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Karlsruhe #digiTALK in Karlsruhe: Fake News - was sie sind und was dagegen hilft

Sie sind seit einiger Zeit in aller Munde. Fake News. Was sie sind, woran man sie erkennt und was hilfreiche Maßnahmen gegen sie sind - über diese Aspekte haben vier Experten mit dem Publikum beim 7. Karlsruher #digiTALK in der Karlshochschule diskutiert. Zwei Erkenntnisse brachte der Abend: Eine trennscharfe Definition von Fake News ist schwierig und ein Gesetz ist keine Lösung.

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Auf dem Podium saßen am vergangenen Donnerstag Corina Bohner (Redaktionsleiterin bei ka-news), Martin Fuchs (Politikberater, Blogger und Speaker), Tobias Keber (Professor für Medienrecht und Medienpolitik an der HdM Stuttgart) und Rebecca Rutschmann (Social Media Expertin und PR-Fachfrau).

Was sind "Fake" News?

Der Abend startete mit einer Defintion von Falschmeldungen von Corina Bohner: "Keine Fake News sind Satire, versehentliche Falschmeldungen aufgrund journalistischer Fehler oder das Überspitzen von Überschriften und Teasern, sogenanntes Clickbaiting." Als Definitionsgrundlage dient Bohner die Veröffentlichung von Alexander Sängerlaub, welcher das Projekt "Measuring Fake News" bei der Stiftung Neue Verantwortung leitete. Dieses analysierte die Auswirkungen von Fake News auf die Bundestagswahl.

Fake News sind laut dieser Definition völlig frei erfundener Content, zudem manipulierte Nachrichten, wenn also falsche Informationen an eine wahre Nachricht angehängt werden. So geschehen im Fall Lisa S. 2016 als die Vermisstenanzeige einer 13-jährigen Schülerin mit den Worten "Vergewaltigt, festgehalten, gedemütigt" versehen und somit zur Fake News wurde. Fake News sind nach Sängerlaub-Definition gezielte Desinformation: Die Verbreitung von falschen oder irreführenden Informationen, in der Absicht einer Person, einer Institution oder einer Organisation zu schaden.

Wie Fake News erkennen?

"Eine recht einfache Definition. Dann könnten wir an dieser Stelle aufhören, oder? Nein – leider nicht. Denn das Gefährliche an den Fake News ist, dass sie schwer zu erkennen sind", so Bohner in ihrem Vortrag weiter. Der Grund: "Weil sie sich als News tarnen. Das News steckt nicht umsonst im Namen, sie bedienen sich an einigen wichtigen, nachrichtlichen Elementen."

Dazu gehören laut Bohner eine Nachricht (Was ist passiert?), das Auslösen von Emotionen sowie die Verbreitung und damit verbundene Reichweite. Den Fake News - den "Darth Vader der Nachrichten" - fehlen allerdings weitere nachrichtliche Bestandteile, oftmals die Nennung der Informationsquelle oder ein seriöse Absender.

 

 

Um Fake News schnell zu erkennen, gibt es im Internet zahlreiche Seiten mit unterschiedlichen Schwerpunkten und einem gemeinsamen Ziel: Fake News zu widerlegen und aufzuklären. Die Portale:

Fake News = ein Internetphänomen?

Wie einfach es ist, gezielt Menschen mit bestimmten Interessen über Social Media zu erreichen, verdeutlichte die PR-Fachfrau Rebecca Rutschmann in ihrem Vortrag: So verfügen Seiten von Firmen oder von Gruppierungen auf Facebook über die Möglichkeit, zielgruppenpezifische Werbung zu schalten (sogenanntes Mikrotargeting). Dieses Werkzeug kann auch zur Werbung und Verbreitung von Fake News missbraucht werden.

So lässt sich im Zeitalter der Digitalisierung schnell und einfach Reichweite generieren. Sind Fake News folglich ein reines Internetphänomen? Nein, sagt Referent Martin Fuchs. Der Politikberater weiß: Das Phänomen der Fake-News ist gar nicht so neu, wie man meinen könnte. Bereits in der griechischen Antike gab es die ersten gezielten Falschmeldungen - damals auf Steintafeln statt auf Internetseiten. Der einzige Unterschied heute ist die potentielle Reichweite jedes Einzelnen: "Jeder, der einen Social Media-Account hat, ist heute selbst Verleger." Dadurch würde eine große Menge an Informationen ins Netz gelangen - unter anderem eben auch falsche Nachrichten.

Was hilft gegen Fake News?

Aber, und das stellt der Parteiberater auch fest, sei das Misstrauen in die sozialen Medien gestiegen. "Gar nicht mehr so viele informieren sich ausschließlich über diesen Weg", so Fuchs. Daraus resultiere, dass immer weniger Menschen auf Fake News hereinfallen würden. Eine Gefahr für die Demokratie des Landes bestehe daher nicht, sodass zumindest vom Gesetzgeber also nicht regulierend eingegriffen werden müsse.

