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Karlsruhe dm-Chef Erich Harsch: "Es geht nicht immer harmonisch zu"

Die Drogeriemarktette dm wurde vor über 40 Jahren in Karlsruhe gegründet. Mittlerweile ist dm Brachenprimus. Der Mega-Konzern hat zudem ein Image, von dem viele andere Firmen träumen. Doch wie kommt's? Im Interview mit ka-news spricht dm-Chef Erich Harsch über Erfolge, die neue Zentrale an der Durlacher Allee und die Sorgen der Anwohner. Außerdem erklärt der 52-Jährige, warum es auch beim Vorzeige-Konzern dm nicht immer harmonisch zugeht.

Herr Harsch, Sie sind zu beneiden.

Ja, ich bin sehr glücklich mit meiner Aufgabe. Ich bin jetzt seit über 32 Jahren bei dm und gehe jeden Tag gerne ins Büro, weil es einfach Spaß macht gemeinsam mit den tollen Menschen in diesem Unternehmen etwas bewegen und gestalten zu können.

Sie sind Geschäftsführungsvorsitzender der erfolgreichsten Drogeriefilialisten in Deutschland, präsentieren seit Jahren Erfolgszahlen, im vergangenen Geschäftsjahr hat dm wieder einen Rekordumsatz erzielt. dm hat zudem ein Image, von dem viele andere Konzerne träumen. Wie schaffen Sie das?

Ich denke, es wäre verkehrt, wenn man seine Aktivitäten nur darauf ausrichtet, dass man ein gutes Image bekommt. Dann wäre das eine zweckorientierte, fast schon manipulative Angelegenheit. Die Frage ist, welche Haltung lebt ein Unternehmen und wie wird diese Haltung wirksam. Bei uns ist die Grundhaltung, dass nicht die Menschen für das Unternehmen da sind, sondern das Unternehmen für die Menschen - egal ob es die Mitarbeiter oder die Kunden sind. Diese Haltung, wertvolle Beiträge leisten zu können, damit Menschen etwas davon haben, das ist ein anderer Unternehmenszweck als zum Beispiel möglichst viel Zahnpasta verkaufen zu wollen. Das gute Image, das wir haben, ist die Folge unserer Haltung, die wirksam wird. Es freut uns natürlich, dass viele Kunden das anerkennen, dass wir eben mehr wollen als nur Zahnpasta verkaufen.

dm betont Nachhaltigkeit, die Philosophie des Miteinanders und den respektvollen Umgang mit Kunden und Mitarbeitern. Rund 3.000 Filialen in zwölf europäischen Ländern, fast 50.000 Mitarbeiter europaweit, Millionen Kunden und Milliarden Umsätze - dm ist ein Mega-Konzern. Da kann es doch nicht immer harmonisch zugehen?

Nein, es geht überhaupt nicht immer harmonisch zu. Uns geht es um die konstruktive Auseinandersetzung, damit wir uns immer wieder verbessern - für die Kunden, für die Menschen. Natürlich haben wir immer wieder auch in unserem großen Unternehmen an der einen oder anderen Stelle ein paar Differenzen. Das ist auch ganz natürlich, das ist menschlich. Die Frage ist, wie man das Unternehmen denkt. Wir denken das Unternehmen nicht als Mega-Konzern. Das ist vielleicht ein Bild, das nach außen entsteht. Aber für die Menschen ist immer der einzelne dm-Markt, sind die Menschen im einzelnen dm-Markt relevant. In Passau interessiert sich ein Kunde nicht dafür, was in Karlsruher oder Kölner Märkten passiert, sondern der Kunde in Passau möchte ein angenehmes Einkaufserlebnis in seinem dm-Markt haben. Er will sich von den Menschen, die dort arbeiten, gut behandelt fühlen. Und wir strengen uns an, dass es immer besser wird. Aber in dem Moment, in dem man anfängt das Ganze als großen Konzern zu denken, hat man eigentlich schon verloren. Man muss immer vom einzelnen Kunden, vom einzelnen Menschen, vom einzelnen dm-Markt her denken und das versuchen wir ganz konsequent zu tun.

