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Karlsruhe Baustellen am Ettlinger Tor: "Was sollen wir noch alles erdulden?"

Es war eine Entscheidung, die 2015 für Ärger sorgte: Die Stadt will aus Kostengründen auf temporäre Gleise auf dem Südabzweig am Marktplatz verzichten. Einzelhändler fürchteten, vom Karlsruher ÖPNV endgültig abgehängt zu werden. Erneute Verzögerungen haben die Situation in der Ettlinger Straße nun offenbar weiter verschlimmert.

Wird es in diesem Jahr noch was in der Ettlinger Straße? Diese Frage stellt sich ein ka-Reporter und Ladenbesitzer in einer Nachricht an die ka-news-Redaktion. Anfang des Jahres habe man ihm und anderen Geschäftsleuten noch zugesichert, dass die Kombi-Arbeiten in dieser Straße zum Jahresende abgeschlossen seien. Im September habe die Kasig dann mitgeteilt, dass die Ettlinger Straße erst zu einem späteren Zeitpunkt fertiggestellt werden könne.

Die Hoffnung vieler Geschäfte habe auf der zugesagten Verlängerung der Buslinie 10 an den Marktplatz gelegen. "Leider verzögert sich auch dies durch den Tunnel in der Karl-Friedrich Straße", so der ka-Reporter. Inzwischen seien schon zwei Geschäfte und eine Kanzlei aus der Ettlinger Straße abgewandert. Der Karlsruher Geschäftsmann ist sich sicher: Weitere Geschäfte werden folgen. "Was sollen wir noch alles erdulden?", fragt sich der ka-Reporter.

Vor Herbst 2017 kein Ende der Arbeiten in Sicht

"Durch den Verzicht auf den temporären Südabzweig durch die Ettlinger Straße zum Marktplatz bzw. zur Baumeisterstraße ergeben sich für die Anlieger in der Südstadt – insbesondere die Gewerbetreibenden – zahlreiche Nachteile", mahnt auch Stadtrat Jürgen Wenzel in einer Anfrage an die Stadtverwaltung. Durch die Verzögerungen beim Bau des Tunnelabschnitts zwischen Marktplatz und Ettlinger Tor Center verschärfe sich die Lage weiter.

In ihrer Stellungnahme räumt die Stadt ein, dass sich Händler und Anwohner wohl länger gedulden müssen als gedacht. Zu Beginn sei man nach Aussage der Stadt davon ausgegangen, dass die Oberflächenarbeiten im Bereich zwischen Ettlinger Tor, Kongresszentrum und Augartenstraße zwischen Ende 2016 und Anfang 2017 fertiggestellt werden könnten. "Aufgrund unvorhergesehener Verzögerungen, unter anderem beim Leitungsbau, werden die Arbeiten nach aktuellem Stand nunmehr bis Herbst 2017 andauern", erklärt die Stadt.

Land und Bund tragen Südabzweig nicht mit

Der Idee eines temporären Südabzweigs erteilt die Stadt erneut eine Absage. Die Baukosten würden bei diesem Vorschlag bei rund acht Millionen Euro liegen. Die Stadt hatte allerdings im vergangenen Jahr erklärt, aus Kostengründen auf die oberirdischen Gleise auf dem Südabzweig am Marktplatz verzichten zu wollen.

Denn durch den Verzicht auf den provisorischen oberirdischen Südabzweig entfalle auch der aufwendige Rückbau der Gleis- und Fahrleitungsanlage nach Inbetriebnahme des Stadtbahntunnels, so die Stadtverwaltung. Das Problem mit dem Südabzweig aus Sicht der Stadt: Die Voraussetzung für eine Förderung von Land und Bund wäre "der Grundsatz der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit". "Daher würde eine Förderung von vermeidbaren Bau- und Unterhaltungskosten vom Zuwendungsgeber nicht mitgetragen werden. 

Die Stadt betont, dass sie an dem Verzicht des Südabzweigs festhält. "Auch eine spätere Inbetriebnahme des Südabzweigs begründet keine Abkehr vom Verzicht auf das immer noch verhältnismäßig kurze aber dennoch baulich und finanziell aufwendige Provisorium", teilt sie in ihrer Stellungnahme mit. Auch für die Anwohner und Gewerbetreibenden habe dies Vorteile: Der aufwendige Rückbau des Provisoriums würde die von ihnen gewünschte Entlastung nur unnötig verzögern, da erst nach dem Rückbau mit der Fertigstellung der Oberfläche begonnen werden könne.

Stadt will Einzelhändler für Baustelle entschädigen

Und was ist mit der Verlängerung der Buslinie 10 bis zum Marktplatz? Das könne erst dann konkret ins Auge gefasst werden, wenn die erforderlichen Verkehrsflächen nördlich des Ettlinger Tors wieder hergestellt seien und auch für eine Verkehrsführung zur Verfügung stünden. Die Stadt versichert allerdings, dass sie die Sorgen der Gewerbetreibenden in der Ettlinger Straße nicht aus dem Blick verliere.

