Guten Tag Frau Huskamp, haben Sie ein unternehmerisches Vorbild?   

Ein Vorbild im klassischen Sinne habe ich nicht. Ich verstehe mich selbst ja auch nicht als Unternehmerin. Es gibt aber eine Reihe an Unternehmerinnen und Unternehmern, die mich sehr beeindrucken, denn unternehmerische Verantwortung zu tragen, braucht viel Weitsicht.

Wollten Sie schon immer Unternehmerin sein beziehungsweise werden? Warum?  

Unternehmerin ist für mich ein Wording, das ich selbst noch nie auf mich angewandt habe. Aber die darin formulierte Idee einer „Unternehmung“ im Sinne eines gestaltenden Handelns, verbunden mit der Übernahme von wirtschaftlicher Verantwortung, ist mir sehr vertraut und eigen. Auch weil ich in einem Familienbetrieb groß geworden bin.

Das ZKM in Karlsruhe
Das ZKM in Karlsruhe | Bild: ARTIS - Uli Deck (ARTIS - Uli Deck)

Ja, in diesem Sinne wollte ich immer schon „Unternehmerin“ werden. Zugleich bin ich aber ebenso stark an künstlerischen und kulturellen Fragestellungen interessiert. Sie sind einfach essenziell für unser menschliches Sein. Letztlich durchlaufe ich einen beruflichen Werdegang, in dem ich beides miteinander verbinden kann, was ich als großes Privileg empfinde.    

Wie wird/ist man ein guter Geschäftsführer?  Was ist ein guter Geschäftsführer?

Gott sei Dank wird das heute ja nicht mehr an der Rendite allein festgemacht. Es ist sehr komplex, gut zu sein und der Weg dorthin ist vielschichtig. Eine gute Ausbildung, viel Neugierde und Erfahrung sowie emotionale Intelligenz gepaart mit strategischem Denken, das zusammen ergibt sicherlich schon mal eine gute Basis.  

Was ist für Sie Erfolg?

Erfolg ist für mich das Gelingen von etwas. Meistens schafft man das gar nicht alleine, sondern nur zusammen mit anderen Menschen. Manchmal steckt Fleiß dahinter, manchmal sind es auch Glück und Zufall, die Erfolge ermöglichen. Offenheit, Neugierde und Leidenschaft sowie Zuwendung sind aber immer mit im Spiel.

Wie sehr hat Corona den Unternehmenserfolg positiv oder negativ beeinflusst?  

In der Kultur haben vor allem die Künstlerinnen und Künstler, die freischaffend arbeiten und damit ihre eigenen Unternehmerinnen und Unternehmer sind, wirklich tiefgreifend und existenziell gelitten. Den Institutionen fehlen aktuell die Besucherzahlen wie vor der Pandemie und damit gravierend ein Großteil der Einnahmen.

Ob das die Kinos, die Theater oder die Museen sind, ja sogar die Konzertveranstalter melden geringere Besucherzahlen als vor der Pandemie. Das kann alles sehr schnell noch existenzbedrohend werden. Zumal jetzt noch Inflation und steigende Energiekosten dazukommen.  

Wie hat sich der Kunstbetrieb innerhalb des ZKM durch Corona und den Ukraine-Krieg verändert?  

Selbstverständlich spüren wir auch am ZKM große Veränderungen. Wir haben weniger internationale Besucher, über lange Zeit entfielen die Schulklassen und auch sind unsere Workshops und Führungen nicht so ausgelastet wie vor der Pandemie. Besonders betroffen sind unsere Gastronomiepächter.

Blick über das ZKM.
Blick über das ZKM. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Ihnen fehlt der Umsatz aus den Großveranstaltungen, die früher fast tagtäglich am ZKM stattgefunden haben und nach den fast zwei Jahren Pause erst langsam wieder anlaufen. Da kommt dann für unseren Eventbereich die Herausforderung hinzu, Personal für die Veranstaltungstechnik zu finden. Dieser freie Markt hat sich über Corona ja ganz neu orientiert. Auch unsere Museumstechnik steht wegen Lieferengpässen vor immer wieder großen Problemen. Die Eröffnung der Ausstellung BioMedien.

Das Zeitalter der Medien mit lebensähnlichem Verhalten mussten wir im Dezember wegen Lieferschwierigkeiten um zehn Tage verschieben. So kommt einiges zusammen. Meines Erachtens sind wir aber nicht berechtigt zu klagen. Die Themen unserer Zeit sind so groß und drängend, dass wir uns auf Veränderungen einstellen müssen. 

