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Karlsruhe IT-Stadt Karlsruhe: "Die Firmen könnten locker alle Informatik-Absolventen nehmen"

Karlsruhe sieht sich gern als Stadt der Erfinder. Dabei erinnert sie stets an Pioniere der Mobilität wie Carl Benz und Karl Drais. Doch eigentlich ist im Zeitalter des Internets interessanter, dass das mobile Internet in Karlsruhe am KIT erfunden wurde. Mit dieser will die dortige Informatik-Fakultät mehr jungen Leuten ein Studium schmackhaft machen. Denn Arbeitsplätze gebe es für Informatiker in der Fächerstadt genug, sagt Michael Beigl, Prodekan der Fakultät für Informatik am KIT, im ka-news-Interview.

Herr Beigl, wie beliebt ist die Informatik bei den Karlsruher Studenten?
In den letzten Jahren haben wir einen deutlichen Anstieg bei der Anzahl der Neueinschreibungen festgestellt. Das war nicht immer so. Vor rund vier Jahren waren die Zahlen sehr stark zurückgegangen. Dieser Effekt war wahrscheinlich der Einführung von Studiengebühren geschuldet. Das haben daher auch andere Unis erfahren müssen. Zudem hatten viele Schüler ein diffuses Bild von der Informatik und haben sich gegen das Studium entschieden.

Von 2010 auf 2011 hatten wir dann einen Zuwachs von 40 Prozent, von 2009 auf 2010 auch bereits 25 Prozent. Momentan haben wir über alle Informatik-Studiengänge gerechnet zirka 2.300 Studierende - fast 90 Prozent davon sind männlich, obwohl das Studium auch für Frauen sehr attraktiv ist. Im Wintersemester 2011/2012 haben 520 Neuanfänger mit dem Studium im Informatik-Bachelor begonnen. Wir würden uns auch über 650 Neuanfänger freuen. Im Studiengang Informationswirtschaft, der Deutschland weit einmalig ist und Informatik, Wirtschaftswissenschaften und Rechtswissenschaft vereint, haben wir rund 700 Studierende. Zirka 220 davon haben im Wintersemester 10/11 begonnen.

Wer Informatik studiert, schließt das Studium auch ab?
Rund 60 Prozent der Studienanfänger schaffen es bis zum Diplom beziehungsweise zum Master. Es gibt natürlich diejenigen, die dem Ruf des Geldes folgen, ein eigenes Unternehmen gründen oder in die Industrie abwandern, ohne einen Abschluss zu machen. Es gibt aber auch diejenigen, die das Studium schon am Anfang abbrechen, weil sie mit dem Stoff nicht zurechtkommen oder sich unter dem Informatik-Studium etwas anderes vorgestellt haben. Wir würden uns wünschen, dass mehr Studierende ihr Studium auch wirklich abschließen. Deshalb haben wir auf der einen Seite eine intensive Betreuung mit Tutorien, in denen sich die Studierenden mit dem Stoff aus den Vorlesungen gesondert auseinandersetzen, auf der anderen Seite aber auch eine frühe Orientierungsprüfung, um den Studierenden frühzeitig Orientierung zu geben, ob die Informatik das für sie richtige Studienfach ist. Die Studierenden müssen vor allem selbstständig arbeiten lernen. Denn Selbstdisziplin und Selbstmotivation sind Eigenschaften, die die Industrie von Führungskräften verlangt. Wir bilden keine Programmierer aus, sondern die Architekten der digitalen Zukunft.

Wie begehrt sind Ihre Studenten auf dem Arbeitsmarkt?
Die Absolventen sind massiv begehrt. Nach ihrem Abschluss können sie sich ihren Arbeitgeber aussuchen. Weil die Firmen wissen, wie schwierig es ist, hervorragendes Personal zu bekommen, versuchen viele mit den Studierenden schon während des Studiums eine Bindung aufzubauen. Mittlerweile gibt es für die besten Studierenden mit Interesse an der Industrie den "Software Campus", an dem das KIT federführend beteiligt ist. Darin entwickeln die Teilnehmer IT-Forschungsprojekte, bei denen sie sowohl mit Firmen, als auch mit den Hochschulen zusammenarbeiten. Sie verfolgen also weiter ihre akademische Ausbildung und werden gemäß der Strukturen der jeweiligen Firma geschult.

