Als sich die Volksbanken Karlsruhe und Baden-Baden Anfang 2021 vereinigten, ahnten sie noch nicht, dass sie binnen eines Jahres von einer Krise in die nächste schlittern würde. "Natürlich war die Situation in der Ukraine so unmittelbar nach Corona auch für uns unvorhersehbar, dennoch waren unsere Bilanzen im letzten Jahr sehr gut und auch den weiteren Fusionsplänen steht nichts im Weg", sagt der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Karlsruhe Baden-Baden, Andreas Lorenz.

Andreas Lorenz, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Karlsruhe Baden-Baden bis 30. Juni 2022.
Andreas Lorenz, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Karlsruhe Baden-Baden bis 30. Juni 2022. | Bild: Lars Notararigo

Bereits im November letzten Jahres habe sich die hiesige Volksbank mit der Volks- und Raiffeisenbank Enz plus in Remchingen für erste Fusionsgespräche getroffen und auch den Vertretern der Volksbank Pforzheim soll im Mai ein Verschmelzungsvertrag vorgelegt werden, so eine Pressemitteilung der hiesigen Volksbanken. "Fusionen sind kein Selbstzweck", erklärt Lorenz in diesem Kontext. "Immerhin wenden wir Millionenbeträge auf, um sie auch nur technisch zu erfassen."

"Die Zukunft wird vom Kunden bestimmt"

Laut dem Vorstandsmitglied Matthias Hümpfner sei eine Fusion nötig, um die Bilanzen zu verbessern, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen, neue Konzepte zu entwickeln und einen größeren Teil Baden-Württembergs in besserer Koordination betreuen zu können. "Die Volksbank ist, bei aller Ehrlichkeit, ein wenig eingestaubt. Wenn wir auch zukünftigen Generationen und aktuellen finanziellen Bedürfnissen etwas bieten wollen, müssen wir im großen Stil umdenken", sagt er.

Matthias Hümpfner, Vorstandsmitglied der Volksbank Karlsruhe Baden-Baden.
Matthias Hümpfner, Vorstandsmitglied der Volksbank Karlsruhe Baden-Baden.

Die Struktur des neuen, verschiedene Bezirke umspannenden Gebietes sei dabei bereits in Arbeit. "Bis Mitte des Jahres wird die gesamte Führungsebene soweit feststehen", sagt Hümpfner. "Wir wollen dabei einen Ring bilden, der die Bedürfnisse befriedigen kann und die Struktur der Filialen überarbeiten. Die großen Zentren und Niederlassungen bleiben dabei zunächst erhalten. Doch wo genau im neuen Gebiet, welche Filiale und welcher Dienstleister sein wird, bestimmt letztendlich der Kunde."

Auch bei der Größe der neuen Bank wolle man sich dabei noch immer um die Belange von Privatkunden und kleinerer Firmen kümmern. "Wir wollen von unserer lokalen Integrität nichts verlieren und unseren weiteren Weg von den Bedürfnissen der Kunden in Karlsruhe und Baden-Baden vorgeben lassen", so Hümpfner.

"Kein Mitarbeiter wird entlassen"

Wenn nun aber neue Strukturen in einem großflächigen Volksbank-Gebiet eingerichtet werden, breitet sich unter den Mitarbeitern eine gewisse Nervosität bezüglich ihrer Arbeitsstellensicherheit aus. Dieser wolle Lorenz aber entgegenwirken: "Es wird keinem Mitarbeiter gekündigt werden", sagt er. "Das - wenn man es so nennen will - schlimmste, was ihnen passieren kann, ist, dass ihre Arbeitsstätte nach Baden-Baden oder Pforzheim verlegt werden könnte", sagt er.

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Allerdings seien diese Städte gut erreichbar. "Natürlich sind wir in diesem Fall auch bereit, einen monetären Ausgleich zu bezahlen", so Lorenz. "Immerhin haben wir einen starken Betriebsrat - und wir machen es auch gerne für unsere Mitarbeiter. Gerade im neuen, so großen Gebiet", sagt er weiterhin. Welcher Name dieses neue große Gebiet in Zukunft zieren wird, stehe aber noch nicht fest.

"Nein, wir werden es nicht als Volksbank Karlsruhe Baden-Baden Remchingen Pforzheim bezeichnen. Allerdings gestaltet sich die Namensfindung recht schwierig. Immerhin müssen wir die Regionen und die damit verbundenen Emotionen berücksichtigen", so Hümpfner, "aber auch die legale Komponente sollten wir nicht ganz vergessen."