Karlsruhe Kritik an Corona-Grenzkontrollen und Einkaufsverboten nimmt zu: TRK-Chef appelliert an Frankreich

Stundenlange Wartezeiten bei Corona-Grenzkontrollen und Einkaufsverbote in Deutschland - Berufspendlern aus dem Elsass wird es an der deutsch-französischen Grenze aktuell nicht leicht gemacht - das kritisiert die Technologie-Region Karlsruhe (TRK). Nichtsdestotrotz sei man froh über die grenzübergreifende Hilfsbereitschaft und die Zusammenarbeit der Unternehmen aus Baden und Frankreich.

Die "unzumutbare" und "diskriminierende" Behandlung der rund 10.000 täglichen Pendler aus dem Nachbarland hatte bereits Oberbürgermeister Frank Mentrup als Aufsichtsratsvorsitzender der TRK am Dienstag scharf kritisiert.  "Im Geiste des Aachener Vertrags und des selbstverständlichen Lebens in unserer Grenzregion eigentlich ein No-Go", so Mentrup in einer Meldung an die Presse.

TRK-Geschäftsführer Jochen Ehlgötz sieht das ähnlich. "Auch von deutscher Seite sollten die Rahmenbedingungen für unsere französischen Freunde so gestaltet werden, dass beispielsweise die Arbeitswege in zumutbaren Zeiten zurückgelegt werden können" erklärt er in einer Pressemeldung der TRK.

"Unhaltbare Zustände" für Pendler in der Südpfalz

Der Blick richte sich jetzt auch verstärkt in die Südpfalz. "Sollten die Grenzkontrolle dort weiter in ähnlicher Weise wie bisher durchgeführt werden, droht mit der Wiederaufnahme der Produktionslinien, beispielsweise der dortigen großen Unternehmen wie Daimler, eine weitere Verschlechterung der ohnehin bereits jetzt unhaltbaren Zustände", heißt es in der Meldung weiter.

Für Reisende ohne triftigen Reisegrund gilt nun, dass sie nicht mehr nach Deutschland einreisen können. Zuvor hatten Dänemark, Polen, die Slowakei, Tschechien und Österreich ihre Grenzen weitgehend dicht gemacht.
Bild: Felix Kästle/dpa

Im Allgemeinen aber habe sich die deutsch-französische Zusammenarbeit gerade in Corona-Zeiten bewährt. "Nachdem Verwaltungsspitzen aus Wirtschaftsregion Mittelbaden, dem badischen Teil der Technologie-Region sowie die IHK Karlsruhe in einem Aufruf an Unternehmen der Region appelliert hatten, dringend benötigte Schutzmaterialien herzustellen, war das Echo enorm", so die TRK.

"Deutsch-französische Freundschaft funktioniert auch während des Shutdown"

Unter anderem habe so ein Unternehmer aus der Technologie-Region ein Mode-Atelier in Paris empfohlen, das seit Beginn der Corona-Krise auch Schutzkleidung herstellt. "Dank schneller Vermittlung lieferte es schon bald Mund-Nase-Schutz, FFP-Masken und Schutzkittel ins Elsass."

Jochen Ehlgötz Geschäftsführer TRK Technologieregion Karlsruhe
Jochen Ehlgötz Geschäftsführer TRK Technologieregion Karlsruhe | Bild: Anya Barros

Die IHK Karlsruhe und ihr französisches Pendant, die Industrie- und Handelskammer des Département Bas-Rhin (CCI), tauschen sich zudem aus, um den Bedarf an Virenschutz zu decken. "Ein gutes Zeichen dafür, dass die deutsch-französische Zusammenarbeit auch während des Shutdown funktioniert!"

Elsass dankbar für Versorgung französischer Corona-Patienten in Baden

Auch für die Versorgung französischer Corona-Patienten in badischen Kliniken sei man sehr dankbar. "In dieser Krisensituation haben wir den Mut, die Entschlossenheit und die Großzügigkeit Ihrer Bürger erfahren", so Josiane Chevalier, Präfektin der Region Grand Est, gegenüber Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup.

TRK-Geschäftsführer Jochen Ehlgötz blicke daher optimistisch in die Zukunft: "Unsere Netzwerke sind stark und reichen weit. Neben den technischen Voraussetzungen mangelt es auch nicht an Hilfsbereitschaft und wir wissen, dass wir genauso auf unsere französischen Partner bauen können!" 

Hintergrund

Unternehmen, Kammern, Wissenschaftseinrichtungen und Kommunen bilden zusammen das regionale, bundesländerübergreifende Aktionsbündnis TechnologieRegion Karlsruhe GmbH. Gemeinsam wollen sie die Wirtschafts-, Wissenschafts- und Innovationsregion stärken und weiter voranzubringen. Der Fokus liegt dabei auf den Themenfeldern Mobilität, Energie und IT/Digitalisierung.

Die TechnologieRegion Karlsruhe zählt auf einer Fläche von 5.900 Quadratkilometern insgesamt rund 1,63 Millionen Einwohner und ist nach eigenen Angaben eine der führenden Wirtschafts- und Innovationsregionen in Europa. Die Wirtschaftsleistung in der TechnologieRegion Karlsruhe liegt seit Jahren über dem Bundesdurchschnitt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP 2015: 53,2 Milliarden Euro) stieg in den letzten Jahren ebenfalls überdurchschnittlich. Zum 30.Juni 2016 zählte die Region über 512.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte.

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Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus breitet sich aus: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für Karlsruhe und die Region in diesem Dossier.
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