Wenn es sein muss, erfindet Frank Mastiaux auch mal schnell ein neues Wort: "Die EnBW ist ein Neuentwicklungsfall", so der Nachfolger von Hans-Peter Villis bei seiner Einstands-Pressekonferenz am Montagvormittag gegenüber einem Journalisten, der gefragt hatte, ob er den Energiekonzern als Sanierungsfall bezeichnen würde. Zwar habe die EnBW nach dem beschlossenen Atomausstieg und der Zurückgehenden Wirtschaftlichkeit von konventionellen Kraftwerken stark gelitten. Das Wort Sanierungsfall sei aber völlig unangebracht.

Mastiaux: "Die EnBW ist ein Neuentwicklungsfall"

Der neue EnBW-Chef spricht ruhig, fast leise. Nur hin und wieder unterstreicht er das Gesagte mit Gesten - etwa wenn er das Wort "Sanierungsfall" vom Tisch wischt. Richtig sei allerdings, dass die EnBW unter hohem Druck stehe, "finanziell und strukturell". "Die Veränderungen auf dem Energiemarkt sind nachhaltig", so Mastiaux. Dennoch sei der Energiemarkt weiter ein Wachstumsmarkt mit vielen Chancen - die gelte es nun zu nutzen.

Dass der EnBW-Aufsichtsrat dafür Mastiaux ins Boot geholt hat, dürfte auch mit der bisherigen Tätigkeit des 48-Jährigen zu tun gehabt haben. Beim EnBW-Konkurrenten Eon hatte der promovierte Chemiker von 2007 bis 2010 das Geschäft mit erneuerbaren Energien aufgebaut und geleitet. Zuletzt war er Chef der Eon International Energy gewesen, einer Unternehmenseinheit, die für Investitionen in Wachstumsmärkte außerhalb Europas zuständig ist.

Kunden sollen nicht für Ineffizienz bezahlen

Die EnBW ist derzeit auf fünf Märkten im Ausland aktiv und hatte sich zuletzt bei zweifelhaften Uran-Geschäften in Russland eine blutige Nase geholt. "Ich bin mit den Details nicht vertraut", so Mastiaux. Er werde sich den Vorgang aber genau anschauen - vor allem in Hinblick darauf, wie man so etwas künftig vermeiden könne. Eine eindeutige Aussage zu künftigen Beteiligungen der EnBW vermied Mastiaux, deutete jedoch an, dass es zu Veränderungen kommen könnte: "Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass wir die Entscheidung treffen, in manchen Märkten unsere Aktivitäten noch zu verstärken und in anderen vielleicht nicht mehr so präsent zu sein."

Auf den Prüfstand kommen werden aber vor allem auch die Geschäfte der EnBW im Inland, so Mastiaux. Atomkraft macht derzeit rund 50 Prozent im Energiemix des Konzerns aus. Nach der Katastrophe von Fukushima musste die EnBW zwei von vier Reaktoren vom Netz nehmen und machte 2011 einen Verlust von rund 870 Millionen Euro. Nun gelte es, die Unternehmensprioritäten neu zu überdenken. "Wir müssen Prozesse, Strukturen und Kosten anpacken", so Mastiaux. Es könne nicht sein, dass der Kunde für Ineffizienzen bezahlen müsse.

Mit dem bereits laufendem Effizienzprogramm "Fokus" sei man da schon auf einem guten Weg. Zur Frage, ob damit auch Arbeitsplätze auf dem Spiel stünden, wollte Mastiaux sich nicht äußern. "Die Frage kann ich am ersten Tag nicht abschließend beantworten", so der neue Vorstandschef ausweichend.

Kommentar: Mastiaux muss das Unmögliche möglich machen

 
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