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Karlsruhe Citymarketing in Corona-Zeiten: Wie hält man eine Gesellschaft zusammen, die auf Abstand bleiben soll?

Geschlossene Geschäfte und Bars, abgesagte Veranstaltungen und keine Touristen: Nach wochenlangem Stillstand nimmt das öffentliche Leben in Karlsruhe in diesen Tagen wieder Fahrt auf. Wie erhält man ein gemeinschaftliches Stadtgefühl in Zeiten der Isolation und wie kann Stadtmarketing auf Sicht funktionieren? Wie funktioniert Event-Planung in hoch dynamischen Zeiten, in denen sich eigentlich nichts planen lässt?

Großveranstaltungen sind bis mindestens bis zum 31. August tabu - in Karlsruhe traf dies Events wie Das Fest im Juli, die Schlosslichtspiele im August oder den verkaufsoffenen Sonntag mit dem angegliederten "Fest der Sinne" im April. Sie liegen in der Verantwortung der Karlsruhe Marketing und Event (KME) GmbH. 

Wie hält man eine Gesellschaft zusammen, die auf Abstand bleiben soll?

Städtische Veranstaltungen sind  Leuchtturm-Events für die Stadtgesellschaft, aber auch für den Tourismus und wichtige Bausteine für die Stadtidentität. Wie hält man eine Gesellschaft zusammen, die eigentlich auf Abstand bleiben soll?

Impressionen vom Stadtfest 2019. | Bild: Sascha Kemper

Vor allem mit vielen Telefonaten, Videokonferenzen und kreativen Ideen: "So viele Videoschalten wie in den Zeiten von Corona hat es bei uns früher nicht gegeben", sagt KME-Geschäftsführer Martin Wacker im Gespräch  mit ka-news.de - ebenfalls in einer Videokonferenz. Die virtuellen Räume sorgten für eine schnellere Dynamik im Arbeitsablauf - "da hat Corona auch seine Vorteile." Nichts sei derzeit so wie es war, aber vieles werde man auch wieder zurückbekommen, ist sich Wacker sicher.

Chance für Schlosslichtspiele im Herbst oder Winter

Beispielsweise schreibt er die Schlosslichtspiele als Live-Event noch nicht komplett ab: "So wie wir die Entwicklung und Stimmung in diesen Tagen erleben, glaube ich, dass die Schlosslichtspiele ein Format sind, bei welchem man im Herbst oder Winter einen Anlauf starten könnte, sie als Grundinstallation am Schloss durchzuführen. Ich sehe da noch eine Chance." Aktuell sind die Schlosslichtspiele als reines Online-Event geplant.

"Wir glauben an die Vernunft der Leute", so der KME-Chef, "es hat in den vergangenen Wochen einen Lernprozess gegeben. Die Leute haben jetzt glaube ich verstanden, dass sie Abstand halten müssen - dazu braucht es keine 3.000 Bodenmarkierungen."

Hoffnung auf Stadtfest im Herbst - "sind flexibel"

Hoffnung gibt es auch für das Stadtfest im Herbst: Es ist für den 10. und 11. Oktober angesetzt - und derzeit noch nicht abgesagt. "Wir möchten das auf jeden Fall sehr gerne durchführen und stellen uns auf mögliche Variationen ein", sagt Organisator Dennis Fischer. Er ist bei der KME für das Citymarketing im Innenstadtbereich zuständig und arbeitet eng mit der Wirtschaftsorganisation City Initiative (CIK) Karlsruhe, zusammen.

Corina Bohner (ka-news) im Gespräch mit Dennis Fischer (Leiter Citymarketing bei Karlsruhe Event GmbH)
Aus dem Archiv: Corina Bohner im Gespräch mit Dennis Fischer. | Bild: Sophia Wagner

"Aufgrund der sich ständig ändernden Baustellensituation arbeiten wir bereits seit zehn Jahren in der Innenstadt in einer ultraflexiblen Umgebung", sagt Fischer über die Herausforderung in Corona-Zeiten schnell auf neue Regeln und Vorschriften reagieren zu müssen. Vom Programm sei das Stadtfest sowie eher dezentral organisiert, mit vielen kleinen Künstler-Spots in der Innenstadt - das Konzept könnte man in Bezug auf Abstandsregeln anpassen, so die Organisatoren.