Karlsruhe sieht sich selbst als IT-Stadt. Ist sie das tatsächlich?
Ja, in der Tat. Wir haben hier einen sehr großen Anteil an innovativen Mittelständlern mit enormem Wachstumspotential. Viele dieser Firmen entwickeln Komponenten für große Firmen und treten so für die breite Öffentlichkeit gar nicht in Erscheinung. Viele Innovationen bei großen Firmen stammen eben von diesen Mittelständlern. Karlsruhe kann außerdem von der Beliebtheit der Smartphones und des mobilen Internets profitieren. Denn das mobile Internet und die damit verbundenen Konzepte wurden hier am KIT erfunden.

Wie sieht der Arbeitsmarkt für Informatiker in Karlsruhe aus? Bleiben die Absolventen in der Stadt?
Die Hälfte der Absolventen bleibt in der Region Karlsruhe. Die andere Hälfte geht in andere deutsche Städte oder auch ins Ausland. Das hat aber nichts mit den verfügbaren Stellen zu tun. Karlsruhe könnte locker alle Informatik-Absolventen des KIT aufnehmen. Doch selbst dann gäbe es deutlich mehr freie Stellen als Informatik-Absolventen. Die hohe Nachfrage nach sehr gut ausgebildeten Informatikern liegt daran, dass immer mehr Produkte oder tägliche Dienstleistungen informatisiert werden. Zum Beispiel wurde vor zirka 30 Jahren der erste Mikrochip in Autos eingebaut. Bald werden 50 Prozent des Wertes eines Autos durch Elektronik und Software bestimmt sein.

Die Fragen stellte Sandra Schneider

Auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle? Oder auf der Suche nach neuen Mitarbeitern? Nicht nur in der Selbstständigkeit gibt es Karrierechancen, auch auf dem Arbeitsmarkt, der derzeit viele offene Stellen bietet. Deshalb hat ka-news seinen Stellenmarkt ausgebaut: Jetzt haben Unternehmen die Möglichkeit auf der ka-news Karrierelounge eigene Firmenprofile anzulegen und sich so als Wunsch-Arbeitgeber zu präsentieren - auch unabhängig von konkreten Stellenausschreibungen. Über den Tag verteilt beschäftigt sich ka-news deshalb mit dem Thema Beruf und Karriere Direkt zur Karrierelounge geht es hier entlang.

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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    06.09.2012 01:20 Uhr
    In 'dem' Artikel
    kommt hoffentlich auch nicht vor. Das wär auch Schülerzeitungsniveau. zwinkern
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  •   tessarakt
    (2356 Beiträge)

    06.09.2012 00:46 Uhr
    Dann sollen die auch ordentlich zahlen
    "Die Firmen könnten locker alle Informatik-Absolventen nehmen"

    Jaja, bla bla.

    Aber deutlich weniger als 55k für einen C++-Entwickler zahlen wollen und deshalb sogar ein angesetztes Vorstellungsgespräch wieder absagen.

    Irgendwas passt da nicht zusammen.

    Und @ka-news: Jemanden einfach mal völlig unkritisch plaudern lassen, ist noch lange kein Interview.
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    06.09.2012 00:53 Uhr
    Wieso
    sollte es kein Interview sein jemanden plaudern zu lassen?
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  •   tessarakt
    (2356 Beiträge)

    06.09.2012 01:04 Uhr
    Beispiel:
    In dem Artikel kommt weder das Wort "Exzellenz" noch das Wort "Elite" vor.

    "Wirkt sich der Verlust des Exzellenz-Status aus?" hätte man doch fragen können.
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  •   tessarakt
    (2356 Beiträge)

    06.09.2012 00:55 Uhr
    Jo
    Schülerzeitungsinterview halt.
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