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Karlsruhe Wenn der Sohn des dm-Gründers das Familienunternehmen übernimmt: Herr Werner, wie gehen Sie mit diesem Druck um?

Er ist der Sohn des bekannten dm-Gründers Götz Werner - jetzt ist er selbst Vorsitzender der Geschäftsführung: Mit 46 Jahren hat Christoph Werner im September dieses Jahres den Posten als Chef der Drogeriemarktkette übernommen - und muss damit in die großen Fußstapfen seines Vaters treten. Oder etwa doch nicht? Warum der neue Chef lieber seinen eigenen Weg geht und warum ihm Gewinne nicht unbedingt am wichtigsten sind, hat er ka-news.de im Interview verraten.

Herr Werner, wie fühlen Sie sich in Ihrer neuen Rolle als Vorsitzender der Geschäftsführung?

dm Drogeriemarkt ist eine Gemeinschaftsleistung und es ist natürlich schon so, dass die unterschiedlichen Menschen bei dm auch unterschiedliche Rollen haben. Meine Rolle hat sich verändert, das ist wohl wahr, allerdings bin ich ja schon seit 2010 im Unternehmen, seit 2011 in der Geschäftsführung. Insofern ist das ein gleitender Übergang.

Das Schöne bei dm ist ja, dass wir eine tolle Arbeitsgemeinschaft haben, die wirklich sehr engagiert für die Kunden da ist - und die zu unterstützen macht große Freude, auch in der neuen Rolle.

Sie haben erwähnt, dass Ihnen die Bilanz-Zahlen und der Gewinn nicht so wichtig sind. Was ist Ihnen denn wichtig? Wachstum, aber nicht um jeden Preis?

Der Ertrag, also der Gewinn, ist ja das Ergebnis davon, was wir in der Vergangenheit gemacht haben. Aber gerade als Geschäftsführung müssen wir uns ja vor allem permanent Sorgen um die Zukunft machen, müssen uns fragen: Woran müssen wir arbeiten, damit die Kunden sich auch künftig für dm Drogeriemarkt entscheiden? Daher geht es heute eher um die qualitativen Dinge, um die wir uns bemühen wollen und damit auch um die Zukunft.

Roman Melcher (Geschäftsführer Bereich Informationstechnologie), Christoph Werner (Vorsitzender Geschäftsführer) und Herbert Arthen (Pressesprecher) | Bild: ka-news.de

Wachstum selbst ist die Folge von Kundenzuspruch. Das heißt, wir müssen uns um den Kundenzuspruch bemühen und das Wachstum wird folgen. Wachstum kann man auch kurzfristig wie ein Strohfeuer generieren, aber es geht um Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit - und das geht nur, wenn man an der Qualität arbeitet und langfristig an die Sachen herangeht.

Wie einfach oder schwer wird es vor diesem Hintergrund, nächstes Jahr wieder die Nummer eins zu sein?

Ich würde mal sagen: Jeden Morgen sind die Kassen leer. Wir müssen uns also jeden Tag neu anstrengen, um für unsere Kunden attraktiv zu sein - und das tun wir nach Kräften. Einen Anspruch darauf haben wir aber natürlich nicht. Gleichzeitig glaube ich, wenn ich in die Arbeitsgemeinschaft schaue, wie die Menschen sich bei dm Drogeriemarkt einbringen, dass wir gute Voraussetzungen haben, dass wir auch künftig für unsere Kunden den Unterschied machen können.

dm-Drogeriemarkt
Christoph Werner ist seit September der neue dm-Chef. | Bild: Soeren Stache/Archiv

Das Umweltbewusstsein spielt für die Kunden eine immer größere Rolle. Daher die Frage: Ein Mikroplastik-freier Markt - ist das möglich?