Aber es geht doch auch um günstige Preise und effiziente Prozesse auf einem knallhart umkämpften Markt. Ist das nicht irgendwie auch ein Widerspruch? Bekommen Filialleiter beispielsweise keinen Druck, wenn der Umsatz nicht stimmt?

Das gibt es bei uns überhaupt nicht. Bei uns gibt es keine Umsatzziele. Bei uns gibt es keine Budgets, keine Vorgaben. Bei uns gibt es eine Kultur der Idee, dass die Menschen eigeninitiativ gestalten und verbessern können. Und weil sie das können, sind sie in der Regel bei uns auch ein bisschen zufriedener als an vergleichbaren Arbeitsplätzen in der Branche. Zufriedene Mitarbeiter, die es gewohnt sind, dass sie über Verbesserungen nachdenken und diese auch anstoßen dürfen, die führen dazu, dass die Prozesse besser werden. Wenn die Prozesse besser werden, wird man effizienter und je effizienter man arbeitet, desto günstiger kann man auch seine Leistungen anbieten. Ich habe noch nie irgendwo unzufriedene Mitarbeiter gesehen, die eine hohe Produktivität erzielen. Es gibt Unternehmen, die sagen, wir müssen die Produktivität mit Anweisungen und Vorgaben sicherstellen, egal wie zufrieden die Menschen sind. Das ist aber nicht unser Weg. Unser Weg ist, dass wir Rahmenbedingungen schaffen wollen, in denen die Menschen Interesse daran haben zu gestalten und die Dinge weiterzuentwickeln - im Sinne der Kunden. Das scheint gut zu funktionieren.

Der Erfolg gibt Ihnen Recht. dm expandiert seit Jahren. Sie wollen jetzt für rund 90 Millionen Euro eine neue Zentrale in Karlsruhe auf einem 50.000 Quadratmeter großen Grundstück zwischen der Durlacher Allee und der Alten Karlsruher Landstraße bauen. Wie weit sind die Planungen fortgeschritten?

Im letzten Jahr haben wir einen Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Dabei haben wir uns für einen architektonischen Entwurf entschieden, der sich vor allem auch organisch in die Landschaft einfügt. Ein Entwurf, der nicht ein monumentales Prachtgebäude darstellt, sondern unsere Dienstleitungsfunktion in sich verkörpert und nicht als Protzbau in der Landschaft steht. Dieser Siegerentwurf ist in die weitere Planung gekommen. Als ersten Schritt haben wir natürlich Gespräche mit der Stadt geführt. Außerdem haben wir jetzt einen Generalplaner beauftragt, der aktuell die ganzen Aktivitäten, die notwendig sind, vorbereitet und durchkalkuliert - auch dass alle notwendigen Unterlagen für eine Baugenehmigung eingereicht werden. Bei einem so großen Objekt steckt dann doch der Teufel im Detail und da muss man sich ganz viele Gedanken machen und schrittweise vorangehen. Ich gehe davon aus, dass wir laut unseres Zeitplans 2017 oder 2018 einziehen können. Aber bis der Bau losgeht, das wird schon noch eine Weile dauern. Bis die ganzen Pläne im Detail erstellt sind, bis die Genehmigungen vorliegen, die man benötigt, das braucht einfach seine Zeit. Da heißt das Motto: Eile mit Weile. Wenn man am Anfang in der Planung etwas falsch macht, dann bereut man das am Ende bitter. Daher nehmen wir den gründlichen Planungsprozess sehr ernst und gehen sehr umfassend vor.

Im November zeigten sich einige Bewohner der angrenzenden Dornwald- und Untermühlsiedlung bei einer Infoveranstaltung über die vorgestellten Entwürfe verärgert.Sie haben Angst vor einer problematischen Verkehrssituation, stärkerem Verkehrsaufkommen und Lärm. Sie sorgen sich um ihre Wohnqualität. Verstehen Sie die Sorgen mancher Anwohner?

