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Karlsruhe Streit um Gratis-ÖPNV: Stadt Karlsruhe will keinen kostenlosen Adventsverkehr

In der Adventszeit entspannt mit dem Auto in die Innenstadt fahren und Weihnachtseinkäufe erledigen? Das bleibt in den meisten Städten alljährlich eher eine trügerische Hoffnung. In Karlsruhe wurde daher im vergangenen Jahr aus der Not eine Tugend - und der kostenlose Nahverkehr an Adventssamstagen war geboren. Doch obwohl ein voller Erfolg, müssen sich die Weihnachts-Shopper in diesem Jahr voraussichtlich wieder zu den Ticket-Automaten bemühen, denn: Das kostenlose Angebot soll es 2020 nicht mehr geben.

Das Auto soll stehen bleiben und dafür die Bahn für Einkäufe in der Innenstadt genommen werden - mit diesem Ziel rief die Stadt Karlsruhe im vergangenen November erstmals den kostenlosen ÖPNV an Adventssamstagen ins Leben.

Wer an diesen vier Tagen mit Bus und Bahn in der City unterwegs war, musste keinen Cent bezahlen - ein Konzept, das sich schon am vorangegangenen Stadtfest-Wochenende 2019 als erfolgreich herausgestellt hatte und daher für die verkehrsreiche Adventszeit vom Gemeinderat wiederbelebt wurde.

CDU-Fraktion will kostenlosen ÖPNV auch 2020

"Die vier Adventssamstage haben gezeigt, dass der öffentliche Nahverkehr das Rückgrat der urbanen Mobilität ist und einen unverzichtbaren und Beitrag zur Verkehrsentlastung gerade im Innenstadt-Bereich leistet", zieht Alexander Pischon, Geschäftsführer des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV), Ende Dezember eine positive Bilanz aus der Aktion.

Die logische Konsequenz? Den kostenlosen Advents-ÖPNV auch im Jahr 2020 zu wiederholen. Das zumindest findet die CDU-Fraktion im Karlsruher Gemeinderat. "Ein kostenfreier öffentlicher Nahverkehr wäre ein zusätzlicher Anreiz, in der Stadt Einkäufe zu tätigen. Die Dringlichkeit ist in diesem Jahr besonders geboten", erklärt sie in einem Antrag.

"Einzelhandel und Gewerbe haben tiefe Einbußen durch die Corona-Pandemie erlitten. Ein maximal umsatzstarkes Weihnachtsgeschäft wäre wünschenswert, auch von Seiten der Stadt." Letztere jedoch sieht das etwas anders.

Umsetzung finanziell nicht zu stemmen

Die Verwaltung empfiehlt dem Gemeinderat, den Vorstoß der CDU-Fraktion "im Hinblick auf die finanzielle Situation der Stadt Karlsruhe sowie die potenziellen Risiken in Bezug auf den Infektionsschutz" abzulehnen, heißt es in der entsprechenden Stellungnahme.

Im vergangenen Jahr hatte die Stadt die entstandenen Kosten durch Fahrgeldausfälle für die Verkehrsbetriebe und die Mehrkosten durch zusätzliche Fahrten und Personal beim KVV ersetzt. 568.000 Euro mussten dafür aufgewendet werden.

Um ein ähnliches Programm in diesem Jahr zu finanzieren, müsste die Stadt nach eigenen Angaben sogar zirka 766.000 Euro bereitstellen, knapp 200.000 Euro mehr als noch 2019. Die Gründe dafür seien laut Verwaltung zum einen auf die im Dezember 2019 erhöhten Tarifkosten zurückzuführen, zum anderen auf gestiegene Mehrkosten aufgrund zusätzlicher Hygienemaßnahmen.

Im angespannten städtischen Haushalt, der das Jahr 2020 mit einem prognostizierten Verlust von zirka 69,4 Millionen Euro beschließen wird, seien für einen kostenlosen ÖPNV laut Stadt daher keine Mittel eingeplant. "Da keine Gefahr für Leib und Leben beziehungsweise Gefahr im Verzug vorliegt, kann die Stadt hier keine Finanzmittel zu Verfügung stellen."

Risiken "stehen nicht im Verhältnis zu möglichen positiven Auswirkungen"

Neben den finanziellen Mitteln seien auch die durch Corona vermehrt notwendigen Hygienemaßnahmen kaum zu stemmen. Der Grund: Würde das Angebot ähnlich gut angenommen werden wie im vergangenen Jahr, könnten die Verkehrsbetriebe selbst bei "maximalem Fahrzeugeinsatz die Einhaltung der geltenden Corona-Richtlinien nur schwer gewährleisten", heißt es in der Stellungnahme der Verwaltung.

