33  

Karlsruhe "Ohne Hilfen gehen die Lichter aus": Zerbricht der Karlsruher Einzelhandel an der Corona-Krise?

Triste Fußgängerzonen, verwaiste Geschäfte, leere Kassen - der Corona-Lockdown setzt dem Einzelhandel schon seit Monaten massiv zu. Und das wird wohl auch erst einmal weiter so bleiben, sollte der Lockdown noch einmal verlängert werden. Auch Karlsruhe hat die Krise hart getroffen, das weiß Unternehmerin Petra Lorenz. Ihre bittere Bilanz: "Bleibt die aktuelle Situation so wie sie aktuell ist, geht in vielen Läden bald das Licht aus."

Die Corona-Krise hat den Einzelhandel derzeit fest im Griff. Eine Aussicht auf Besserung besteht aktuell nicht. Denn: Aller Voraussicht nach wird der Lockdown bei den am Mittwoch anstehenden Bund-Länder-Beratungen bis Ende Februar erneut verlängert. In Karlsruhe zieht sich damit für viele Unternehmen die finanzielle Schlinge weiter zu.

Von Hilfszahlungen keine Spur

"Die Situation in Karlsruhe ist wirklich sehr sehr schlecht", meint Petra Lorenz im Gespräch mit ka-news.de. Die Stadträtin der Fraktion Freie Wähler/Für Karlsruhe ist selbst Inhaberin eines Einzelhandelsgeschäfts und kennt die Sorgen, die die lokale Wirtschaft derzeit plagen. "Die Stimmung ist am Tiefpunkt. Viele wissen nicht mehr weiter", stellt die ehemalige OB-Kandidatin fest.

Bild: Carmele / TMC-Fotografie

Das wohl größte Problem: Die von der Regierung versprochenen Überbrückungshilfen seien zu großem Teil immer noch nicht geflossen. "Viele Händler warten noch immer auf Hilfen für November und Dezember, wenn diese in den nächsten zehn Tagen nicht fließen, wird Ende Februar in vielen Läden das Licht endgültig ausgehen", prognostiziert Lorenz.

Bei den laufenden Kosten müsse nicht nur die zu zahlende Miete berücksichtigt werden, auch Faktoren wie Lieferungen oder Gehälter kommen dazu. "Viele Händler stehen mittlerweile schon mit dem Rücken zur Wand."

Ketten schließen ihre Karlsruher Filialen

Erst Konsequenzen könne man schon jetzt hören und sehen. "In der Karlsruher Kaiserstraße sind schon viele Läden geschlossen, in Durlach hat es auch schon einige Geschäfte erwischt und auch einige große Ketten haben schon angekündigt, viele ihrer Filialen zu schließen", so Lorenz. Beispiele wären Modehäuser wie Pimkie und Promo, aber auch Douglas.

Laut Lorenz sei dies aber erst die Spitze des Eisbergs: Weitere Insolvenzen und Pleiten drohen, wenn nicht bald mehr Hilfen ausbezahlt werden. "Die bisherigen Hilfen und das Click&Collect-System sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein", so Lorenz. 

Händler gefangen in der Perspektivlosigkeit

Hinzu kommt: Viele Händler würden aufgrund mangelnder Perspektive den Mut verlieren und sich nach Alternativen umschauen. "Viele sagen auch 'Ich mache zu', weil die Perspektive fehlt, weil es einfach keine Anhaltspunkte gibt, um eventuell Pläne aufzustellen."

Bild: Carmele / TMC-Fotografie

Perspektivlosigkeit - und das, obwohl viele Kunden Solidarität zeigen würden. "Eine Kollegin hat mir vor Kurzem erzählt, dass eine ihrer Stammkunden einen 1.000 Euro-Gutschein gekauft hat, weil sie so viel Mitleid hatte. Aber auch sowas hilft nur kurz weiter", erzählt Lorenz.

Wenig Hoffnung in kommendes Bund-Länder-Treffen

Am Mittwoch kommen die Kanzlerin und Länderchefs wieder zusammen, um über das weitere Vorgehen in der Krise zu beraten. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann bremste schon in der vergangenen Woche die Erwartungen über mögliche Lockerungen. 

Auch deswegen knüpft Lorenz wenig Hoffnung an das Treffen von Merkel, Kretschmann und Co. "Meiner Erfahrung nach wird dabei nichts herauskommen, außer, dass der Lockdown verlängert wird - und dann wird sich die Spreu vom Weizen trennen", sagt Petra Lorenz.

Auch Sie spüren die Auswirkungen auf die Corona-Krise? Erzählen Sie uns davon!

