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Karlsruhe (Gerade) als Brauerei muss man dem Trend zum Alkoholfreien Rechnung tragen, sagt Hoepfner-Chef Willy Schmidt

Wie ist die Bierstimmung in Karlsruhe? Pünktlich zum anstehenden Burgfest hat ka-news.de mit Hoepfner-Geschäftsführer Willy Schmidt über Neuerungen in der Bierburg gesprochen: Über die Konkurrenz Moninger, den Trend zum alkoholfreien Getränk und einen umgeschulten Automobil-Roboter "in Rente" - ein Interview.

In der Burg wurde modernisiert: Es gibt eine neue Fassabfüllanlage - was bedeutet sie für Hoepfner?

Das ist ein ganz großer Modernisierungsschritt für uns. Mit der Fassabfüllanlage sind wir jetzt zum einen in der Lage, mithilfe der Robotertechnik wesentlich schonender zu arbeiten - das war vorher mit viel Handarbeit verbunden - zum anderen merken wir auch, dass die Nachfrage von Gastronomie und Festen immer größer wird. Das ist eine Besonderheit bei Hoepfner – und dem müssen wir Rechnung tragen. Fassbier ist wichtig, also brauchen wir auch eine entsprechende Fassfülltechnik, um der Nachfrage gerecht zu werden.

Woher kommt der Platz für die neue Anlage? Hat man etwas umgebaut?

Ein Teil der Anlage befindet sich im ehemaligen Flaschenkeller, der bis in die 90er Jahre betrieben wurde – das war in den letzten zwanzig Jahren ein leerer Raum, der jetzt wieder genutzt wird. Hinzu kommt, dass der Platzbedarf für die neue Anlage geringer ist: Früher hätte man dafür viel, viel mehr Platz gebraucht. Heute kann man das dank der modernen Technik alles etwas enger gestalten.

Hoepfner Fassabfüllanlage
Bild: ka-news

Wie viel Fässer laufen da am Tag durch? Wie viel werden abgefüllt?

Das sind ungefähr 100 Fässer die Stunde, wenn wir im Zweischichtbetrieb arbeiten – in Summe sind das ungefähr 1.500 Fässer am Tag. Im Moment füllen wir im Zweischichtbetrieb, eine dritte Schicht wäre noch denkbar.

Was kommt in die Fässer - immer Pils?

Das wird ständig gewechselt, weil wir alle Fassbiere-Sorten, die wir haben, in der Anlage abfüllen. Man versucht allerdings, möglichst immer ganze Schichten mit einer Sorte vollzubekommen, um nicht immer alles umstellen zu müssen.

Was wird am meisten abgefüllt?

Am meisten Pils – wir haben einen Pils-Anteil von über 60 Prozent. Das himmlisch-herbe Hoepfner Pilsner ist eben doch das, was in Karlsruhe am meisten gemocht und getrunken wird.

Wir haben gesehen, es ist ein Roboter im Einsatz. Der erste in der Hoepfner-Burg?

Ja und dieser Roboter war zuvor in der Automobilindustrie im Einsatz; jetzt ist er beim Bier angekommen und wir glauben, dass ihm das besser bekommt!

Eine Person war noch an der Anlage tätig – welche Auswirkungen hat der Roboter auf das Personal, mussten Stellen abgebaut werden?

Nein. Wir haben das mit der vorhandenen Mannschaft gelöst. Wir haben in der letzten Woche sogar einer Auszubildenden übernommen und sind schon wieder dabei einzustellen.

Hoepfner hat das Biermischgetränk "Grape" neu aufgelegt – das Motto ist weg von künstlichen Süßungsmitteln, hin zu natürlichen Aromen. Plant Hoepfner noch eine weitere Neuigkeit in den kommenden Jahren. Vielleicht ein Craft-Bier?

Im Moment weniger. Das Craft-Bier von Hoepfner ist ja eigentlich das Porter, weil wir dort auch nach einem speziellen Verfahren das Bier herstellen. Wir haben 18 Sorten Getränke – überwiegend Biere, aber auch alkoholfreie Sorten wie die Limonade Holi - welche wir vor zwei Jahren eingeführt haben - und in diesem Jahr kommt das neu aufgelegte Grape hinzu... Jetzt müssen wir erstmal verkaufen, bevor wir an neue Ideen denken.

Der Trend geht zum Alkoholfreien – macht sich diese Entwicklung auch bei Hoepfner bemerkbar?

Ja – ganz eindeutig. Wir merken es auch bei den alkoholfreien Bieren, die Nachfrage wächst hier stetig. Wenn man dieser Entwicklung als Brauerei heute nicht Rechnung trägt, dann verliert man.

Eine Frage zur Konkurrenz: Die Brauerei Moninger hat neue Besitzer und hat auch angekündigt, dass da was passieren wird. Beurteilen Sie das mit einer gewissen Gelassenheit, sind Sie neugierig – wie schätzen Sie das ein?

Ich fand es schade, dass die Brauerei in den letzten Jahren so von der Bildfläche verschwunden ist, es ist gut, wenn sie wieder aktiver wird.

Eine Region wie unsere kann absolut zwei aktive und gut geführte Brauereien gebrauchen. Hoepfner kann nicht alle Kunden bedienen und es hilft sehr wohl, einen guten Wettbewerber in der Umgebung zu haben. 

Die Flaschenabfüllung ist seit letztem Jahr im Odenwald – eine unabhängige Entwicklung oder war dies im Zuge der Umstellung auf Fassabfüllung?

