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Karlsruhe 2,5 Millionen für Ikea-Ansiedlung: Welche Kosten übernimmt Karlsruhe?

Ikea kommt, so viel steht fest - so manches Detail war aber bislang noch nicht ausreichend geklärt. Der Karlsruher Gemeinderat soll jetzt mit den offenen Fragen aufräumen: Am Dienstag berät er in seiner Sitzung über einen Bebauungsplan für die Ansiedlung des schwedischen Möbelriesen.

Anlass und Ziel des Bebauungsplans, der am kommenden Dienstag in den Karlsruher Gemeinderat beraten werden soll, ist die Errichtung des großflächigen Einrichtungshauses auf dem drei Hektar großen Grundstück in der Durlacher Allee. Ikea plant an dieser Stelle, ein Einrichtungshaus mit einer Größe von 25.500 Quadratmetern Verkaufsfläche zu errichten. Damit wäre der Karlsruher Ikea etwa so groß wie das schwedische Möbelhaus in Walldorf.

Aufgrund der Größe und der damit verbundenen Auswirkungen ist das Vorhaben "raumbedeutsam". Das heißt, der Regionalplan des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein (RVMO) musste entsprechend geändert und vom Ministerium für Verkehr und Infrastruktur durchgewunken werden. Die Hürde nahm der Möbelriese im vergangen Herbst. Von da an hieß es: freie Bahn!

Kunden sollen mit Bahn und Fahrrad anreisen

Ein Blick in den aktuellen Bebauungsplan zeigt, was genau die Verantwortlichen für den Ikea-Neubau vorgesehen haben. Das Gebäude wird maximal 28 Meter hoch sein und seine Dachflächen begrünt. Im unteren Bereich soll der großflächige Verkauf angesiedelt werden. Im oberen Bereich soll es dann Parkebenen geben.

Der Haupteingang wird sich zur Ecke Weinweg/Durlacher Allee befinden. Unklar ist bislang noch, wie genau die Fassade des Möbelhauses am Ende aussehen soll. Die Ikea Verwaltungs GmbH hatte einen Wettbewerb ausgelobt. Sechs Architekturbüros waren in der engeren Auswahl - wer den Zuschlag bekommen hat, verrät Ikea erst aber erst im Laufe des Donnerstags.

Wie soll der Verkehr zum Möbelhaus kommen?

Erschlossen wird das Einrichtungshaus laut Bebauungsplan über den Straßenraum der Durlacher Allee, der Gerwigstraße und vom Weinweg aus. Von der Durlacher Allee und und der Gerwigstraße wird eine Zufahrt für Autofahrer über einen Rechtsabbieger möglich. Der Anlieferverkehr soll über die Durlacher Allee und Gerwigstraße zufahren, so der Plan der Stadtverwaltung.

Außerdem habe man besonderen Wert auf den Öffentlichen Nahverkehr gelegt, betont die Stadt in ihrer Beschlussvorlage: So soll der Hauptausgang nur 50 Meter von der Bahn-Haltestelle "Weinweg" entfernt liegen, zum Bus sollen es nur 20 Meter werden. Damit sei ein Anschluss an den Öffentlichen Nahverkehr gewährleistet. Laut Beschlussvorlage sei das Einrichtungshaus "hervorragend" an das örtlich und überörtliche Verkehrsnetz angeschlossen.

Ein Problem für den restlichen Einzelhandel

Aber auch wer mit dem Auto kommt, soll keine Probleme bekommen. Insgesamt sind 1.300 Parkplätze geplant, wovon etwa 400 Stellplätze an EnBW-Mitarbeiter entfallen. Für Fahrräder stehen ganze 312 Plätze bereit. Die Stadt geht gemeinsam mit Ikea davon aus, dass viele Kunden mit Bahn oder Rad zur Filiale kommen.

Droht durch die Autos dann der Verkehrskollaps? Die Auswirkungen auf den umliegenden Einzelhandel wurden im Zuge des Bebauungsplanverfahrens in einem Gutachten geprüft. Zusammenfassend überwiegen hier laut Gutachten die verbundenen Chancen gegenüber den Risiken. Als Risiko wurde "eine übermäßige Konzentration von publikumsintensiven Einrichtungshäusern an einem verkehrsbelasteten Standort" ausgemacht.

Doch dem stand die Erhöhung der Versorgungsqualität und Angebot, sowie eine Steigerung des Gesamtumsatzes, einer "Magnetwirkung" auf den Einzelhandel gegenüber, heißt es in der Beschlussvorlage. Außerdem würde die Stadtort-Attraktivität erhöht und die Verkehrsflüsse zu anderen Standorten dadurch verringert werden.

