Browserpush
28  

Karlsruhe Verhindert der Karlsruher Gemeinderat die Staatstheater-Sanierung? Am Dienstag fällt die Entscheidung

Es ist fast wie bei "täglich grüßt das Murmeltier": Nachdem das Projekt "Sanierung und Modernisierung des Badischen Staatstheaters" in der vergangenen Gemeinderatssitzung von der Liste verschwand, soll nun am Dienstag endlich über das Thema abgestimmt werden. Der Kern dabei: Das Projekt soll nicht nur teurer werden, sondern auch in der Umsetzung mehr Zeit in Anspruch nehmen - dazu will die Verwaltung die Zustimmung der Stadträte. Das Problem: Je länger sich das Projekt hinzieht, desto teurer kann das Vorhaben werden - angesichts der aktuellen Haushaltslage eine besonders knifflige Angelegenheit.

Das Badische Staatstheater gehört zu den finanziellen Sorgenkindern der Fächerstadt. Was einst bei 125 Millionen Euro Sanierungskosten begann, hatte sich zwischenzeitlich auf 325 Millionen, inzwischen aber auf rund 580 Millionen hochgesteigert. Vor diesem Hintergrund soll der Gemeinderat nun erneut seine Zustimmung zur Fortsetzung des Projektes geben. Welche Punkte umfasst die Beschlussvorlage dabei genau?

Bebauungsplan "Baumeister-, Finter-, Ettlinger, Kriegs- und Meidingerstraße“

Zum einen Bedarf es der Zustimmung zu dem Bebauungsplan, der bereits im vergangenen Monat eigentlich zur Abstimmung gebracht werden sollte. Dieser beinhaltet neben zwölf Jahren Bauzeit auch, dass die Baufläche fast sämtliches Grünarsenal verlieren wird, um Platz für den Bau selbst zu schaffen.

Dateiname : Staatstheater Entwurf
Dateigröße : 959.76 KBytes.
Datum : 17.05.2021 14:11
Download : Download Now!

Des Weiteren wird darin geschildert, wie der Bau möglichst klimaneutral gestaltet werden kann - etwa durch die Installation einer Photovoltaik-Anlage und die Begrünung des Theaterdachs. Auch der Abbau von Parkplätzen wird darin thematisiert.

580 Millionen statt ursprünglich 125 Millionen

Als nächstes gilt es, hinter den Beschluss der Stadtverwaltung einen Haken zu setzen - oder eben nicht. Denn zusammengefasst würden die Fraktionsmitglieder einem Beschluss zustimmen, der sich inzwischen auf rund 580 Millionen Euro aufsummieren würde. 

Von diesen 580 Millionen Euro würde das Land Baden-Württemberg ungefähr die Hälfte übernehmen. Die Idee eines Neubaus soll inzwischen aber vom Tisch sein. Der Grund: Eine Sanierung sei unterm Strich wirtschaftlicher.

Warum diese letztendlich nicht mehr mit den zuvor veranschlagten 325 Millionen Euro möglich sei, erklärt die Stadtverwaltung unter anderem mit einer verlängerten Bauzeit, anfallenden Baunebenkosten, dem eben erwähnten Risikoaufschlag Baupreissteigerungen und der Interimslösung.

Letztere sei mit enormen Aufwand verbunden, da alle Theaterbereiche während der Bauzeit gleichzeitig ausgelagert werden müssten. Darüber hinaus müssen sämtliche Sparten dem Theater erhalten bleiben, da ansonsten die Bezuschussung seitens des Landes wegfalle. 

"Nur" 20 Millionen pro Jahr Mehrkosten

Aus diesem Grund setzt die Stadtverwaltung in der neuen Beschlussvorlage fest, dass der "Aufwand für Interimsunterbringungen möglichst gering gehalten" und die "Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit und des künstlerischen Anspruchs des Staatstheaters" im Blick behalten werden solle.

Des Weiteren solle eine Finanzierungsvereinbarung zwischen Stadt und Land den jährlichen Geldfluss von Karlsruhe regeln. Demnach dürfte ein Betrag von 20 Millionen Euro pro Jahr für das Badische Staatstheater nicht überschritten werden. Laut den Gemeinderats-Unterlagen der Stadt Karlsruhe seien bislang rund 37 Millionen Euro für Planungsarbeiten und Vorwegmaßnahmen ausgegeben worden.

Um weiteren "bösen Überraschungen" entgegenzuwirken, schlägt die Verwaltung außerdem vor, den Gemeinderat halbjährlich über den aktuellen Projektstand zu informieren.

