Wollten Sie schon immer Unternehmer sein beziehungsweise werden? Wenn ja, warum?

Nach dem Berufsstart wollte ich zunächst eine Familie gründen, ein Haus bauen und so weiter und dachte überhaupt nicht daran mich selbstständig zu machen. Der Gedanke reifte erst, als meine damalige Chefin ankündigte in den Ruhestand zu gehen. Ich wollte den bestehenden Laden übernehmen. Dazu kam es dann nicht, da der Vermieter nicht mehr weitervermieten wollte.

Petra Lorenz Vorstellung
Petra Lorenz bei ihrer Vorstellung als Oberbürgermeister-Kandidatin. (Archivbild) | Bild: Carmele / TMC-Fotografie

Den Sprung in die Selbstständigkeit habe ich dann trotzdem gewagt und habe tatsächlich bei null angefangen, also ohne Zusage einer Finanzierung das Ladenlokal angemietet, renoviert und Ware geordert. Meine Oma hat mir damals 5.000 Euro geliehen. Meine Mutter sagte zu mir: "bist Du verrückt, alle machen gerade Pleite und Du machst einen Laden auf?“ Das hat meinen Ehrgeiz eigentlich noch mehr beflügelt.

Was bewog Sie dazu in die Lederwarenbranche einzusteigen?

Nach meiner Elternzeit wollt ich wieder stundenweise arbeiten und seinerzeit wurde in einem Lederwarengeschäft eine Aushilfsstelle offeriert. Bis dahin hatte ich noch nie im Verkauf gearbeitet. Aber ich merkte schnell, dass mir der Umgang mit Kunden und die Beratung sehr viel Spaß bereiten. Die hochwertigen Lederprodukte, Mode, Trends, Dekoration waren für mich spannende neue Tätigkeitsfelder, die zu meiner Passion geworden sind.

Haben Sie ein unternehmerisches Vorbild?

Viele Mittelständler hier aus der Region sind meine Vorbilder! Wenn jemand mit einer Geschäftsidee bei sich zu Hause in der Garage oder im Keller beginnt und daraus ein großes Unternehmen mit Arbeits- und Ausbildungsplätzen entsteht, sich Unternehmer ehrenamtlich und sozial engagieren, das sind meine Vorbilder.

Wie wird/ist man Ihrer Meinung nach ein guter Geschäftsführer?

Um es zu werden, muss man gerne und viel arbeiten, für Dinge die Verantwortung übernehmen, für die man selbst nichts kann und man braucht eine gehörige Portion psychologisches Feingefühl, Mut und Weitsicht. Wer ein guter Geschäftsführer ist, zeigt sich in Krisenzeiten.

Der "Gepäckraum" von Innen
Der "Gepäckraum" von Innen | Bild: Lorenz

Wie blicken Sie auf Ihre bisherige berufliche Karriere zurück?

Ich bereue nichts, ich würde alles genau so wieder tun.

Ist es heute schwerer als Unternehmen erfolgreich zu sein, als vor 10 bis 20 Jahren?

Ja, früher war alles besser. Das hört man oft. Sicherlich ist es in Zeiten von Wirtschaftswachstum und Aufschwung einfacher Unternehmer zu sein als in Krisenzeiten. Aber als Unternehmer muss man ständig mit schwierigen Situationen umgehen und darauf entsprechend reagieren. Jede Krise bedeutet auch Chancen zur Weiterentwicklung.

Wie sehr hat Corona Ihren Unternehmenserfolg positiv/negativ beeinflusst?

Zunächst einmal haben uns die Zwangsschließung und die Einschränkungen hart finanziell getroffen und die ohnehin dünnen Rücklagen nach 10 Jahren Kombi-Baustelle aufgezehrt. In Konsequenz arbeite ich an neuen Geschäftsideen und Geschäftsfeldern, um die Arbeitsplätze meiner Mitarbeiter zu sichern. 

Der Gepäckraum in Karlsruhe musste leider schließen. Petra Lorenz hat aber noch ein weiteres Geschäft in Durlach.
Der Gepäckraum in Karlsruhe musste leider schließen. Petra Lorenz hat aber noch ein weiteres Geschäft in Durlach. | Bild: Lorenz

Welche Standortfaktoren sprechen für oder gegen Karlsruhe?

Karlsruhe als Oberzentrum hat noch eine hohe Anziehungskraft für viele Menschen, gerade aus dem Umland. Negativ wirken sich der schleppende Verkehrsfluss und die sinkende Attraktivität der Kaiserstraße aus.

Wie sehr beeinflusst ihr Beruf ihr politisches Engagement und umgekehrt?

Meine berufliche Erfahrung kann ich bei vielen –nicht nur innenstadtrelevanten- Themen in der Kommunalpolitik einfließen lassen, ebenso mein pragmatisches, strategisches Denken als Unternehmerin. Durch mein politisches Engagement und dem damit verbundenen Zeitaufwand, bleibt manches liegen, dass dann am Wochenende aufgearbeitet werden muss. Da ich mich für beides bewusst entschieden, macht mir beides -also Beruf und Politik- nach wie vor viel Freude.

Warum wird Ihr Unternehmen auch in Zukunft erfolgreich sein?

Ich arbeite jeden Tag daran, dass es erfolgreich bleibt. Wenn mir die Kraft und die Ideen nicht ausgehen, müssen sich meine Mitarbeiter keine Sorgen machen. Sie unterstützen mich und halten mir den Rücken frei. Sie vertrauen mir und ich vertraue ihnen. Solange das so bleibt, werden wir erfolgreich bleiben.

Geboren 1967 in Pforzheim, verheiratet, ein Sohn. Nach der Fachhochschulreife und dem Abschluss als staatlich geprüfte Wirtschaftsassistentin arbeitete Lorenz einige Jahre für eine Pforzheimer Schmuckfirma. Nach der Adoption ihres Sohnes und einigen Jahren Elternzeit begann sie als Aushilfe in einem Lederwarengeschäft in Bretten.

2001 folgte das erste eigene Lederwarengeschäft. 2003 dann der Sprung nach Karlsruhe mit der Gründung von Lederpoint als Nachfolge des über die Stadtgrenzen hinaus bekannten „Offenbacher Lederwaren“. 2012 kam in Durlach das Taschenreich dazu und im Jahr 2014 in Ettlingen ein weiteres Taschenreich. Mit der Sanierung des Gebäudes in der Kaiserstraße wurde aus Leder Point – Gepäckraum.

Seit 2018 ist Lorenz Präsidentin des Handelsbands Nordbaden und seit 2019 als Stadträtin für die Freien Wähler im Gemeinderat. Sie engagiert sich auch bei der IHK Karlsruhe als Prüferin und ist Mitglied der Vollversammlung. Die Freizeit verbringt sie mit ihren Hunden in der Natur oder mit Gartenarbeiten.