Das geschah im Zusammenhang mit der Umstellung auf Fassabfüllung. Viel wichtiger war aber, dass die Flaschenabfüllung in dieser Lage für die Nachbarschaft in der Rintheimer Straße nicht mehr tragbar war – ein so lautes Geschäft in der Innenstadt zu betreiben, hätte auf Dauer keine Zukunft gehabt. Daher haben wir sie mit der Brauerei Schmucker im Odenwald zusammengelegt: Dort ist viel Platz – und man stört keine Nachbarschaft mit den fahrenden Lkws.

Die Lkws hat man jetzt doch auch noch mit der Fassabfüllung, oder?

Der Verkehr für die Fassabfüllung wird bleiben, aber der Verkehr für die Flaschenabfüllung ist weggefallen. Das ist nicht zu unterschätzen: Es gibt die Tendenz, dass die Lebensmitteleinzelhändler direkt in ihre Zentrallager beliefert werden möchten – diese werden jetzt direkt angefahren, der Verkehr fährt nicht von der Hoepfner Bierburg los.

Am Wochenende öffnet die Brauerei ihre Tore für die Öffentlichkeit - auf was freuen sie sich beim Burgfest am meisten?

Ich finde es toll, dass es ein so vielfältiges Fest ist und vor allem für die Familien viel geboten wird.

ka-news-Hintergrund

Das Hoepfner Burgfest findet traditionsgemäß an Pfingsten in der Hoepfnerburg statt. Vom Freitag bis Montag, 7. bis 10. Juni, wird auf drei Bühnen Programm geboten. Offizieller Startschuss mit dem Fassanstich ist am Freitag, 7. Juni, um 19 Uhr auf der Hauptbühne im oberen Hof. Außerdem bietet Hoepfner auch Führungen durch die Burg an - auch die neue Abfüllanlage kann besichtigt werden. Alle Bilder vom Festwochenende gibt es wie immer auf ka-news.de!
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  •   Holzbierebub
    (295 Beiträge)

    05.06.2019 16:08 Uhr
    Kann das alkfreie Hefeweizen von Hoepfner
    mit dem von Erdinger mithalten?
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  •   NeoTiger
    (692 Beiträge)

    04.06.2019 23:04 Uhr
    Also ich trinke ja gerne alkoholfreies Bier
    Aber was Hoepfner hier im Sortiment hat schmeckt mir absolut nicht. Da haben andere Brauereien mittlerweile deutlich bessere Herstellungsverfahren entwickelt. Am besten fährt man über den Rhein und holt sich alkoholfreies Weizenbier von Valentins oder Lord Fresh von den Pfälzern.
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  •   zahlenbeutler
    (1344 Beiträge)

    05.06.2019 09:40 Uhr
    man braucht nicht
    über den Rhein zu fahren, Rothaus hats, meiner Meinung das beste alkoholfreie und an alle, die alkoholfreies Bier trinkende Männer als unmännlich titulieren und sich so überlegen fühlen, wir Ex können damit leben, geht uns am A.... vorbei
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  •   NeoTiger
    (692 Beiträge)

    05.06.2019 10:48 Uhr
    Lässt mich so kalt wie mein Bier ...
    Der Markttrend ist eh so eindeutig dass irgendwann die alkoholfreien Biertrinker in der Überzahl sein werden.

    Wer sich am Alkohol nur berauschen will, trinkt eh Härteres. Wer Bier als Genussmittel und Durstlöscher schätzt, der hat nur noch nicht die Erfahrung gemacht, dass die alkoholfreien Varianten vieler Marken mittlerweile sehr gut schmecken. Die Leber dankt's und ich schätze es auch sehr nach einem herben, kühlen Durstlöscher noch 100% fahrtüchtig zu sein.
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  •   stefko
    (2120 Beiträge)

    04.06.2019 22:30 Uhr
    "wesentlich schonender"
    als würde dies bei solch einer Plörre irgend eine Rolle spielen ... zu gutem Schluss wird's dann gar noch "bekömmlich" zwinkern
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  •   andi-b7
    (2979 Beiträge)

    04.06.2019 21:33 Uhr
    Also wenn ich Alkfrei möchte dann kaufe ich Wasser ist günstiger.
    😱🤐
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  •   ka-lex
    (1645 Beiträge)

    04.06.2019 20:01 Uhr
    Hoepfner war mal
    Heute ist es nur noch ein überteuertes 08/15-Bier. Grad zum Vergessen!
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  •   schlaule2
    (65 Beiträge)

    05.06.2019 08:38 Uhr
    und welche Brauerei hat so eine Auswahl an Biersorten
    Porter, Rosebock, Maibock sind z.B Top-Biere
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  •   NeoTiger
    (692 Beiträge)

    05.06.2019 10:54 Uhr
    Hoepfner ist wirklich nur noch Mittelfeld
    Nicht unbedingt weil es schlechter geworden ist sondern eher weil die kleineren Brauereien besser geworden sind.

    Das ist halt der Fluch der Brauereien mit hohen Verkaufszahlen: sie wollen es sich nicht leisten am Braurezept herum zu experimentieren, weil sie fürchten damit ihre Stammkundschaft zu vergraueln. Kleinere Brauereien können das und verbessern sich so mit der Zeit.

    Spätestens wenn du dein Bier nur noch als Radler-Cocktail an den Mann kriegst, musst du dir doch als Brauer überlegen, ob dein Bier überhaupt noch für sich alleine steht oder ob du nicht lieber gleich ins Limonadengeschäft wechseln solltest.
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  •   andip
    (9871 Beiträge)

    05.06.2019 12:00 Uhr
    Stimmt zwar im Prinzip
    Problem ist aber, die Biere dieser kleinen Betriebe, die sich was neues trauen (macht auch nicht jede), sind auch nur bei denen erhältlich und sonst nicht.
    Mit den schon genannten Porter oder Rosébock hat Hoepfner auch gezeigt, dass sie auch neue Wege gehen wollen und nicht nur das Alte produzieren.
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