Ein Corona-Missstand, der schon zu lange ignoriert wird? Ein persönliches Schicksal, das erzählt werden sollte? Fragen rund um die Corona-Pandemie, die Sie bewegen? Uns interessiert, was Sie interessiert! Schreiben Sie uns - und werden Sie ka-Reporter!

Nutzen Sie hierfür dieses Formular, um direkt mit uns in der ka-news.de-Redaktion in Kontakt zu treten. Wir sind gespannt auf Ihre Geschichten!
Mehr zum Thema
Corona-Virus in Karlsruhe: Der Corona-Virus breitet sich aus: Alle Zahlen der Infizierten, Schutzmaßnahmen, Absagen von Veranstaltungen und weitere Informationen für Karlsruhe und die Region in diesem Dossier.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (33)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   todi01
    (1167 Beiträge)

    10.02.2021 23:42 Uhr
    Aus dem aktuellen IHK-Magazin
    in einem Artikel zu einem 25. Firmenjubiläum: "Ein Ladenlokal war dann aber schnell gefunden. Für eine Monatsmiete von 270 Mark ... in die Hirschgasse nach Ettlingen". Das war 1996! Heute kann man bestimmt eine Null dranhängen, und dann hat man auch schon einen wesentlichen Grund, warum der kleine Einzelhandel mit oder ohne Corona verschwindet.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Horschd
    (8 Beiträge)

    10.02.2021 21:38 Uhr
    Lorenz -ein Widerspruch
    Ich verstehe diese Frau nicht.
    Vor Wochen sagt sie beim Thema Parkgebühren: "Es dreht sich nicht um den Niedergang des Einzelhandels, der wird irgendwie seinen Weg gehen ..."
    (https://www.ka-news.de/region/karlsruhe/Karlsruhe~/kuenftig-mehr-geld-fuers-parken-in-karlsruhe-zahlen-ich-bin-beschaemt-ueber-was-wir-hier-diskutieren;art6066,2617707)
    und nun spricht sie davon, dass bald die Lichter in den Läden ausgehen. Das widerspricht sich doch vehement.

    Was ist aus den guten freien Wählern geworden, dass die Frau soviel an Bedeutung gewinnt?
    Oder ist das der Einfluss der Kalmbach-Truppe?
    Das wird mir mehr und mehr unsymbadischer.

    Sich in den Himmel loben, von einem Wahlerflog sprechen bei der OB-Wahl, obwohl weniger Prozente als Wenzel und Kalmbach damals zusammen. Beim Theater einen scharfen Ton anschlagen und sich als Versöhner anbieten. Von Sünden der Vergangenheit sprechen. Sich beschämt von dem Fühlen, was der Gemeinderat beredet. "Verantwortung geht anders!" bezgl. des Haushalts.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   AhmedDerAufklärer
    (75 Beiträge)

    11.02.2021 12:52 Uhr
    Mir
    ist auch unklar, wofür die "Freien Wähler" heute wohl stehen mögen?
    Für eine verfehlte, nicht zukunftsfähige Verkehrspolitik, bei der das "Pampern" der Autofahrer im Mittelpunkt steht, vielleicht...?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Horschd
    (8 Beiträge)

    10.02.2021 21:36 Uhr
    Lorenz - ein Widerspruch
    Ich verstehe diese Frau nicht.
    Vor Wochen sagt sie beim Thema Parkgebühren: "Es dreht sich nicht um den Niedergang des Einzelhandels, der wird irgendwie seinen Weg gehen ..."
    (https://www.ka-news.de/region/karlsruhe/Karlsruhe~/kuenftig-mehr-geld-fuers-parken-in-karlsruhe-zahlen-ich-bin-beschaemt-ueber-was-wir-hier-diskutieren;art6066,2617707)
    und nun spricht sie davon, dass bald die Lichter in den Läden ausgehen. Das widerspricht sich doch vehement.

    Was ist aus den guten freien Wählern geworden, dass die Frau soviel an Bedeutung gewinnt?
    Oder ist das der Einfluss der Kalmbach-Truppe?
    Das wird mir mehr und mehr unsymbadischer.

    Sich in den Himmel loben, von einem Wahlerflog sprechen bei der OB-Wahl, obwohl weniger Prozente als Wenzel und Kalmbach damals zusammen. Beim Theater einen scharfen Ton anschlagen und sich als Versöhner anbieten. Von Sünden der Vergangenheit sprechen. Sich beschämt von dem Fühlen, was der Gemeinderat beredet. "Verantwortung geht anders!" bezgl. des HH.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   silberahorn
    (10709 Beiträge)

    11.02.2021 04:43 Uhr
    Mach dir nichts draus,
    wenn du nicht alles verstehst. Das geht anderen auch nicht besser.