Das badische Staatstheater im Umbau.
Das badische Staatstheater im Umbau. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

FW/Für Karlsruhe fordern Kostendeckel für Staatstheater-Sanierung

Diese mangelnde Sicherheit ist es auch, die die Fraktion der Freien Wähler/ Für Karlsruhe veranlasst hat, einen Änderungsantrag für die Beschlussvorlage einzureichen. "Was uns natürlich stört, ist, die Kostenentwicklung. Denn wir glauben nicht, dass die Kosten bei den 580 Millionen Euro bleiben werden", erklärt der Fraktionsvorsitzende Jürgen Wenzel gegenüber ka-news.de. "Die 700 Millionen, die wir mal vorgelegt haben, sind nicht mehr weit weg."

Jürgen Wenzel
Jürgen Wenzel | Bild: Freie Wähler Karlsruhe

Das Problem sei ihm zufolge nicht nur, dass das Vorhaben immer teurer werde, je länger es dauert, sondern auch die Rohstoffe selbst. Beides zusammen treibe letztendlich die Preise in die Höhe. "Weil man uns schon drei Mal irgendwelche Zahlen erzählt hat, wollen wir jetzt endlich eine Sicherheit mit drin haben", so Wenzel weiter. Das heißt: Insgesamt 311 Millionen Euro sollen von der Stadt für die Baukosten getragen werden, hinzu kommen 65 Millionen Euro für die Außenanlagen. Mehr dürfe die Stadt nicht mehr in die Hand nehmen.

In diesem Zusammenhang kann er auch die Entscheidung der Grünen, sich erst einmal nicht klar zu dem weiteren Vorhaben positionieren möchten, nicht nachvollziehen. "Als größte politische Gruppierung im Gemeinderat hat man eine ganz besondere Verantwortung. Ich finde das nicht gut."

Finanzielle Schenkungen von Projektliebhabern

Des Weiteren schlägt die Fraktion in ihrem Antrag vor, dass Schenkungen und Werbungen für das Projekt angenommen werden sollen. Hier bringt die Fraktion den Theaterbau aus Heidelberg mit ins Spiel, der somit rund 39 Millionen Euro zusätzlich sammeln konnte. Eine Idee auch für Karlsruhe?

Junges Staatstheater "Schwalbenkönig"
(Archivbild) Eine Aufführung im Badischen Staatstheater | Bild: bernadette

Nach Ansicht Wenzels auf jeden Fall. Denn hier könnten Projektliebhaber einspringen, um die Kosten - durch Spenden und Schenkungen - etwas abzufedern. Damit könnten, seiner Ansicht nach, jene Steuerzahler entlastet werden, die selten oder nie das Badische Staatstheater besucht haben. 

"Ich glaube, bei so einem Projekt, das viele Liebhaber hat, sollten diese sich auch einbringen, anstatt über analoge Zeitungen Werbung dafür zu machen, die auch nicht wenig kostet", so die Meinung des Stadtrats. "Wenn Heidelberg es fast auf 40 Millionen Euro geschafft hat, dann dürfen 80 Millionen Euro für Karlsruhe kein Problem sein."

Mehr zum Thema
Karlsruhes Zukunft | ka-news.de: Wohnen, Arbeiten, Freiraum, Klima und Mobilität - Karlsruhe richtet sich mit dem Räumlichen Leitbild strategisch auf die Zukunft aus. Erste Vorhaben und Projekte werden bereits verwirklicht. In diesem Dossier werden die aktuellen Entwicklungen zum Räumlichen Leitbild gesammelt und kritisch beleuchtet.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (28)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   tom1966
    (1702 Beiträge)

    22.06.2021 07:19 Uhr
    Das kann man
    genauso gut über Fußballstadien sagen!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   80er
    (6164 Beiträge)

    21.06.2021 17:19 Uhr
    Nun ja....
    ....Kultur gehört zu Daseinsvorsorge. Jeder Politikwissenschaftler wird erzählen, dass ein Theater über die öffentliche Hand (mit) zu finanzieren ist. Man kann auch die Frage stellen, warum es unbedingt freie W-Lan-Verbindungen im öffentlichen Raum geben muss. Kostenfrei.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Kiwi
    (648 Beiträge)

    21.06.2021 16:38 Uhr
    Hallo froschi
    Ich bin auf Deiner Seite.
    Vor über ½ Jahrhundert hat uns unser Lehrer beigebracht, ich habe es bis heute befolgt und bin gut damit zurechtgekommen.
    Erst das Notwendige – Miete – Energie/Strom – Krankenversicherung usw.
    Dann das Nützliche einen Kühlschrank – eine Waschmaschine usw.
    Dann das Angenehme – ein TV mit Fernbedienung zwinkern und Schöne ein- Theater
    Gruß Kiwi der Altzeitliche
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Posten74
    (3 Beiträge)

