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Karlsruhe Wohnraummangel Thema beim Deutschen Städtetag: Was kann Karlsruhe tun und helfen mehr Hochhäuser, das Problem zu lösen?

Wohnraum ist ein begehrtes Gut und in immer mehr Städten herrscht deshalb ein akuter Mangel an bezahlbarer Wohnfläche - auch Karlsruhe ist betroffen. Im November war die Fächerstadt Gastgeber des Deutschen Städtetages. Dort war der Wohnraummangel eines der zentralen Themen, über das die über 130 Vertreter des Städtetag-Verbands diskutierten. Dabei wies Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup zusammen mit Amtskollegen daraufhin, dass man nur vereint mit Bund und Land der Wohnungsknappheit Herr werden könne.

Der Zusammenschluss des Deutschen Städteverbands, dem insgesamt rund 3.400 Kommunen aus ganz Deutschland angehören, tagte im November in Karlsruhe und befasste sich unter anderem mit dem Thema Wohnraummangel - mit dem Ziel, die deutliche Lücke an bezahlbarem Wohnraum zu schließen.

Bild: Peter Eich

Dass es immer weniger Wohnraum für Gering- und Normalverdiener gibt, stellt Bundesweit ein Problem dar. Gerade in Groß- und Universitätsstädten - Karlsruhe vereint beides - ist es für viele Menschen schwer, geeigneten Wohnraum zu finden. 

Städtetags-Präsident und OB von Münster, Markus Lewe, sprach im Karlsruher Rathaus davon, dass es darum gehe, den Wohnungsbau zu erleichtern, den Mangel an Bauland zu beheben und den Anstieg von Preisen zu dämpfen. "Das können Bund, Länder und Kommunen nur gemeinsam mit der Bauwirtschaft lösen", führt Lewe die Problematik des Wohnungsmangels weiter aus. 

Markus Lewe
Markus Lewe,Oberbürgermeister von Münster und Präsident des Deutschen Städtetages. | Bild: Ingo Rothermund

Kommunen fordern nachaltige Förderung des Bundes 

Rund 130 Oberbürgermeister und weitere Kommunalpolitiker erörterten bei den Gesprächen in Karlsruhe ihre Haltung zum Thema Wohnraummangel und das dieses Vorhaben gezielt zur Umsetzung kommen müsse. Für 2020 und 2021 sicherte der Bund eine Mitfinanzierung des sozialen Wohnungsbaus von jeweils einer Milliarde Euro zu. Mentrup und seine Amtskollegen Markus Lewe aus Münster und Ulrich Maly aus Nürnberg begrüßten die Zusagen als positives Signal, machten aber auch deutlich, dass diese über 2021 hinaus fortgesetzt werden müssten.

Um dem Wohnraummangel endlich Herr zu werden, seien nach Angaben des Städtetages 400.000 neue Wohnungen jährlich nötig, alleine 80. bis 120.000 im Bereich Sozialwohnungen. Eine Analyse der Stadt Karlsruhe kam bereits 2016 zu der Prognose, dass, bei gleichbleibender oder steigender Bevölkerungszahl, bis 2030 10.000 neue Wohnungen benötigt werden.

OB Frank Mentrup
Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup | Bild: Ingo Rothermund

Wohnraum in die Höhe? Für Karlsruhe eine Option

Die Städte entwickeln derzeit Baulandstrategien, geben Grundstücke preisreduziert ab und verankern Quoten für bezahlbare Wohnungen in städtebaulichen Verträgen. Maßnahmen die auch in Karlsruhe das Problem des knappen Flächenangebotes und hoher Grundstückspreise beseitigen sollen. "Wir setzen als Stadt in den letzten Jahren wieder auf eine aktivere Grundstückspolitik, indem wir am Markt schauen, wo auch private Anbieter Grundstücke oder Freiflächen verkaufen und versuchen diese zu erwerben", erklärt Mentrup.

Blick auf den Citypark
(Symbolbild) | Bild: Paul Needham

Daher sei die Ankündigung des Bundes, künftig für preisgebundenen Wohnraum Flächen vergünstigt abzugeben, eine gute Chance, führte der OB weiter aus. In Bieterverfahren hätte man als Kommune meist nur wenig Chancen gehabt. Außerdem verweist Mentrup auf das kommunale Wohnraumförderungsprogramm, bei dem beispielsweise Bauherren belohnt werden, wenn sie günstigen Wohnraum schaffen.

