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Ettlingen AfB-Chef Daniel Büchle: "Wir wollen 500 Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung schaffen!"

Wirtschaftsunternehmen mit sozialer und nachhaltiger Verantwortung sind in unserer Gesellschaft sehr wichtig. Eines von ihnen ist die AfB (Arbeit für Menschen mit Behinderung), die ihren Hauptsitz in Ettlingen hat. ka-news hat mit AfB-Geschäftsführer Daniel Büchle über Aufgaben, Visionen und Erfolgsgeheimnisse des Unternehmens gesprochen.

Herr Büchle, können Sie kurz erklären, wofür die AfB inhaltlich gesehen steht und worin der Aufgabenbereich der AfB besteht?

Wir beschäftigen uns seit knapp 15 Jahren mit der Aufarbeitung von gebrauchten IT-und Mobilgeräten. Unser Kerngeschäft ist, dass wir ausgemusterte Geräte von Banken, Firmen und öffentlichen Einrichtungen übernehmen, löschen, aufbereiten und wieder vermarkten – wir bringen sie zurück in den Kreislauf und schonen so Umweltressourcen.

Was uns von anderen Firmen, die so etwas anbieten, unterscheidet ist, dass wir das als gemeinnützige GmbH machen und dazu Menschen mit Behinderung integrieren – etwa 45 Proztent der aktuell 320 Mitarbeiter europaweit haben eine Beeinträchtigung. Das ist unser Alleinstellungsmerkmal.

Es entstehen neue Standorte, die Mitarbeiterzahlen steigen weiter an. Wie erklären Sie sich das große Wachstum und das Erfolgsgeheimnis der AfB?

Wir bieten eine Dienstleistung an, die sehr sehr wichtig ist. Immer mehr Firmen haben immer mehr Rechner. Es wird viel mehr digitalisiert. Gleichzeitig gibt es neue Technologiesprünge, das heißt, die Firmen müssen irgendwann ihr Technologie austauschen. Und dafür brauchen sie eine sinnvolle Lösung. Gerade im Zuge der EU-Datenschutzgrundverordnung hat man nochmal in Sachen Datenvernichtung sensibilisiert. Für die ordnungsgemäße Vernichtung braucht man viel Know-How. Und genau das bieten wir. Deswegen wird unsere Dienstleistung auch in Zukunft immer mehr gefragt sein.

Es gibt natürlich viele Unternehmen in diesem Sektor. Doch wir versuchen uns schon als die "Besten" am Markt zu platzieren, die das Thema Hardware am professionellsten beherrschen. Da können wir punkten. Das merken wir daran, dass wir viele neue Kunden auf Empfehlung gewinnen. Auch der sozial-ökologische Aspekt spielt eine wichtige Rolle.

Es gibt Kunden, denen es wichtig ist, dass mit der nicht mehr benötigten Hardware, die aussortiert wird, etwas Nachhaltiges passiert. Außerdem schaffen sie dadurch auch Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung. Auch bei der Vermarktung wollen wir möglichst sozial nachhaltig wirken: Wir engagieren uns zum Beispiel bei "Stifter helfen" – hier gehen die Geräte an gemeinnützige Vereine – oder in unserem Projekt "Jump", bei dem Schulen technisch ausgestattet werden.

Das sind eben die verschiedenen Punkte: Datensicherheit und der sozial-ökologische Mehrwert. Ich glaube, dass diese Kombination bei potenziellen Kunden und Partnern sehr gut ankommt.

Afb III
Bei der AfB wird gebrauchte IT-Hardware von Firmen wieder aufbereitet und vermarktet | Bild: AfB gemeinnützige GmbH

Die AfB gibt Menschen mit Behinderung eine Chance. Durch die verschiedenen Formen der Behinderung muss man sich aber auf jeden einzelnen Beschäftigten individuell einstellen. Was ist das Besondere beim Umgang mit Arbeitnehmern mit Behinderung und worauf gilt es dabei zu achten?

Dadurch, dass wir nicht nur einen Bereich haben, sondern von Verwaltung, Datenlöschung bis hin zum Verkauf sehr unterschiedliche Jobs anbieten, wo man manchmal eher geistige Leistung bringen muss, manchmal mehr körperliche Arbeit leisten muss, haben wir da diverse Möglichkeiten. Wenn sich einer nicht ganz so wohl fühlt in einer Abteilung oder sein Handicap schwerer wird, dann gelingt es uns meist, eine andere Abteilung zu finden, wo derjenige besser arbeiten kann.

