Die Technologieregion Karlsruhe gründete sich als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) im Jahre 1987. Gründungsgesellschafter waren neun Kommunen - inzwischen sind es 16 Städte und Landkreise, fünf Unternehmen, zwei Kammern und zwei Wissenschaftseinrichtungen. Seit 2006 ist mit Beitritt der Südpfalz die Technologieregion auch bundeslandübergreifend tätig.

Jochen Ehlgötz war von 2007 bis 2017 Leiter der Stabsstelle Außenbeziehungen der Stadt Karlsruhe. Seit dem 1. Juni 2017 ist er hauptamtlich als Geschäftsführer der am 7. April gegründeten TRK GmbH bestellt. Er war bereits zuvor Geschäftsführer der TRK GbR.

Herr Ehlgötz, wie kam es zum Entschluss der Umwandlung der TRK von einer GbR zu einer GmbH?

Diese Entwicklung ist ein längerer Prozess gewesen, angestoßen wurde er vor rund 1,5 Jahren durch den europäischen Wettbewerb RegioWin. Hier arbeiteten öffentliche Hand, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen - die Teilnahme war eine Initialzündung. Man merkte, wenn man zusammen arbeitet, dann kann daraus was werden. Der Erfolg im Wettbewerb hat dazu geführt, dass die Kommunen sich entschlossen haben, auf Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen zuzugehen und sie für regionales Management zu gewinnen.

Die Technologieregion Karlsruhe ist die Institution, die von der Region getragen wird und für die Region wirkt. Es ist mein Ziel, die wirtschaftliche und technologische Entwicklung der Region weiter zu beschleunigen, wissen, dass die Herausforderungen Globalisierung, Digitalisierung, demographische Entwicklung und internationaler Wettbewerb die entscheidenden Stellgrößen sind.

Welche Vorteile bietet die neue Rechtsform der GmbH gegenüber der GbR?

Das Innovationsdreieck Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung wurde institutionalisiert: Der Kontakt zwischen den Institutionen kann besser gepflegt werden; dadurch können wiederum entsprechende Ideen und Innovationen besser auf den Weg gebracht werden.

Weiterhin hat sich die TRK hat sich mit der Umwandlung räumlich von der Stadtverwaltung losgelöst: Die Geschäftsräume sind im Technologiepark in der Emmy-Noether-Straße 11 untergebracht. Damit sind wir raus aus dem Rathaus und sehr nahe an den Unternehmen der Wirtschaft und Wissenschaft, wie dem Campus Ost des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).

Hinzu kommen inhaltliche Vorteile: Die neuen Gesellschafter bringen ihr jeweiliges Kompetenzprofil ein und es eröffnen sich neue finanzielle Spielräume.

Von welcher finanziellen Größenordnung sprechen wir zirka?

Die kommunalen Beiträge belaufen sich in der Summe auf 550.000 Euro. Wir streben an, zu jedem öffentlichen Euro noch einen privaten Euro zu gewinnen. Sodass wir künftig mit einem Jahresbudget von einer Million Euro arbeiten können. In der TRK GbR belief sich das Jahresbudget auf 500.000 bis 550.000 Euro.

Wie wirkt sich die TRK konkret auf den Bürger in der Region Karlsruhe aus?

Das betrifft verschiedene Aspekte: Was die TRK in ihrer Neuaufstellung erreichen möchte, ist, dass der Wirtschafts- und Innovationsstandort Karlsruhe und Region weiter nach vorne gebracht wird und im Wettbewerb der Regionen bestehen kann. Der Erhalt und Ausbau des Standorts fließt in die Lebensqualität in der Region ein und kommt meines Erachtens nach jedem Bürger und jeder Bürgerin zugute. Wir möchten mit Pilotprojekten in den Bereichen Energieeffizienz, Quartiersentwicklung und weiteren Leuchtturmprojekte schaffen, die die Kompetenzen der Region einerseits aufzeigen und andererseits unmittelbaren Nutzen für die Menschen haben.

Welchen wirtschaftlichen Herausforderungen muss sich die TRK in den kommenden Jahren stellen?

Wir müssen uns auf Themen fokussieren. Mit der Gründung der GmbH findet eine thematische Fokussierung auf die vier Kernbereiche Digitalisierung, Mobilität, Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) und Energie statt. Unsere Stärken liegen insbesondere in der Schnittmenge der Themenbereiche. In den Einzelbereichen sind viele stark - wir glauben, dass wir in der Kombination der Stärken etwas Besonderes vorzuweisen haben.

Mit der GmbH-Gründung steht uns ein schlagkräftiges Instrument im Wettbewerb mit anderen Regionen zur Verfügung: Je größer der Kapitalstock wird, desto mehr Maßnahmen können wir verwirklichen. Mein Ziel ist es, die Verankerung der TRK noch stärker in die Region hinein zu tragen und weitere Partner und Gesellschafter zu gewinnen.

Was steht konkret auf der Agenda der kommenden Jahre, um die TRK zu stärken und weiter voranzubringen?

In den nächsten Monaten werden wir eine Energiestrategie erarbeiten: Wie stellt sich die Region in Hinblick auf Energieerzeugung, -verteilung und -sicherheit in den kommenden Jahren auf?  Dieses Projekt läuft in Zusammenarbeit mit zahlreichen Partnern aus der Region.

Wir wollen nicht nur eine Strategie verfolgen, sondern auch das ein oder andere konkrete Projekt in den kommenden Jahren realisieren: So soll beispielsweise die Kommunikationsstrategie der Region deutlich verbessert werden: sowohl nach außen als auch nach innen. Die verstärkte Markenkommunikation soll auf unterschiedlichen Ebenen neu auf den Weg gebracht werden - dabei werden wir auch neue Kommunikationskanäle wie die sozialen Medien Facebook, Twitter und Co. nutzen.

Wird die TRK also ein eigenes Marketing betreiben?

Wir werden ein entsprechendes Marketing nach innen und außen betreiben, um weitere Investitionsflüsse einzubringen, die Neuansiedlung oder Ausbau von Unternehmen zu fördern und den Prozess der Fachräftegewinnung durch ein Welcome Center zu unterstützen. Öffentlichkeitswirksam werden wir die TRK als Standort auf Messen - wie jüngst in Montréal - mit Fokus auf Mobilität, Energie, Digitalisierung und IKT präsentieren.

Gibt es vergleichbare regionale Zusammenschlüsse in Deutschland?

In dieser Kombination, dass sich im Rahmen einer GmbH öffentliche Hand, Wirtschaft und Wissenschaft organisiert ist meines Wissens nach einmalig.

Sie haben drei Wünsche für die TRK frei: Was würden Sie sich wünschen?

Ich wünsche mir, dass die TRK in fünf bis zehn Jahren den Aufmerksamkeitswert hat, der ihr zusteht. Dass sie sowohl in der öffentlichen Wahrnehmung sichtbarer wird, als auch in fachlichen Gremien und in der politischen Landes-, Bundes- und Europaebene wahrgenommen wird. Das ist noch deutlich verbesserungswürdig.

Ich wünsche mir weiterhin, dass die Menschen in der Region, die Unternehmen, und Wissenschaftseinrichtungen sich als wichtigen Bestandteil der TRK verstehen und als Botschafter nach außen auftreten.

Und ich wünsche mir, dass die Region im Hinblick auf Innovation und wirtschaftliche Entwicklung noch stärker und noch dynamischer wird.

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