Wie ist ihr persönliches Verhältnis zur Stadt Karlsruhe?  

Ohne mich anbiedern zu wollen: Die Stadt ist extrem gut zu mir. Ich bin sehr schnell und wertschätzend aufgenommen worden. Das ist wirklich unglaublich, wie offen die Menschen hier auf mich zukommen und mich integrieren. Das ist von ganz großem Wert.  

Welche Standortfaktoren sprechen für oder gegen Karlsruhe?

 Es ist die Vielfalt und die Qualität, mit der Karlsruhe punkten kann. Ob Recht, IT oder Kunst und Kultur – Karlsruhe hat für alle Themen hochkarätige Institutionen, die wie selbstverständlich vernetzt sind und zusammenarbeiten. Das ist schon außergewöhnlich.

Impression "BioMedien"
Impression "BioMedien" aus dem ZKM | Bild: ZKM

Ist es aus Ihrer Sicht heute schwerer als Unternehmen erfolgreich zu sein als noch vor 10-20 Jahren?  

Ganz aktuell leben wir in einem Zeitfenster, das eine Vielzahl an Anforderungen an uns stellt, die doch sehr neu und komplex sind. Die kommenden Jahre werden uns alle herausfordern. Aber Veränderungen sind für mich gestalterische Aufgaben. So kommen wir wieder an den Anfang Ihrer Fragen: Ja, ich bin gerne "Unternehmerin“.  

Gibt es Entscheidungen, die Sie im Laufe Ihrer bereut haben/bereuen?   

Mein Leben ist auf jeden Fall anders verlaufen, als ich gedacht hätte. Nicht immer waren es eigene Entscheidungen, die prägend gewesen sind. Aber nun, das ist es, was ein Leben doch auszeichnet.

Wie blicken Sie auf Ihre bisherige Karriere zurück?   

Mein Werdegang ist von mir nie als Karriere angelegt gewesen. Sehr viele Jahre bin ich vor allem meiner Neugierde gefolgt und habe mich oft auf ganz neue Aufgabenfelder und Umfelder eingelassen. Alles, was ich heute mitbringe, sind Kompetenzen und Erfahrungen, die ich über die Vielfalt meiner beruflichen Stationen aufgebaut habe. Ich möchte keiner dieser Stationen missen und freue mich sehr, jetzt am ZKM in dieser verantwortungsvollen Position die kommenden Jahre dieser einzigartigen Kulturinstitutionen mitgestalten zu dürfen.

Dr. Helga Huskamp (*1968 Gescher/Westfalen) ist seit September 2021 am ZKM als geschäftsführende Vorständin tätig. Sie verbindet in ihrem beruflichen Werdegang Kultur mit Management.

Nach dem Magisterstudiengang in Kunstgeschichte mit Kommunikationswissenschaften und Volkswirtschaftslehre (1989–1995, LMU München) sowie einem Auslandsjahr in Italien (1990/91, Universität Bologna) promoviert Helga Huskamp in Kunstgeschichte (1997, Universität Osnabrück) mit einer Arbeit zum Berliner Maler Fritz Köthe.

Nach Praktika in großen Kulturinstitutionen und Unternehmen beginnt sie nach dem Studium beruflich im Kultursponsoring (Büro Andreas Grosz, Köln) und wechselt von dort direkt in die Wirtschaft. Über zehn Jahre ist sie im Agenturbereich als strategische Beraterin für Marke und Marketing tätig. Ihre Kunden sind Konzerne und mittelständische Unternehmen aus einer Vielzahl an Branchen und internationalen Märkten.

Bis heute prägen sie diese Jahre mit der beruflichen Sozialisierung im Agenturbereich der Creative Industry (Rempen & Partner, Die Prinzregenten, Brecherspitz Kommunikation, München). Über den Studiengang Film an der Macromedia Hochschule ergibt sich 2012 die Chance für das Internationale Dokumentarfilmfestival München zu arbeiten und damit beruflich den Weg zurück in die Kultur zu nehmen.

Nach den Jahren beim DOK.fest als stellvertretende Festivalleiterin (2012–2015) arbeitet sie als Abteilungsleiterin für die Stiftung Bauhaus Dessau (2015–2019) und zuletzt für die Staatsgalerie Stuttgart (2019–2021) mit den Schwerpunkten Kommunikation, Vermittlung, Digitalisierung und Prozessmanagement.