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Karlsruhe Karlsruher Gastronomen in der Corona-Krise: "Es scheint paradox, aber ich will, dass wir schließen!"

Karlsruhes Gastronomen sind verzweifelt: Aufgrund des sich ausbreitenden Corona-Virus hat das Land am Freitag beschlossen, Restaurants zu schließen. Essen zum Mitnehmen und auf Bestellung bleibt aber weiterhin möglich. Doch was gilt für Gaststätten, die beides anbieten? Bleiben sie geöffnet? Und haben sie dann noch Aussicht auf finanzielle Ausgleichszahlungen? Die Unternehmer suchen Antworten - und schließen sich zusammen.

Markus Muth ist verärgert. Der Inhaber der Karlsruher Gaststätte "Stövchen" leidet - wie so viele Gastronomen der Fächerstadt mit ihm - unter den Folgen des Corona-Virus. "Wir haben Umsatzeinbußen von bis zu 85 Prozent und Probleme, die Kosten für das Personal zu decken", erklärt er im Gespräch mit ka-news.de.

"Es scheint paradox, aber ich will, dass wir schließen"

Das größte Problem aber machte ihm bisher die am Dienstag beschlossene Verordnung der Landesregierung. Darin steht: Restaurants dürfen geöffnet bleiben, sofern Tisch- und Stehplätze mit einem Mindestabstand von 1,5 Metern versehen sind und die Infektionskette einen Monat lang nachgewiesen werden könnte.

Für den Gastronom ein Ding der Unmöglichkeit. "Wir brauchen Apotheken und Supermärkte - keine Gastronomie", sagt er. Zudem gehe der Gesundheitsschutz seiner Gäste und Mitarbeiter vor. "Einige kamen auch schon auf uns zu und haben gefragt, warum wir überhaupt noch geöffnet haben."

"Es scheint paradox, aber ich will, dass wir schließen", so Muth. Doch es gibt ein Problem: Schließt er das "Stövchen" freiwillig, ohne Vorgabe der Landesverordnung, könnten ihm mögliche finanzielle Ausgleichszahlungen verwehrt bleiben.

Gaststätten-Betrieb soll ausnahmslos untersagt werden

Aus diesem Grund haben sich Markus Muth und rund 25 weitere Gaststätten-Inhaber zur Initiative "Karlsruher Gastronomen stehen zusammen" vereint. Zusammen fordern sie, "dass der Betrieb von Gaststätten ausnahmslos untersagt wird", schreibt die Initiative in einem Instagram-Post.

Einen Teilerfolg konnten sie am Freitag schon verbuchen: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann verbot ab dem morgigen Samstag den Betrieb aller Restaurants im Land. Allein Essen zum Mitnehmen und auf Bestellung bleibt weiterhin möglich. Restaurants, die beides anbieten, dürfen ihre Küche nur für das "To go-Geschäft" betreiben.

Ein wirklicher Erfolg ist das für den "Stövchen-Betreiber", das ebenfalls Gerichte zum Mitnehmen anbietet, allerdings nicht. Er kritisiert die in seinen Augen erneut zu unpräzise getroffene Formulierung der Landesregierung. Seine Befürchtung: Sollte er seine Gaststätte trotz seines "To go-Angebots" schließen, werden ihm wieder eventuelle Ausgleichszahlungen verwehrt.

"Sollte ich eigenmächtig schließen, könnte mir das zu meinem finanziellen Nachteil ausgelegt werden"

"Ich verkaufe normalerweise etwa zehn Essen pro Tag zum Mitnehmen. Im Vergleich zu meinem Hauptgeschäft, der Speisegaststätte mit täglich rund 300 verkauften Essen, ist das verschwindend gering", erklärt Muth gegenüber ka-news.de. "Dennoch könnte es sein, dass, sollte ich eigenmächtig schließen, mir das zu meinem finanziellen Nachteil ausgelegt wird."

Deutlich sinnvoller hätte er es daher gefunden, "wenn jetzt ein richtiger Strich unter den Gaststättenbetrieb gesetzt worden wäre. Stattdessen stehen wir alle gerade ein bisschen bedröppelt da." 

Wirtschaftsministerium will Gastronomen Rede und Antwort stehen

Schließen will Markus Muth sein "Stövchen" aber aller Voraussicht nach ab dem morgigen Samstag trotzdem. Was dann die Zukunft finanziell für ihn bereithält, weiß er noch nicht. Das Sozialministerium indes hat zugesichert: "An der Rechtsgrundlage für die Ausgleichszahlungen wird gearbeitet. Voraussichtlich ab nächster Woche wird das Wirtschaftsministerium per Telefon für die Gastronomen und ihre Fragen bereitstehen", heißt es auf Nachfrage von ka-news.de am Freitag.

