Karlsruhe "Das Telefon hat ununterbrochen geklingelt": So haben Karlsruher Gastronomen das erste Öffnungs-Wochenende erlebt

Sieben Monate lang lastete der Lockdown auf der gastronomischen Landschaft Karlsruhes. Nun, seit vergangenem Samstag mit dem Ende der Bundesnotbremse, durften Restaurantbetreiber endlich wieder die Türen für Gäste öffnen. Wie das geklappt hat, ob sich die Öffnung lohnt und vor welchen Problemen die Gastro-Branche in Karlsruhe steht - ka-news.de hat mit den Betreibern des Kesselhauses und des Oxford Pubs gesprochen.

Es ist ein gutes Gefühl,  wieder öffnen zu dürfen, da sind sich die Karlsruher Restaurantbesitzer nach dem ersten Wochenende der Lockerungen einig. "Wir wollten ausüben, was wir am liebsten machen: Gastgeber sein! Für uns war klar, dass wir zur ersten Gelegenheit öffnen wollen", sagt Chris Hemmann, Miteigentümer des Kesselhauses in Grünwinkel. Seit September 2019 betreibt er das Restaurant gemeinsam mit seinem Bruder und dessen Frau.

Sven, Lisa und Chris Hemmann (v.l.) betreiben gemeinsam das Kesselhaus³ in Karlsruhe.
Sven, Lisa und Chris Hemmann (v.l.) betreiben gemeinsam das Kesselhaus³ in Karlsruhe. | Bild: Kesselhaus³

"Man spürt auch, dass es den Gästen gefehlt hat. Ich glaube, die Wertschätzung gegenüber der Gastronomie-Branche ist während des Lockdowns gestiegen", so auch Arya Farman. Seit 2013 betreibt er das Oxford Pub nahe des Kronenplatzes. Natürlich seien einige Vorbereitungen nötig gewesen, damit eine solche Wiedereröffnung überhaupt möglich wurde.

Arya Farman, seit 8 Jahren Betreiber des Oxford Pubs in Karlsruhe.
Arya Farman, seit acht Jahren Betreiber des Oxford Pubs in Karlsruhe. | Bild: Oxford Pub

Gerüstet für die Wiederöffnung

Beide Restaurants haben laut den jeweiligen Betreibern einen Abhol- und Lieferservice angeboten, während der Lockdown alles andere verbot. Infolgedessen seien einige Vorbereitungen auf die Gäste schon während der Bundesnotbremse routinemäßig ausgeführt worden.

"Wir waren die ganze Zeit über im Betrieb und haben immer auf Sauberkeit geachtet", sagt Hemmann. Eine Strategie, die auch sein Kollege beim Oxford Pub teilt: "Eigentlich sind wir davon ausgegangen, schon früher öffnen zu dürfen. Daher waren wir gut vorbereitet."

Bild: Oxford Pub

Viele Mitarbeiter seien bereits im Einsatz gewesen, als nur ein Lieferbetrieb möglich war, "deshalb war auch das Einteilen des Personals zügig erledigt", berichtet Farman. Der größere Anteil an Vorbereitung sei eher der Einhaltung der Abstandsregelungen geschuldet gewesen.

Getestet, geimpft oder genesen als Voraussetzung

Zudem mussten die Gäste über die neuen Regelungen - etwa das Mitbringen eines aktuellen negativen Schnelltests, einer Impfbescheinigung oder eines Belegs über eine bereits überstandene Corona-Infektion - informiert werden.

Hier sei Farman froh über die Unterstützung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). "Von dort aus haben wir viel Hilfestellung bekommen. Zum Beispiel Flyer mit allen Verordnungen, die wir unter den Gästen verteilen konnten." Dank all dieser Aspekte der Vorbereitung sei es möglich gewesen, am Samstag für die Gäste zu öffnen, "obwohl wir erst am Dienstag Bescheid bekommen haben".

"Das Telefon hat fast ununterbrochen geklingelt"

Und die Gäste hätten sich nicht zweimal bitten lassen: "Wir waren seit der Öffnung am Samstag über das gesamte Wochenende inklusive Pfingstmontag ausgebucht. Die Reservierungszahlen sind noch höher als vor Corona", resümiert Hemmann für das Kesselhaus.