 

 

Das sieht auch der Medienrechts-Professor Tobias Keber von der Hochschule der Medien in Stuttgart so: Er plädiert dafür, dass für Fake News eine Selbstregulierung eingeführt werden sollte, statt eines Gesetzes. Dieses könnte vor allem daran scheitern, dass eine eindeutige Definition von Fake News schwierig ist, macht Keber deutlich. Eine Formulierung könnte laut Jurist Tobias Keber folgendermaßen lauten:

"Bewusst unwahre Tatsachenbehauptung, die ihrer äußeren Form nach für einen verständigen und situationsadäquat aufmerksamen Betrachter als Nachrichtenmeldung erscheint und vom Urheber aus politischen (oder finanziellen) Gründen über reichweitenstarke Informations- und Kommunikationsdienste ind er Absicht verbreitet wird, dass die Nachricht von Rezipienten als wahr aufgefasst und geeignet ist, auf den Prozess öffentlicher Meinungsbildung einzuwirken."

Helfen könne hingegen eine verbesserte "Digitalkompetenz", die bereits in jungen Jahren angelernt werden soll. Kein Gesetz, sondern die engagierte Gesellschaft soll gegen Fake News vorgehen, darin sind sich Podium und Publikum am Donnerstag einig. Im Publikum wurde am Abend gleichfalls die Aufgabenrolle der Bildungseinrichtungen diskutiert - Schulen sollten mehr in Digitalkompetenz investieren, um die nachfolgenden Generationen digital fit zu machen.

Über den #digiTALK
Agenturen und Recherchezentren sollen Fake News aufdecken. Doch was fällt alles unter Fake News und sind sie mehr als ein Internetphänomen? Der 7. #digiTALK ging in der vergangenen Woche den Fragen nach welche gesellschaftlichen, politischen und sozialen Auswirkungen Fake News haben, welche Rolle das Internet, klassische und soziale Medien dabei spielen und wie Fake News enttarnt werden können.

Die Veranstaltungsreihe #digiTALK ist eine Plattform für digitale Gesellschaft und Netzkultur in Karlsruhe und wird als Gemeinschaftsprojekt von Stadtmarketing Karlsruhe GmbH, Karlshochschule, ka-news und dem Contentwerk organisiert. Wer nicht dabei sein kann: Getwittert wird immer unter dem Hashtag #digitalkka.
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Kommentare (9)
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  •   silberahorn
    (9337 Beiträge)

    24.10.2017 04:47 Uhr
    Kopfkino
    kann falsch sein, wenn es unreflektiert eine Norm als Grundlage nimmt.

    Ich habe schon viele Personalbögen und Bewerbungsunterlagen gesehen. Daraus ein Beispiel: Zwei Frauen, beide geschieden. Die eine Frau nimmt ihren Mädchennamen wieder an. Die andere heiratet erneut, behält dabei den Namen des ersten Mannes. In den Unterlagen steht im ersten Fall: Name, geschieden, Name=Mädchenname. Im zweiten Fall steht dort: Name, verheiratet + Mädchenname (Scheidung fehlt). In beiden Fällen sind die Angaben nicht gelogen. Den besseren Ruf hat aber die verheiratete Frau.

    So ähnlich kann das in Fake-News ablaufen, wenn ein Detail fehlt. Ungerecht wäre es nur, wenn sich aus einem normgerechteren Familienstand die besseren Chancen bei Bewerbungen ergäben.
    Persönlich halte ich es so, dass ich gerne tiefere Fragen stelle und dadurch ein Bild von einer Persönlichkeit erhalte, das über einen Fragebogen hinausgeht.
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  •   betablocker
    (733 Beiträge)

    23.10.2017 22:40 Uhr
    Die grösste
    und schlimmste fake news ist immer noch Werbung in jeder Form. Darauf fallen immer noch mit Abstand die meisten rein.
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  •   107
    (172 Beiträge)

    23.10.2017 22:12 Uhr
    "Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten !"
    .....noch`n Gedicht :

    am 3.10.2017 war wieder "Tag der deutschen Einheit"

    Echt jetzt ?
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  •   Ludwigsstammtischbruddler
    (648 Beiträge)

    23.10.2017 21:15 Uhr
    Höhöhö,
    da hat man doch tatsächlich den Bock zum Gärtner gemacht. grinsen

    http://faktenfinder.tagesschau.de (Faktenfinder der Tagesschau)
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  •   Propagandahilfskraft
    (1099 Beiträge)

    24.10.2017 04:14 Uhr
    Aber auch der Rest ist nicht unbedingt vertrauenswürdiger!
    Seit dem Kosovokrieg und danach der Agenda 2010 sind die ÖR als nicht besonders zuverlässige Quellen für Nachrichten anzusehen. Aber auch bei den anderen Faktenfindern ist Objektivität erst mal nicht zu erwarten.