Für Fälle wie den des Unternehmers Muth hat aber auch Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup bereits die Unterstützung der Stadt zugesagt. "Wir müssen einen Weg finden, wie jetzt unkompliziert Geld ausgezahlt werden kann", so der Rathaus-Chef in einer Video-Botschaft.

Auch der Landtag hat am Donnerstag in einer Sondersitzung beschlossen, dass die Landesregierung Kredite von bis zu fünf Milliarden Euro zur Bekämpfung der Corona-Pandemie und ihrer Folgen - inbesondere für kleine Unternehmen und Selbstständige - aufnehmen darf. Zusätzlich sollen dafür 1,2 Milliarden Euro aus der Rücklage für Haushaltsrisiken bereitstehen. 

"Für mich sieht Liquiditätshilfe anders aus"

Darüber hinausgehende Hilfs- und Unterstützungsangebote für Unternehmer von Bund und Land - die unter anderem die Stadt Karlsruhe unter www.karlsruhe.de zusammengefasst hat - wie etwa ein Kredit der Förderbank "Kreditanstalt für Wiederaufbau" (KfW), kenne Markus Muth zwar, attraktiv sei so etwas für ihn aktuell aber nicht. 

"Einen solchen Kredit muss ich auch irgendwann zurückzahlen - mit Zinsen", sagt er. "Ich mache momentan Schulden, für die ich nichts kann. Dass sich Banken da noch am Unglück anderer bereichern, finde ich unmöglich. Für mich sieht Liquiditätshilfe anders aus."

Markus Muth, Besitzer des Stövchen in Karlsruhe.
Markus Muth, Besitzer des "Stövchen" in Karlsruhe. | Bild: privat

Der Unternehmer wünscht sich nun vor allem eines: Klare Informationen von Seiten der Stadt und der Landesregierung. "Ich glaube, dass das sonst vielen Gastronomen zum Verhängnis wird. Schafft Klarheit und schützt die Gastro-Szene", appelliert Muth. "Denn ohne sie wäre die Stadt um ein wichtiges Kulturgut ärmer."

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  •   Nachteule
    (791 Beiträge)

    21.03.2020 08:21 Uhr
    Das Corona -Krisenmanagement ist ein Witz
    Jedes Bundesland hat andere Regeln.
    Jede Stadt hat andere Regeln.
    Und der obige Fall „Gastronomie“ zeigt, wie idiotisch manche dieser Regeln sind.
    Warum sollte die Ansteckungsgefahr höher sein, wenn ich statt eine Stunde lang zu essen, in zehn Minuten mal ein Bier trinken möchte?
    Armes Deutschland kann man dazu nur sagen !!!
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  •   stefko
    (2252 Beiträge)

    21.03.2020 10:16 Uhr
    Das nennt sich Föderalismus ...
    ... und hat eben Vor- und Nachteile, sowie gute Gründe ...
    Würde alles zentralistisch aus Berlin bestimmt, wäre bei genügend anderen Gelegenheiten das Geplärre auch wieder da.
    Wie gerade hier häufig zu lesen ist, haben es ja viele bis heute seelisch noch nicht überwunden, dass der Landtag in Stuttgart steht zwinkern
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  •   fpfka
    (51 Beiträge)

    20.03.2020 21:03 Uhr
    Gegessen wird immer
    Die Leute fasten ja nicht plötzlich. Wenn man sich zum Essen nicht mehr setzen kann, wird man zum Mitnehmen kaufen oder sich liefern lassen. Vielleicht keine 300 pro Tag, vielleicht nur 200. Aber er müßte halt schon aktiv drauf hinweisen - ich wußte bis eben überhaupt nicht, daß man im Stövchen auch zum Mitnehmen bestellen kann.

    Ich glaube jedenfalls nicht, daß die Karlsruher die nächsten min. 2-3 Monate alle täglich selbst kochen werden. (Ja, das rettet nicht sein ganzes Personal. Schon klar.)
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  •   stefko
    (2252 Beiträge)

    21.03.2020 06:59 Uhr
    Da wäre ich nicht so sicher
    Einen nicht geringen Teil des Umsatzes dürfte das Stövchen (und ähnliche Betriebe) zum Einen mit Leuten gemacht haben, die dort einkehrten, weil sie in der Stadt/Nähe arbeiteten und zum Anderen mit Laufkundschaft. Beide Gruppen werden, wenn sie nicht gerade im Umkreis von 200m wohnen,nun extra dort bestellen.
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  •   stefko
    (2252 Beiträge)

    21.03.2020 07:04 Uhr
    Hinzu kommt
    Das solche Kneipen (Stövchen, Bleu, Kippe, Email, Litfass, ...) ja nicht nur von den Essen leben, sondern auch (vor allem) von den Getränken und dieses Geschäft ist natürlich komplett weggebrochen.

    @ka-news: eine Editierfunktion wäre echt mal schön - und auch kein Hexenwerk ... zwinkern
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