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Karlsruhe-Durlach dm-Bau an der Durlacher Allee: Verärgerte Anwohner wehren sich

Stehen große Bauvorhaben an, sieht das Gesetz vor, die Öffentlichkeit möglichst früh in den Planungsprozess einzubinden. So geschehen auch am Mittwochabend in der Durlacher Karlsburg, wo die ersten Entwürfe der neuen dm-Zentrale in der Karlsruher Untermühlsiedlung vorgestellt wurden.

Im bis auf den letzten Platz gefüllten Saal der Karlsburg erläuterten Vertreter der Stadt und des Unternehmensdie allgemeinen Ziele und Auswirkungen der Planungen. Es wurde schnell deutlich, dass eine solche frühe Einbindung der Bürger durchaus Probleme mit sich bringt.

"Haben uns auch in Bruchsal und Ettlingen umgeschaut"

Viele der Anwesenden fühlten sich schlecht oder nicht ausreichend informiert, viele Detailfragen konnten zu solch einem frühen Planungsstand  schlicht noch nicht beantwortet werden. "Deswegen sind wir ja heute hier, wir sammeln Ihre Ideen und Bedenken, um diese mit in unsere Planungen aufzunehmen", erklärte Sigrun Hüger vom Karlsruher Stadtplanungsamt.

Markus Trojansky von dm stellte das Projekt vor, erklärte, warum der Neubau notwendig und der gewählte Standort nahezu ideal ist: "Die Büros der Firma dm verteilen sich derzeit auf sieben Standorte in Karlsruhe, was moderne und wirtschaft­­li­che Betrie­b­sab­läufe schwierig, mitunter fast unmöglich macht". Das Unternehmen will deshalb seine Haupt­­ver­­wal­tung auf einer Art "Campus" zusam­men­füh­ren und auf dem Grundstück am Rande der Unter­mühl­sied­lung ansiedeln. Man habe schlicht keine andere Fläche gefunden, die für solch ein Vorhaben groß genug gewesen wäre, so Trojansky weiter. "Aber wir haben uns dafür entschieden, hier in Karlsruhe zu bleiben und dann dieses Grundstück mit nahezu idealer Anbindung gefunden." Man habe sich auch in der Region umgeschaut, "aber auch in Bruchsal oder Ettlingen nichts passendes gefunden", antwortete er auf die Anwohnerfrage, warum man gerade in der Untermühlsiedlung bauen wolle. 

Für die Planung des Projekts hat dm einen Architektenwettebwerb ausgelobt, an dem sechs renommierte Planer teilgenommen haben. Man habe sich letztlich für einen Entwurf des Stuttgarter Büros "Lederer, Ragnar­s­­dot­tir, Oei" entschieden, auf dessen Grundlage nun das notwen­­di­ge Baurecht durch einen vorha­­­ben­­­be­­­zo­­­ge­­­nen Bebau­ungs­­­­­plan geschaf­fen werden soll.

Grünes Parkhaus, Campus, Kita, Plaza

Das Bauvorhaben besteht in erster Linie aus einem Bürokomplex, der in einer Art Gitterwabensystem geplant und damit in Zukunft auch einfach zu erweitern ist. Dieses Hauptgebäude soll drei- und vierstöckig werden, in der Mitte von einer Art Magistrale durchzogen sein und sich in die bestehende Landschaft integrieren. Dachbegrünung, offenes Gewässer und bewusst gewählte Materialien sollen eine nachhaltige Bauweise und damit auch ein stückweit die Unternehmensphilosophie von dm unterstreichen. 

Eine Kantine, die möglicherweise auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll, eine Kindertagesstätte, natürlich eine dm-Filiale und ein Parkhaus ergänzen den Gebäudekomplex. "Das Parkhaus wird sich unter einem Hügel befinden, also komplett begrünt sein und nach zwei Seiten geöffnet", erklärte Trojansky den Bürgern. Noch sei der Entwurf ganz am Anfang,  bat er um Nachsicht, Detailfragen dazu könnten erst später im Planungsprozess beantwortet werden. Was jedoch schon ersichtlich wurde: das Unternehmen ist durchaus bemüht, auf die Sorgen und Wünsche der Bürger einzugehen und will nicht einfach nur einen "Betonklotz" vor die Tore Karlsruhes setzen.