Karlsruher Gemeinderat muss noch grünes Licht geben

Ob Ikea so kommt, wie es der Bebauungsplan vorsieht, muss noch aktuell noch abgewartet werden. Am Dienstag müsste der Karlsruher Gemeinderat bei seiner öffentlichen Sitzung grünes Licht für das Bauvorhaben geben. Ebenfalls unklar ist auch, welche Kosten für die Ansiedlung des Möbelriesen auf die Stadt zukommen werden.

 Für den Um-und Ausbau der Erschließungsanlagen im Plangebiet entstehen laut erster Schätzung etwa 2,5 Million Euro Kosten, für die Verbreiterung fällt eine weitere Millionen an.  Für den Erschließungs- und Umbaumaßnahmen der Verkehrsflächen werden 3,6 Millionen Euro nach derzeitiger Schätzung im Bebauungsplan angegeben. Wie viel davon die Stadt zahlen muss, steht noch nicht endgültig fest. Die Kostenaufteilung wird in einem Durchführungsvertrag geregelt werden.   

Die Ikea-Historie im Überblick:

1990 Erste Anfrage von Ikea
2001 Erneute Anfrage, Markgutachten, kein Standort wird als geeignet betrachtet
2004 Ettlingen, Baden-Baden und Pforzheim werden von Ikea als Standorte abgelehnt
2005 Ikea-Planung in Rastatt beginnt
2007-2013 Rechtsstreit Ikea mit Stadt Rastatt
2010-2012 RVMO und Stadt Karlsruhe beginnen mit Suchlauf und Prüfung von Standorten
20. Mai 2014 Öffentliche Bekanntgabe des Wunschstandorts Durlacher Allee
Juni/Juli 2014 RVMO und Gemeinderat sprechen sich für Standort aus
Juli 2015 RVMO beschließt Änderung Regionalplan
Aufstellung des Bebauungsplans im Gemeinderat
November 2015 Ministerium genehmigt Änderung Regionalplan
2018 geplante Neueröffnung Ikea an Durlacher Allee

Im Zuge des geplanten Ikea-Neubaus in Karlsruhe hat das Unternehmen in einer gemeinsamen Aktion mit ka-news ein Ikea-Bürgerforum eingerichtet. Hier haben Sie die Möglichkeit, sich ausführlich über die geplante Ikea-Ansiedlung in Karlsruhe zu informieren, Fragen zu stellen und Anregungen und Kritik zu äußern. Hier geht's zum Ikea-Bürgerforum!

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Haben Sie Fragen und Anregungen zum neuen Ikea in Karlsruhe? Im IKEA-Bürgerforum können die Karlsruher online Fragen an Ikea stellen und über die Ikea-Ansiedlung diskutieren. Das Bürgerforum ist ein gemeinsames Projekt von Ikea und ka-news.

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  •   Grosses_W_kloiner_Eber
    (174 Beiträge)

    15.07.2016 21:49 Uhr
    Was, mir solle
    mit der Bahn oder middem Fahrrad na fahre? Des sinn doch Ferz!
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  •   Freigeist1
    (454 Beiträge)

    14.07.2016 15:32 Uhr
    Was die Stadt Karlsruhe nun dringend angehen sollte sind Vorrang-Radwege
    City - Durlach. Denn: Wenn IKEA und die dm-Zentrale erstmal da sind wird die Durlacher Allee zur "Autohölle". Schon heute sind direkte, schnelle Radverbindungen ohne allzuviel Lärm&Abgase von Durlach in andere Stadtteile schwierig. Gut wäre z.B. Ausbau breiter Radweg nördlich am Real/Saturn vorbei mit radelbarer Unterfgührung am Bf Durlach. Gerwigstraße. Außerdem südlich der Durlacher Allee mit neuer Unter-/Überfürung der Bahngleise.
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  •   MacGeifer
    (1840 Beiträge)

    14.07.2016 16:16 Uhr
    Autohölle,
    ich lach gleich. Denk doch mal nach.

    In der dm Zentrale arbeiten 9 to 5 Menschen. Die kommen morgens und gehen abends, so wie in vielen anderen Firmen auch. Die müssen mal wohin, es kommen auch Leute von auswärts zu Besprechungen, aber du willst mir doch nicht ernsthaft weismachen, dass man das physisch spürt. Als es KA-Mitte noch nicht gab war die Durlacher Allee zu den Stosszeiten auch dicht.
    Durch KA-Nord und Mitte hat KA-Durlach als Einfallstor in die Stadt nahezu keine Bedeutung mehr.

    Und auch IKEA wird Stosszeiten haben, denn die Kunden müssen ja auch arbeiten. Natürlich wirds eventuell an dem einen oder anderen Samstag ein bisschen sportlich, aber zumindest als Karlsruher hat man da einen Vorteil: Man weiss es! Und hat die Möglichkeit sich fernzuhalten.

