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Karlsruhe "Brutkasten" für Gründer: So funktioniert das Karlsruher CyberLab

Karlsruhe - Stadt der Gründer und Innovationen: seit zwei Jahren werden im Karlsruher CyberLab Gründer unterstützt und gefördert. Doch wie funktioniert der "Brutkasten" für Unternehmer? Wer bekommt Unterstützung? Und wie viele StartUps scheitern? ka-news hat bei CyberLab-Projektleiter Daniel Karszt nachgefragt.

Herr Karszt, in zwei Sätzen: was ist das Karlsruher CyberLab?

Das CyberLab ist der Startup-Inkubator des CyberForum. Also ein "Brutkasten", in dem wir IT- und Hightech-Startups auf dem Weg hin zur Marktreife unterstützen und dabei auf das Prinzip "von Unternehmern für Unternehmer" setzen.

Was bietet das CyberLab den Gründern konkret an?

Wir unterstützen Gründer dabei, ihre Ressourcen effektiv einzusetzen. Dazu erhalten die geförderten Teams in drei Bereichen Unterstützung. Erstens: Wir stellen die nötige Infrastruktur zur Verfügung, die ein Startup für die tägliche Arbeit benötigt. Also voll ausgestattete Arbeitsplätze inklusive Internet, Drucker und Besprechungsräumen: Hier wird ab dem ersten Tag produktiv gearbeitet. Zweitens unterstützt das gesamte Team des CyberForum die Gründer in vielen Bereichen. Wir arbeiten mit den Gründern Tür an Tür. So ist guter Rat zu Themen wie Marketing, Recruiting oder Business Networking immer griffbereit.

Drittens gebe ich als Projektleiter des CyberLab den Gründern in regelmäßigen Gesprächen Feedback zu ihrer Arbeit. Darüber hinaus bringe ich die Gründer gezielt mit gestandenen Unternehmern aus unserem Netzwerk, so genannten Mentoren, zusammen. Diese beraten die Gründer und helfen ihnen dabei, sich auf die wesentlichen Punkte zu fokussieren. Gemeinsam werden die nächsten wichtigen Schritte besprochen.

Kann jeder Gründer Unterstützung vom CyberLab bekommen?

Mit unserem Angebot richten wir uns an motivierte Teams mit Wachstumspotential, welche aus dem IT-Umfeld kommen. Über eine Aufnahme entscheidet letztendlich unsere Jury aus Unternehmern und Business Angels.

Kostet Ihr Angebot etwas?

Nein, das CyberLab soll Gründer voranbringen und ist deshalb kostenlos. Möglich wird das durch die Förderung des Ministeriums für Finanzen und Wirtschaft (MFW). Das einzige Versprechen, das wir von den Startups fordern, ist, dass die Gründer als erfolgreiche Unternehmer auch selbst wieder etwas an den Nachwuchs zurückgeben. Ich denke, das ist ein mehr als faires Angebot und in Deutschland einmalig.

In diesem Jahr feierte das CyberLab seinen 2. Geburtstag. Wie fällt Ihre bisherige Bilanz aus?

Wir haben 2013 und 2014 insgesamt 10 Teams gefördert. Davon haben sich sieben Teams weitere Finanzierungsmittel sichern können. Drei Startups tragen sich bereits aus den eigenen Umsätzen. Wir liegen damit über dem Branchenschnitt und können stolz auf die jungen Unternehmer sein. Und das muss auch gefeiert werden. Denn Erfolge ordentlich zu feiern, ist vor allem auch für die Motivation und den Teamspirit der Startups wichtig. Die Erfolge der Teams und den Geburtstag des CyberLab feiern wir jedes Jahr mit der gesamten Karlsruher Gründerfamilie beim Gründergrillen im CyberLab.

Wie viele Gründer, die durch das CyberLab unterstützt wurden, sind bisher gescheitert?