Ich war selbst persönlich bei dieser Veranstaltung dabei. Natürlich kann ich die Sorgen verstehen. Ich glaube allerdings, dass das Problem nicht das dm-Gebäude ist. Das Problem ist, dass die Menschen, die dort wohnen, durch die heute schon vorhandenen Lärmemissionen von der Autobahn oder von der Durlacher Allee einer sehr hohen Belastung ausgesetzt sind. Die Experten sagen, dass man das, was da bei uns passieren wird, im Verhältnis zum anderen Verkehr gar nicht merken wird, weil es in Relation zu den 40.000 Fahrzeugen auf der Durlacher Allee gar nicht auffällt.

Die Sorgen sind auf jeden Fall ernst zu nehmen und wir strengen uns auch an, dass wir unsere Planung soweit gestalten, dass es möglichst wenige Beeinträchtigungen für die Siedlungen gibt. Ich habe die Hoffnung, dass unser Gebäude auch eine gewisse Schallschutzfunktion übernehmen wird – vor allem bei dem Lärm, der von der Autobahn ausgeht. Insofern glaube ich, dass wir auch mit den Bürgerinnen und Bürgern der Siedlungen zusammen einen guten Weg finden werden, so dass hinterher, wenn das Gebäude steht, die Menschen sagen werden, das war jetzt doch nicht so verkehrt.

Ärgert Sie es nicht ein bisschen, dass sich dort Unmut regt? dm schafft Arbeitsplätze, stärkt den Wirtschaftsstandort Karlsruhe und trägt mit der Zahlung von Gewerbesteuern zum Wohle der Stadt bei. Sollten die Bürger nicht in erster Linie froh sein, dass dm in Karlsruhe bleibt?

Das kann man so sehen. Auf der anderen Seite muss man auch Verständnis dafür haben, wenn die Menschen, die heute schon Beeinträchtigungen haben, Angst davor haben, dass zusätzliche Tropfen das Fass zum Überlaufen bringen. Da habe ich vollstes Verständnis für die Ängste der Menschen. Auch wenn ich glaube, dass sich das relativeren wird.

Was passiert mit der alten Zentrale?

Die alte Zentrale gibt es ja eigentlich nicht mehr, weil wir mittlerweile an sechs verschiedenen Standorten quer über das Stadtgebiet von Karlsruhe verteilt sind. Was mit den Objekten im Einzelnen passieren wird, ist eine Sache, die die Eigentümer der Objekte zu entscheiden haben. Das ist nicht unsere Aufgabe. Wir haben langfristige Mietverträge und diese erfüllen wir auch ordentlich und anständig. Ich denke, dass die Vermieter unserer jetzigen Objekte Verständnis dafür haben, dass wir uns von sechs Standorten gerne wieder auf einen Standort konsolidieren würden und dass es hierfür ein großes Grundstück braucht. Das war eben bei den bestehenden Objekten nirgendwo umzusetzen.

War das Grundstück an der Durlacher Allee eigentlich Ihr Wunschstandort?

Es war ein Wunsch in Karlsruhe zu bleiben. Sonst würden wir auch "unsere Menschen" nicht ernstnehmen - also die Kolleginnen und Kollegen, die jeden Tag zur Arbeit kommen. Sie sollen nicht umziehen müssen, damit sie hier arbeiten können. Deswegen war es mehr eine Frage, ob wir ein geeignetes Grundstück finden, das eben die Anforderungen erfüllt, die wir haben - auch bezüglich der Verkehrsanbindung. Uns ist eine Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr wichtig, um zumindest die Möglichkeit anzubieten, auf nachhaltigeren Wegen zum Arbeitsplatz zu kommen. Ob die Menschen das nutzen, ist natürlich ihnen überlassen. Von daher war es nahezu ein ideales Grundstück, was uns dann von der Stadt angeboten wurde. Dieses Grundstück hat sich im Vergleich mit den anderen Grundstücksangeboten von der Stadt und anderen Gemeinden im Umland positiv abgehoben.

Das Gespräch führte Moritz Damm

Könnte das neue KSC-Stadion einmal dm-Arena heißen? Plant dm einen Online-Shop und was würde Goethe heute bei dm einkaufen? Das erfahren Sie heute Mittag im zweiten Teil des Interviews mit dm-Chef Erich Harsch bei ka-news!