Dies wurde auch deutlich, als Vertreter der städtischen Ämter Ideen zur Verkehrsplanung vortrugen. Man ist sich der problematischen Verkehrssituation gerade für die Bürger der Dornwald- und Untermühlsiedlung durchaus bewusst, versucht Lösungen zu finden, mit denen alle Seiten leben können und weiß doch, am Ende muss hier ein neuer Vollknoten mit Ampel und Abbiegemöglichkeit in alle Richtungen kommen. Dafür soll auch die Straßenbahnhaltestelle, dann barrierefrei ausgebaut, um einige Meter verlegt werden. Da ein Bauvorhaben dieser Art jedoch auch die Autobahn tangieren würde, müsse der Bund in die Planungen miteinbezogen werden, wie Ulrich Wagner als Vertreter der städtischen Verkehrsplanung ausführte. Dies werde mit Sicherheit längere Zeit in Anspruch nehmen, so dass vorab andere Lösungen gefunden werden müssten.

Zweifel, Angst und Wut

Die Reaktion der Bürger auf die vorgestellten Pläne war geprägt von Wut und Sorge um die Wohnqualität in den beiden Siedlungen. Berechnungen und Ideen der Planer wurden als falsch abgetan, Planungen angezweifelt und Referenten der Lüge bezichtigt. "Was können wir eigentlich noch tun, um dieses Vorhaben zu verhindern", fragte ein Anwohner, "noch bauen Sie hier gar nichts", drohte ein anderer den Vertretern des Unternehmens. 

Viele der anwesenden Bürger sehen den Neubau nicht als Chance, einen herabgewirtschafteten Teil Karlsruhes auszuwerten, sondern sehen ihr eigenes kleines "Wohnidyll" gefährdet. Nur wenige brachten kontruktive Vorschläge ein, äußerten Wünsche zur Ausgestaltung des Vorhabens.

Droht der Verkehrskollaps?

Ein Problem, das alle sehen, das aber auch Planer, Stadt und dm nicht verleugnen, ist das Verkehrsaufkommen, für das kurzfristig Übergangslösungen gefunden werden müssen, um dann langfristig eine für alle zufriedenstellende Konzeption zu finden - eine große "dm-Kreuzung" mit Fußgängerüberweg und angeschlossener Haltestelle, wie vielerorts in Karlsruhe gut funktionierend, scheint hier die angestrebte Ideallösung zu sein.

Einige wenige Anwohner konnten dem Neubau dann doch etwas Gutes abgewinnen und betrachteten ihn als Aufwertung des Geländes ist. "Mit diesem dm-Neubau fahren wir wirklich gut. Dass hier gebaut wird war schon immer klar, dass hier Gewerbe angesiedelt wird auch, von daher hätte es noch viel schlimmer kommen können. Jetzt gilt es doch nur, für uns Anwohner das Beste herauszuholen - dafür sind wir heute hier", so ein Teilnehmer.

Im Frühjahr sollen dann im nächsten Schritt die ersten detaillierten Pläne vorgestellt werden, wieder mit Beteilung der Öffentlichkeit. Dann wird man sehen, inwieweit die Bedenken und Einwände der Bürger berücksichtigt wurden.

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  •   Dr_Harald_Stippenkoetter
    (42 Beiträge)

    20.03.2015 19:24 Uhr
    2500 KFZ durch Dornwaldsiedlung
    gemäß BNN wird der KFZ-Verkehr von schlussendlich 2500 Beschäftigten dann hauptsächlich durch die Dornwaldsiedlung kommen.

    Zwar kommen nicht alle mit dem Auto, aber die meisten. Und man munkelt für die gäbe es dann auch nur zur Hälfte Parkplätze.

    DAS wird spannend für die Infrastruktur unserer arg gebeutelten Stadt.

