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Berlin Corona-Konjunkturpaket: Bund einigt sich auf Hilfen von 130 Milliarden Euro

Es waren Marathon-Verhandlungen über zwei Tage. Nach einem zähen Ringen haben sich die Spitzen von CDU, CSU und SPD auf ein umfassendes Konjunkturprogramm geeinigt. Kostenpunkt: 130 Milliarden Euro.

Mehr Geld für Familien und Kommunen, Entlastungen beim Strompreis - und eine Senkung der Mehrwertsteuer: Mit einem riesigen Konjunkturpaket will die schwarz-rote Koalition die Wirtschaft in der Corona-Krise ankurbeln.

Das Konjunkturpaket soll für 2020 und 2021 einen Umfang von 130 Milliarden Euro haben. 120 Milliarden entfallen dabei auf den Bund, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin sagte. Damit sollen Wirtschaft und Konsum der Bürger wieder angekurbelt werden. Infolge der Corona-Krise wird die bisher schwerste Rezession der deutschen Nachkriegsgeschichte erwartet.

Senkung der Mehrwertsteuer auf 16 Prozent

Ein "Herzstück" des Paketes ist nach den Worten des CSU-Vorsitzenden Markus Söder eine Senkung der Mehrwertsteuer. Vom 1. Juli an bis zum 31. Dezember 2020 soll der Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent auf 16 Prozent und für den ermäßigten Satz von sieben Prozent auf fünf Prozent gesenkt werden, wie aus einem Beschlusspapier hervorgeht.

Im jüngsten ZDF-Politbarometer ist CSU-Chef Söder der zweitbeliebteste Politiker nach Kanzlerin Merkel.
Im jüngsten ZDF-Politbarometer ist CSU-Chef Söder der zweitbeliebteste Politiker nach Kanzlerin Merkel. | Bild: Peter Kneffel/dpa-Pool/dpa

Dagegen entschieden sich die Spitzen der großen Koalition gegen eine Kaufprämie für abgasarme Benziner und Dieselautos. Sie beschlossen allerdings deutlich höhere Prämien für Elektroautos. Bei den Stromkosten sollen die Bürger entlastet werden. Dafür soll die EEG-Umlage zur Förderung von Ökostrom-Anlagen ab 2021 über Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt abgesenkt werden.

Union und SPD streben außerdem einen "Modernisierungsschub" an und wollen Zukunftstechnologien etwa für mehr Klimaschutz fördern. Fast die Hälfte der 130 Milliarden Euro für das Paket fließt nach den Worten von Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) in Zukunftsbereiche wie die Wasserstoffwirtschaft, Quantentechnologien oder Künstliche Intelligenz. 

Kommunen bekommen Hilfen in Milliardenhöhe

Die Spitzen von Union und SPD einigten sich auch auf einen Kinderbonus von einmalig 300 Euro pro Kind, der mit dem Kindergeld ausgezahlt werden soll. Zudem sollen die Kitas weiter ausgebaut werden. Die finanziell schwer getroffenen Kommunen bekommen ebenfalls Milliardenhilfen vom Bund.

Damit sollen Ausfälle bei den Gewerbesteuereinnahmen für 2020 und 2021 von Bund und Ländern zusammen ausgeglichen werden. Walter-Borjans sagte, die enorme Entlastung werde die Kommunen investitionsfähig machen. Zudem will der Bund weitere Kosten für Unterkünfte übernehmen.

Die Bahn soll vom Bund wegen Einnahmeausfällen in der Corona-Krise Milliarden-Hilfen bekommen. Demnach sollen zur Aufstockung des Eigenkapitals weitere fünf Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden. Geplant sind außerdem Hilfen von 2,5 Milliarden Euro für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).

Kleine und mittlere Firmen mit "Überbrückungshilfen" unterstützen

Die Koalitionsspitzen einigten sich auch auf eine zusätzliche Unterstützung in Milliardenhöhe für Branchen, die von der Corona-Krise besonders belastet sind. Geplant sind "Überbrückungshilfen" im Umfang von maximal 25 Milliarden Euro, wie aus einem Beschlusspapier hervorgeht. Damit soll eine Pleitewelle bei kleinen und mittleren Firmen verhindert werden.

Außerdem soll es steuerliche Entlastungen geben, damit die Liquidität von Firmen gesichert wird und diese Spielräume für Investitionen haben. Die Koalition will außerdem mehr Geld ausgeben etwa für die Künstliche Intelligenz sowie für den Ausbau des neuen Mobilfunkstandards 5G. Der digitale Wandel soll auch in der öffentlichen Verwaltung vorangebracht werden.

Die schwarz-rote Koalition will auch Deutschlands Wäldern und der Holzwirtschaft helfen, mit 700 Millionen Euro zusätzlich. Das Geld solle für die Aufforstung, den Erhalt und die nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern bereitgestellt werden. Nach zwei Dürrejahren habe auch 2020 trocken begonnen, die Holzpreise seien - auch wegen der Corona-Pandemie - stark gesunken. Vergangenen Herbst hatten Bundesregierung und Länder bereits 800 Millionen Euro Nothilfen für Wälder angekündigt.