Nichts ist bekanntlich unmöglich - die Frage ist, wann ist das realisierbar. Das hängt davon ab, welche technologischen Fortschritte es gibt und was in den Prozessen machbar ist, sodass es für die Kunden auch erschwinglich ist. Unser Anspruch ist, dass wir uns da nach Kräften drum bemühen und - wenn es die Möglichkeit gibt - es tatsächlich auch tun. Deswegen möchte ich es für die Zukunft nicht ausschließen und: Wenn es denkbar wäre, wären wir sicherlich mit vorne dabei.

Christoph Werner
Christoph Werner | Bild: dpa

Ihr Vater Götz Werner hat dm 1973 gegründet – nervt es Sie, immer nur der berühmte Sohn des Gründers zu sein?

Es gibt eine Innen- und eine Außenperspektive. Man wird immer mit anderen Menschen verglichen und wenn man Sohn eines sehr erfolgreichen Vaters ist, dann ist das natürlich auch so. Meiner Meinung nach gilt es das einfach zu akzeptieren und zu billigen, dass manche Menschen darauf schauen.

Eröffnung dm Zentrale "Dialogicum"
dm-Gründer Götz Werner. | Bild: Hammer Photographie

Entscheidend ist für mich die Frage, wie man selbst damit umgeht. Ich würde sagen ich habe Glück, dass ich so einen tollen Vater habe - nicht so sehr als Unternehmer, sondern als Mensch, denn die Eltern prägen uns ja durch ihre Erziehung. Wenn es ums Berufliche geht, glaube ich, dass es wichtig ist, dass man seinen Weg geht und sich bemüht, seine gesetzten Ziele auch zu verfolgen – da hilft der Vater natürlich nicht, denn es muss der eigene Weg sein.

Nach meiner Erfahrung ist es so: Wenn man seinen eigenen Weg geht, dann ist es wahrscheinlich am Ende so, dass man bei seinem letzten Atemzug zurückblickt und sagt: Das war mein Leben und nicht das eines Anderen.

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  •   HerrNilson
    (1184 Beiträge)

    25.10.2019 17:37 Uhr
    Mikroplastik
    ist in den Eigenmarken von DM zuhauf zu finden. Da werden neue Shampoos mit Mikroplastik auf den Markt gebracht, obwohl das Thema hinlänglich bekannt ist. Hier hätte man schon anfangen können was zu ändern. Jetzt, nicht erst in zehn Jahren.
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  •   beutelratte
    (67 Beiträge)

    25.10.2019 07:55 Uhr
    drei Artikel...
    ...auf der ersten Seite von ka-news zu dm, das nennt man dann ausgewogenen Journalismus, gell?
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  •   HerrNilson
    (1184 Beiträge)

    25.10.2019 17:35 Uhr
    Ist auch nicht schlimmer
    als täglich vier ksc-Berichte lesen zu müssen. Hier ist doch außer ksc bald nix mehr los.
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  •   maehdrescher
    (1247 Beiträge)

    25.10.2019 08:50 Uhr
    Noch viel ausgewogener
    finde ich, dass hier über 90 Prozent der Straftaten gar nicht mehr berichtet wird. So unterstützt man natürlich die These vom sichersten Karlsruhe, das es je gab.
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  •   HerrNilson
    (1184 Beiträge)

    25.10.2019 17:34 Uhr
    Warum ist
    es für Sie so wichtig außer in den BNN auch noch in KA News zu lesen, wenn einer ne Kiste Äpfel geklaut hat?
    Kapieren Sie solche news erst nach dem zweiten Mal lesen?
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  •   andip
    (9912 Beiträge)

    25.10.2019 12:12 Uhr
    Auch wenn off Topic ist
    Von was für Straftaten redest du?
    Die in deinem Kopf in deinen Albträumen?
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  •   maehdrescher
    (1247 Beiträge)

    25.10.2019 15:57 Uhr
    Bei dir sieht man
    dass die Taktik von ka-news wirkt. Wie wärs mit einem BNN-Abo? Oder die Polizeiberichte lesen, die kann man kostenlos online lesen...
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