Vorfreude auf den Urlaubsort, der Blick aus dem Fenster während der Atlantiküberquerung: Mit etwas Pech endet dieses Szenario nicht am Hotelpool, sondern im Krankenhaus mit einer Thrombose oder gar der lebensgefährlichen Komplikation Lungenembolie. Angst vor der langersehnten Urlaubsreise muss aber niemand haben, der sich an ein paar Empfehlungen hält. Doch was ist eine Thrombose eigentlich und wie entsteht sie?

"Eine Thrombose ist ein Blutgerinnsel im tiefen Venensystem der unteren Extremitäten, also im Becken, Ober- oder Unterschenkel", klärt Prof. Erwin Blessing, auf. Die Venen transportieren das sauerstoffarme Blut zu Herz und Lunge zurück und müssen dabei die meiste Zeit gegen die Schwerkraft arbeiten. So sind Druck und Fließgeschwindigkeit des Blutes hier generell geringer als in den Arterien, die sauerstoffreiches Blut im Körper verteilen.

Prof. Dr. Erwin Blessing_Chefarzt Innere Medizin
Prof. Dr. Erwin Blessing ist Chefarzt der Inneren Medizin am SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach und Facharzt für Kardiologie und Angiologie. | Bild: SRH

Gerinnt das Blut an einer Stelle in einer Vene und verstopft diese, kann es zu einer Schwellung, stumpfen, drückenden Schmerzen und bläulichen Verfärbungen kommen. "Gefährlich ist die Thrombose, weil das Blutgerinnsel mit dem Blutstrom in den Lungenkreislauf geraten und dort eine Lungenembolie auslösen kann", erklärt Prof. Blessing. "Diese kann tödlich verlaufen und ist grade im mittleren und höheren Alter gar keine so seltene Todesursache."

Nicht nur Flugreisen sind ein Risiko

Ein wichtiger Mechanismus, um die Fließgeschwindigkeit in den Venen aufrecht zu erhalten, sei die Muskelpumpe, so Prof. Blessing: "Werden die Wadenmuskeln bei Bewegung kontraktiert, massieren sie die Venen und helfen das Blut nach oben zu pumpen."

Kommt diese Muskelpumpe längere Zeit nicht zum Einsatz, erhöht sich das Risiko für eine Thrombose. "Sitzen ist dabei noch schlimmer als Liegen", so Prof. Blessing. Abgeknickte Gefäße im Becken- und Kniebereich, keine Möglichkeit sich auszustrecken - die Economy Class stellt hervorragende Bedingungen für unerwünschte Blutgerinnsel dar. Probematisch seien in erster Linie Langstreckenflüge, "die zwei Stunden nach Mallorca sind nicht das Problem", ergänzt Prof. Blessing.

Auto
Auch bei langen Autofahrten ohne Pausen sind Thrombosen möglich. | Bild: pixabay

Doch das Risiko beschränkt sich nicht auf das Flugzeug. Auch bei langen Reisen in Bus, Bahn oder Auto kann es zu Thrombosen kommen, wenn man sich nicht regelmäßig die Beine vertritt. "Reiseinduzierte Thrombosen sind nicht selten", so Prof. Blessing. Im Flugzeug fällt die regelmäßige Bewegung allerdings besonders schwer: Man darf aus Sicherheitsgründen nicht aufstehen, möchte den Sitznachbarn nicht aufscheuchen oder fühlt sich unwohl unter Beobachtung durch den Gang zu spazieren.

Viel trinken und Muskelpumpe aktivieren

Hinzu kommt ein weiterer Risikofaktor: Flüssigkeitsmangel. Gerade die trockene Luft im Flugzeug kann den Flüssigkeitsbedarf erhöhen. Auch wenn der Toilettengang hier eher ungemütlich ist, sollte man deshalb unbedingt genug trinken. Daneben sei die Haupt-Vorbeugemaßnahme das Aktivieren der Muskelpumpe, erläutert Prof. Blessing. "Man sollte regelmäßig Pausen machen, um sich die Beine zu vertreten, im Flugzeug eben so gut es möglich ist. Aber man kann die Muskelpumpe auch im Sitzen aktivieren: die Wade anspannen und strecken, das Fußgelenk bewegen, wie beim Gas geben im Auto zum Beispiel."

