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Berlin Enthüllung zur Lobbyarbeit der Atomindustrie

Die Atomlobby hat vor der Bundestagswahl 2009 massiv versucht, die öffentliche Meinung zu beeinflussen und ein Kernenergie-freundliches Klima in Deutschland zu schaffen.

EnBW-Chef Villis
Atomlobbyist: Der Vorstandsvorsitzende der EnBW, Hans-Peter Villis, bei einer Hauptversammlung des Energieversorgers. Archivfoto: Ronald Wittek |

Dies geschah durch Pro-Atomkraft-Beiträge in großen Zeitungen, Studien, Festvorträge prominenter Persönlichkeiten und Pressereisen für Journalisten, berichtete die «tageszeitung» («taz»). Die Zeitung veröffentlichte dazu Dokumente zu einer von der Agentur Deekeling Arndt Advisors im Auftrag des Atomforums organisierten Kampagne.

Dem Atomforum gehören auch die Kernkraftbetreiber Eon, RWE, EnBW und Vattenfall an. Demnach wurde versucht, selbst in Frauenmagazinen atomfreundliche Beiträge zu platzieren, um einen Stimmungsumschwung mit Blick auf die von Union und FDP geplante Laufzeitverlängerung zu erreichen. Der Historiker Arnulf Baring konnte den Dokumenten zufolge für einen Gastvortrag zum 50. Jubiläum des Atomforums sowie für einen ganzseitigen Beitrag in einer großen Tageszeitung gewonnen werden, ebenso andere Persönlichkeiten, vor allem führende Wirtschaftsbosse.

Mit einem «Brückenschlag zum Vorzeigeland Schweiz», das nüchtern über Atomkraft diskutiere, sollte gezeigt werden, dass die Deutschen mit ihrer Angst vor der Kernenergie recht alleine dastehen. Ein Mittel dazu war eine Pressereise mit «Key-Journalisten deutscher Meinungsführer-Medien». Das Fazit nach Artikeln über die Reise lautete: «Pragmatismus der Schweiz verfängt in Medienberichten».

Das Deutsche Atomforum sieht die Veröffentlichung gelassen. «Es ist ein ganz üblicher Vorgang, dass man über Öffentlichkeitsarbeit versucht, die Öffentlichkeit zu beeinflussen», sagte Geschäftsführer Dieter H. Marx am Samstag der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Das macht Greenpeace auch.» Die von der «taz» veröffentlichten Dokumente seien keine Geheimpapiere. «Wir haben nichts gemacht, was nicht legal wäre», sagte Marx. «Auch eine Journalistenreise ist nichts geheimes», sagte Marx mit Blick auf die Pressereise in die Schweiz.

Union und FDP gewannen die Wahl 2009 und verlängerten genau vor einem Jahr die AKW-Laufzeiten um durchschnittlich zwölf Jahre. Nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima nahmen sie diese Entscheidung wieder zurück und beschlossen einen Ausstieg bis 2022.

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  •   zozimura
    (1981 Beiträge)

    29.10.2011 21:00 Uhr
    Ähem
    Ich will ja jetzt nicht hetzen, aber: der aktuelle DummSchwätz von EnBW träumte noch im April von einem neuen AKW in Deutschland. Die EON's und Co. hofften, die Asse und Gorleben mit einem Nasenwasser den Steuerzahlern auf das Auge drücken zu können.
    Und nun nochwas. Nicht ein Tsunami oder ein Erdbeben haben zur definitven Ablehnung der Kernkraft in D geführt, sondern diese unheimlich fähige, auch bei deutschen Atomfirmen möglichen, Krisenbewältigung von TEPCO. Und behaupte nicht einer, unsere KKW wären einen deut besser als der Japanschrott.
    Oder um die genialen Worte unserer allzeit geliebten Chefphysikerin zu sprechen: EIn Atomausstieg ist alternativlos.
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  • unbekannt
    (180 Beiträge)

    29.10.2011 16:48 Uhr
    Wer soll denn die "Atomlobby" sein?
    E.ON und RWE? Die verdienen Kräftigs an dem EEG-Blödsinn mit. Schau mal wer die ganzen Riesenwindparks die in Nord und Ostsee geplant sind betreiben wird.
    Ansonsten kann die "Atomlobby" nicht wirklich viel zu sagen haben sonst wären wir nicht das einzige wichtige Industrieland weltweit welches aus der Atomenergie aussteigt. Wäre die "Atomlobby" wirklich so mächtig wie Greenpeace und co immer daherquäken hätten wir im Bundestag doch wohl ein paar Parteien die sich für den Neubau von Atomkraftwerken wie in anderen Ländern aussprechen würden.
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  • unbekannt
    (180 Beiträge)

    29.10.2011 16:52 Uhr
    Stattdessen sind sich hierzulande alle
    einig das Atomkraft irgendwie böse ist. CDU und FDP wollten auch vor Fukushima keine neuen Atomkraftwerke bauen, nur die bestehenden länger laufen lassen als rot-grün.
    Wie mächtig Lobbiesten sind sieht man abgesehen davon auch imer an der Medienberichterstattung.
    Mächtige Lobbiesten platzieren ihre Fürsprecher nämlich immer in den Medien, sowas gehört zu den Grundlagen von Lobbyarbeit.
    Nun ist die Medienberichterstattung zur Atomkraft aber extrem negativ. Ganz anders bei den "Erneuerbaren Energien"
    Die Solar -und Windradlobby ist hierzulande inzwischen viel mächtiger, wie man auch an den jährlichen Milliardensubventionen sieht.
    Aber mit einem liebgewonnen Feindbild lebt sich irgendwie schöner. Also schimpft man ruhig weiter auf die pöhse "Atomlobby" die defacto gar nicht mehr in diesem Land existiert.
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  •   Freigeist1
    (873 Beiträge)

    06.11.2011 20:48 Uhr
    diese Firmen...
    sollten einfach Ihre Risiken versichern und Ihre Abfälle entsorgen müssen, auch die alten, ist das denn zu viel verlangt? Die Lobby konnte sich gegenüber der extrem überwältigenden Mehrheit der Menschen nicht mehr durchsetzen, eine Folge der Demokratie. Ist das schlimm? Sollten besser Atomkonzerne die Regierung übernehmen, meinen Sie das? Andere Länder folgen uns bereits und werden folgen. Auch der Durchschnitts-Franzose will von der Atom-Abhängigkeit loskommen, das dauert halt ein bisschen länger, wird aber genauso kommen.
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  •   vonderVogelweide
    (2791 Beiträge)

    29.10.2011 15:16 Uhr
    was ganz Neues,
    vor jeder Wahl in Deutschland setzt das Establishment sein rießiges Kapital ein um Wahlen zu beeinflussen.
    Weiter dazu kommt die Kampfpresse wie Bild+ Focus, Fernsehsender wie RTL+SAt, trommeln, u. verbreiten Lügen um sich u. ihrer Klientel Vorteile zu verschaffen, das wird niemals aufhören, die würden noch aus ihren Gräbern heraus hetzen.
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