Der Kontakt zum Markt ist der entscheidende Faktor für ein erfolgreiches Unternehmen. Auch wenn dabei herauskommt, dass das zuletzt geplante Konzept nicht funktionieren kann – so wie es sich bei zwei unserer Teams herausgestellt hat - ist das ein Erfolg. Es geht uns nicht darum, keine Fehler zu machen, sondern früh herauszufinden, falls etwas am Plan geändert werden muss. Ich würde sagen: Nur wer aufhört, Fehler zu machen, ist wirklich gescheitert.

Ist Scheitern schlimm?

In Deutschland versteht man das Scheitern noch als etwas Endgültiges. Dabei ist es ein idealer Ausgangspunkt, um zu lernen und es besser zu machen. Passend dazu veranstaltet das CyberForum übrigens am 30. Juni einen sogenannten Fail-Talk, in dem Unternehmer von ihren Fehlern erzählen und wie diese Fehler sie vorangebracht haben. Ganz nach dem Motto: Experiment, fail, learn, repeat.

Warum ist Karlsruhe ein guter Standort für Gründer?

Karlsruhe hat neben hervorragenden Hightech-Unternehmen auch exzellente Forschungs- bzw. Bildungseinrichtungen. Das Besondere an Karlsruhe ist jedoch auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit und enge Vernetzung zwischen diesen Akteuren in der Gründerförderung. Gerade für Startups, die in der IT-Branche Fuß fassen wollen oder deren Kunden in den im Südwesten starken Branchen wie Automotive und Maschinenbau aktiv sind, ist Karlsruhe ein guter Standort. Die Gründerszene ist hier sehr dynamisch, was sich beispielsweise in regelmäßigen Events zeigt, die Gründer für Gründer veranstalten – der Austausch und das Miteinander funktionieren trotz des teilweise ja vorhandenen Konkurrenzdrucks sehr gut.

Was haben Gründer-Standorte wie Berlin oder München Karlsruhe noch voraus?

München und Berlin sind als Städte und Gründerstandorte einfach bekannter als Karlsruhe – was nicht zwangsläufig bedeuten muss, dass sie im Verhältnis zu ihrer Größe mehr zu bieten haben. Auch wenn sich für Startups, die B2C-Modelle mit großem Marketingaufwand aufbauen wollen, das nötige Kapital in diesen Städten vermutlich leichter findet als im Südwesten. Karlsruhe spielt seine Stärken eher im B2B-Bereich aus. So erhielt zum Beispiel Big-Data-Spezialist Blue Yonder erst kürzlich 75 Millionen Dollar Private-Equity von Warburg Pincus, einem globalen Private-Equity-Unternehmen. Ein aufstrebendes, junges Unternehmen ist auch abusix, das mittlerweile schon erfolgreich im Silicon Valley unterwegs ist. Und eine ganz aktuelle Erfolgsmeldung für unseren Gründerstandort: Zwei junge Firmen aus der TechnologieRegion, Restube und Nanoscribe, haben es beim Deutschen Gründerpreis ins Finale geschafft. Wir müssen in Karlsruhe also noch mehr lernen, unsere Qualität ins Rampenlicht zu stellen, anstatt mit Understatement am Bühnenrand zu stehen.

Daniel Karszt, 33, arbeitet seit 2013 beim CyberForum e.V. und betreut dort als Projektleiter den StartUp-Inkubator CyberLab. Zuvor hat der studierte Informationswirt selbst Gründungs-Erfahrungen im IT-Umfeld erworben, u.a. mit der stnd GmbH und der Jatuso GmbH.

Fragen: Moritz Damm

Weitere Infos unter www.cyberlab-karlsruhe.de

Treffen Sie den CyberLab-Projektleiter: Daniel Karszt auf Xing und LinkedIn!

Karlsruhe - Stadt der Innovationen: Karlsruhe ist ein attraktiver Wirtschaftsstandort mit enormer Innovationskraft und Erfindergeist. Hier boomt die Gründer-Szene. Viele schlaue Köpfe, innovative Start Ups und erfolgreiche Unternehmer sind hier zu Hause! Zahlreiche internationale Innovationen und Technologien haben ihren Ursprung in Karlsruhe.In den nächsten Wochen stellen wir Innovationen, Unternehmer und Karlsruher Gründer in unserem Online-Spezial "Karlsruhe - Stadt der Innovationen" vor.

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