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  •   karl143
    (361 Beiträge)

    18.07.2014 11:16 Uhr
    Toller Artikel....
    wieviel war DM das denn Wert. Scheint aus der Werbeabteilung zu kommen.
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  •   b1rdhou5e
    (104 Beiträge)

    18.07.2014 10:27 Uhr
    ein
    sehr guter freund von mir arbeitet in der zentrale und eine freundin in einer filiale. es ist wirklich so, ein toller arbeitgeber der sich um seine mitarbeiter und kunden kümmert.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (3882 Beiträge)

    18.07.2014 11:38 Uhr
    wo kümmert sich DM um seine Kunden
    die wollen genauso das Geld wie jeder andere Drogeriekette auch.

    Und DM ist genauso verantwortlich das es immer weniger kleine Drogerien gibt.

    Was mcih wundert ist das sich hier alle über die Walldorfschule aufregen und DM gutr heißen. Die tanzen auch die Preisschilder grinsen
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (29986 Beiträge)

    18.07.2014 14:02 Uhr
    Harsche Worte
    Die Walldorfschule hat 10000 Schüler und befindet sich ca. 40 Kilometer nördlich von KA. zwinkern

    Nur weil der dm Gründer ein Halbesoteriker ist heisst muss das ja noch nicht heissen dass sie dort die Preisschilder tanzen.

    Verdrängungswettbewerbe gibt es in jeder Branche. Tante Emma Drogerien kann es bei dem heutigen Angebot an Artikeln und den Ansprüchen der Kunden gar nicht mehr geben.

    Ich bin auch dm Kunde, die Läden sind gut gestaltet, übersichtlich und das Personal ist immer freundlich. Wenn man mal was nicht findet (es gibt ja immer Artikel, die man zum ersten Mal braucht - nein, nicht das was ihr jetzt denkt) wird man hingeleitet.

    Zum Thema dm fällt mir der hier einzig jemals gelungene Beitrag von DaCondor ein:

    Was wird Götz Werner gefragt wenn er an die Himmelspforte klopft?

    Hawwe sie e payback kard?
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  •   andip
    (11291 Beiträge)

    18.07.2014 15:34 Uhr
    Vielleicht
    weil G.Werner ein Anhänger von Walldorfschulen bzw. Steiner ist,könnte es sein,dass er deswegen nicht nur an Profitmaximierung dachte sondern auch daran,Kunden und Mitarbeiter anständig zu behandeln.
    Eine kleine Geschichte nebenbei,auch wenn ihr die mir nicht glaubt.
    Meine Eltern waren mal Nachbarn von G.Werner.Und der hat mal auf seine Kosten einen Teil des Gartens meiner Eltern neu bepflanzen lassen,weil ihm einige kahle Stellen nicht gefielen.Meinen Eltern war das nur recht.
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  •   runsiter
    (11986 Beiträge)

    18.07.2014 13:55 Uhr
    die DM - Jünger
    werden nicht die sein, die über die Waldorfschule spotten.
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  •   80er
    (6164 Beiträge)

    18.07.2014 10:06 Uhr
    Bei dm....
    ....wird mir immer klar: man kann auch gute Gewinne einfahren ohne seine Mitarbeiter zu schikanieren.
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  •   SagMalWas
    (342 Beiträge)

    18.07.2014 09:43 Uhr
    Nett
    Bei jedem anderen 'Chef' würde ich nach so einem Interview denken, 'also reden kann er ja'. In diesem Fall ist es dann wohl aber tatsächlich so, dass es nicht alles blos hohle Phrasen sind sondern tatsächlich Unternehmenskultur.

    Andererseits habe ich das bisher auch immer nur in Interviews und Artikeln gelesen, aber noch nie mit einem Mitarbeiter direkt geredet. Vielleicht ist es ja doch nur ein sehr gutes Marketing?

    Schmunzeln musste ich bei dem Absaz mit den Öffis. Nur niemandem auf die Füße treten grinsen
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