Jeder, der ein Team führt oder hier arbeitet, dem muss klar sein, dass jeder Zweite, den er trifft, jemand mit Behinderung ist. Da dürfen keine Berührungsängste sein. Da muss beim Teamleiter eine große soziale Kompetenz, ein Führungskompetenz vorhanden sein. Wir haben Behindertenbeauftragte, Sozialarbeiter, die auch helfen können. Wir schicken unsere Teamleiter auch auf Schulungen. Man muss zudem unterscheiden, ob man einen studierten Menschen vor sich hat oder einen Menschen mit Behinderung, und wie man denen dann jeweils die Aufgaben übergibt, zum Beispiel was den Zeitdruck angeht.

Viele Menschen mit Behinderung haben es oft nicht leicht, einen Job zu finden und sind vielleicht wegen der vielen Absagen auch verunsichert. Warum genau sollten sie sich dennoch bei AfB bewerben?

Wir haben bei uns bestimmt gerade 20 bis 30 offene Stellen. Jede zweite wird durch eine Person mit Beeinträchtigung besetzt. Andere Unternehmen, die sich mit Inklusion schwer tun oder gerade die gesetzliche Quote erfüllen, werden natürlich nie zu 45 Prozent Menschen mit einer Behinderung einstellen. Wir müssen natürlich auch auf Qualifikation achten. Doch wenn das passt, hat man bei uns deutlich bessere Chancen als in Nicht-Inklusionsunternehmen.

Was sind die weiteren Ziele, also wohin möchte die AfB wachsen?

Über allem steht unser Ziel, 500 Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung im IT-Umfeld zu schaffen. Davon sind wir noch ein gutes Stück entfernt. Wir hoffen weitere Partner zu gewinnen. Gerade auch hier in Karlsruhe gibt es noch die ein oder andere Firma wie zum Beispiel die EnBW, deren nicht mehr benötigte Hardware wir gerne übernehmen würden. Wir versuchen weiter zu wachsen, indem wir mehr IT-Geräte erhalten. Je mehr IT-Geräte wir erhalten, desto mehr Jobs entstehen. Und so hoffen wir, unser Ziel bald erreichen zu können.

Die AfB wird weiter expandieren. Wir haben ein jährliches Wachstum von rund 20 Prozent. Das heißt, alle ein bis zwei Jahre kommt ein neuer Standort dazu. Ob das als nächstes in München ist, in den Niederlanden oder der Slowakei, ist natürlich schwer einzuschätzen. Es gibt auch viele Orte, die gerne einen AfB-Standort hätten, weil sie viele Menschen mit Behinderung haben, die einen Job suchen. Da schauen wir aber auch, dass wir nicht zu schnell wachsen, dass wir unsere Prozesse nachziehen können .

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Kommentare (9)
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  •   Malerdoerfler
    (4763 Beiträge)

    29.07.2018 16:01 Uhr
    Tolle Sache
    Find ich richtig gut!
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  •   Sabine_Klemm
    (11 Beiträge)

    29.07.2018 10:52 Uhr
    Da möchte man den Gemeinderäten in Karlsruhe zurufen
    ... bitte passen Sie auf dass der Herr Oberbürgermeister nicht gemeinsam mit dem Spezialisten für Armutsbekämpfung den Reichtum einiger weniger nährt. Tragen Sie Sorge, dass bei den Menschen mit Behinderung eine qualitätsgesicherte Leistung ankommt. Es wäre toll, wenn diese von Ihrem Verdienst leben können und abgesichert sind.
    Erschreckenden Beispiele für völlig fehlgeleitete Unternehmungen sind:
    Bethel - dort fragte man sich, sind 700.000 Euro Jahresgehalt angemessen für einen Geschäftsführer. Dies wurde vor Gericht geklärt. https://winheller.com/blog/gemeinnuetzige-unternehmen-verguetung/

    Auch in Dortmund lief da was falsch. Eine Duisburger Behinderten-Werkstatt steht in der Kritik ihrer Leitung 380.000 Euro Jahresgehalt gezahlt zu haben. https://www.waz.de/staedte/duisburg/cdu-zu-werkstattchefin-bestuerzt-ueber-unangemessene-bezuege-id214906809.html

