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Karlsruhe Keine Kaufprämie für Neuwagen: Koalition lehnt "Corona-Autobonus" ab

Um der angeschlagenen Wirtschaft unter die Arme zu greifen, steht die Idee einer Kaufprämie für Autos im Raum. Doch aus den Reihen der Klimaschützer wird Protest laut - auch in Karlsruhe. Ihr Vorwurf an die Politik: Die Corona-Krise und die Klima-Krise würden gegeneinander ausgespielt. Am Dienstag berät in Berlin der Koalitionsausschuss über finanzielle Hilfen für die Industrie und den umstrittenen "Autobonus".

Baden-Württemberg ist ein "Auto-Land": Rund eine halbe Million Menschen arbeiten im Bereich der Autoindustrie - ob bei den bekannten Marken oder Zulieferfirmen. Doch wie in vielen anderen Branchen hat die Corona-Krise ihre Spuren hinterlassen, denn die Kaufbereitschaft für Neuwagen ist in den vergangenen Monaten zurückgegangen.

Baden-Württemberg ist ein "Auto-Land". | Bild: Paul Needham

Kaufprämie soll Automobilindustrie ankurbeln

Die Idee: Eine Kaufprämie soll die schwächelnde Automobilbranche wieder ankurbeln. Darauf haben sich die Ministerpräsidenten der drei Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern und Niedersachsen verständigt. Sie fordern vom Bund, den Autokauf zu unterstützen. 3.000 Euro sollen Kunden zum Kauf moderner Benziner und Dieselautos anregen. 

Bereits Ende Mai wurde in Karlsruhe die Kritik laut. Über 250 Menschen demonstrierten auf ihren Rädern gegen die Autoprämie und für eine Verkehrswende. Organisiert wurde der Protest von Fridays For Future, Greenpeace und dem KlimaKollektiv Karlsruhe.

Gegen einen Kaufbonus für Autos: Fahrrad-Demonstration in Karlsruhe Ende Mai. | Bild: KlimaKollektiv Karlsruhe

"Die Kaufpreisprämie ist dazu gedacht, dass sich Leute, die eigentlich kein neues Auto brauchen, eines kaufen", so Fridays For Future Karlsruhe auf Nachfrage von ka-news.de. Dies würde zum einen den Zielen des Klimaschutzes widersprechen, zum anderen würde die Förderung anderer Bereiche, die ebenfalls unter den Folgen der Krise leiden, zu kurz kommen.

Industrie ankurbeln und Umwelt schützen - ein Widerspruch?

Corona-Hilfen für die Industrie auf der einen Seite, der Umweltschutz auf der anderen - ein Gegensatz? Nicht unbedingt, so scheint es. Denn wer ein Elektro- oder Hybridauto erwirbt, soll ebenfalls Geld vom Staat erhalten. Ein Betrag von rund 1.000 Euro zusätzlich zu den angedachten Prämien steht im Raum. 

(Symbolbild)
Auch der Kauf von E-Autos soll gefördert werden. (Symbolbild) | Bild: Stux @ pixabay

Das Bündnis KlimaKollektiv findet zu diesem Vorhaben klare Worte: "Auch Elektroautos brauchen Ressourcen, in der Atacamawüste in Chile zum Beispiel, werden für die Lithiumproduktion jeden Tag 21 Millionen Liter Grundwasser verbraucht." Der Umstieg hin zu einem Individualverkehr mit Elektroautos sei demnach nicht die Lösung des Problems. 

"In meinen Augen ein falsches Signal"

Wie stehen die Karlsruher Bundestagsabgeordneten zum geplanten Autobonus? "In meinen Augen wäre eine pauschale Kaufprämie das falsche Signal", sagt Ingo Wellenreuther, CDU-Abgeordneter in Berlin. Die negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie seien in allen Branchen der Wirtschaft zu spüren, nur die Autoindustrie zu fördern könne deshalb nur schwer gerechtfertigt werden.

Ingo Wellenreuther, Mitglied des Bundestags.
Ingo Wellenreuther, Mitglied des Bundestags. | Bild: ps/CDU

Auch Sylvia Kotting-Uhl, Karlsruher Bundestagsabgeordnete der Grünen, steht dem "Autobonus" kritisch gegenüber. "Die vorgeschlagenen Kaufprämien sollen die deutsche Automobilindustrie in ihrer derzeitigen Ausrichtung stabilisieren, sie also nicht fit für die Zukunft machen. Das ist ökonomisch kurzsichtig und klimablind."

Koalitionsausschuss entscheidet am Dienstag über Kaufbonus

Einige der bereits getroffenen Maßnahmen wie Kurzarbeitergeld und Liquiditätshilfen seien zwar richtig gewesen, jede weitere Unterstützung müsse jedoch neben der Corona-Krise auch die Klima-Krise in den Blick nehmen, so die Abgeordnete.

