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Karlsruhe Mehrwertsteuer-Senkung: Was wird in Karlsruhe jetzt günstiger?

Jeder kennt sie vom Kassenbon: die Mehrwertsteuer. Mit der Senkung zum 1. Juli sollen viele Waren und Dienstleistungen günstiger werden - auch in Karlsruhe. Wie geben die Karlsruher Unternehmen das "Steuergeschenk" an ihre Kunden weiter? Und welche Branchen behalten das finanzielle Polster zum Ausgleich der Verluste für sich?

Um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, hat sich der Bund für ein "Steuergeschenk" entschieden: Zum 1. Juli sinken die Abgaben, die Unternehmen bei jedem Kauf an das Finanzamt abführen müssen.

Unternehmen nicht zu Preissenkung verpflichtet

Die Mehrwertsteuer beträgt nun statt 19 nur noch 16 Prozent. Der reduzierte Satz, der beispielsweise für viele Lebensmittel gilt, sinkt von 7 auf 5 Prozent. Der Steuerbonus gilt ab nun für genau ein halbes Jahr und endet zum Januar 2021.

"Steuersenkung auf alles": Beim Einkaufen fallen ab heute für ein halbes Jahr nur noch 16 statt 19 Prozent Mehrwertsteuer an.
"Steuersenkung auf alles": Beim Einkaufen fallen ab heute für ein halbes Jahr nur noch 16 statt 19 Prozent Mehrwertsteuer an. | Bild: Rolf Vennenbernd/dpa

Das Ziel: Einkaufen soll billiger werden, die Kunden zum Konsum anregen und so den Unternehmen - ob Café am Markt, Dienstleister oder Supermarkt - aus der Krise helfen. Denn die Wirtschaft hat unter den Folgen der Corona-Krise gelitten.

Bedeutet das für die Kunden, dass alle Waren nun mit einem Schlag billiger werden? Nein, denn: Die Unternehmen sind nicht verpflichtet, die Steuererleichterung an ihre Kunden weiterzugeben. Das Bundesfinanzamt ist allerdings zuversichtlich, dass die abgesenkte Umsatzsteuer auch den Bürgern zu Gute kommt. Bekommen auch die Karlsruher etwas vom "Kuchen" der niedrigeren Steuerlast ab?

Steuerbonus als Rabatt auf dem Kassenzettel

Das wohl größte Unternehmen für Alltagseinkäufe mit Sitz in Karlsruhe ist die Drogeriemarktkette dm. Wie Geschäftsführer Christoph Werner erklärt, werde der gesamte Betrag der Mehrwertsteuersenkung an die Kunden weitergegeben.

Die Drogeriemärkte Rossmann und dm wollen trotz Corona-Krise die Warenversorgung sicherstellen.
Im Drogeriemarkt dm wird die Mehrwertsteuersenkung als Rabatt an die Kunden zurückgegeben. | Bild: Sebastian Gollnow/dpa

Das sehen die Kunden auf dem Kassenbeleg schwarz auf weiß: Die Mehrwertsteuer wird als Rabatt vom Einkaufspreis abgezogen. An den Regalen selbst ist die Preissenkung jedoch nicht gekennzeichnet. Jegliche Preisschilder auszutauschen sei ein zu hoher finanzieller Aufwand, teilt das Unternehmen mit.

Werden die Bahntickets in Karlsruhe günstiger?

Ein großer Kostenpunkt für viele Karlsruher Bürger ist der ÖPNV: Ob Bus oder Bahn - das Wabensystem der Region Karlsruhe ist mitunter kompliziert. Ein neues Tarifmodell soll in den kommenden Jahren entwickelt werden. Verspricht der Corona-Steuerbonus eine schnellere Anpassung der Preise?

Gibt es an den Fahrkartenautomaten des KVV bald auch "Innenstadt-Fahrkarten"? Die Gemeinderatsfraktion Kult bringt das jedenfalls ins Spiel.
Ob die Fahrkarten aufgrund der Mehrwertsteuersenkung günstiger werden, steht noch nicht fest. | Bild: VBK

Ob die Bahntickets im Karlsruher Raum nun günstiger werden, das steht noch nicht fest. "Wir prüfen derzeit, in welcher Form wir den Kunden einen Teil der Steuerlast zurückgeben können", teilt der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) auf Nachfrage von ka-news.de mit. Die technische Umsetzung, beispielsweise eine Senkung der Preise an den Fahrkartenautomaten, sei jedoch nicht so einfach.

Wird der Restaurantbesuch in Karlsruhe günstiger?

Den Karlsruher Gastronomen wird nun gleich doppelt unter die Arme gegriffen: Zusätzlich zur Mehrwertsteuersenkungen des Bundes erlässt die Stadt die Gebühren für die Außenbestuhlung.

