Karlsruhe. Die Stadt am Rhein ist nicht nur als Fächerstadt oder als Residenz des Rechts bekannt, nein, auch viele namenhafte Unternehmen habe in Karlsruhe ihre Heimat gefunden. Egal ob EnBW, dm oder Pfizer, alle entschieden sich in der Vergangenheit für einen oder ihren Standort in der rund 300.000 Einwohner Stadt.

Hightech trifft Lebensart

Doch warum entschieden sich diese und viele andere Unternehmen für Karlsruhe? Welche Nachteile hat der Standort am Rhein? "Das Motto der Technologieregion Karlsruhe „Hightech trifft Lebensart“ trifft sehr gut, was Karlsruhe zu bieten hat", eröffnet Guido Glania, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Karlsruhe.

Guido Glania, Hauptgeschäftsführer der IHK Karlsruhe.
Guido Glania, Hauptgeschäftsführer der IHK Karlsruhe. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

"Karlsruhe ist ein Wissensstandort mit vielen Wissenschaftseinrichtungen – allen voran das KIT (Karlsruher Institut für Technologie) - der viele kreative und unternehmerische Menschen, gerade in der IT-Branche zu bieten hat. Karlsruhe ist ein Hightech und Industrie und IT-Standort par excellance in Deutschland", sagt Glania im Gespräch mit ka-news.de.

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Eine weitere Stärke der Fächerstadt sei für den IHK-Chef die verhältnismäßig überschaubare Größe der Region, die direkte Kommunikation fördere. "In der Region sind viele Unternehmer miteinander vernetzt und können so rasch Informationen austauschen und gut zusammenarbeiten. Das ist eine große Stärke von Karlsruhe."

Weichen in Karlsruhe sind gut gestellt

Zusätzlich biete Karlsruhe generell eine hohe Lebensqualität. "Einrichtungen und Dinge, die viele für selbstverständlich nehmen, egal ob Kultur, ÖPNV, Grünflächen oder Erholungsangebote, gibt es bei uns sozusagen direkt vor der Tür und sprechen für die Stadt. Außerdem ist Karlsruhe eine Stadt der kurzen Wege, gerade jetzt, nachdem die Kombilösung fast komplett fertiggestellt wurde", meint Glania.

Das Logo der Industrie- und Handelskammer (IHK).
Das Logo der Industrie- und Handelskammer (IHK). | Bild: Marijan Murat/dpa/Archivbild

Die Weichen seien in Karlsruhe auf jeden Fall gut für die Zukunft gestellt. Gerade im Bereiche Engineering sei Karlsruhe bestens aufgestellt. "Mit den Absolventen vom KIT und den anderen Hochschulen kommen viele Menschen mit (natur-), wissenschaftlichen und technischen Kompetenzen auf den Arbeitsmarkt. Hier ist Karlsruhe mit einer Fülle von Menschen bestens aufgestellt. Da IT, IT-Sicherheit und Digitalisierung durch alle Branchen eine immer größere Rolle spielen, haben solche Unternehmen in Karlsruhe gute Startmöglichkeiten und große Wachstumschancen."

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Allerdings müssten sich Unternehmen darauf einstellen, die richtigen Köpfe zu finden und dann zu halten. Damit wären wir dann bei den Nachteilen des Standortes Karlsruhe angekommen. Denn: Aus diesen Stärken würden sich auch einige Schwächen ergeben, wie Glania weiter erklärt.

Aus Stärken ergeben sich Herausforderungen

"Unsere Stärken führen leider auch zu Herausforderungen", so der IHK-Geschäftsführer. "Karlsruhe wächst und platzt aus allen Nähten. Es fehlt uns an Wohn- und Gewerbefläche und an Fachkräften. Das ist aktuell die Kehrseite des Wachstums, wir kommen einfach nicht hinterher. Dies ist ein Engpass, den man nur langfristig überwinden kann."

