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Karlsruhe "Mixed Zone" für Karlsruhe: Dieser Stadtteil vereint bald Grün, Club, Kita und Gewerbe

Wo heute neben Gewerberäumen einige Brachflächen liegen, sieht die Stadt in Zukunft eine ideale Fläche für eine neue sogenannte "Mixed Zone" - mit Kita, Gastro, Gewerbe, Kultur und vor allem auch Wohnflächen. All das könnte bald der Karlsruher Stadtteil Grünwinkel vereinen.

Im Westen Karlsruhes - zwischen der Gleistrasse der Maxaubahn, der Pulverhausstraße und der B36 - entstand ab den 1890er Jahren der nördliche Teil des heutigen Grünwinkels. Mit der dortigen Entwicklung, wie dem Bau der Brauerei Sinner (heute Hatz-Moninger), der neuen Trassenführung sowie der Einrichtung des Westbahnhofs, entstand über Jahrzehnte hinweg ein Gewerbe- und Mischgebiet.

Wie die Stadt Karlsruhe in ihrem Räumlichen Leitbild erklärt, herrscht dort jetzt ein "Charakter mit teils denkmalgeschützten Fabrikgebäuden, Gewerbebetrieben, kleinteiliger Mischnutzung und eingesprenkelter Wohnnutzung". Firmen wie dm, Hatz-Moninger und auch die Deutsche Post, die noch heute Standorte dort haben, bestätigen den gewerblichen Charakter. Lediglich um dieses Gebiet herum entstanden bis in die 1960er Jahre große Wohngebiete wie beispielsweise die Hardecksiedlung.

Deutsche Post, Brauerei Hatz-Moninger
Viele Firmen haben in Grünwinkel einen Standort: So auch die Deutsche Post und die Brauerei Hatz-Moninger | Bild: Lukas Hiegle

"Mixed Zone" für Aufwertung Grünwinkels

Das könnte sich aber bald ändern, denn am Aspekt der Wohnbebauung soll jetzt wieder angesetzt werden: Die Pläne der Stadt sehen vor, im Westen Grünwinkels eine sogenannte "Mixed Zone" zu errichten - eine "gezielte vertikale und horizontale Nutzungsmischung im Zentrum des Gebiets" ist geplant. Und dabei soll auch Wohnraum geschaffen werden.

Dieser wird, so die Pläne der Stadt, dann in unmittelbarer Nähe zur Gleistrasse der Maxaubahn - im "Areal Birkenweg" und damit am direkten Übergang zur Hardecksiedlung - realisiert.

Außerdem: "Auf der Entwicklungsfläche der ehemaligen Firma Simon Hegele besteht zudem die Möglichkeit, eine hochwertige Gewerbeentwicklung an der Gleistrasse voranzutreiben", heißt es im Räumlichen Leitbild zu diesem Teil des Quartiers weiter. Ein echtes Mischgebiet eben.

Westbahnhof Karlsruhe
Entsteht entlang der Gleise bald etwas Neues? | Bild: Julia Wessinger

Hohe Nachverdichtung im Gewerbegebiet

Zwischen Pulverhaus- und Zeppelinstraße - im "Hardeck-Carrée" - plant die Stadt aber keinen Platz für Wohnbebauung ein -  dort soll das reine Gewerbegebiet bleiben, aber weiter entwickelt werden: "Das Gewerbegebiet erhält ein eigenes Profil mit Nutzungen aus den Bereichen Gastronomie, Kultur, Sport und kleinerer Einzelhandel."

Ziel sei es im "Hardeck-Carrée" vor allem die dortigen Grundstücke, die nur mäßig dicht bebaut sind, besser zu nutzen: "Im Ergebnis entsteht ein Gebiet mit einer höheren Dichte und gleichzeitigen Verbesserungen in der Qualität der öffentlichen Räume, einer geringeren Flächenversiegelung und einer Optimierung des Erschließungs- und Freiflächensystems", heißt es im neu vorgestellten Rahmenplan zum Gewerbegebiet Grünwinkel. Bereits jetzt sei die Stadt in Dialog mit den Grundstückseigentümer getreten, ein Bebauungsverfahren sei angestrebt.