    Ich werde mir morgen den Auftritt des OB in der Hemingway Lounge Karlsruhe auf youtube anschauen, weil mich interessiert welche Musik ihn begleitete. Die jüngeren können viele gesetzliche Zusammenhänge mit denen mein Jahrgang noch zu tun hatte gar nicht mehr verstehen.

    Bei Licht aus muss ich an den Song denken, der in Baden-Baden im Club Raphael (dort wo jetzt das Fetsspielhaus ist) immer gespielt wurde, wenn sie schließen wollten:
    When the Music's Over
    Turn out the light, war das Stichwort.
    Im Anschluss habe ich mich mit einem wahrscheinlich homosexuellen "Berufsssohn" der eine große Firma übernehmen musste noch stundenlang gut unterhalten. Drogen habe ich nie gemocht, noch nicht einmal Canabis. Aber allein sich dort in dieser "Räuberhöhle " aufzuhalten galt in einigen Kreisen schon als verwerflich.
    Die Pandemie bringt neue Herausforderungen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   silberahorn
    (10709 Beiträge)

    11.02.2021 04:51 Uhr
    Die Pandemie
    bringt neue Herausforderungen.
    Für den Einzelhandel bedeutet die jetzige Lage nicht nur finanzielles Leid. Schlimmer wird es empfunden werden, dass andere sich vor Überarbeitung kaum retten können und man selbst (also der Ladeninhaber oder die Mitarbeiter) sich in keiner Weise mit nützlicher Arbeit im Geschäft gut ablenken kann.
    Mutmachende Sätze wären zwar angebracht, aber sie wirken auch wie Zweckoptimismus.

    Man muss die Innenstädte in Zukunft verändern und es gibt Städte die damit weitaus mehr Probleme haben könnten als Karlsruhe, weil sie gar keine Durchmischungen mehr haben. Dort könnten in Zukunft die Schönheitschirurgen neben Friseuren die vorhandenen Eitelkeiten bedienen. Wer will das wirklich?
    Noch schlimmer wären aber psychologische Praxen von Scharlatanen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   FCKSUV
    (604 Beiträge)

    10.02.2021 17:06 Uhr
    Die Fußgängerzone wird irgendwann aussehen
    wie Kreuzberg oder Neukölln. Zugezogenen Hipstern kann man da sicherlich horrende Mietpreise aus der Tasche ziehen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Malaika
    (281 Beiträge)

    10.02.2021 15:18 Uhr
    Die Innenstadt
    war für mich schon lange vor Corona nicht mehr attraktiv. Und wenn die hundertste Filiale von Piefkis, Plimkies und Co. dichtmacht ist das kein grosser Verlust. Möglicherweise etabliert sich dann mal wieder was Neues, Individuelleres, was Shoppen und Einkaufen betrifft und der Phoenix erhebt sich aus der Asche. Keine Ein-Euro-Shops, Handyläden, Nagelstudios, Barbershops mehr wäre doch erstrebenswert!

    Solange aber Karlsruhes "Einkaufsmeile" exakt die selben Läden hat wie Klein-Pfützensee in Wasweissichwo, dürfen die ruhig schliessen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   tom1966
    (1079 Beiträge)

    12.02.2021 15:40 Uhr
    Dazu müssten
    aber die Mieten in de Kaiserstraße auf ein Niveau sinken, das sich auch ein kleines Einzelunternehmen leisten kann. Für die Ketten ist das weniger ein Problem, die bieten einfach mehr, damit sie Räume an einem guten Standort mieten können und heben dadurch das gesamte Preisniveau..
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Dobermann
    (241 Beiträge)

    10.02.2021 15:01 Uhr
    Das Problem ist nicht CORONA alleine....
    Die Stadt stirbt nicht erst seit CORONA , sondern schon seit geraumer Zeit davor. Es ist ein schleichender Tod, den die Fußgängerzone erlebt.
    Die Gründe könnten sein überteuerte Mieten , Generationswechsel/Kauf und Verkauf von den Immobilien , U-Strab , zu viele Super-Center/Einkaufscenter , etc. und vor allem Neustarter ohne Businessplan . Irgendwelche Ideen ohne Pläne und Grundkapital. Sicherlich haben es sehr viele sehr schwer, aber standen die vor Corona auf finanziell stabile Beinen ? Oder hat es auch damit was zu tun, das grundsätzlich das Einkaufsklientel fort bleibt, weil eben der Aufenthalt in der Stadt unangenehm geworden ist. Schauen wir einmal, was sich so alles an den Ecken der Stadt herumtreibt.... da gehe ich auch lieber ins ECE....Überdacht, alles an einem Fleck und weitgehend ohne Belästigung.... Die Zukunft werden Handyshops , Friseure und Eineuroläden sein.... mehr wird es wohl nicht mehr... meiner Meinung nach natürlich nur.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 (4 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.