Auch für Farmans Oxford Pub sei die Wiedereröffnung geglückt: "Schon zwei Tage bevor wir aufgemacht haben, haben die Telefone fast ununterbrochen geklingelt." Ob das im Endeffekt auch hier mehr Kunden bedeute, sei nicht feststellbar, denn: Während das Kesselhaus nur mit Reservierungen arbeitet, ist es im Oxford Pub durchaus noch möglich, ohne vorherige Anmeldung einen den Liefer- und Abholservice in Anspruch zu nehmen.

"Einige Gäste könnten noch etwas Zeit brauchen"

Diese Möglichkeit sei laut Arya Farman ein Grund dafür, "dass sich der Betrieb im Oxford Pub eher auf 'normal bis nicht viel' beschränkt". Zwar sei es eine stabile und große Zahl an Gästen, doch "der Trend unter unseren Kunden tendierte im Eröffnungswochenende eher zum Lieferservice".

Das Oxford Pub in Karlsruhe.
Das Oxford Pub in Karlsruhe. | Bild: Oxford Pub

Auch Chris Hemmann meint: "Viele Kunden in der Gastronomie sind während der Corona-Zeit skeptisch und zurückhaltend geworden. Einige Gäste könnten also noch etwas Zeit brauchen, um die Innengastronomie wieder zu nutzen." Aus diesem Grund wolle er auch keine Prognosen über die Entwicklung der Gästezahlen in naher Zukunft stellen.

"Die Testzentren sind überlastet"

Auch in den Corona-Maßnahmen, die ein Restaurant-Besuch aktuell voraussetzt, sehen die beiden Gastronomen eine mögliche Hemmschwelle für Gäste. "Oft haben die Leute einfach keine große Lust essen zu gehen, wenn sie vor jedem Restaurantbesuch einen gültigen Corona-Test brauchen", so Hemmann. Feiertage wie Pfingsten, an dem Testzentren oft überlastet seien, seien ein zusätzliches Hindernis: "Einige Kunden konnten aus diesem Grund nicht reservieren oder ihre Reservierung nicht wahrnehmen."

Ein Erfolg sei die Öffnung aus Sicht der Gastronomen dennoch gewesen, allein, was den Aspekt der Umsätze angeht. "Die sind seit Samstag ohne Zweifel gestiegen, wenn man sie mit den Zeiten vergleicht, in der wir nur Liefer- und Abholservice angeboten haben. An die Bilanzen, die wir vor Corona hatten, reichen wir trotzdem nicht annähernd heran", sagt Farman.

Erschreckend: Für manche Gaststätten lohnt sich die Öffnung nicht

Doch obwohl Gastronomen der Öffnung monatelang entgegengefiebert habe - als ka-news.de nach dem Pfingstwochenende noch weitere Karlsruher Gastro-Betriebe zu einer Stellungnahme bitten möchte, fällt auf: Viele haben noch immer geschlossen. Warum ist das so?

Oxford Pub-Betreiber Arya Farman sieht auch hier die steigenden Umsätze als Grund: "Für manche Restaurants bedeutet ein geringfügig größerer Umsatz, dass sie weniger finanzielle Hilfen vom Staat erhalten. Und mit dem derzeitigen Umsatz alleine - ohne die Hilfen - können sie sich nicht halten", erläutert Farman. 

Eine Öffnung lohne sich daher für einige Betriebe zum aktuellen Zeitpunkt gar nicht. "Natürlich muss das jeder für sich selbst entscheiden, ob er öffnet oder nicht. Ich kann auch durchaus verstehen, dass einige Kollegen Angst vor einer erneuten Steigung der Inzidenz haben und deshalb nicht öffnen", fährt er fort.

Auch Hemmann bekundet seine Sympathie für diejenigen Kollegen, die sich vorsichtig zeigen: "Es hat nicht jeder die Möglichkeiten, die sich unserem Kesselhaus bieten. Wer zum Beispiel keine Außengastronomie oder einen zu kleinen Gastraum hat, wird natürlich auf Probleme stoßen."

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