Guten Tag Herr Lüsch, wollten Sie schon immer Unternehmer sein beziehungsweise werden?

Ich fand es schon immer spannend, Ideen in die Realität zu bringen. Dinge auszuprobieren, zu gestalten. Verantwortung zu übernehmen, Themen zu bewegen. Für mich war es daher Wunsch und innerer Antrieb, diesen Weg einzuschlagen.

Haben Sie ein unternehmerisches Vorbild?

Das eine Vorbild gibt es für mich nicht. Es ist vielmehr so, dass ich während meiner beruflichen Laufbahn mehreren Menschen begegnet bin, die mich begleitet und geprägt haben. Ich finde es wichtig, ins Gespräch zu kommen, andere Sichtweisen kennenzulernen und sich inspirieren zu lassen. Genauso wichtig ist es aber auch, seinen eigenen Weg zu gehen.

Wie wird/ist man ein guter Geschäftsführer/Vorstandsvorsitzender?

Was einen guten Geschäftsführer ausmacht, ist sicherlich Ansichtssache. Ich lege großen Wert darauf, meine Leidenschaft für die Arbeit mit anderen zu teilen und meine Begeisterung weiterzugeben. Erfolg entsteht im Team. Ohne die BBBank-Mannschaft wäre ich auch nur jemand, der Ideen hat. Für mich ist es deshalb ausschlaggebend, den Menschen zuzuhören, ihnen den Rücken zu stärken, aber auch Vertrauen zu schenken und Verantwortung zu übertragen.

Die BBBank Karlsruhe
Die BBBank Karlsruhe | Bild: ARTIS - Uli Deck (ARTIS - Uli Deck)

Was ist für Sie Erfolg?

Erfolg ist etwas sehr Persönliches und Subjektives. Etwas, das man für sich selbst definiert und das sich ändern darf, weil man sich selbst auch verändert. Aus meiner Sicht ist die beste Voraussetzung für Erfolg, etwas zu finden, das einen glücklich macht und es leidenschaftlich zu verfolgen. Dabei geht es nicht darum, immer nur das Richtige zu tun, sondern auch Mut zu haben, Bestehendes zu hinterfragen, Neues auszuprobieren und auch mal einen Fehler zu riskieren. 

Werden Sie in Ihrem Alltag mit den "typischen Banker-Vorurteilen“ konfrontiert und wie gehen Sie damit um?

Was ist heute noch ‚typisch Bank‘? Ich glaube, dass die Grenzen immer mehr verschwimmen. Vor zehn Jahren hätte ich mir nicht vorstellen können, dass wir uns mit künstlicher Intelligenz beschäftigen und robotergesteuerte Prozessautomatisierung einsetzen. In einem so herausfordernden und energiegeladenen Umfeld bin ich gerne Banker und besonders stolz, ein BBBanker zu sein.

Sie stehen ungefähr ein Jahr an der Spitze der BBBank: Wie blicken Sie auf das bisherige Jahr zurück?

Es war ein sehr ereignisreiches und spannendes Jahr. Wir haben das 100-jährige Bestehen unserer Bank gefeiert, die neue Unternehmensstrategie BETTER BANKING 2025 implementiert und sind Namensgeber des BBBank Wildparks geworden. Außerdem haben wir uns zur größten genossenschaftlichen Privatkundenbank in Deutschland entwickelt. An all das wollen wir anknüpfen – mit unglaublich vielen und tollen Ideen für die Zukunft!

Michael Becker und Oliver Lüsch bei der Pressekonferenz  im Wildpark.
Michael Becker und Oliver Lüsch bei der Pressekonferenz im Wildpark. | Bild: Carsten Kitter

Welche Pläne haben Sie für die kurz- und mittelfristige Zukunft der BBBank?

Wir bauen die modernste und größte genossenschaftliche Privatkundenbank in Deutschland mit Fokus auf den Öffentlichen Dienst. Mit unserer Strategie BETTER BANKING 2025 setzen wir das in die Tat um. Wir machen das Banking jeden Tag ein bisschen besser, indem wir in unsere digitalen Banking-Lösungen investieren und die persönliche Beratung stärken.

Im Zentrum der Strategie steht eine offene Innovationskultur. In sogenannten Leistungsfeldworkshops arbeiten Kolleginnen und Kollegen in interdisziplinären Teams eigenverantwortlich an Themen – mit dem Ziel, den Status quo zu hinterfragen und bestehende Lösungen neu zu denken.

Wie sehr hat Corona den Unternehmenserfolg positiv oder negativ beeinflusst?

Der persönliche Kundenkontakt ist für die Bank essenziell – insbesondere in der Beratung. Kontaktbeschränkungen und Filialschließungen waren daher eine besondere Herausforderung. Trotz erschwerter Bedingungen haben wir sowohl 2020 als auch 2021 unseren Wachstumskurs fortgesetzt.