Heißt konkreter: Freie Grundstücke werden nachverdichtet und ebenfalls bebaut, um möglichst wenig neue Fläche freigeben und erschließen zu müssen. So werden also entweder Lücken zwischen Gebäuden geschlossen oder bestehende Gebäude werden aufgestockt. 

 

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Neue Stadtbahnlinie und große Grünflächen

Auch die Entwicklung der Mobilität spiele in der künftigen "Mixed Zone" eine wichtige Rolle: Damit diese besser an den Verkehr angebunden und eine Alternative zum motorisierten Individualverkehr geboten werden kann, wird der Westbahnhof als "Mobilitätsknoten" wieder aktiviert. Geplant sei hierfür beispielsweise eine dichter getaktete Stadtbahnlinie sowie eine höhere Taktung der Buslinien.

Hinzu komme die Wichtigkeit der Grünflächen im weiterentwickelten Gewerbegebiet Grünwinkel: Insgesamt ist eine weitläufige Grünspange vorgesehen. Diese soll die Grünbrücke vom Junker-und-Ruh-Weg in der Günther-Klotz-Anlage über Randflächen der Hegele-Fläche und mitten durch das neue Gebiet über einen Teil der westlichen Brachflächen mit dem Albraum verbinden. Der Grünzug werde ergänzt durch eine kreuzende Grünspange - beginnend am Westbahnhof bis hin zum Ausläufer des Hardtwaldes.

"Erhebliche Chance" für das Quartier

Die Stadt sieht in dieser Fläche großes Potential und in den Plänen des Räumlichen Leitbilds eine "erhebliche Chance" für das Quartier. Die Möglichkeit, das Gewerbegebiet wirklich nach diesen Plänen zu entwickeln, ist hoch: Vergangene Woche lag der Rahmenplan Gewerbegebiet Grünwinkel den Stadträten des Gemeinderats vor - die Entscheidung: Einstimmig ja - und damit die Beauftragung der Verwaltung, auf dieser Grundlage weiterzuarbeiten und die erforderlichen Bebauungspläne anzugehen. Damit ist der Rahmenplan für die nächsten 15 bis 20 Jahre Entscheidungsgrundlage und Rahmenwerk für weitere Schritte und sich anschließende Bauleitplanverfahren.

Das Gewerbegebiet ist außerdem Teil des Forschungsprojekts "Ressourcenoptmiertes Gewerbeflächenmanagement durch Kooperation" (REGEKO). Es soll laut Rahmenplan ein "Modellquartier für flächensparendes, innovatives und ressourcenoptimiertes Wirtschaften entwickelt werden". Denn auch die Stadtverwaltung und die Stadtplaner wissen, dass die Bauflächen in der Fächerstadt nicht unendlich sein werden. 

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Kommentare (2)
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  •   dipfele
    (5359 Beiträge)

    25.05.2018 15:14 Uhr
    Der Westbahnhof als.....
    .... Mobilitätsdrehscheibe liegt ja wohl etwas sehr abseits vom Schuss. Das zeugt nicht gerade von Fantasie der Planer. Besser wäre eine fahrgastfreundliche Verknüpfung am Entenfang oder an der Pulverhausstrasse, dort wo die Maxaubahn die Strassenbahn kreuzt und die seit über 10 Jahren geplante Strassenbahn durch die Pulverhausstrasse. Aber da müsste eben Geld in die Hand genommen werden, welches in der Kaiserstrasse verbraten werden soll für das unnötige Raussreissen der Gleise und das Abholzen der Platanen.
    Mobilitätsdrehscheibe "Westbahnhof" ist ein unpraktisches Produkt der Fantasielosigkeit.
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  •   Gegengerade1975
    (160 Beiträge)

    11.11.2018 19:55 Uhr
    richtig
    genauso sehe ich das auch
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