Drehorgelspieler Markus Leyerle
Drehorgelspieler Markus Leyerle bei Stadtfest 2019. | Bild: Carmele / TMC-Fotografie

Relativ viel Vorlaufzeit benötige die Außenwerbung, so Fischer, ansonsten sei man in der Lage, recht kurzfristig ein Stadtfest mit verkaufsoffenem Sonntag auf die Beine zu stellen. Fest steht nur: Einen verkaufsoffenen Sonntag gibt es nur mit einer Rahmenveranstaltung - so wird es im entsprechenden Genehmigungsverfahren gefordert. "Der Wegfall einer Veranstaltung wie des Stadtfests bedeutet auch der Wegfall des verkaufsoffenen Sonntags", sagt Fischer. 

Düsterer Ausblick für Eventbranche

Ansonsten sieht es für die Eventbranche 2020 düster aus: "Die Event- und Kulturbranche liegt am Boden", sagt Wacker, "in diesem Bereich wird leider nie von einem Rettungspaket gesprochen." An großen KME-Events wie Das Fest sind rund 8.500 Menschen beteiligt. Viele Freelancer arbeiten an den großen Veranstaltungen mit - "bei aller Kreativität, die uns gerade beflügelt, das sind Menschen, an die wir denken müssen und deren Schicksal uns auch beschäftigt." 

Martin Wacker bei einer Fest-Pressekonferenz 2019. | Bild: Paul Needham/Mohawkvisuals

Man befürchtet, dass viele Selbstständige die Corona-Krise ohne Aufträge nicht überstehen werden. "Die Frage, wie schnell wir neue Ideen und Konzepte umsetzen können, um auf die aktuelle Lage zu reagieren, hängt eng mit zwei Problemstellungen zusammen", erklärt KME-Sicherheitsbeauftragter Markus Wiersch.

"Erstens, dass gewisse Dienstleister nicht mehr auf dem Markt sein werden, weil sie die Krise nicht mehr überleben und zweitens, dass der Bedarf an benötigten Produkten und Dienstleistungen so hoch wird, dass sie nicht mehr verfügbar sind."

KME-Konzepte finden beim Zoo und Co. Anwendung

Aktuelle Herausforderungen bei den Planungen sind - wenig überraschend - die Einhaltung und Umsetzung von Hygienevorschriften und Landesauflagen. Das macht insbesondere Markus Wiersch derzeit zu einem gefragten Mann: Er ist bei der KME für Sicherheitsfragen zuständig. "Auf der abstrakten Ebene hat sich nicht viel geändert: Menschen kommen, Menschen verweilen, Menschen gehen wieder - dafür gibt es Konzepte, die wir schon seit Jahren erfolgreich umsetzen", so Wiersch.

Markus Wiersch bei einer Fest-Pressekonferenz 2019.
Markus Wiersch bei einer Fest-Pressekonferenz 2019. | Bild: Paul Needham/Mohawkvisuals

Von dieser Erfahrung profitieren nun andere städtische Ämter: Beim Abfall- und Versorgungsamt, bei Bürgerbüros oder am Karlsruher Zoo war die KME beratend tätig und gibt Hilfestellung für das "Warteschlangenmanagement" und der "Abstandswahrung". Auf der abstrakten Ebene bleibt die Planung überschaubar - "der konkrete Fall wird in den einzelnen Fragestellungen dann aber schnell feingliedrig und komplex in der Planung."

Neue Ideen: Digitale Gastro-Plattform

Neben Unterstützung und Expertise arbeitet die KME auch an neuen Ideen, um in Corona-Zeiten Events für die Stadtgesellschaft umsetzen zu können. Ein erstes Projekt war "smart@home": Eine Plattform, die digitale Angebote aus allen städtischen Bereichen aufzeigt- von der Gastronomie über Handel bis zur Kultur.

Mit kostenlosen Lieferdiensten per Radkurier wurden die lokalen Geschäfte in den Lockdown-Monaten März und April unterstützt. Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit der Karlsruher Tourismus Gesellschaft (KTG) und der City Initiative Karlsruhe verwirklicht. Finanzielle Unterstützung gab es auch von der Wirtschaftsförderung.

Kostenloser Lieferdienst im März und April. | Bild: Radkurier Karlsruhe

"Wir hatten hier erste Erfahrungen aus dem Projekt Kalix von vor einigen Jahren", so Fischer, "daher konnten wir das Thema relativ schnell reaktivieren." Die Rückmeldung vonseiten des Handels war positiv: In der Spitze gab es pro Tag 200 bis 250 Bestellungen, die dann per Radkurier an die Haustür geliefert worden sind.