Bislang galt: Stellte ein Café oder ein Restaurant Tische oder Stühle auf die öffentlichen Straßen, fielen dafür Gebühren an. Je nach Lage zwischen 2,50 Euro und 20 Euro pro genutztem Quadratmeter. Diese Kosten entfallen nun bis zum Jahresende.

Das Oxford Pub in Karlsruhe.
Das Oxford Pub in Karlsruhe. | Bild: Oxford Pub

"Jede Entlastung hilft uns weiter, auch wenn der Wegfall der Gebühren für die Außenbestuhlung nicht den größten Ausschlag gibt", sagt Arya Farmann, Geschäftsführer des Oxford Pub Karlsruhe. Über die gesamte Zeit der Sommermonate würde das Restaurant rund 1.200 Euro durch den Gebührenerlass sparen.

Vor der Preissenkung müssen Verluste aufgeholt werden

Den Kunden zu Gute kommt dies und die niedrigere Mehrwertsteuer vorerst nicht. Im Fokus stehe nun, die Verluste der letzten Monate so gut es geht wieder aufzuholen, so Farmann. Bliebe ein Überschuss zurück, könnte dieser möglicherweise im Jahr 2021 in der ein oder anderen Form an die Gäste weitergegeben werden.

Das Oxford Pub in Karlsruhe.
Das Oxford Pub in Karlsruhe. | Bild: Oxford Pub

Besonders die Gastronomie und Hotelleriebranche hat unter den Folgen der Corona-Beschränkungen gelitten. Ab Mitte März mussten alle Restaurants und Cafés für mehrere Wochen schließen. Während viele große Lebensmittel- und Warenhäuser die Mehrwertsteuersenkung an ihre Kunden weitergeben können, steht in der Gastronomie wohl die eigene finanzielle Sicherheit der Betriebe vorerst an erster Stelle.

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  •   zahlenbeutler
    (1577 Beiträge)

    04.07.2020 11:13 Uhr
    für viele Menschen
    wird das Leben aber doch billiger, z.B. wer sich jedes Jahr einen neuen Lamborghini kauft oder einen echten Perserteppich, also da macht man ein Schnäppchen, Knüllerpreise..
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  •   ALFPFIN
    (7431 Beiträge)

    04.07.2020 18:35 Uhr
    Danke für den Hinweis,
    darauf hätte ich auch selbst kommen können, ich kaufe mir einen Lamborghini und kündige dafür meine Jahreskarte für den ÖPNV, dann habe ich richtig viel gespart.
    Ha, die trickse ich aus. 😊
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  •   ALFPFIN
    (7431 Beiträge)

    04.07.2020 10:44 Uhr
    Als Verbraucherin
    hätte ich in den letzten Monaten meine Kassenbons aufbewahren müssen, um die Preise der Lebensmittel desselben Herstellers zu vergleichen, die ich jetzt auch nach der Steuersenkung kaufe. Ich habe festgestellt, dass während der "akuten" Corona Krise zumindest bei Netto manche Preise, sagen wir mal "nach oben schwankten." Also die Feststellung, ob die Steuersenkung wirklich an die Verbraucher weitergegeben wird, dürfte schwierig sein.
    Bei anderen Gebrauchsartikel, wie Kleidung ist es nicht anders. Vorher wurde ziemlich aufgeschlagen, um dann gönnerhaft 10 Euro runterzugehen, was dann in der Regel dem
    realen Verkaufspreis entsprach, wobei die Gewinnspanne dann immer noch gut ist.
    Das ist heute nicht anders, als in meiner Ausbildung vor vielen Jahren. Wir sind von den Chefs angelernt worden, die Preise entsprechend "günstig" zu berechnen. Heute läuft das über Software Programme. Die Steuersenkung verschwindet wahrscheinlich zumindest teilweise für den Verbraucher "im Nirwana".
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  •   Freigeist1
    (1553 Beiträge)

    04.07.2020 11:09 Uhr
    Selbstverständlich kann wie
    immer jeder Händler seine Preise festlegen wie er will.
    Ja, Preise schwanken. Schon immer und auch weiterhin. So eine Überraschung aber auch.
    Das nennt man Marktwirtschaft.
    Jetzt die gute Nachricht: Jeder Kunde kann aber weiterhin frei wählen, wo er sein Geld ausgeben möchte.
    Die Händler werden versuchen, möglichst viele Kunden zu halten bzw. zu gewinnen, z.B. durch Werbung mit Weitergabe der Senkung.
    Stellt sich einer allzu doof an, wird er eher auf der Verliererseite sein.
    Das ist immer so.
    Bei Lebensmitteln gilt D ja als abolutes Billigland. Bis hin zu in vieler Hinsicht ungesundem Extremsparen bei der Produktion (Fleisch...) und beim Transport (Lkw und Fahrer aus Billigändern, Sicherheit/Wartung, Lenkzeitüberschreitungen...). Auf der anderen Seite wird aber auch viel weggeworfen (30% der Lebensmittel etwa...).
    Wäre sicherlich nicht schlecht, wenn jeder sein Verhalten und das seiner Händler mal auf den Prüfstand stellen würde, MwSt-Senkung hin oder her.
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  •   andi79
    (2959 Beiträge)

