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Karlsruhe Platz für Gewerbe und einen neuen Messplatz: So soll sich der Karlsruher Güterbahnhof entwickeln

Gleise so weit das Auge reicht - das ist der ehemalige Rangierbahnhof im Südosten von Karlsruhe. 1900 erbaut, hat er seine Funktion 2004 als großes Drehkreuz und Umschlagplatz verloren. Seitdem ist es um ihn wortwörtlich still geworden. In ihrem "Räumlichen Leitbild" hat die Stadt Karlsruhe allerdings Zukunftsvisionen für den Rangierbahnhof festgehalten - unter anderem könnte sich dort Gewerbe und sogar ein neuer Messplatz ansiedeln.

Das Räumliche Leitbild ist ein 2016 veröffentlichter Katalog aus strategischen Zielen und konkreten Vorhaben rund um Karlsruhes stadtplanerische Zukunft. Hier ist festgehalten, wie sich die Fächerstadt in verschiedenen Gebieten in den kommenden Jahren verändern könnte - und damit auch der ehemalige Rangierbahnhof.

Doch nicht nur er: Das gesamte, rund 85 Hektar große Areal rund um den Karlsruher Hauptbahnhof soll sich dabei in ein neues "Quartier Bahnhof" verwandeln. Zum Teil wurden hier bereits erste Einzelmaßnahmen umgesetzt, wie die Umgestaltung des "Filetstücks" samt Bahnhofsvorplatz Süd und das Vorantreiben des Fernbusterminals in der Fautenbruchstraße.

"Der Bereich des Rangierbahnhofs stellt die große Unbekannte dar"

Das flächenmäßig größte Projekt aber steht noch aus: Die Neugestaltung des ehemaligen Rangierbahnhofs entlang der Karlsruher Südtangente. Genutzt wird aktuell allein das kleinere, direkt nördlich befindliche und 1999 in Betrieb genommene "Terminal der Deutschen Umschlaggesellschaft Schiene Straße mbH" (DUSS).

Der Umschlagbahn Karlsruhe von oben.
Der Umschlagbahnhof Karlsruhe von oben. Rechts daneben der Rangierbahnhof. | Bild: (Deutsche Bahn)

Hier werden nach Angabe der Deutschen Bahn jährlich rund 63.000 Ladeeinheiten - wie Schrauben, Nudeln und Müll - auf rund 1.100 Zügen umgeschlagen und auf einen Umkreis von rund 100 Kilometern verteilt.

"Der Bereich des Rangierbahnhofs stellt die große Unbekannte dar. Obwohl die ursprüngliche Nutzung seit Jahren aufgegeben wurde, werden hier unzählige Loks und Wagen abgestellt. Die Zukunft dieser Fläche ist offen, konkrete Aussagen bestehen derzeit nicht", erklärt die Stadt im Räumlichen Leitbild. Dennoch sind dort bereits erste Pläne enthalten, wie sich das Gebiet des Rangierbahnhofs künftig verändern könnte.

So könnte die Baufläche für Gewerbe und Sport aussehen. | Bild: Stadt Karlsruhe/Räumliches Leitbild

Zieht der Messplatz an den Bahnhof?

Statt der unzähligen Gleise könnten Baufelder für Gewerbe, Sport und Kultur entstehen, außerdem Kleingärten, ein Grüngürtel und ein "Neuer Tivoli" auf Höhe der Wasserwerkbrücke, wo sich die Stadt einen neuen Messplatz vorstellen könnte. Hierfür müssten laut Räumlichem Leitbild allerdings mehrere Voraussetzungen gegeben sein:

  1. Der Rückbau des Rangierbahnhofs
  2. Die Verlagerung des DUSS-Terminals in den Bereich südlich der Güterbahntrasse
  3. Die Verlegung des Messplatzes an den "Neuen Tivoli" mit einer "multifunktional nutzbaren Fläche für Volksfeste, Märkte, Events oder Zirkus ohne Lärmproblematik". Die historische Wasserwerksbrücke bleibt als Verbindung zum Oberwald bestehen.
  4. Die Herstellung eines durchgängigen Grünzugs von der Alb bis zum "Seeviertel" entlang der Güterbahntrasse für den Fußgänger- und Radverkehr von Durlach bis zum Hafen

"Mit dem Stadtbaustein 'Bahnhofsquartier Neuer Tivoli' könnte ein neues Kapitel der Stadtentwicklung Karlsruhe begonnen werden, in dem die Kernstadt erstmals einen 'richtigen' Abschluss nach Süden erhält", so die Stadt im Leitbild.