"Die Kunden sind bei der Preisgestaltung sensibel - die Unternehmen müssen für einen Lieferdienst fünf bis zehn Euro einpreisen, das ist für viele Kunden eine Hürde", erklärt Fischer. Finanziert wurde der kostenlose Lieferdienst durch die Wirtschaftsförderung Karlsruhe. 

Gibt es auch positive Effekte aus der Corona-Krise?

Weitere Überlegungen bei der KME sind Online-Events wie die Schlosslichtspiele mit Essens- oder Getränkepaketen auszustatten. Genießerpakete für das Erlebnis zuhause - ganz nach der Idee des Pfälzer Online-Weinfestes. Ob und wie das umgesetzt wird, ist noch vollkommen offen. 

Die Genuß-Kisten für das Online-Weinfest werden gepackt.
Die Genuss-Kisten für das Online-Weinfest in der Pfalz werden von Mitarbeitern verpackt. | Bild: ps/Südliche Weinstraße

Was bleibt aus der Corona-Krise in Bezug auf das Citymarketing? "Dass sich Menschen mehr in digitale Formate eindenken und einarbeiten müssen", sagt Wacker, "gerade im Handel wurde gemerkt, wie wichtig die digitale Erreichbarkeit ist."

Dieses Thema will man auch weiterhin begleiten - in Zusammenarbeit mit der CIK helfen "Scouts" lokalen Geschäften bei der Digitalisierung. "Das muss auch weitergehen - wer das Signal aussendet, muss es auch leben."

Im gewissen Rahmen wird Normalität wieder möglich sein

"Unsere Aufgabe als KME ist auch, die City attraktiv zu halten", ergänzt Martin Wacker, "dabei müssen wir die Fragestellung beantworten, wie wir ein Erlebnis vermitteln können, ohne Richtlinien zu gefährden. Was funktioniert jenseits von Online-Formaten und was können wir unter Betrachtung der Gesamtsituation unternehmen?"

"Abstand halten" heißt es im Karlsruher Zoo. | Bild: Corina Bohner

Das könnten dezentrale Erlebnisse im Innenstadtbereich sein: Beispielsweise kleine Spots für regionale Künstler anstelle großer Bühnen. "Wir müssen kreativ mit der aktuellen Lage umgehen, dafür sind wir mit unserem Netzwerk gut aufgestellt. Wir werden eine neue vorsichtige Attraktivität erleben", ist sich Wacker sicher, "die im kleinen Rahmen eine gewisse Normalität wiederherstellen lässt."

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  •   Weichei
    (738 Beiträge)

    11.05.2020 13:58 Uhr
    @ALFPFIN
    Ist dir Aufgefallen, dass ich die weitere Sterblichkeit durch Covid-19 erheblich Uebertrieben habe. Selbstverstandlich koennen die Zahlen nicht addiert werde. Sowenig wie an den Zahlen von 2018 auch die Sterbefaelle von 25000 tausend Influenza Sterbefaelle nicht subtrahiert werden.
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  •   Chris23
    (594 Beiträge)

    11.05.2020 14:44 Uhr
    Da wir kein Wissen über Spätfolgen und ...
    ... diagnose aller gestrobenen haben, ist es nicht sicher ob du wirklich unter trieben hast. Vor kurzen ging durch die Medien, dass das Statstische Bundesamt eine übersterblichkeit am Anfang April festgestellt hat (neuere Daten liegen noch nicht vor), es waren glaub 11% in Vergleich zum Jahresmittel der letzten 4 Jahre. Das ist noch eine relative kurze Zeitspanne, auf die ich noch nichts geben würde aber bei Covid fischen wir ziemlich in trüben - und am Ende werden solche Analysen basierend auf diesen Zahlen zeigen wieviele vermutlich gestorben sind oder nicht. Dazu gehört dann natürlich auch das Wissen, mit welchen Krankheiten es korrespondiert/verursacht ... Das eingeschränkte normale Leben sollte dort eigentlich auch in anderen Bereichen schützend wirken, da sie auch die verbreitung anderer ansteckenden Krankheiten lindert, weniger Leute in Strassenverkehr sterben dafür geht der ein oder andere nicht zum Arzt obwohl er hätte gehen sollen ...
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  •   yokohama
    (3438 Beiträge)

    11.05.2020 17:32 Uhr
    Wobei diese Zahlen zur Übersterblichkeit (März / April)
    im Vergleich zu anderen Regionen und Städten in Europa und der Welt vergleichsweise harmlos sind.