Man stehe im laufenden Kontakt mit den Betroffenen, suche den Dialog bei Bürgerversammlungen und in Einzelgesprächen. "Im Rahmen des gewerblichen Entschädigungsmanagements leistet die Karlsruher Schieneninfrastruktur Gesellschaft (Kasig) an Gewebetreibende in der Ettlinger Straße bereits seit Ende 2011 Zahlungen für wirtschaftliche Einbußen, die durch die Kombilösung verursacht sind", erklärt die Stadt. 

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Kommentare (26)
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  •   RechterRand
    (965 Beiträge)

    22.11.2016 23:41 Uhr
    Was gab oder gibt es denn in der Ettlingerstraße
    für Läden, in denen man öfter mal einkaufen gehen würde? Da fällt mir ad hoc nicht sehr viel ein. Vielleicht übersehe ich die Läden auch. Ich fahr da immer nur so schnell wie möglich durch.
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  •   EroE
    (17 Beiträge)

    23.11.2016 13:23 Uhr
    a
    b
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  •   EroE
    (17 Beiträge)

    23.11.2016 13:24 Uhr
    löschen button
    leider sehe ich keinen löschen button. ignoriert also bitte meinen letzten beitrag^^
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  •   Malerdoerfler
    (3661 Beiträge)

    22.11.2016 14:58 Uhr
    Erdulden?
    So lange bis die Sache fertig ist.
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  •   dipfele
    (4240 Beiträge)

    22.11.2016 14:17 Uhr
    Unehrliche Kommunalpolitik
    im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens wurde der Bürgerschaft zwischen Baumeisterstr bis Hauptbahnhof eine Strabaverbindung versprochen.Die war in allen- inzwischen gelöschten Bauphasenplänen enthalten. Hinterher wollte der Gemeinderat und Kasig Aufsichtsräte nichts mehr von Ihren Versprechungen wissen. Selbst die Grünen nicht !
    Nach früheren Aussagen der Stadt wurde das Gleiskreuz Ettlinger-/ Baumeisterstrasse für über eine Million
    vervollstandigt, eine Kurve wurde zweimal ausgebaut für 100.000,- und jetzt muss im Kreuz Phillip - Reis-/Rüppurrer Str. für eine Millon eine neue Gleisverbindung eingebaut werden, damit der Kriegsstrassentunnel gebaut werden kann. In der Ettlingerstr. wurde für 400.000 € eine neue Fahrleitungsanlage so gebaut, damit die den einzelnen Gleisverschwenkungen angepasst werden hätte können. In den nächsten vier Jahren wird der Bus (60.000 p.m.) weitere drei Millionen kosten und der Umleitungsverkehr der S1/11 dürfte pro Jahr auch um die 100.000,- kosten.
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  •   dipfele
    (4240 Beiträge)

    22.11.2016 14:28 Uhr
    Unehrliche Kommunalpolitik - Fortsetzung
    zählt man alles zusammen kommen 4,5 Mio an unnötigen Kosten heraus. Dafür hätte auch das Gleis gebaut werden können zwischen Baumeisterstr. und Augartenstr. Denn das ganze Gleis vom Marktplatz bis Augartenstr. kostet nur die Hälfte. Dass das Gleis in der Ettlinger Str. wieder ausgebaut werden müsste, ist eine unüberlegte Ausrede. Das könnte liegen bleiben, samt Fahrleitung. Seit Jahrzehnten liegen die Gleise nur bei Betriebsstörungen genutzt in der Kapellen- und Baumeisterstr., ohne dass sich jemand daran gestört hätte. Auch auf der 30 Millionen teuren Südostbahn wird nur warme Luft alle 10 Minuten transportiert, ohne dass je ein Gemeinderat sich wegen der nutzlos aufgebrachten Kosten je einmal mokiert hätte.
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  •   Originalteil
    (1242 Beiträge)

    22.11.2016 13:52 Uhr
    Abwanderung
    Eine Anwalts- oder Steuerkanzlei ist sicher nicht wegen fehlender Gleise abgewandert, sondern eher durch absolut unzumutbare Arbeitsbedingungen durch unerträglichen Lärm.
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  •   dipfele
    (4240 Beiträge)

    22.11.2016 14:01 Uhr
    Man muss auch Opfer bringen !
    Das hatte alt OB Fenrich den Tunnel- JA Sagern in seiner Abschiedsrede im Februar 2013 mit auf den Weg gegeben. Und weil er viel "Gutes für Karlsruhe getan hat" wurde er auch mit dem BVK geehrte, aus der Hand des grünen MP Kretschmann.
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  •   Originalteil
    (1242 Beiträge)

    22.11.2016 14:49 Uhr
    Kommt
    eben immer drauf an wer die Opfer bringen muss. Sicher niemand der am Geigersberg oder im Märchenviertel wohnt. Da lässt sich leicht daherschwadronieren. Vor allem kommts eben drauf an wofür man Opfer bringt. Es sollte wenigstens etwas Sinnvolles sein..
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  •   ProKA
    (639 Beiträge)

    22.11.2016 12:57 Uhr
    Ein
    Vorgeschmack auf die Situation, wenn die Blaue Plakette eingeführt werden sollte.
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