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Karlsruhe Uber, Inge's und Co.: Fahrdienst-Apps - echte Konkurrenz für die Karlsruher Taxi-Branche?

Taxi fahren - eine komfortable, aber auch teure Art der Fortbewegung. Um diesen offenkundigen Nachteil zu umgehen, entstehen immer wieder alternative Mietwagen-Angebote, die damit werben, billiger und per App einfacher buchbar zu sein. Aber auch die Corona-Pandemie setzt der Taxi-Branche zu. Was sind die momentanen Herausforderungen für Karlsruher Taxi-Unternehmen?

Flexibel per App zu bestellen, günstige Preise, die vor der Buchung angezeigt werden - damit werben viele Taxi-Alternativen. Die bekannteste von ihnen ist Uber. Welche Mietwagen-Optionen gibt es in Karlsruhe und wie funktionieren diese Systeme? Wie stark machen sie der Karlsruher Taxi-Branche Konkurrenz? Oder kämpft diese Branche mit ganz anderen Problemen?

Deutsche Gesetzeslage spricht nicht für Uber

Der wohl bekannteste Konkurrent für Taxi-Unternehmer weltweit ist Uber, ein US-amerikanisches Unternehmen mit milliardenschweren Umsätzen. Das ursprüngliche Konzept, das Uber in anderen Ländern auch noch verwendet, basiert darauf, dass Privatpersonen mit eigenem Auto vermittelt werden. Sie holen den Fahrgast am per GPS übermittelten Startpunkt ab und bringen ihn zum Zielort. Das gesamte Ortungs- und Bezahlverfahren wird über die App abgewickelt.

Die Uber-App auf einem Smartphone.
Die Uber-App auf einem Smartphone. | Bild: Oliver Berg/dpa/Archivbild

Dieses Konzept, "UberPop" genannt, war zwar in vielen Teilen der Welt revolutionär, stieß in Deutschland allerdings schnell an die Grenzen unseres Personenbeförderungsgesetztes. Im Mai 2015 musste Uber es daher deutschlandweit einstellen. Aktuell bietet Uber mit Berlin, Hamburg, München, Frankfurt am Main, Köln, Düsseldorf, Stuttgart und Duisburg in acht deutschen Großstädten verschiedene Vermittlungsdienste von Mietwagen- und Taxiunternehmen mit lizensierten Fahrern an.

 

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Karlsruhe allerdings sucht man in dieser Liste vergeblich, der nächstgelegene Standort ist die Landeshauptstadt Stuttgart. Doch warum gibt es Uber (noch) nicht in Karlsruhe?

Uber in Karlsruhe - Plan oder Wunschdenken?

"Deutschland ist einer der wichtigsten Märkte für Uber in Europa. Deswegen arbeitet Uber daran, seinen Service perspektivisch auch in weiteren deutschen Städten anzubieten. Wir können allerdings noch nicht sagen, welche Städte dies sein werden", antwortet Uber-Sprecherin Meike Ostermeier auf Anfrage von ka-news.de. Pläne für Uber nach Karlsruhe zu expandieren gibt es also nicht - zumindest keine öffentlich bekannten. Doch woran könnte es liegen, dass Karlsruhe als Markt von Uber noch nicht angepeilt wurde?

"Uber schaut auf die Bevölkerungszahlen, aber auch auf Faktoren wie die Zuverlässigkeit und Bezahlbarkeit von existierenden Verkehrsoptionen", antwortete Billy Guernier, Leiter von Ubers Expansions-Team der amerikanischen Ostküste, in einem Interview mit dem Vice-Magazin vom 26. Mai 2016 auf die Frage, nach welchen Kriterien Uber seine Standorte auswählt.

Thomas Laschuk, Vorsitzender des Taxi-Verbands Deutschland, hält Mietwagen-Alternativen in Karlsruhe für keine große Konkurrenz zu herkömmlichen Taxis. | Bild: privat

Anhand dieser Kriterien kann man in gewisser Weise zumindest erahnen, warum Karlsruhe momentan kein angestrebter Standpunkt für Uber ist: Im Verhältnis zu den deutschen Großstädten, in denen der Dienst vertreten ist, ist Karlsruhe relativ klein. Auch das gut ausgebaute Angebot des öffentlichen Nahverkehrs spricht eher gegen den Bedarf einer zusätzlichen Taxi-Alternative in der Fächerstadt.

So sieht das auch Thomas Laschuk, Vorsitzender des Taxi-Landesverbands TVD Baden-Württemberg : "Wir haben so einen starken ÖPNV, dass gar nicht so viele Taxis gebraucht werden", erklärt er im Gespräch mit ka-news.de.

"Ich bin da eher entspannt"

Um Konkurrenz durch Mietwagenalternativen wie Uber oder die regionale Taxi-Alternative "Inge's", die seit 2019 ihre Fahrdienste in Karlsruhe anbietet und Anfang 2020 den insolventen Anbieter "Minicar" ablöste, macht sich Laschuk keine großen Sorgen. "Ich bin da jetzt eher entspannt", äußert sich der Besitzer eines eigenen Taxi-Unternehmens. Solche Alternativen nehmen den klassischen Taxi-Unternehmen keine nennenswerte Zahl an Kunden weg, so Laschuk.