    Wie sieht das eigentlich in Karlsruhe aus?
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  •   silberahorn
    (9674 Beiträge)

    30.07.2018 06:31 Uhr
    Träum weiter
    Ohne jetzt der AfB böse Absichten unterstellen zu wollen, weil ich das ohne beweisbare Grundlage für anmaßend halten würde, möchte ich aber auf Schwierigkeiten zwischen Stadtrat und Bürgermeister etc. hinweiseen.
    Bürgermeister meinen, dass sich der Stadtart um Bürgerhinweise kümmern muss. Manche Stadträte fragen eventuelle noch die zuständigen Bürgermeister und bekommen als Antwort, dass keine Fehler gemacht werden.
    Und dann gibt es noch das Problem der Begutachtungen durch das Gesundheitsamt in Karlsruhe, das aber zum Land gehört. Dafür fühlt sich schon deshalb weder ein Bürgermeister aus Karlsruhe noch ein Stadtrat zuständig.
    Was dort in Begutachtungen passiert ist mehr als nur ein Hammer, wobei die Verwaltung meint, dass sie stets das ausführt, was das Sozialgericht bestimmt. Weshalb muss aber etwas vor Gericht landen? Manch einer weiß gar nicht, was in den Gutachten steht. Eine hohe Phantasiebegabung scheint bei einigen Gutachtern nachweisbar vorhanden zu sein.
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  •   Sabine_Klemm
    (11 Beiträge)

    31.07.2018 08:51 Uhr
    In Duisburg hat sich jetzt sogar der OB dazu geäußert
    "In dem Bundesland an der Ostsee ist dann genau das passiert, was in Duisburg erst noch befürchtet wird: Das Finanzamt entzog nach einer Gehaltsprüfung die Gemeinnützigkeit. Diesen Rechtsstreit wird das oberste deutsche Finanzgericht entscheiden. Die Akte liegt unter dem Zeichen VR 5/17 beim Bundesfinanzhof. Die 700 gemeinnützigen Behindertenwerkstätten, sicher aber auch die Stadt Duisburg, warten gespannt auf das Urteil.

    Denn am Mittwoch sah sich schließlich auch der Duisburger SPD-Oberbürgermeister Sören Link zu einer öffentlichen Stellungnahme gezwungen. "Umgehende und transparente" Aufklärung verspricht er in der Mitteilung – gibt sich aber ahnungslos. Für die Stadtspitze hätten sich erst beim Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrats "Fragen ergeben, auf die wir in den Akten keine ausreichenden Antworten finden konnten", erklärte Link.
    Deshalb sei auch das Gutachten in Auftrag gegeben worden." [url=https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/id_84172130/skandal-in
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  •   Sabine_Klemm
    (11 Beiträge)

    31.07.2018 09:12 Uhr
    Der Link oben geht nicht
    nächster Versuch. https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/id_84172130/skandal-in-duisburg-mega-chefgehalt-gefaehrdet-ganze-behindertenwerkstatt.html
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  •   karlsruher1955
    (1128 Beiträge)

    29.07.2018 14:32 Uhr
    Sehr guter Beitrag
    Bin gespannt, ob seitens der Gemeinderäte hier irgendwelche Stellungnahmen kommen.
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  •   Hartz4Bomber
    (492 Beiträge)

    29.07.2018 13:04 Uhr
    Die stellen Behinderte ein
    um die Lohnkosten zu drücken, und schaufeln sich dabei die eigenen Taschen voll.
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  •   Joerg_Rupp
    (2462 Beiträge)

    30.07.2018 02:49 Uhr
    es gibt in der Region
    viel zu wenige Arbeitsplätze für Menschen mit Einschränkungen. Die AfB bieten zudem Arbeitsplätze, die sich nciht an klassiche Werkstättenmitarbeiter richten, sondern an Menschen, die aus "normalen" Arbeitsverhältnissen kommen oder aus dem Förderbereich.
    Es gibt ein paar Regeln für Integrationsbetriebe. Und an die müssen sich die Betriebe auch halten.
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  •   Malerdoerfler
    (4763 Beiträge)

    28.07.2018 19:54 Uhr
    Dann legt mal los!
    Arbeitsplätze sind immer gut.
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