Citypark Südost
(Symbolbild) | Bild: Peter Eich

In der Vergangenheit ist es in Karlsruhe gelungen, einige wenige Hochhausbauten in das Stadtbild zu integrieren, die dort sozial auch anerkannt sind. Teilweise seien diese Wohnungen sogar beliebter als in Wohnlagen mit weniger Geschossen. "Deshalb ist die Überlegung angebracht, zu schauen wo in der Stadt einzelne, höhere Wohnhäuser gebaut werden können. Dazu wurde eine Untersuchung in Auftag gegeben. Diese Ergebnisse werden aber erst 2019 vorliegen", erklärt das Stadtoberhaupt.

Ulrich Maly
Ulrich Maly ist Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg und Vizepräsident des Städtetages. | Bild: Ingo Rothermund

Darüber hinaus werden durch die städtische Volkswohnung zwischen 2017 und 2021 1.300 neue Wohnungen entstehen. Von denen sollen zwei Drittel bis Dreiviertel in einem preisgünstigen Segment liegen und so zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum beitragen, so Mentrup. "In diesem Jahr wurde bis Ende August Deutschlandweit der Bau von 234.400 Wohnungen genehmigt", erklärte Städtetagsvizepräsident Ulrich Maly am Rande der Pressekonferenz und verweist damit auf die steigende Zahl von bundesweit steigenden Baugenehmigungen.

 ka-news Hintergrund: Am 13. und 14. November tagt der deutsche Städtetag in Karlsruhe. Der deutsche Städtetag vertritt aktiv die kommunale Selbstverwaltung. Er kümmert sich um die Interessen der Städte gegenüber der Bundesregierung, Bundesrat, Bundestag, Europäischer Union und zahlreichen Organisationen. Außerdem berät er seine rund 3.400 Mitgliedsstädte und informiert über bedeutsame Entwicklungen auf Kommunalebene. Ein zentrales Ziel des Verbandes ist die Sicherung der Handlungsfähigkeit der Städte. Desweiteren nimmt er durch Stellungnahmen zu Gesetzesentwürfen und Gesprächen mit dem Parlament und der Regierung Einfluss auf die Gesetzgebung.

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  •   de.schwule.sascha
    (192 Beiträge)

    22.11.2018 19:13 Uhr
    Die Leute
    im Rathaus sind wohl noch nicht zur Erkenntnis gekommen, daß Karlsruhe bis 2030 nicht auf ca. 330.000 Menschen anwächst, sondern nunmal eine Stadt ist, die DIREKT auf die 400.000 zugeht, solche Prognosen haben sich immer wieder als falsch herausgestellt, es wurde stets unter-prognostiziert.
    Ich glaube kaum, daß das Städtchen mit seinen lahmen Denkern 10.000 Wohnungen schafft, wobei es besser wäre gleich 20.000 Wohnungen zu bauen, aber es wird ja solange brauchen, bis das alles geplant, geregelt, überprüft und wieder umgeplant, und, und, und werden muß!
    Das haben sehr viele Städte scheinbar bewußt verschlafen?
    Eine Miete, ein Gehalt, so kann es nicht mehr weitergehen.
    Jede Stadt soll jetzt Monaco werden in Deutschland, so lächerlich.
    Schlimm für alle Normalverdiener!
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  •   Karlsruhe83
    (1 Beiträge)

    21.11.2018 17:16 Uhr
    Mietrecht für Vermieter verbessern, Steuern senken etc.
    Der Staat ist nicht in der Lage genug Wohnraum zu schaffen. Es sollten mehr Anreize geschaffen werden, dass private Investoren wieder mehr investieren.
    Wenn ich sehe wie schwierig es ist Mietnomaden rauszuklagen, sein Eigentum zu schützen und zu verteiden und wie hoch die Steuerlast auf Vermietung/Verpachtung ist, dann schafft der Staat die falschen Anreizen. Hätte der Staat schon viel früher machen sollen, dann wären die Mieten auch nicht so hoch. Geschützt werden Mieter die nicht zahlen und diese treiben Eigentümer an den Rand des Ruins. Ein geprellter Vermieter überlegt sich zwei mal dann noch zu vermieten. Der Staat schützt hier eindeutig Verbrecher! Wenn man 1 Milliarde Gewinn mit Aktien macht, zahlt man 25% Steuern, wenn man Wohnraum schafft und vermietet, dann zahlt man den Spitzensteuersatz wenn man "zu viel" verdient. Hier stimmt es einfach nicht. Und wenn man beim Bauamt dann beantragt Wohnungen zu bauen, bekommt man erst mal die gesamte Welle der Bürokratie zu spüren....
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  •   neigschneiter
    (40 Beiträge)

