Viele grüne Karten zeigten zu Beginn des 5. Digitalks ein klares Meinungsbild des Publikums: Ja, Fitness-Apps werden genutzt. Rund 1,5 Stunden später sah die Farbverteilung etwas anders aus - mehrere rote Karten wurden auf die Frage des Moderators Uwe Gradwohl (SWR) nach oben gehalten. Nach fünf Vorträgen rund um das Thema digitale Gesundheit war der Blick des Publikums differenzierter, die Skepsis gegenüber den kleinen Zusatzgeräten und -programmen größer.

Datenschutz ist bei Apps oft mangelhaft

Ein Aspekt beschäftigte die Teilnehmer der Abendveranstaltung besonders: Wie sicher sind meine Daten und welche Apps sind gut? Immerhin gibt es laut Referentin Ursula Kramer 124.519 Apps weltweit im Bereich Gesundheit und Medizin, davon sind 13.088 deutschsprachig und 11.000 kostenlos. Für die Überprüfung von Apps gaben zwei Referenten einen Überblick in Form verschiedener Checklisten.

Funktionalität, Einfachheit, Design, Zugang, Bedarf sowie die Vertrauenswürdigkeit des Anbieters nennt Kramer. Sie arbeitet seit 2011 am Aufbau der Plattform "Healthon". Dort sind inzwischen über 500 unabhängige Testberichte von Gesundheits-Apps frei zugänglich.

Von Rechtsanwalt Timo Schutt gab es folgende Tipps: Zu achten ist bei Apps auf einen verständlichen Datenschutzhinweis, eine transparente Einwilligung zur Freigabe der Daten, der Verschlüsselung und Anonymisierung von Daten. Dies sei bei einer Vielzahl der Apps nicht vorhanden, warnt Schutt am Abend in der Karlshochschule: Nur zwei von zwölf Fitnessarmbändern erfüllen beispielsweise laut Stiftung Warentest die Kriterien zur Wahrung der Nutzerdaten.

Doch die Digitalisierung im Gesundheitswesen birgt nicht nur Risiken, sondern auch Chancen. Die Hautarzt-Praxis von Dirk Meyer-Rogge macht es vor: Hier sind Sprechstunden online über eine Videokonferenz möglich, zusätzlich kann der Patient Dateien wie Fotos hochladen. Aber: Online kann nur eine Nachkontrolle erfolgen - beispielsweise eines Hautauschlags, niemals die erste Diagnose. Ein persönliches Erscheinen beim Arzt kann bislang nicht ersetzt werden.

Deutschland ist rückständig bei digitaler Gesundheit

"Deutschland ist eines der rückständigsten Industrieländer, was Digitalisierung im Gesundheitswesen betrifft", sagt Wilhelm Stork. Er ist Professor am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) mit dem Forschungsschwerpunkt E-Health und Ambient Assisted Living. "Die beständig wachsende Lebenserwartung und der demographische Wandel verteuern das Gesundheitswesen unaufhaltsam. Damit es bezahlbar bleibt, müssen alle medizinischen Diagnosen und Maßnahmen gemeinsam mit den Kosten und dem Outcome an Gesundheit erfasst werden."

Krankheiten besser auswerten, Heilungschancen vergrößern - das sind die Vorteile, wenn Patientendaten ausgewertet werden. Doch was passiert mit dem Verbraucherschutz? Im Umkehrschluss könnten Krankenkassen theoretisch auch die teuren Patienten identifizieren - gibt es in der Zukunft variable Gesundheitstarife und ist das Solidarsystem damit in Gefahr?

Krankenkasse entwickelt App

Eine endgültige Antwort auf diese Fragen gab es am Dienstagabend nicht. Vonseiten der Techniker Krankenkasse (TK) gab es aber Entwarnung - an den Gesundheitszustand gebundene Tarife, welche beständig über  Fitness-Tracker überwacht und analysiert werden, soll es bei gesetzlichen Kassen nicht geben. Das versichert Referent Markus Koffner, stellvertretender Leiter der TK-Landesvertretung. "Wie sich das bei privaten Kassen entwickelt, kann ich nicht sagen," so Koffner.

Die TK selbst entwickelt aktuell eine App, über die Kunden kommunizieren können. Sie will möglichst bald auch eine elektronische Gesundheitsakte anbieten. "Wichtig dabei ist: Der Patient bleibt alleiniger Herr seiner Daten", betont Koffner. Das Angebot soll freiwillig bleiben.

Und doch überwiegt am Ende des Abends die Skepsis, welche so auch die Digitalisierung im Gesundheitswesen hemmt - vielen Nutzern ist der Datenschutz wichtig. Der Gedanke, dass Apps Bewegungsabläufe aufzeichnen und die Privatsphäre durch Auswertung der Daten erheblich verletzten kann, hinterlässt beim digitalk-Publikum ein mulmiges Gefühl. Hier müssen Forschung, Entwicklung und Hersteller noch viel am Vertrauensverhältnis arbeiten.

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