"Wir wollen mit Wumms aus der Krise kommen"

Merkel sprach von einem guten Ergebnis. Es gehe darum, die schwerste wirtschaftliche Krise in den Griff zu bekommen. Diese zeige sich an den mehr als sieben Millionen Kurzarbeitern. Das alles brauche eine mutige Antwort. Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) fasste es mit den Worten zusammen: "Wir wollen mit Wumms aus der Krise kommen."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird voraussichtlich nicht zum geplanten G7-Gipfel in die USA fliegen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird voraussichtlich nicht zum geplanten G7-Gipfel in die USA fliegen. | Bild: Michael Kappeler/dpa

Fast die Hälfte der 130 Milliarden Euro für das Paket fließt nach den Worten von Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) in Zukunftsbereiche wie die Wasserstoffwirtschaft, Quantentechnologien oder Künstliche Intelligenz. Karliczek sagte der dpa, ein so "kraftvolles Zukunftspaket" habe es noch nie gegeben.

Bund muss neue Schulden aufnehmen

Nach den kurzfristigen Hilfen in der Corona-Krise - etwa durch Sonderkredit-Programme über die Staatsbank KfW - reichen die geplanten Konjunkturhilfen zum Teil weit über die derzeitige Legislaturperiode hinaus. 60 bis 70 Vorschläge lagen zu Beginn auf dem Tisch. Klar war, dass nicht alle Wünsche finanzierbar sein würden, zumal die Steuereinnahmen wegen der Corona-Krise sinken und die Arbeitslosigkeit wieder zunimmt.

Zur Deckung der Ausgaben muss der Bund neue Schulden aufnehmen. Finanzminister Scholz sprach von einem Nachtragshaushalt, ohne den Umfang zu nennen. Dies führt nach den Worten von CSU-Chef Markus Söder keineswegs zu einer Überschuldung des Landes und auch nicht dazu, dass das Land handlungsunfähig oder die nächste Generation überlastet würde.

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  •   FG1961
    (343 Beiträge)

    05.06.2020 06:32 Uhr
    Konsumgesellschaft
    Der aktuelle Zeitgeist sollte eine Abkehr von der Überflussgesellschaft, Wohlstandsgesellschaft oder Wegwerfgesellschaft anstreben. Für das Ziel "Warm, Satt, Sauber und Gesund" ist der Konsum (Gebrauchsgüter) kontraproduktiv.
    Die Schulden werden wir "vererben". Das wird kommenden Generationen den Handlungsspielraum weiter einengen, Die Zweiklassengesellschaft wird mit solchen Aktionen (Schulden) weiter vorangetrieben. Das ist ein Strohfeuer mit schrecklichen Ausgang.
    Die EU will 1.500 Milliarden Euro Steuergelder "ausgeben".
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  •   FG1961
    (343 Beiträge)

    05.06.2020 06:12 Uhr
    Meine Reaktion
    Jeglicher Konsumgütereinkauf pausiert bis zum Juli
    Alles was nicht notwendig ist pausiert bis zum Juli.
    Die Lieferung/Abholung bereits bestellter Artikel pausiert bis zum Juli.
    Ich gehe davon aus, dass auch in der Industrie (B2B) die Rechnungserstellung verschoben wird.
    Sicherlich ist es dem Nettozahler egal, da er es wieder bekommt, aber zahlen muss er es erstmal.
    Und 3,5% weniger als Konjunkturrabatt? Warum nicht
    Ich glaube nicht, dass eine Bäckerei, Eisdiele, Pizzeria und so weiter die Absenkung weiter geben.
    Bereits eine "Pizza zum Mitnehmen" hat aktuell eine andere MwSt.
    Das wird selten weiter gegeben.
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  •   andip
    (10396 Beiträge)

    05.06.2020 08:46 Uhr
    Die Senkung der MwSt
    auf Essen in Gaststätten sollte ja den Effekt haben, dass dem Wirt ein paar Cent mehr in der klammen Kasse bleiben.
    Ähnliches ist wohl jetzt auch beim Handel gedacht.
    Dass der Geiz-ist-geil-Konsument nur an sein eigenes Portemonnai denkt und es dem egal ist, ob es dem Handel schlecht geht oder den Lieferanten, Herstellern ist ja bekannt.
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  •   FCKSUV
    (239 Beiträge)

    04.06.2020 14:08 Uhr
    Diese MwSt.-Regelung bringt
    etliche Buchhaltungen in die Bredouille. Der bürokratische Aufwand ist enorm.

    Können Behördensesselpupser natürlich nicht nachvollziehen.
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  •   santana
    (1204 Beiträge)

    04.06.2020 18:17 Uhr
    @FCKSUV
    Und ich bezweifle stark, ob die Senkung der MwSt. überhaupt beim Endverbraucher ankommt, oder ob der Handel diese Senkung einfach ignoriert, also nicht weiter gibt.
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  •   Apu
    (65 Beiträge)

    04.06.2020 11:40 Uhr
    Man resigniert schon
    Denn was diese Regierung da beschlossen hat ist doch ein schlechter Scherz. Kinderbonus der besteuert wird, MwSt die beim Endverbraucher doch gar nicht ankommen wird. Versprechen von Söder wegen pkw prämie, heiße Luft. MwSt hätte halbiert werden müssen oder dafür gesorgt werden müssen das vom Lohn einiges mehr Netto übrig bleibt...dann wäre meine Kauflaune gestiegen. So werden ich auch die nächsten Monate mein Geld zusammen halten.
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