Es geht hektisch zu in dem kleinen Imbisswagen auf dem Gelände einer Karlsruher Firma. Eigentlich wollten sie schon um 11 Uhr vor Ort sein, um in Ruhe aufbauen zu können. "Aber wie das immer so ist standen wir natürlich im Stau", erklärt Matthias Kaufmann (27) und wuchtet diverse Behältnisse durch den Wagen. Vom "Headquarter" in Pforzheim ist es schließlich auch ein Stückchen bis Karlsruhe.

Waffenbrüder im Kampf gegen das Konventionelle

Während Kollege Fabian Fallenbüchen (29) Stehtische aufbaut und akribisch putzt, berichtet Kaufmann von den Anfängen der "Spießgesellen": "Fabian und ich haben uns 2009 im Studium kennengelernt und von Anfang an super verstanden." Studiert haben beide Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Einkauf und Logistik in Pforzheim. "Die Idee der Foodtrucks stammt ursprünglich aus den USA", erklärt Fallenbüchen weiter. "Durch eine Studentenfeier sind wir auf dieses Konzept aufmerksam geworden und dachten: 'Ja, das machen wir doch'. Das war im wahrsten Sinne des Wortes eine Schnapsidee", lacht er. Passenderweise seien sie auch noch beide an gesunder und guter Ernährung interessiert gewesen.

Aus der vermeintlichen "Schnapsidee" wurde später ein Buisnessplan, zu dem auch das BWL-Studium seinen Teil beitrug. Mittlerweile sind die beiden Spießgesellen seit 2012 auf Tour in der Region und bieten ihre regionale Küche an. Regional, handgemacht, ohne Zusatzstoffe: Mit diesen drei Attributen werben die jungen Männer für ihre Idee. "Spießgeselle" ist ein Begriff aus dem 18. Jahrhundert. Bis dato bedeutete es schlicht Waffenbruder. Und das wollen Matthias Kaufmann und Fabian Fallenbüchen sein: Waffenbrüder in der Schlacht gegen konventionelle Essgewohnheiten.

"Die Rezepte stammen im goldenen Zeitalter des Internets natürlich auch aus diversen Online-Quellen", erklärt Kaufmann. "Aber wir haben auch viel in der Familie nachgefragt, bei Mama und Oma Unterstützung geholt und Rezepte verglichen." Nach langer Testphase entstand schließlich die Speisekarte mit acht verschiedenen Gerichten, bei denen das Fleisch dem Namen getreu zumeist auf Spießen untergebracht ist.

"Wir wollen etwas Besonderes bleiben"

Von Pforzheim über Karlsbad nach Ettlingen und Karlsruhe: Jeden Tag stehen die Gesellen an einem anderen Ort. "Die Gerichte sind ein wenig teurer bei uns als an üblichen Imbissbuden", so  Fallenbüchen. Ein Mittagessen kostet zwischen 3,50 und 6,50 Euro. "Wir achten besonders auf die Zutaten und verwenden keine Zusatzstoffe. Alle Gewürzmischungen sind von uns." Einen weiteren Grund für den täglichen Ortswechsel weiß Kaufmann: "Wir wollen uns ja auch nicht zu schnell abnutzen und lieber etwas Besonderes bleiben, auf das die Leute sich freuen."

Bisher seien alle Kunden zufrieden gewesen. Einige feste Standorte haben sie bereits, trotzdem müsse noch immer viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. Imbisswägen hätten ein gewisses Image, gegen das sie gezielt angehen wollten - darum auch der Untertitel "Fastfood Rebellen". "Der eigene Motor wird oft schlechter befeuert als der Motor des Autos. Der bekommt meist das beste Öl und den teuersten Sprit", bemängelt Fallenbüchen allgemeine Essensgewohnheiten. "Wir achten auf Qualität." Darum testen sie auch jeden Tag ihre eigenen Gerichte: "Wir kennen sie mittlerweile in- und auswendig. Geschmacksunterschiede würden sofort auffallen."

Die Vision: In ganz Deutschland präsent sein

Es ist warm an diesem Tag und Fallenbüchen seufzt: "An solchen Tagen ist es echt schwierig. Draußen ist es heiß und hier drinnen mit dem Grill und den Geräten sowieso. Im Winter arbeite ich fast lieber." Die ersten Gäste werden gegen 12 Uhr erwartet und tatsächlich steigt nur wenige Minuten davor eine Familie aus einem Auto und geht zielstrebig auf den Imbisswagen zu. Der Vater weiß sofort, was er möchte, die Kinder überlegen noch. Nach der Bestellung wird das Fleisch frisch auf den Grill gepackt und angebrutzelt. Jeder Handgriff wirkt routiniert.

"Man kann uns auch mieten", erklärt Kaufmann. Neben den festen Standorten auf diversen Firmengeländen zur Mittagszeit stünden sie auch für Familien- und Firmenfeiern bereit. Kann man von den selbstkreierten Angeboten leben? "Ja, wir können davon leben", so Kaufmann. "Einen Nebenjob haben wir nicht, das ginge auch zeitlich gar nicht." Trotzdem gibt es einen großen Plan, oder besser gesagt eine große Vision für die Zukunft: "Wir wollen einmal flächendeckend in ganz Deutschland unsere Wägen auf die Straße bringen." Bis es soweit ist sind die Spießgesellen zumindest in der Region täglich unterwegs.

Hier geht's zur Webseite der Spießgesellen: spiess-gesellen.de/pf/