    Aber von Autohölle und sonstigen apokalyptischen Szenarien zu schwadronieren halte ich für vollkommen unrealistisch.
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  •   Freigeist1
    (454 Beiträge)

    14.07.2016 16:38 Uhr
    Ich schätze mal, Dir fehlen da praktische Erfahrungen. Zwischen Bf Durlach und EnBW
    gibt es 9 den Radweg querende Einmündungen auf die Durlacher Allee inkl. S-Bahn, wo teils mit hoher Geschwindigkeit gefahren wird. Das ist -für einen der wichtigsten Verbindungsradwege- jetzt schon eine Zumutung in unserer ach so fahrradfreundlichen Stadt. Plus IKEA + dm. Also in Ulm gab es z.B. nach IKEA-Eröffnung den Verkehrskollaps bis auf die Schnellstraße, inkl. Nachbesserungsbedarf - aber wenn Du meinst, bei uns sei alles anders, na ja. Aus der Windschutzscheibenperspektive ist einem das, zumal wenn man dort nicht lang muß, natürlich schnuppe...
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  •   MacGeifer
    (1840 Beiträge)

    15.07.2016 01:14 Uhr
    Ah ok,
    sollen wir jetzt 'Autobahnen' für Radfahrer bauen?
    Das ist ja lächerlich.
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  •   Freigeist1
    (454 Beiträge)

    15.07.2016 08:54 Uhr
    Du kommst wohl nicht so viel herum? Hier der Link:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Radschnellweg
    ("Radschnellweg in Wikipedia"). Es kann ja sein, dass Du so etwas nicht magst oder brauchst, andere fahren z.B. kein Auto. Diskussionen über gesellschaftliche Themen gelinger eher, wenn nicht jeder NUR von sich ausgeht... grinsen
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  •   giggls
    (223 Beiträge)

    14.07.2016 15:53 Uhr
    Ja, wäre extrem sinnvoll
    Über die für KFZ stillgelegte Autobahnbrücke in der Untermühlsiedlung und unter der ehemaligen B10 und Hauptbahn KA-HD durch könnte man sich direkt an den bestehenden Weg in Richtung Pfinztal ankoppeln.

    Erfordert halt mindestens zwei Unterführungen und wäre dadurch nicht ganz billig.
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  •   mkossmann
    (106 Beiträge)

    14.07.2016 16:37 Uhr
    Das geht doch heute schon
    ohne neue Unterführungen
    Am östlichen Ende der stillgelegten Autobahnbrücke links ,dann rechts über eine für den Autoverkehr gesperrte Brücke . Da kommst du dann beim Durlacher Reitverein auf der Hub raus. Von dort aus geradeaus weiter auf eine Brücke über die Durlacher Umgehungsstrasse und weiter über den Bahnübegang der an der Haltestelle Hubstrasse der Stadtbahnstrecke nach Grötzingen. Von dort aus entweder links nach Grötzingen ( parallel zur Bahnlinie) oder geradeaus weiter über zwei Bahnbrücken nach Durlach rein
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  •   Freigeist1
    (454 Beiträge)

    14.07.2016 16:45 Uhr
    Stimmt, hat aber mit einer schnellen, direkten Radwegverbindung nix tu tun.
    Zwischen Ikea + Bf Durlach entspricht dies 4 km statt nur 1,7 (!) entlang der Durlacher Allee, ist also mehr als doppelt so weit. Für eine Sonnragsradtour vielleicht möglich, aber keine Alternative für Alltagsradler. Wenn man doppelt so weite Wege hernimmt gibt es immer viele Möglichkeiten.
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  •   mueck
    (9091 Beiträge)

    14.07.2016 18:01 Uhr
    !
    Die Autobahnbrücke bei der Untermühlsiedlung ist nicht stillgelegt, da fließt noch jede Menge Individualverkehr drüber!
    ... zumeist in Form von Rad und Fuß ...

    DAS ist eine stillgelegte Brücke!
    Auf der östlichen Seite weiter auf dieser Trasse, die passende Rampe zur Alten Weingartener wurde damals sogar radfahrkompatibel flach hergestellt! Auf der Westseite auf der Ex-Str. und der der zurückzubauenden Ex-B10 weiter, die wird mit 4 SPuren nicht mehr gebraucht, und bequem rauf auf die Durlacher Allee, das wäre mal ein SCHNELLweg auf der Route.
    Und von Süd-Durlach her die Route, die schon im Zuge der Bundesgartenschauplanung angedacht war entlang der Bahntrasse zwischen altem Durlacher Bf und alten Karlsruher Hbf
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