Schlechte Zeiten für Sexshops, aber die Porno-Branche im Internet boomt. Über 40 Prozent der Internetnutzer sind laut Internet  Pornography Statistics auf Sex-Seiten unterwegs. Der Suchbegriff "Sex" ergibt bei Google etwa 1.020.000.000 Ergebnisse in 0,14 Sekunden. 92 Prozent der Porno-Seiten im Internet sind gratis zugänglich. Was Internetanbieter von Porno-Seiten jubeln lässt, ist für die Betreiber von Sexshops der reinste Horror. Viele sehen sich in ihrer Existenz bedroht.

"Nur wenige werden überleben"

"Das Internet macht die Branche kaputt", stöhnt der Inhaber eines Sexshops in der Karlsruher Innenstadt. "Uns gibt es jetzt seit 40 Jahren. Wir kämpfen ums Überleben." Der Markt mit Erotik-DVDs sei total zusammengebrochen. Filme, Magazine oder Bücher kaufe kein Mensch mehr im Laden. Die Leute konsumierten oder bestellten im Internet. "Viele Kunden kommen in den Shop, informieren sich und kaufen schlussendlich doch im Internet. Ganz nach dem Motto: Geiz ist geil. Wir können mit den Preisen im Internet einfach nicht mithalten." Der Inhaber ist  sich sicher: "Die Anzahl der Sexshops wird sich drastisch verringern. Nur wenige werden überleben."

Dem stimmt der Betreiber eines Karlsruher Pornokinos, der namentlich nicht genannt werden möchte, zu: "Ins Pornokino kommt kaum noch jemand und die Videokabinen werden auch schon lange nicht mehr genutzt." Heute bekomme man große und qualitativ hochwertige Bildschirme für wenige Geld. "Die Leute sind zuhause perfekt ausgestattet. Da muss keiner mehr ins Pornokino gehen."

Früher anrüchig - heute Trend

Die Betreiber der Sexshops versuchen daher auf Qualität und Beratung zu setzen und erweitern ihr Angebot an Dessous und Sexspielzeug. Doch auch Dessous sind mittlerweile in jedem Modeladen zu kaufen, dass macht den Fachgeschäften zu schaffen. "Früher war das exklusive und anrüchige Ware. Heute bekommt man Dessous für wenig Geld an jeder Ecke. Wir sind in einer ähnlichen Situation wie die Tante-Emma-Läden vor 30 Jahren", meint der Betreiber.

Dabei habe der Einzelhandel so viele Vorteile: Hier könne man die Ware anfassen, die Wäsche anprobieren und sich beraten lassen. Außerdem sei der Einkauf im Laden anonymer. Wer im Internet kaufe, hinterlasse seinen Namen, seine Bankverbindung und seine komplette Adresse. "Bei uns gibt es Qualität und anonyme Beratung". Zudem gäbe es im Internet keine Zutrittskontrollen, im Laden aber werde das Alter der Kunden überprüft.

"Wir wollen raus aus der Schmuddelecke"

Auch die großen Sex-Konzerne standen schon besser da. Während die Pornobranche im Internet Milliarden Euro an Umsätzen verbucht, ist die Beate Uhse Aktie an der Börse nur noch ein Ramschwert. Der Anteil der Online Bestellungen verbesserte sich trotz Gratisangeboten der Konkurrenz zwar auf 46 Prozent der Umsätze. Dennoch sanken die Umsätze im ersten Halbjahr 2010 von 109,5 Millionen Euro auf 96 Millionen Euro, wie das Unternehmen mitteilte. Der Einzelhandel sei trotz Umsatzeinbußen nicht tot, betont Assia Tschernookoff, Pressesprecherin der Beate Uhse AG.

Das Unternehmen müsse umdenken, um in Zukunft zu bestehen. "Wir wollen raus aus der Schmuddelecke und mehr zum Lifestyle-Unternehmen avancieren", erklärt Tschernookoff. Filialen in Bahnhofsnähe und im Rotlichtmilieu werden zunehmend geschlossen. Die Geschäfte sollen offener und freundlicher gestaltet werden. Zukünftig sollen die Beate Uhse Sexshops mehr an exklusive Mode-Boutiquen erinnern, als an verruchte Vorstadtpuffs. Dessous, Kleidung, Kosmetika, aber auch Bettwäsche, Lampen oder elektronische Geräte wie beispielsweise Kugelschreiber mit eingebauter Kamera und Utensilien für eine Karaoke-Sex-Party gehören zur neuen Produktpalette, die sich vor allem an junge Paare und Frauen richtet.

Mit der Karlsruher Filiale in der Kaiserstraße zeigt sich das Unternehmen zufrieden. Der Kundenzulauf stimme. Das Geschäft werde hauptsächlich von Frauen und Paaren besucht. Außerdem erfülle die Filiale alle modernen Kriterien. In nächster Zeit werde die Filiale zusätzlich umgebaut und modernisiert. "Konsumiert wird immer, nur das Medium und die Erscheinungsformen ändern sich. Unternehmen müssen mit der Zeit gehen. T-Shirts kann man eben nicht runterladen", sagt Tschernookoff.

 

 

 

 

 

 

 
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