Sylvia Kotting-Uhl (Bündnis 90/Die Grünen), spricht im Bundestag.
Sylvia Kotting-Uhl (Bündnis 90/Die Grünen), spricht im Bundestag. | Bild: Britta Pedersen/Archiv

Am Dienstag, 2. Juni, wird in Karlsruhe zum wiederholten Mal der Protest laut - aus Gründen des Infektionsschutzes jedoch nicht mit einer großen Demonstration. Mehrere Protestaktionen sollen stattdessen an den markanten Plätzen der Stadt stattfinden. "Wir können nicht zulassen, dass unsere Antwort auf den Corona-Virus eine andere Krise, die Klimakrise, nur noch mehr anheizt", so Fridays For Future.  

Auf Bundesebene war die Kaufprämie für Autos bis zuletzt umstritten. Am Tag der Proteste tagt auf Bundesebene daher der Koalitionsausschuss und berät über ein Anti-Corona-Konjunkturpaket. Auch der Kaufbonus für Verbrenner wird dabei in Berlin zur Sprache kommen. 

3. Juni, 8:30 | Entscheidung vertagt

Wie unter anderem Spiegel.de berichtet, wurde die Entscheidung über das Konjunkturpaket und eine Kaufprämie für Autos vertagt. Der Koalitionsausschuss hatte die Gespräche bis spät in die Nacht geführt und setzt sie am Mittwoch, 3. Juni, um 10 Uhr fort. ka-news.de wird über den Ausgang der Verhandlung berichten.

4. Juni, 14:30 | Koalition gegen Kaufprämie

Die große Koalition hat sich gegen eine Kaufprämie für abgasarme Benziner und Dieselautos entschieden. Das berichtet unter anderem tagesschau.de. Die Spitzen von Union und SPD hätten sich jedoch auf höhere Prämien für Elektroautos geeinigt.

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  •   Bahnnutzer100
    (235 Beiträge)

    03.06.2020 12:31 Uhr
    mehr öffentlicher Verkehr
    Würde man das Geld nehmen und in den öffntlichen Verkehr investieren, hätten alle etwas davon, nicht nur die Autofahrer!
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  •   FCKSUV
    (239 Beiträge)

    03.06.2020 10:21 Uhr
    Die FFF-Jünglinge
    als Wirtschaftsweisen der Nation. grinsen
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  •   Iglaubsnet
    (775 Beiträge)

    03.06.2020 10:10 Uhr
    Wenn
    ich all die Nonsens-Komentare hier lese, kommt mir das Grausen.
    Es geht schlicht und einfach darum die Konjunktur wieder anzuschucken.
    Es geht nicht all zu sehr um die Firmen an sich sondern um die Arbeitsplätze. Dabei soll die
    Prämie nur einen Hebel sein um Konsumgeld in Bewegung zu bringen.
    Unsere Wirtschaft steht eh nach schwarz -rot -grünem Missmanagement auf der Kippe, da helfen auch die guten Zahlen von Gestern nix.
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  •   Chris23
    (542 Beiträge)

    03.06.2020 10:20 Uhr
    Sie dürfen gerne ankurbeln
    Aber muss das gezielt für die Autoindustrie sein? Die zwar ordentlich meckert, aber wenn man sich die Dividende bei BMW anschaut durchaus doppelzüngig (unsere Firma hat dem Jahresbonus eingefroren bsp um Rücklagen zu haben)

    Sie können Firmen auf verschiedene Arten stärker entlasten als sie es schon jetzt tun, dann würde aber nicht nur BMW sondern vielleicht auch Gigaset und Würth davon profitieren, das sehe ich als deutlich gerechter an.

    Wenn sie dem Konsum ankurbeln wollen, dann können sie die 5 Milliarden auch als Helikoptergeld verteilen - auch wenn es dann für dem Q7 Käufer nicht mehr für dem vergoldeten Schalthebel sondern nur für 1-2 Friseurbesuche reicht.
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  •   Iglaubsnet
    (775 Beiträge)

    03.06.2020 10:42 Uhr
    Ja
    das ist nämlich die letzte verbliebene Schlüsselindustrie und selbst die ist durch Unvernunft beschädigt.
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  •   tom1966
    (181 Beiträge)

    03.06.2020 08:17 Uhr
    Kaufprämien
    Wenn Prämien, dann aber für alle Fahrzeuge. Ein Verbrenner mit modernerer Technuik produziert zwar immer noch Schadstoffe, aber weniger als ein älteres Modell, daher sollte auch ein solcher Kauf unterstützt werden.
    Nicht für jeden ist ein E-Auto geeignet. Die Argumente sind bekannt: Preis, Langstreckentauglichkeit, Verfügbarkeit von Ladestationen usw.. Hinzu kommt die imense Umweltbelastung, die bei der Produkltion der Batterien / Gewinnung der Rohstoffe entsteht- aber halt, das betrifft ja nicht Deutschland, die entsteht ja weit weg.
    Diese Einseitige Setzen auf E-Mobilität seitens der Politik und der Umweltverbände halte ich wegen der bekannten Nachteile eines E-Autos für einen großen Fehler. Warum wird nicht im gleichen Maße von der Brennstoffzellentechnologie / dem Wasserstoffantrieb gesprochen? Passt das politisch nicht ins Konzept?
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  •   Chris23
    (542 Beiträge)