    21.06.2021 15:02 Uhr
    Auch ein Theater dient dem Allgemeinwohl
    genaus so wie ein Museum, das im besten Fall für den Besucher spannend sein kann. Und ein Schwimmbad dient nicht nur der Gesundheit, sondern auch dem Vergnügen, wenn auch auf andere Art. Ein Theater tut auch was für die Bildung, man merkt das Sie anscheinend schon lange oder noch nie(?) drin waren. Den sie können in ihm etwas lernen oder zu neuen Erkenntnissen kommen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Posten74
    (3 Beiträge)

    21.06.2021 13:16 Uhr
    Ein Vergnügen
    Ein Museum ist im besten Fall auch ein Vergnügen für die Besucher. Ein Schwimmbad sowieso. Und auch ein Theater leistet einen Beitrag für die Bildung. Scheint aber so zu sein, das du seit Jahren keins von Innen gesehen hast.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Buddha
    (90 Beiträge)

    21.06.2021 12:53 Uhr
    Gute Idee
    Um weiteren "bösen Überraschungen" entgegenzuwirken, schlägt die Verwaltung außerdem vor, den Gemeinderat halbjährlich über den aktuellen Projektstand zu informieren.

    Das sind echt tolle neue innovative Ideen. Ist das bisher nicht erfolgt? Hat eigentlich jeder OB ein natürliches Recht auf sein eigenes Milliardengrab? Wir können und das Ding so nicht leisten. Punkt. Wo bleibt die grüne Bürgerbeteiligung?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   SunCityKA
    (166 Beiträge)

    21.06.2021 09:15 Uhr
    Karlsruhe bekommt...
    ... was es gewählt hat. Es braucht sich doch jetzt ernsthaft niemand wundern.
    Das ganze Projekt stinkt von Anfang an zum Himmel. Der persönliche Herzenswunsch eines generös vergüteten und verantwortungslosen Generalintendanten, wird ihm von seinen Kumpels*innen (m/w/d) in Politik und Kultur "gegönnt", in der Hoffnung, dass der Glanz auch etwas auf sie abstrahlt. Ein großkotziges Prestigeprojekt auf Kosten der Allgemeinheit. Es fehlt in KA an allen Ecken und Enden. Macht sich mal jemand Gedanken darüber auf was vielleicht VERZICHTET werden kann? Wer erstmal bei der Milliarde angekommen ist, für den ist die nächste nur noch eine Mehr. Das Ganze bekommt einen grünen Aufkleber und wird dann noch als "nachhaltig" verkauft. Die Dreistigkeit und Chuzpe mit der eine vermeintlich kulturelle und politische Elite auftritt ist schon famos. Echt ätzend!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   AhmedDerAufklärer
    (757 Beiträge)

    21.06.2021 15:18 Uhr
    Da
    sind viele Bürger kritisch bis dagegen. Ich wäre auch für Bürgerentscheid. Dann kann die Offizielle Theater-Kultur für sich werben und die Bürger für ihre Idee begeistern...
    Aber wenn Du meinst die Schwarzen oder gar die Blauen hätten mehr Ahnung von Finanzen, so hast Du Dich wohl noch nie z.B. mit Maskendeals oder innovativen Formen der Parteienfinanzierung aus dem In- und Ausland befasst zwinkern
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   karlsruher1955
    (1329 Beiträge)

    21.06.2021 11:19 Uhr
    richtig
    ein substatiell völlig korrekter Beitrag, den ich nur zustimmen kann.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   IchKA
    (1201 Beiträge)

    21.06.2021 08:39 Uhr
    Die Dreistigkeit von Mentrup ist kaum zu überbieten
    wenn er dirigistisch behauptet wie zu lesen war, es gäbe keine Bewegung gegen das Theaterprojekt und somit würde ein Bürgerentscheid keinen Sinn machen. Da scheint wohl eher der Wunsch der Vater des Gedankens zu sein, denn ich bin der festen Überzeugung, dass sich ein Bürgervotum haushoch GEGEN das Pseudo-Prestigeprojekt entscheiden würde. Was für skandalöse Zustände. Das Regierungspräsidium hält den Daumen auf den Haushalt. Keiner in der Stadt wird so naiv sein den avisierten Baukosten nur im entferntesten Glauben zu schenken. Wieder ein mal mehr soll mit aller Gewalt und PR Maschine etwas durchgedrückt werden, was im Grunde die wenigsten Bürger wollen, wo es doch gilt vorne und hinten andere Finanzlöcher zu stopfen. Wer so agiert und nicht mal die öffentlich finanzierte Abfindung von Spuhler benennt, dürfte niemals ohne Bürgervotum Großprojekte im GR durchwinken. Transparente Demokratie in diesem Falle ist eindeutig ein Bürgerentscheid ohne die üblichen Mauscheleien.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 (3 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.
ka-news-logo

Es gibt neue Nachrichten auf ka-news.de

Abbrechen