Bild: Lukas Hiegle

Inge's hat ein ähnliches Konzept wie Uber Deutschland: Per App oder Anruf kann ein Mietwagen direkt oder zu einem bestimmten Zeitpunkt gebucht werden. Der Markt zwischen den beiden konkurrierenden Taxi-Zentralen sei in Karlsruhe aber gut aufgeteilt, so Laschuk. "Und die anderen können auch nur mit Wasser kochen. Die Alternativen müssen ja auch von etwas leben."

Alternativ-Angebote bieten keine starke Konkurrenz

Der Preis spiele bei Taxi-Fahrten nur sekundär eine Rolle: "Klar, man muss sich eine Taxi-Fahrt leisten können, aber auch Taxi-Alternativen muss man sich leisten können - und die sind teilweise auch teurer als ein Taxi."

Selbsternannte Billig-Anbieter von Taxi-Diensten oder ein eventuelles zukünftiges Angebot von Uber in Karlsruhe sieht Laschuk nicht als Gefahr für die Branche. Kunden würden sich zwar von Billig-Angeboten anlocken lassen, "sie merken aber früher oder später, dass es gar nicht so viele Vorteile gibt", so der Besitzer eines Taxi-Unternehmens. "Wer ein Taxi braucht, zahlt auch gerne dafür." Auch E-Roller würden die Taxi-Stammkundschaft kaum tangieren.

"Die größte Krise, die wir je hatten"

Ein viel enormeres Problem für die Taxi-Branche stelle dagegen die Corona-Pandemie dar. Die Auswirkungen seien "brutal", so Laschuk gegenüber ka-news.de. "Zu Beginn der Krise wurden nur noch zehn bis zwanzig Prozent des normalen Umsatzes gemacht. Das komplette Geschäft ist weggebrochen." Im Laufe des Sommers habe sich die Lage etwas verbessert, trotzdem kam die Branche auf höchstens 60 Prozent des Vorkrisen-Umsatzes.

Bild: Lukas Hiegle

Besonders nachts lief das Geschäft aber weiterhin extrem schlecht, hier lag der Umsatz zwischen 20 und 30 Prozent, so Laschuk. Ein brachliegendes Nachtleben und viele Firmen, die sich größtenteils im Home-Office befinden - das macht Taxifahrern wirklich zu schaffen.

Ein zweiter Schlag sei aber die erneute Verschärfung der Maßnahmen im November gewesen, so Laschuk. Die Schließung von Gastronomie und Freizeiteinrichtungen, das Verbot von Unterhaltungsveranstaltungen sowie die generellen Einschränkungen von Kontakten in der Öffentlichkeit treffen die Branche sehr hart.

Zweiter Lockdown verschlechtert die Lage enorm

"Es geht uns fast noch schlechter als im März und April", so Laschuk. "Nachts ist nichts mehr los, null. Man kann nirgendwo mehr hin und wir merken auch, dass die Leute generell wieder mehr Angst haben. Das schafft massive Probleme bei uns."

Ein weiteres großes Problem: Anders als im März gebe es momentan keine finanziellen Soforthilfen für Taxi-Unternehmen, erklärt Laschuk weiter: "Wir sind da gerade auch im Gespräch, aber wir fühlen uns momentan ziemlich abgehängt."

Entlassungen und Kurzarbeit machen daher auch vor dieser Branche nicht halt. Laschuk zeigt sich erschüttert: "Ich fahre seit 35 Jahren Taxi, bin seit zehn Jahren Vorsitzender im Taxi-Verband und das ist die größte Krise, die wir je hatten. Schlimmer als der Abzug der Amerikaner und die Umstellung auf den Euro. So massiv habe ich das in 35 Jahren noch nicht erlebt!"

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  •   hambi
    (531 Beiträge)

    18.11.2020 08:11 Uhr
    Traumberuf Uber-Fahrer
    Tolle Sache das... "hochdotierte" Jobs - noch so einen moderne Form von Ausbeutung ..
    https://www.nzz.ch/wirtschaft/wieviel-verdient-ein-uber-fahrer-ld.1363315

    Erstaunlich, daß es Leute gibt, die so was gutheißen traurig
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  •   107
    (587 Beiträge)

    18.11.2020 06:18 Uhr
    UBER, INGE´S & Co. sind so überflüßig wie ein Kropf.
    Weltweit
    und
    ganz besonders im "Mekka der Straßenbahnen".
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  •   Route66
    (2829 Beiträge)

    17.11.2020 19:13 Uhr
    Taxifahrer
    verdienen sowieso nicht viel und man kann sich ausrechnen was Uberfahrer bekommen. Aber Geiz ist ja bekanntlich geil, bis es einem irgend wann mal selbst trifft.
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  •   myopinion
    (63 Beiträge)

    17.11.2020 06:08 Uhr
    ich bin für den Wettbewerb
    Taxi hat alle Konkurenten in Karlsruhe (Minicar) mit Hilfe der Politik platt gemacht. Ein Quasimonopol. Das MUSS gebrochen werden. Ich bin für UBER, INGE´S und Co.
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  •   andip
    (10710 Beiträge)

    17.11.2020 08:22 Uhr
    Ja klar
    Die pösen Politiker wieder mal, die sind ja an allem schuld, was man in seinem eigenem Leben selber verbockt hat.
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  •   myopinion
    (63 Beiträge)

    17.11.2020 14:11 Uhr
    eine sehr sinnvolle
    Erwiderung
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