    04.07.2020 10:27 Uhr
    um es mal zu demonstrieren
    Meine Firma ist im B2B Bereich tätig. 95% aller kunden sind gewerblich... d.H. sie zahlen sowiso keine MwSt (berechnen muss man sie trotzdem, sie bekommen sie zurück). Der Umsatzsteuersatz ergibt sich aus dem Zeitpunkt des Leistungsendes.... wir verkaufen dienstleistungen mit 1 Jahr im vorraus, 1 Monat im vorraus, 1 Monat nachträglich, 1 Jahr nachträglich. Das ganze automatisiert mit Rechnungen über mehrere Seiten mit vielen einzelposten. Seit dem 1. Juli 2019 sind damit fast alle Rechnungen mit 1 Jahr im vorraus falsch und müssen korrigiert werden. Das heißt: Rechnungskorrektur um 3% bei den Posen der Rechnungen die 1 Jahr im vorraus berechnet wurden... rücküberweisung des Betrags an den kunden, korrektur der Umsatzsteuerrechnung (3% Rückforderung vom Finanzamt).... gleichzeitig in die Richtung Lieferant das ganze nur anderst rum.... d.H. ihn auffordern die Rechnung zu korrigieren.... warten bis er die 3% zurückzahlt.... korrektur bei Finanzamt... natürlich zig papieraufwand [...]
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  •   andi79
    (2959 Beiträge)

    04.07.2020 10:30 Uhr
    [...]
    buchungsaufwand usw.... beim Kunden und beim Lieferanten exakt das gleiche Spiel. Was nun aber wenn lieferanten die 3% nicht zurückzahlen? Anmahnen? Zahlungsklage? Oder wenn es im Dezember verlängern... Rechnungen die heute gestellt werden müssen 19% MwSt. beinhalten wenn die Leistungsperiode 2021 endet.... wird es dann wieder verlängert müssen die wieder korrigiert werden.... ud man darf z.B. 30Ct. von hunderten Kunden nachfordern? Denkt jemand auch nur einer zahlt das? Soll man dann wg. 30 ct. ein Inkassobüro hinterher schicken?

    HABEN DIE IN BERLIN NUR EIN HAUCH EINER AHNUNG WAS SIE DA ANRICHTEN?

    Inkompetenz, sonst ist das gar nichts.
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  •   andi79
    (2959 Beiträge)

    04.07.2020 10:34 Uhr
    ach ja...
    es gibt sogar Rechnungen aus 2015 bei denen Kunden kleinposten 5 Jahre in vorraus bezahlt haben.... wie reagiert eigentlich das Finanzamt bei einer Umsatzsteuerkorrektur für das Jahr 2015 wenn man 16% ins Formular eintragaen will? Ja wie... gibts nicht? Dann programmiert man eure Systeme um...
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  •   andi79
    (2959 Beiträge)

    04.07.2020 10:21 Uhr
    Unternehmen nicht zu Preissenkung verpflichtet
    Es wäre schöner wenn man weiterhin einfach die 19% berechnen könnte. Das ganze ist Wahnsinn und ich bin Durchgänig auf 180 weil sie jetzt noch diskutieren ende Dezember das ganze zu verlängern. Die haben 0 Ahnung was das bedeutet. Das resultat sind deutliche Preiserhöhungen um die kosten der Preissenkung abzufangen die im b2b vertreib dazu vollkommen irrelevant sind. Unfähigkeit pur in Berlin traurig.
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  •   Kojak
    (500 Beiträge)

    04.07.2020 09:17 Uhr
    Mogelpackung
    Einziger Zweck der kurzzeitigen Steuersenkung dürfte sein, dass Handel, Dienstleister und Gastronomie ab Januar 2021 einen kräftigen Preisaufschlag draufpacken können. Wer rechnet schon genau nach, ob da jetzt 3 Prozent oder 13 Prozent draufgeschlagen wurden? Wir werden doch überall nur abgezockt.
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  •   FG1961
    (382 Beiträge)

    04.07.2020 08:02 Uhr
    Die Rückkehr zu den 19% wird
    problematischer. Es wird schließlich "Alles"" wieder teurer.
    Mal sehen, wie der Markt darauf reagiert.
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