    21.11.2018 14:09 Uhr
    Alles hausgemacht ...
    ... seit Jahren war abzusehen dass es kommt wie nun leider heute so ist.
    Ich sehe die Schuld in der Politik. Alte Sozialwohnungen zu Geld gemacht, Gesellschafter haben investiert und renoviert und teuer verkauft oder vermietet. Keine Sozialwohnungen mehr gebaut. Die grünen Politiker sorgen dafür dass im ländlichen Bereich fast keine Baugebiete mehr erschlossen werden (Flächenversiegelung). Die Flächen in der Stadt sind da natürlich nicht betroffen. Lasst endlich im ländl. Bereich wieder Baugebiete zu, das ist erschwinglicher wie in der Stadt und im Speckgürtel. Es gibt viele die würden lieber aufs Land ziehen, wo es nicht die vielen sozialen Brennpunkte gibt und mehr Lebensraum zur Verfügung steht. Ich bin sicher dann reguliert sich vieles von selbst !!!
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  •   Svetogor
    (322 Beiträge)

    21.11.2018 11:02 Uhr
    .
    Warum begrenzt man nicht einfach die Anzahl der Studierenden in Karlsruhe? Dann gibt es schon mal von dieser Seite ein Entlastung.
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  •   mcclaney
    (1463 Beiträge)

    21.11.2018 12:41 Uhr
    ...
    Das geht nicht. Das KIT ist, wie schon seit Jahrhunderten, dazu verpflichtet, jedem studienwilligen Menschen, der nach Karlsruhe kommt, einen Studienplatz zu garantieren. Und das in jedem Fach, das gewünscht wird!
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  •   Kojak
    (269 Beiträge)

    21.11.2018 13:15 Uhr
    Studienplätze
    Was reden Sie da? Die Zahl der Studienplätze je Studienfach an den Hochschulen sind begrenzt. Deswegen muss man sich um Studienplätze auch bewerben und kann nicht einfach zu jeder beliebigen Hochschule hingehen und sagen: "Hallo, hier bin ich und studiere jetzt bei euch".
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  •   andip
    (9915 Beiträge)

    21.11.2018 12:06 Uhr
    Die Anzahl der Studierenden
    zu regeln ist allein Sache des KIT und sonst niemandem.
    Und die regelt die auch, die Anzahl der Studienplätze war schon immer begrenzt.
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  •   Winston_Smith
    (639 Beiträge)

    20.11.2018 23:45 Uhr
    10.000 neue Wohnungen bis 2030?
    Das wird kaum reichen. Schaue ich mir diese Studie der EU von 2010! an - da gehts um die "relocation of refugees" - so findet sich im Anhang (Annex) unter Punkt 1-16 die Tabelle 12, dort unter anderem die möglichen Einwohnerkapazitäten der EU-Länder:
    Schland verkraftet demnach über 274 Millionen, Frankreich 486, Schweden 440, Spanien 460 Millionen usw.
    In der damaligen EU lebten knapp 500 Mio Menschen, die Gesamtkapazität wurde mit über 3,6 Milliarden angesetzt.
    Also, packen wirs an - aber doch nicht mit 10.000 Wohnungen in etwas mehr als 20 Jahren. Bei gleichmässiger Verteilung wäre KA dann schon Millionenstadt, da die meisten Zuwanderer jedoch in die Städte wollen, wahrscheinlich noch viel größer.
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  •   Winston_Smith
    (639 Beiträge)

    20.11.2018 23:54 Uhr
    Korrektur: Es geht um die "recolation of beneficiaries"
    Übersetzung lt. dict.cc (die ersten 5 Bedeutungen):
    Begünstigte, Nutznießer, Leistungsempfänger, Empfänger, Anspruchsberechtigte...
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  •   malerdoerfler
    (5899 Beiträge)

    20.11.2018 17:58 Uhr
    Hochhäuser?
    Leute - das macht die Stadt nur hässlich.
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