Dateiname : Vorhaben Bahnhofsquartier Neuer Tivoli
Dateigröße : 6.14 MBytes.
Datum : 24.07.2020 22:18
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Doch da gibt es ein großes Problem: Die Planung scheitert bereits am ersten Punkt: Die Deutsche Bahn (DB), die bei dem Projekt mit einbezogen ist, wollen das Gelände des Rangierbahnhofs nicht so einfach aufgeben. "Wir nutzen die Anlagen weiterhin, beispielsweise als logistischen Umschlagplatz für die Schnellfahrstrecken-Baustelle Mannheim-Stuttgart", heißt es auf Nachfrage von ka-news.de von der DB. "Es gibt aktuell keine Rückbaupläne."

Aktuell keine Rück- oder Umbaupläne

Auch von einer möglichen Verlegung des DUSS-Terminals ist man bei der DB noch weit entfernt: Aktuell läuft der Ausbau der Ladegleisverlängerung von 500 auf 650 Meter. "Stand heute ist die Fertigstellung bis Juni 2022 vorgesehen."

Das DUSS-Terminal. | Bild: Paul Needham

Die Stadt Karlsruhe hat schon 2016 im Räumlichen Leitbild festgelegt, dass mit der Deutschen Bahn umfassende Gespräche bezüglich einer einvernehmlichen Lösung für die künftige Nutzung des Geländes geführt werden sollen. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch: Hier hat sich bisher nur wenig getan - und daran wird sich wohl auch so schnell nichts ändern. 

Der Rangierbahnhof. | Bild: Paul Needham

Noch liegt das Vorhaben damit allerdings dennoch in der Zeit. Im Räumlichen Leitbild wurde festgehalten, dass die Umsetzungsphase Mitte der 2020er-Jahre starten soll. Bis dahin wird das Gelände östlich des Hauptbahnhofs erst einmal bleiben, was es ist: Ein einziger Teppich aus Gleisen, soweit das Auge reicht.

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Karlsruhes Zukunft | ka-news.de: Wohnen, Arbeiten, Freiraum, Klima und Mobilität - Karlsruhe richtet sich mit dem Räumlichen Leitbild strategisch auf die Zukunft aus. Erste Vorhaben und Projekte werden bereits verwirklicht. In diesem Dossier werden die aktuellen Entwicklungen zum Räumlichen Leitbild gesammelt und kritisch beleuchtet.
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  •   80er
    (5736 Beiträge)

    27.07.2020 18:48 Uhr
    Also,....
    ... .wenn ich mir so die Kommentare anschaue, dann merke ich, dass etliche viel zu wenig Ahnung von Stadtentwicklung haben. dass was hier vorgestellt wird, soll nicht morgen oder übermorgen umgesetzt werden, sondern wir reden hier von einem Zeitraum von 20 bis 30 Jahren. Und dass die Bahn nicht verkaufen will? Sei es drum, sie wird verkaufen. Sie will nur den Preis hochtreiben. Wie immer, wenn Städte auf Bahnareal planen wollen. Von daher: entspannt euch und wartet ab was in den nächsten Jahren passiert.
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  •   Kirsche
    (1 Beiträge)

    27.07.2020 22:43 Uhr
    Warum Rückbau?
    Hat überhaupt irgendeiner der Planer den blassesten Schimmer? Der gesamte Bahnhof wird dringend gebraucht, die DB ist ja nicht das einzige Unternehmen was den nutzt. Es gäbe in der gesamten Region keine Ausweichmöglichkeit für den Karlsruhe Gbf. Und die Behauptung da liegen nur Gleise brach ist eine schamlose Lüge. Der Bahnhof ist im Normalzustand hoffnungslos ausgelastet, er müßte wieder ausgebaut anstatt rückgebaut werden. Aber soviel zu mehr Verkehr auf die Schiene... noch mehr dringend benötigte Kapazitäten wegreißen. Diese Inkompetenz und vor allem der Unwillen seitens Politik ist einfach nur noch erbärmlich.
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  •   Rundbau-Gespenst
    (11916 Beiträge)