    Ich bin mal gespannt, ob Karlsruhe wie gewöhnlich reagiert und bei aufkommenden Mehrverkehr auf eine Spur verengt :D
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  •   bobber
    (2119 Beiträge)

    05.12.2013 10:07 Uhr
    Typisch für Karlsruhe
    .
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (9 Beiträge)

    29.11.2013 14:36 Uhr
    Karlsruher Mentalität
    Die Karlsruher sind ja schon sehr speziell.
    Und das merkt man immer wieder.
    Und jetzt versucht eines der bekanntesten deutschen Unternehmen mit Gründung in Karlsruhe sich für die Zukunft auszurichten. Und was passiert? Was zu erwarten war ... dm kann froh sein wenn es nicht so wie beim dreckigsten & häßlichsten Stadion des Profifussballs endet.

    Schlimm ist - dm ist eine der wenigen Unternehmen welchem man so ein Projekt zutraut sauber und fristgerecht durchzuführen. Und kaum steht das Konzept - wird draufgehauen.

    Ganz ehrlich, wie bereits erwähnt - Stutensee Blankenloch wäre ein super Standard mit jeglicher Infrastruktur die man sich vorstellen kann. Das wäre was. Und da würde sich niemand aufregen.
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  •   tessarakt
    (2356 Beiträge)

    29.11.2013 07:11 Uhr
    KIT ...
    Dann könnte man da doch einen weiteren KIT-Campus einrichten.
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  •   yokohama
    (3451 Beiträge)

    29.11.2013 01:01 Uhr
    Bedenkliche Entwicklung
    dass bei mittlerweile jedem Bauprojekt, sei es die Kombiloesung, das Kongresshotel auf dem Festplatz, der Stadionneubau, die BVG-Erweiterung, das Fleischwerk in Rheinstetten oder auch einfach nur der Bau von Mehrfamilienhäusern, z. B. in Rueppurr (Gartenstadt) und Durlach (Markgrafenbad) oder die Umwidmung von Altenheimen in Asylbewerberunterkuenfte, von vermeintlichen ''Anwohnern'' immer dasselbe groteske Schmierentheater abgezogen wird. Mit ''links'' hat die Eiferei nicht das geringste zu tun, sondern viel eher etwas mit rechtem Spiessertum und Besitzstandwahrung.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (14337 Beiträge)

    29.11.2013 10:17 Uhr
    Da ist es wieder!
    // Mit ''links'' hat die Eiferei nicht das geringste zu tun, sondern viel eher etwas mit rechtem Spiessertum und Besitzstandwahrung. //
    Ohne geht bei Ihnen wohl gar nienie, yokohama!
    Aber stimmt, zumindest teilweise, das gemeine linke Volk hat in der Tat keine Probleme mit Besitz obwohl, wenn ich an die "Steffi" und andere Hausbelagerer denke....
    Und wenn ich weiter denke sind vermutlich die Bewohner der hinteren Blocks (Volkswohnung?), da wo mal die Baracken standen, die stärksten Gegner des Projekts. Wenn man früher bei denen zum Wertkauf vorbeigefahren ist, haben die sich schon aufgeregt und mit verschiedenen Plakataktionen darauf hingewiesen, dass die Strasse auch noch zu ihrem "Besitz" gehöre. Halt typisch linkes.... zwinkern
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  •   franky4you
    (1330 Beiträge)

    28.11.2013 20:52 Uhr
    Sag blos!
    Gewerbeimmobilien sind schlecht zu vermieten und das obwohl die Immohändler aus dem Boden schiesen
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (29986 Beiträge)

    28.11.2013 21:36 Uhr
    Die schiessen
    aus dem Boden? Wozu?

    Sie haben doch gar nichts was sie vermieten oder verkaufen können.
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  •   franky4you
    (1330 Beiträge)

    28.11.2013 22:20 Uhr
    Bei den Preisen könnte man es
    auch glatt glauben, daß se nix haben
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (29986 Beiträge)

    28.11.2013 22:33 Uhr
    Sie haben schon was,
    aber eben nur noch das das keiner will und selbst da gehen sie noch mit Mondpreisen rein.
    Oder halt ein paar totale Luxusbuden die sich wirklich nur ein paar Elitäre leisten können.
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