    03.06.2020 08:46 Uhr
    Brennstoffzellen sind quatsch
    Die Tankinfrastruktur muss zwischen dem Tankvorgängen relativ lange dem Druck wieder aufbauen (ca. 13-15 minuten damit du wieder 700bar hast), also deine Langstreckentauglichkeit hast du in großen Masse nicht wenn du für einen Tankvorgang 16-18 Minuten brauchst . Du kriegst eher zig Ladesäulen an die eh vorhandenen Parkplätze Raststätten als die anzahl der Zapfsäulen zu verzehnfachen.
    Und in dem 18 Minuten hast du bei modernen elektroautos, auch schon fast 50% vollgetankt am schnellladern - und mußt nichtmal dabei sein.
    Wasserstoff kann nur unter hohen energieaufwand gelagert/transportiert werden, und ist schon bei der Produktion ineffizient das es dann als Verbrenner nur noch 60% der Energie verwertet wird macht es nicht besser.
    Dazu hätte ich aufgrund der hochexplosivität des Wasserstoff bedenken, insbesondere sobald die abgerockten Autos unterwegs sind.
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  •   tom1966
    (181 Beiträge)

    03.06.2020 10:17 Uhr
    Wie weit..
    komme ich mit den "fast 50%" Ladekapazität (Realistisch bei Tempo 130, mit Klimanalge oder Heizung, nicht in der Theorie)? Mein Diesel schafft unter den genannten Bedingungen ca. 1000 km mit einem Tank (60 l).
    Ein E-Auto wird für mich erst interessant, wenn die Ladezeiten unter 30 min für 100 % und die Reichweiten bei mind. 500 km liegen. An Fahrten mit Anhänger möchte ich gar nicht denken.
    Was die Füllzeiten für Wasserstoff betrifft, ist es doch genauso: Technisch liese sich das verbessern, es ist nur nicht gewollt. Ebenso der Wirkungsgrad (wie ist der denn bei E-Autos?). Bei der Herstellung ist es das gleiche: Derzeit noch teuer, da geringe Mengen, großtechnisch würde es billiger.
    Zur Explosionsgefahr: Jedes brennbare Gas kann bei richtiger Mischung explodieren, daher müssen auch alle Gasanlagen regelmäßig überprüft werden - warum soll das bei Wasserstoffantrieben anders sein?
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  •   Chris23
    (542 Beiträge)

    03.06.2020 10:38 Uhr
    Du bist in 30 minuten
    bei ca. 80 Prozent, davon kannst du mit dem neueren und modernen elektroauto schon zwischen 200km bis 300km kommen. Die Reichweiten sind teilweise schon bei realistischen 400km, und auch wenn du beim Weg durch deutschland vllt einmal mehr stoppen musst du sparst sehr viel Zeit beim Tanken im Alltag. Auch wenn man hierzu bei dem Stationen an der Strasse, noch ein leichteres Anmelden implementieren sollte.

    Sehr schnelles Fahren liegt dem fahrzeugen (noch) nicht (zumindest nicht auf Dauer), aber in dem Bereich bis 130 wie von dir genannt sind sie meiner Meinung schon praktikabel auch für Leute die öfters weiter Fahren. Ich hätte mir aber statt einer Kauf prämie eher investition in die Infrastruktur gewünscht, denn daran scheitert es öfters ... Denn ein Vertreter der ohne Pause täglich 400km+ fährt, bei dem läuft was anderes falsch der wird ja nur fürs bewegen des Autos bezahlt.
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  •   freigeist
    (566 Beiträge)

    02.06.2020 18:21 Uhr
    Warum schon wieder Verkaufsprämien
    alleine der deutsche Markt ist doch Global verschwindent gering und die meisten Konzerne verdienen doch die Kohle im Ausland. Warum nicht Kohle für schlechte Tage zurücklegen,eben wie ein durchschnittlicher Kaufmann es auch machen würde. Ok Porsche zahlt ja auch wieder 9000 Euro an Prämie an die Mitrbeiter.
    Wie die Lufthansa übrigens auch,bringen auch diese Konzerne die Kohle in Steuerparadise,nur wenn es schlecht läuft soll di eAllgemeinheit noch dafür aufkommen.Von Gehalts oder gar Provisionsverzicht ist nicht gerade viel zu lesen gewesen.
    Wie auch schon geschrieben,die Auto Konzerne geben ja jetzt schon je nach Modell Firmenrabatte zwischen 30 - 40%.Lieber mal weniger Rabatt,dann braucht es auch keine Fördergelder.Als Privatkunde bin ich sowieso angeschmiert,da ist mit Rabatt nicht viel drin,da wendet sich jeder Verkäufer darauf angesprochen wie unter riesen Schmerzen und macht glaubhaft er würde ansonsten am Hungertuch nagen.
    Diese Kohle sollte lieber an den Mittelstand gehen.
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