IHK-Neujahrsempfang 2020
Bild: Hammer Photographie

Hinzu kommt: Die von Stadtverwaltung und Gemeinderat beschlossenen Erhöhung von Grund- und Gewerbesteuer. "Steuererhöhungen sind nie gut für die Wirtschaft und senden ein falsches Signal gerade an die Unternehmen, die gerade so durch die Krise gekommen sind und nun versuchen, sich am Markt zu halten. Viele haben unter der Corona-Pandemie enorm gelitten und dann allen noch Steuererhöhungen aufzubürden, ist kein gutes Signal."

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Karlsruhe und sein Haushalt seien schon immer darauf angewiesen, dass die Steuerquellen konstant und kräftig sprudeln, was für eine solch reiche Stadt keine gute Situation sei. "Man lebt auf einem hohen Niveau und hat viele Ausgaben, die es in der Krise schwer machen, über die Runden zu kommen", sagt Glania.

Seiner Meinung nach sei nun eine schnelle Haushaltskonsolidierung angesagt, die die Stadt bereits eingeleitet hat. "Es ist kein leichter Prozess, aber wir sind in einer Situation, in der es dringend nötig ist."

Beispiel Kaiserstraße

Wie sehr die Unternehmen durch die Corona-Krise gelitten haben, lässt sich aktuell auch an der Kaiserstraße ablesen. Einige Traditionshäuser wie das Café Emaille oder das Schuhhaus danger haben ihre Zelte abgebrochen. Dafür sprudle es an Burger- und Dönerläden, Nagelstudios oder Leerstand, meinen die Kritiker. Ein wirkliches Erlebnis sei die Kaiserstraße nicht. Auch Glania blickt mit Sorge auf die Fußgängerzone.

Die obere Kaiserstraße - Verwaist oder beliebt?
Bild: Lars Notararigo

"Es ist eine herausfordernde Situation. Die Geschäfte der Kaiserstraße haben aufgrund der Baustellen einiges hinter sich und es wird nun Zug um Zug erneut auf der Kaiserstraße gearbeitet. Dies sollte möglichst zügig und gut kommuniziert über die Bühne gehen und wir sind überzeugt, mit den richtigen Konzepten kann man eine zukunftsfähige, attraktive Innenstadt gestalten. Es ist aber kein Selbstläufer", mahnt Glania.

Aufgrund der Pandemie und der aktuell hohen Inflation sei die Kauflaune bei den Karlsruhern im Moment recht gering. Dementsprechend hätten es Gastronomie, Handel oder Hotellerie im Moment schwer in Karlsruhe. "Die Konzepte gehen in die richtige Richtung und die Stadt muss beispielsweise weiter verkaufsoffene Sonntage und Feste ermöglichen, um immer wieder einen Anreiz zu setzen, um in die Stadt zu kommen."

Die obere Kaiserstraße - Verwaist oder beliebt?
Bild: Lars Notararigo

Dennoch bliebe die Situation für "personalintensive Branchen" schwieriger als für andere. "Die Situation ist verschärft. Es fehlen nicht nur Fachkräfte, sondern auch Arbeitskräfte. Es wird aktuell händeringend nach Menschen gesucht, die anpacken wollen und zuverlässig sind. In der Pandemie gab es eine Verlagerung aus diesen Branchen heraus und das Arbeiten an Wochenenden und bis in die späte Abendstundenwird gescheut. Hinzu kommt das auch innerhalb der Gastronomie enorm abgeworben wird."

Karlsruhe Top oder Flop? "Es kommt darauf an"

Doch was bleibt nun? Karlsruhe ist als Standort sicher für einige Unternehmen interessant, es kommt aber in der aktuellen Situation enorm auf die Branche an. Während es um die IT in Karlsruhe gut bestellt ist, ist die Situation für Gastronomen weniger schön.

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"Auch im Einzelhandel kommt es auf das Geschäftsmodell an. Textil- und Modehändler haben eine enorm schwere Zeit hinter sich, genau wie die Elektronikmärkte. Während Bio- oder Lifestyleprodukte – zumindest vor dem Ukraine-Krieg - einen regen Anklang fanden." Ist Karlsruhe also ein guter oder eher schlechter Standort für ein Unternehmen?

Die Antwort von Glania: "Insgesamt ein starker, guter Standort – aber jedes Unternehmen muss genau hinsehen, was es konkret braucht und wie das Geschäftsmodel zum Standort passt."