Das war nur möglich, weil das gesamte Team mitgezogen hat. Unser Ziel war, trotz Pandemie für unsere Kunden da zu sein. Mit unserem digital-persönlichen Ansatz ist uns das gelungen. Auch wenn ich gerne auf Corona verzichtet hätte, hat die Pandemie unsere strategischen Pläne zur weiteren Digitalisierung auf positive Weise beschleunigt.

Wie ist ihr persönliches Verhältnis zur Stadt Karlsruhe?

Ich bin nun seit fast sieben Jahren in Karlsruhe und fühle mich hier sehr wohl. Die Stadt hat eine hohe Lebensqualität und ist für mich inzwischen mehr als nur eine Arbeitsstätte oder ein Zuhause. Karlsruhe ist zu meiner zweiten Heimat geworden.

Welche Standortfaktoren sprechen für oder gegen Karlsruhe?

Karlsruhe bietet einen guten Mix aus namhaften Großunternehmen, erfolgreichen Mittelständlern und innovativen Start-ups. Für mich zählt die Stadt zu den bedeutendsten IT-Standorten Deutschlands. Egal ob mit dem KIT oder dem e-Mobilitätszentrum – Karlsruhe ist in vielen Punkten für seine Vorreiterrolle und weit über die Landesgrenzen bekannt.

Logo
Bild: BBBbank

Als Unternehmen, das Tradition und Fortschritt verbindet, passt die BBBank sehr gut dazu. Wir profitieren von einer idealen Lage und gut ausgebildeten Arbeitskräften. Daneben ist unser Standort in der Innenstadt vor allem eins: eine Herzensangelegenheit.

Gibt es Entscheidungen, die Sie im Laufe Ihrer Karriere bereut haben/bereuen?

Ich stehe zu all meinen Entscheidungen – auch den schwierigen. Ich bereue keinen Schritt in meinem Leben, auch wenn es rückblickend sicherlich Dinge gibt, die ich heute anders machen würde. Wichtig ist für mich, daraus zu lernen, den Blick nach vorne zu richten und es beim nächsten Mal noch besser zu machen.

Ist es aus Ihrer Sicht heute schwerer als Unternehmen erfolgreich zu sein als noch vor 10-20 Jahren?

Wir arbeiten heute in einem sehr dynamischen Umfeld. Unternehmen müssen sich fortlaufend mit den sich ändernden Kundenbedürfnissen auseinandersetzen, ihre Produkte und Dienstleistungen danach ausrichten. Dafür braucht es Veränderungsbereitschaft und Mut, sich immer wieder neu zu erfinden. Vielleicht ist es schwerer als vor 20 Jahren, aber es macht auch deutlich mehr Spaß.

Wie blicken Sie auf Ihre bisherige Karriere zurück?

Ich bin dankbar für die Erfahrungen, die ich in den verschiedenen Stationen meiner bisherigen Karriere sammeln durfte. Ich wurde in jeder Position gefordert und gefördert. Das hat mich an den Punkt gebracht, an dem ich heute stehe: Als Vorstandsvorsitzender der BBBank lebe, liebe und liefere ich unser Leistungsversprechen BETTER BANKING.

Die Badische Beamtenbank (BBBank) Karlsruhe hat Bilanz für das Geschäftsjahr 2014 gezogen.
Die Badische Beamtenbank (BBBank) Karlsruhe. | Bild: (mw)

Dazu gehört auch, unseren Kunden die genossenschaftliche Idee näherzubringen. Ich bin der festen Überzeugung, dass die genossenschaftlichen Werte gerade in der heutigen Zeit viele zentrale Bedürfnisse stillen. Sich einbringen, gehört werden und Teil einer Gemeinschaft sein – das verbinde ich mit jeder Menge Chancen.

Wie schalten Sie vom Bank-Alltag ab? Was sind Ihre liebsten Hobbys?

Joggen ist für mich der perfekte Ausgleich. Der Sport hilft mir abzuschalten, den Kopf freizubekommen und Kraft zu tanken. Nicht selten kommt mir unterwegs noch eine Idee, die mich in meinem Arbeitsalltag weiter voranbringt.

Oliver Lüsch wurde am 29. April 1971 in Berlin geboren, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seine Karriere begann 1992 als Trainee bei der Commerzbank AG.

Nach verschiedenen Führungspositionen wechselte Oliver Lüsch 2015 als Geschäftsführer der Commerz Finanz GmbH in den Vorstand der BBBank eG. Dort wurde Lüsch Anfang 2020 stellvertretender Vorstandsvorsitzender und im Juli 2021 schließlich Vorstandschef.

Er verantwortet neben der Strategie und Nachhaltigkeit, dem Öffentlichen Sektor und Marketing, dem Vertriebsmanagement und Digitalisierung, der IT und Personal auch den bundesweiten Filialvertrieb, das Private Banking und die Finanzierungsberatung.

Die BBBank hat nach eigenen Angaben ein Kundengeschäftsvolumen von 31 Milliarden Euro, ein Bilanzvolumen von 16 Milliarden Euro, 1.400 Mitarbeiter und ist digital-persönlich bundesweit tätig.