    Elsass: +135%
    Region Paris: +60 bis +100%
    New York City: +225%
    Bergamo und andere italienische Städte: bis +500%

    https://www.nytimes.com/interactive/2020/04/28/us/coronavirus-death-toll-total.html

    https://www.lemonde.fr/les-decodeurs/article/2020/04/10/coronavirus-la-surmortalite-en-france-par-age-sexe-et-departement_6036275_4355770.html

    https://www.stol.it/artikel/chronik/italien-statistikamt-vergleicht-todeszahlen-teils-500-prozent

    https://www.tagesschau.de/faktenfinder/corona-uebersterblichkeit-101.html
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  •   ALFPFIN
    (7353 Beiträge)

    11.05.2020 14:12 Uhr
    @Weichei
    das war keine Kritik an deinem Beitrag, es waren nur meine Gedanken dazu.😉

    Generell werden ja zur Corona Pandemie seitens der Wissenschaftler zum Teil doch unterschiedliche Berechnungen und Statistiken veröffentlicht, so dass man teilweise den Durchblick verlieren kann.
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  •   Svantovit
    (136 Beiträge)

    11.05.2020 11:53 Uhr
    Schwarz sehe ich auch
    für unsere Zukunft. Wenn ich mir die beiden Vorkommentare durchlese, sehe ich darin eine völlig unkritische Übernahme der aktuellen Staatsdoktrin. Viele sind bereit über Jahrhunderte erlangte Freiheiten widerstandslos aufzugeben, zumindest bis ein Impfstoff entwickelt wurde. Also wohin geht unsere Gesellschaft in der Zeit, bis zu dessen Entwicklung und Herstellung, und welche Konsequenzen haben Menschen zu erwarten, die sich einer Impfung verweigern? Wir reden hier im übrigen von mehreren Jahren der Entwicklung, falls es überhaupt einen geben wird, ein verkürzter Prozess träge mehr gesundheitlche Risiken in sich als das Virus selbst. Letztendlich werden wir mit diesem Virus leben müssen, so wie mit anderen Viren auch. An uns ist es zu entscheiden ob wir auf unabsehbare Zeit in sozialer Distanz leben möchten, mit bekannten Einschränkungen, oder in Freiheit.
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  •   ALFPFIN
    (7353 Beiträge)

    11.05.2020 08:40 Uhr
    Ich sehe schwarz
    Jetzt rennen alle wieder sofort in die Stadt, als hänge das ganze weitere Leben davon ab. Sicherheitsabstand lässt sich da doch überhaupt nicht einhalten.
    Eine junge Nachbarin zeigte mir strahlend, dass sie sofort zwei neue Sommershirts gekauft habe, auf meine Frage wie viele Sommershirts sie im Schrank hängen hat, na so 12 Stück. Da erübrigt sich jede weitere Diskussion, schon gar nicht ihr bewusst zu machen, das die Corona Gefahr noch nicht vorüber ist.
    Man kann vermuten, dass viele gleich in die Stadt gelaufen sind, weil sie unbedingt "Sommershirts" zum überleben benötigen. Man kann das nicht verallgemeinern, wenn man aber sieht, was schon wieder los ist in den Einkaufsmeilen, liegt die Vermutung schon nahe. Anders formuliert man handelt gedankenlos und ohne Rücksicht auf die wieder die zunehmenden Krankheitsfälle.
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  •   melotronix
    (3220 Beiträge)

    11.05.2020 07:47 Uhr
    es wird...
    kein Stadtfest...keine Lichtspiele im Herbst und im Winter geben und nächstes Jahr braucht man gar nicht planen...solange die Menschen nicht verstehen, dass der Weg noch lange nicht durchschritten ist.
    Ich selbst bin Musiker und mir fehlt das Zusammenspiel mit der Band auf der Bühne.
    Wenn ich aber sehe was auf der Kaiserstrasse los ist... als ob nichts gewesen wäre, dann helfen leider nur wieder rigorose Beschränkungen. Anders kapiert der Mensch das nicht. Leider!
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