    28.07.2020 12:12 Uhr
    und dann murmelt ein Hermann
    dass er vermehrt Güter auf die Bahn schicken will...
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  •   barheine
    (337 Beiträge)

    27.07.2020 15:01 Uhr
    Messplatz? Büros? Schade, dass kein Politiker einmal auf die Idee kommt, günstigen Wohnraum, etwa für junge Familien, zu schaffen. Es ist ja nicht so, dass in Karlsruhe kein Bedarf besteht.
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  •   Smartraver
    (7579 Beiträge)

    28.07.2020 10:01 Uhr
    Gewerbeflächen bringen Steuern
    Wohngebiete maximal Grundsteuern. Da wird die Gewerbesteuer wohl weit überwiegen. Und Karlsruhe braucht viel viel Geld. Alleine das Projekt "Barrierefreie Haltestellen" wie weiter oben zu lesen.
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  •   kommentar4711
    (2572 Beiträge)

    27.07.2020 21:05 Uhr
    Ist doch viel einfacher...
    Ist doch viel einfacher, nur Arbeitsplätze zu schaffen ohne Wohnraum und ohne Infrastruktur um dann den Leuten zu erzählen, sie sollen alle mit Bahn und Fahrrad kommen.
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  •   froschi
    (83 Beiträge)

    27.07.2020 13:53 Uhr
    Der Plan scheint von Laien
    gemacht worden zu sein. Beispielsweise soll der Containerbahnhof an eine Stelle versetzt werden, die keinen Zugang zu Straßen hat, und wo ein Straßenzugang auch gar nicht geschaffen werden kann (es sei denn, durch eine neue Ausfahrt auf der Südtangente). Dabei sollte eigentlich jeder wissen, dass auf dem Containerbahnhof Container zwischen LKW und Bahn umgeladen werden, und deshalb eine LKW-Zufahrt wichtig ist (aktuell geschieht dies über die Wohlfahrtsweierer-Brücken-Ringstraße).

    Und es ist es ziemlich dumm, wenn man in Zeiten, wo mehr Güterverkehr auf der Bahn gefordert wird, die dafür nötige Infrastruktur vernichtet. Die Abstellgleise werden nämlich durchaus benötigt, ebenso der Baumaterial-Umschlag- und -lagerplatz nahe der Wasserwerkbrücke, auf dem immer wieder lebhafter Betrieb herrscht, wenn in der Umgebung irgendwo gebaut wird (aktuell ist dort gerade nichts los).
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  •   Rundbau-Gespenst
    (11916 Beiträge)

    28.07.2020 12:19 Uhr
    das heißt
    Wolfartsweier

    grinsen
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  •   mueck
    (11674 Beiträge)

    27.07.2020 18:14 Uhr
    !
    Die verlinkte Skizze st zwar sehr grob, enthält aber eine geschwungene Linie mit der Bezeichnung "Lkw-Erschließung DUSS", die auf die Edgar-Heller-Str. landet. Ob per Brücke oder Unterführung die Ausfahrt kreuzend, bleibt offen.
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  •   dipfele
    (5799 Beiträge)

    27.07.2020 14:37 Uhr
    Sonntagsredner....
    .... die sich gelegentlich ins Gespräch bringen wollen, fordern "Güter auf die Bahn", aber das Gegenteil ist leider Realität. In Bruchsal gabs mal einen Ortsgüterbahnhof mit Anschluss der OGA und viel Stückgut. Jetzt residiert dort der ADAC und die OGA ist an die Autobahn gezogen. Statt Güterbahnhöfe zu erhalten und geschlossene wieder aufzumachen, immer mehr LKW au den Strassen. Verrückt.
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