    Mimikama in Österreich bekommt Geld vom Staat Österreich und arbeitet eng mit dessen Sicherheitsbehörden zusammen. Damit ist staatstreues Verhalten ggü. Österreich zu erwarten.

    Correctiv bekommt sehr viel Geld von der staatsnahen WAZ-Gruppe und dessen Stiftungen sowie von der staatlichen Bundeszentrale für politische Bildung. Auch hier ist staatstreues Verhalten gegenüber dem Staat Deutschland zu erwarten.

    Beide Faktenfinder werden daher mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeiten Fake News ihrer Herrchen aus der Politik und deren Herrchen aus der Wirtschaft übersehen. Oder gab es auf Correctiv schon mal einen Hinweis auf die monatlichen Fake News der Bundesagentur für Arbeit über den Endsieg gegen die Arbeitslosen? Na? Ne? Ja!
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  •   Propagandahilfskraft
    (1099 Beiträge)

    23.10.2017 19:57 Uhr
    Fake News, Enten und Desinformation ...
    Die vorgebrachte Definition von Fake News ist extrem schlecht. Fake News sind auch nichts anderes als Desinformation und dient der Manipulation der Konsumenten. Dazu muss aber nicht die komplette Nachricht falsch sein, es reicht auch wichtige Teile wegzulassen oder neu zu erfinden. Eine Ente, weil unausgebrütet vom Journalisten herausgebracht, kann durchaus auch eine Folge von Desinformation und damit Fake News sein und ist dann als Fake News anzusehen.

    Und warum eine Fake News plötzlich einen Persilschein bekommt, nur weil sie auch als Werkzeug für Click Baiting verangezogen wird ist auch vollkommen unverständlich. Nur der Inhalt entscheidet darüber ob eine Nachricht Fake News ist oder nicht. Alles andere sind faule Ausreden der (noch) marktbeherrschenden Medien um sich von der Mitschuld an der Verbeitung von Fake News reinzuwaschen. Egal ob es „nur“ miese Recherche war oder freiwillige Selbstzensur oder Auftrag von oben, Fake News sind und bleiben Fake News!
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  •   Irgendwas_mit_Medien
    (604 Beiträge)

    24.10.2017 02:31 Uhr
    Einer von vielen Punkten, die man hier anführen könnte
    ...wäre es nicht die pure Zeitvergeudung grinsen

    Sitzt man in der Blase, und nimmt als Argumentationsgrundlage Aussagen anderer "Mit-in-der-Blase-Sitzender" her, so verstösst man zumindest mal gegen die Regeln seriösen wissenschaftlichen Arbeitens.
    Wenn man dann weiss, dass im Vorstand der Stiftung ein Hubertus Heil und ein Cem Özdemir sitzen, dann springt man mit Grausen gleich zum nächsten Artikel.
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  •   Propagandahilfskraft
    (1099 Beiträge)

    24.10.2017 03:50 Uhr
    Auch sonst waren die Argumentationsversuche eher schlecht!
    Hallo,

    zu den Argumentationsversuchen auf der Versanstaltung kann man auch sonst sehr viel Kritik äußern. So wurde gegen die formale Logik, die man da immer rein holen muss, ständig verstoßen. Das lag aber auch am Podium und dessen Interessen. Die einen mussten sich von Vorwurf der Desinformation freisprechen. Das waren dann die typischen Medienvertreter.

    Die anwesenden Click Worker mussten sich ihre Daseinsberechtigung erreden, von der Wirksamkeit der Werbung und Nachrichten im Internet überzeugt sein. So wurde versucht die Wahlzurückhaltung in den USA zu Lasten von H. Clinton und den Demokraten auf Fake News von/für Trump auf Twitter und Fakebook zurückgeführt. Es gab aber kein Wort darüber das H. Clinton für jeden in der Mitte oder gar Links unwählbar ist und mit dem doch sehr fiesen Abschießen von Berny Sanders die potentiellen Wähler der Demokraten nur noch zwei rechtsextreme Kandiaten zur Auswahl hatten. Also blieb für viele nur Wahlenthaltung, auch ohne Twitter und Fakebook.
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  •   Darth_Vader
    (527 Beiträge)

    23.10.2017 19:40 Uhr
    Frau Bohner!
    "Den Fake News - den "Darth Vader der Nachrichten" - fehlen allerdings weitere nachrichtliche Bestandteile"

    Also mich sollten Sie hier mal schön aus dem Spiel lassen. grinsen Beim Weglassen nachrichtlicher Bestandteile ist ka-news sowieso ganz vorne mit dabei.
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