliches Fahrzeug entgegen, empfehlen die Experten, sicherheitshalber am rechten Straßenrand anzuhalten und zu warten, bis das große Gefährt vorbeigefahren ist. Darüber hinaus kann die Fahrbahn wegen heruntergefallener Erdklumpen bei Regen rutschig sein.
Der Tüv Nord rät außerdem zur Vorsicht vor Wildtieren - insbesondere an Wildwechselschildern und an Waldrändern in den Morgen- und Abendstunden. Sie könnten sich auf der Fahrbahn aufhalten oder diese überqueren. Daher sei es ratsam, Abstand zum Seitenrand zu halten und die Fahrbahnränder im Auge zu behalten. Befinde sich ein Wildtier auf der Straße, sollte man vorsichtig bremsen, abblenden und hupen.
Sollte ein Sturm oder ein Orkan angekündigt sein, sollte man dem Tüv Nord zufolge die Fahrt vorerst nicht antreten. „Denn dann besteht Lebensgefahr durch herabfallende Gegenstände. Und selbst, wenn Ihnen nicht unmittelbar etwas aufs Dach kracht, können herabfallende Äste und umstürzende Bäume zu unvorhergesehenen und gefährlichen Hindernissen auf der Fahrbahn werden“, schreibt die Prüfstelle auf ihrer Webseite. Zudem ist es demnach schwieriger, die Kontrolle über das Fahrzeug zu behalten.
Herbstbeginn erfordert Auto-Check: Was sollten Fahrer auf korrekte Funktion überprüfen?
Da die Sichtverhältnisse im Herbst ohnehin eingeschränkt sind, ist eine korrekt funktionierende Beleuchtung des eigenen Fahrzeugs wichtig. Der ADAC Nordrhein empfiehlt, alle Lichter etwa an einer Garagen- oder Hauswand auf deren Funktion zu überprüfen. Wer dies lieber einem Fachmann überlassen möchte, kann einen Licht-Check in einer Werkstatt durchführen lassen. Wichtig ist: Die Scheinwerfer sollten nicht zu tief und nicht zu hoch eingestellt sein. Dem Automobilklub zufolge ist die optimale Höhe dann erreicht, wenn das Abblendlicht maximal zwei Leitpfosten weit die Fahrbahn voraus ausleuchtet. Das entspricht rund 100 Meter.
Mit dem Beginn der nassen und kalten Jahreszeit ist auch die richtige Bereifung erforderlich. Die Faustregel „O bis O (von Oktober bis Ostern)“ bietet dabei eine gute Orientierung. „Die ersten beiden Oktoberwochen sind ein guter Zeitpunkt für den Reifenwechsel“, empfiehlt der ADAC Technik-Experte Kaurisch. Zwar ist für den Einsatz von Winterreifen kein fester Zeitraum vorgeschrieben, doch sind diese spätestens bei Reif- oder Eisglätte, Glatteis, Schneematsch oder Schnee Pflicht. Andernfalls drohen Bußgelder und Punkte in Flensburg. Zu beachten ist außerdem eine neue Regelung, wonach gewisse Ganzjahresreifen ab dem 1. Oktober 2024 verboten sind.
Bei der Reifenwahl ist auch auf das Alter sowie die Profiltiefe zu achten. Geht es nach dem ADAC Nordrhein, sollte man maximal zwei Jahre alte Winterreifen verwenden. Grundsätzlich müssen Winterreifen mindestens eine Profiltiefe von 1,6 Millimeter haben. Der Automobilklub rät aber aus Sicherheitsgründen zu einer Profiltiefe von vier Millimetern oder mehr. Kaurisch verrät dazu einen Tipp, wie man die Profiltiefe überprüfen kann: „Das lässt sich ganz einfach mit einer 2-Euro-Münze kontrollieren. Der silberne Rand ist genau vier Millimeter breit. Wenn man die Münze zwischen zwei Profilblöcke steckt und der Rand nicht mehr zu sehen ist, dann ist noch alles in Ordnung.“
Zudem empfiehlt der ADAC Nordrhein, die Flüssigkeitsstände des Fahrzeugs zu prüfen. Der Behälter der Scheibenwaschanlage sollte mit Scheibenreiniger und Frostschutz gefüllt werden, die Kühlflüssigkeit sollte ausreichend aufgefüllt sein und Frostschutz enthalten. Dies sollte aber ausschließlich dann überprüft werden, wenn der Motor kalt ist. Andernfalls kann die heiße Flüssigkeit aufgrund des bestehenden Drucks herausspritzen und zu Verbrennungen führen. Weiter sollte der Ölstand regelmäßig geprüft werden.
Übrigens: Kontrollleuchten im Auto sollte man stets ernst nehmen und nicht ignorieren. Gewisse Warnzeichen sind dabei besonders wichtig. Darüber hinaus ist die gute Sitzhaltung im Auto von Bedeutung für die Gesundheit, weshalb der Fahrersitz richtig eingestellt sein sollte.
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