Immer mehr Menschen haben in Karlsruhe kein Dach mehr über dem Kopf. 2011 stufte die Stadt  noch 235 Personen als wohnungslos ein. Seither ist die Zahl der Menschen ohne festen Wohnsitz kontinuierlich gestiegen und lag 2016 bei 579 Menschen - darunter 115 Kinder. Damit hat sich die Zahl der Obdachlosen in Karlsruhe in gerade einmal fünf Jahren mehr als verdoppelt. Und eine Entspannung der Lage ist nach Einschätzung der zuständigen Behörden derzeit auch nicht absehbar. 

Steigende Mieten, nicht ausreichend Sozialwohnungen

Ein Blick auf die Zahlen der vergangenen Jahre zeigt: Die meisten Wohnungen werden in Karlsruhe aufgrund von Mietrückständen geräumt. Mietwidriges Verhalten oder Kündigungen aufgrund von Eigenbedarf spielten hier von 2005 bis 2016 eine eher untergeordnete Rolle. 

 

Die Mieten in Karlsruhe tragen ihren Teil zu dieser Entwicklung bei. "Mietrückstände entstehen zum Beispiel durch besondere soziale Schwierigkeiten der Mietschuldner, jedoch auch zunehmend auch durch teure Mieten, die die wirtschaftlichen Verhältnisse der Mieter übersteigen", so die Erklärung der städtischen Sozial- und Jugendbehörde.

Hinzu komme die Schwierigkeit, nach Verlust des Arbeitsplatzes eine günstigere Wohnung zu finden und dort einzuziehen. Ebenfalls ein Problem: Bei einer Eigenbedarfskündigung gelingt es vielen Betroffenen nicht, rechtzeitig eine neue Wohnung zu finden. Vor allem ältere und kranke Menschen sind nach Angaben der Stadt betroffen. Was hat zu dieser Entwicklung geführt? 

Im Sachstandsbericht zum "Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe" werden gleich mehrere Ursachen aufgeführt. Im Segment der Wohnungen, die sich Gering- und Normalverdiener leisten können, ist nach ein Einschätzung der Behörde ein "massiver Versorgungsengpass" entstanden. Der Stillstand des Sozialen Wohnungsbaus in den vergangenen Jahren habe dazu geführt, dass vor allem Alleinerziehende, Familien mit geringerem Einkommen und Menschen mit Migrationshintergrund große Probleme bei der Wohnungssuche hätten. Auch Wohnbaugesellschaften sind da oft keine Hilfe. Die Wartelisten sind laut Bericht sehr lang, manchmal sind die Wartezeiten jahrelang. 

Stadt will mit Maßnahmen gegensteuern

Die Stadt will bei dieser Entwicklung aber nicht tatenlos zusehen. So soll beispielsweise das Team der Prävention der Fachstelle Wohnungssicherung Betroffenen Hilfestellung geben. "Die Fachstelle versucht unter Ausschöpfung aller rechtlichen Möglichkeiten zu verhindern, dass Menschen wegen einer Kündigung oder einer Räumungsklage ihre Wohnung verlieren", so die Sozialbehörde in ihrem Bericht. Im Jahr 2016 konnte die Stelle nach eigener Aussage 210 Mietverhältnisse sicherstellen.

Ein Mittel: Mietsicherungen. Durch die Abtretung der eigenen Einkünfte in Höhe der Monatsmiete an das Präventionsteam der Fachstelle und die Weiterleitung dieser Einkünfte an den Vermietern soll verhindert werden, dass es überhaupt zu Rückständen kommt. 

Zudem versucht die Stadt im Rahmen des Programms "Wohnraumakquise durch Kooperation", neuen privaten Wohnraum für Menschen zu finden, die ihre Wohnung bereits verloren haben oder von Obdachlosigkeit bedroht sind. Die Stadt erwirbt hierfür bei privaten Vermietern ein Belegrecht für zehn Jahre. Der Vermieter erhält dann für die Wohnung einen Zuschuss. Darüber hinaus kooperiert die Fächerstadt mit mehren Partnern wie etwa der Volkswohnung. 

Verschiedene Angebote für Obdachlose in Karlsruhe finden Sie in unserer ÜbersichtWeitere Informationen zu Maßnahmen und Hilfsangeboten der Stadt finden Sie im "Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe '97" (Link führt auf externe Seite).