Beine vertreten
Auf langen Fahrten ist es wichtig, regelmäßig die Beine zu bewegen, um die Muskelpumpe in den Waden anzuregen. | Bild: pixabay

Einige Faktoren erhöhen das Thromboserisiko auch generell, abseits der konkreten Reisesituation: Mit zunehmendem Alter, Übergewicht, Krebserkrankungen oder einer Neigung zu stärkerer Blutgerinnung steig die Wahrscheinlichkeit zu erkranken. Auch genetische Veranlagungen und das Geschlecht spielen laut Prof. Blessing eine Rolle: "Frauen sind etwas häufiger betroffen, vermutlich aufgrund ihres Hormonhaushaltes."

Bei einer Neigung oder wenn schon einmal eine Thrombose aufgetreten ist, kann sich das Tragen von Kompressionsstrümpfen während langen Flügen anbieten. Wer ein sehr hohes Risiko hat, kann auch mit seinem Arzt über blutverdünnende Spritzen vor dem Flug sprechen. "Das ist aber nichts für die Normalbevölkerung, sondern nur für Hochrisikogruppen", betont Prof. Blessing. Hier müsse das Risiko-Nutzen-Verhältniss sorgfältig abgewogen werden.

Blutverdünnung, Kompression und möglichst früh Bewegung

Kommt es aber doch zu einer Thrombose, sind Blutverdünner unabdingbar. Sie werden zu Beginn als Spritzen oder Tabletten gegeben und müssen in Tablettenform je nach Gegebenheiten für eine längere Zeit eingenommen werden. Auch eine Kompression in Form eines Wickels oder eines Strumpfs muss mindestens in den ersten Wochen, wenn nicht Monaten, manchmal auch dauerhaft getragen werden. Die dritte Säule der Behandlung hat sich in den letzten Jahrzenten stark gewandelt.

"Früher hat man den Patienten lange Bettruhe verschieben, aus Sorge das Gerinnsel zu verschleppen. Heute wissen wir, dass sich eine möglichst frühe Mobilisation positiv auf die Genesung auswirkt", erzählt Prof. Blessing.

Thrombosen sollten also nicht nur von passionierten Langstreckenflieger:innen ernstgenommen werden. Hat man seine Risikofaktoren im Blick und hält sich an die Vorbeugemaßnahmen muss man aber auch keine Angst haben. Ist trotz aller Vorsichtsmaßnahmen nach einer Reise das Bein geschwollen und schmerzt, ist das Gefäßzentrum des SRH Klinikums Karlsbad-Langensteinbach optimal ausgerüstet, um das Blutgerinnsel risikoarm zu lösen. 

Größtes Bettenhaus des SRH
Das größte Bettenhaus des SRH-Klinikums Karlsbad-Langensteinbach. | Bild: SRH

"Der Schwerpunkt unserer Inneren Medizin liegt traditionell bei den Gefäßkrankheiten, der Angiologie", berichtet Prof.  Blessing. "Wir haben eine hohe Expertise, viele spezialisierte Fachkräfte und eine sehr gute Ausstattung, beispielsweise mit Ultraschallgeräten und Katheterlaboren. In unserem zertifizierten Gefäßzentrum haben wir einen interdisziplinären Ansatz: Angiologen, Gefäßchirurgen und Radiologen arbeiten Hand in Hand zusammen."

Mehr zum Thema SRH-Klinikum-Karlsbad-Langensteinbach: Das SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach ist ein Akut- und Fachkrankenhaus südöstlich von Karlsruhe am Fuße des Nord-Schwarzwaldes gelegen.