Bild: Thomas Riedel

Ob der kostenlose ÖPNV aber tatsächlich auch in Corona-Zeiten so gut angenommen werden würde wie im vergangenen Jahr, könne man ebenfalls nicht voraussagen. Die Schlussfolgerung daraus: "Nach Ansicht der Verwaltung stehen sowohl die Kosten als auch das potenzielle Infektionsrisiko eines übervollen ÖPNV nicht im Verhältnis zu den möglichen positiven Auswirkungen auf das innerstädtische Gewerbe."  

Stadt will Bürgern und Händlern Alternativen bieten

Dass der kostenlose ÖPNV im Jahr 2020 ausfallen könnte, trifft die Karlsruher Händler aber nicht ganz unvorbereitet. Im Gespräch mit ka-news.de zeigt Anne Klausmann, Center-Managerin des Ettlinger Tors, Verständnis für die Ablehnung des Antrags: "Dass es dieses Jahr mit einer Genehmigung eher schwierig werden könnte, war bereits im Voraus bekannt und ist aufgrund der zu kompensierenden hohen Kosten auch nachvollziehbar." 

Ettlinger Tor-Centermanagerin Anne Klausmann. | Bild: Tim Carmele

Umso wichtiger sei es daher aber, funktionierende Alternativen anzubieten. Zumindest dieses Versprechen will die Stadt den Händlern abnehmen: Wie in den vergangenen Jahren soll es auch diesmal wieder ein "abgestimmtes Weihnachtsverkehrskonzept" geben.

Das soll laut Stellungnahme der Verwaltung unter anderem kostenlose Pendel-Fahrten mit dem ÖPNV zwischen vier Park&Ride-Parkplätzen (Fächerbad, Messplatz, Europahalle und Bahnhof Mühlburg) und der Innenstadt beinhalten.

 

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Gemeinderat entscheidet am Dienstag

Auch die lokalen Geschäfte und Einzelhändler wolle man im Wettbewerb mit dem Online-Handel unterstützen - mit "entsprechenden Alternativen", die "variabel an die Entwicklung des Infektionsgeschehens angepasst" werden sollen. 

Ob der kostenlose ÖPNV in diesem Jahr tatsächlich ein Luftschloss bleibt, ist noch nicht endgültig entschieden. Das letzte Wort hat wie immer der Gemeinderat der Fächerstadt. Dieser diskutiert am kommenden Dienstag, 17. November, über den Antrag der CDU-Fraktion. ka-news.de wird über das Ergebnis berichten.

 

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  •   Rino
    (328 Beiträge)

    14.11.2020 18:23 Uhr
    kein Grund
    Es kann mir niemand einen vernünftigen Grund nennen, warum ich ausgerechnet in der Weihnachtszeit in dieser Stadt in die City zum einkaufen gehen sollte.
    Vor allen Dingen in welche Geschäfte? Karstadt, H&M, P&C oder gar Schöpf und C&A?
    Dann lieber in die 2. größte Stadt im Land, nach Mannem.
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  •   Kojak
    (505 Beiträge)

    14.11.2020 08:38 Uhr
    Mein DHL-Lieferant
    kommt kostenfrei zu mir und liefert meine Einkäufe. Da braucht es keinen kostenfreien Nahverkehr.

    Wer hat den überhaupt Lust darauf, in der Adventszeit mit Maske durch unsere Innenstadt zu flanieren? Kein Weihnachtsmarkt, alle Gaststätten geschlossen... so ein Einkaufserlebnis kann man sich doch komplett sparen. Von was träumt denn die CDU nachts?
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  •   Nachteule
    (902 Beiträge)

    13.11.2020 17:19 Uhr
    Suuuper Idee !!!
    Damit es dann in den Bahnen so richtig proppenvoll wird.
    Der CDU-Strobel sagt, dass Leute, die keine Abstände einhalten und keine Masken tragen „asozial“ sind.
    Und der CDU-Pfannkuch will die Abstände in den Straßenbahnen auf Null reduzieren.
    Kann man das alles noch ernst nehmen ???
    Nee - dazu fällt Leuten, die noch klar denken können, leider nix mehr ein.
    🙈🙈🙈
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  •   tom1966
    (711 Beiträge)

    13.11.2020 11:27 Uhr
    Inkonsequent
    Ich finde es irgendwie absurd, dass auf der einen Seite auf Maskenpflicht und Abstandsgebot z.B. in der Fußgängerzone gerdrängt wird (bitte richtig verstehen: ich bin dafür!), auf der anderen soll der ÖPNV in der aktuellen Situation stärker genutzt werden.
    Wenn es einen Brutkasten gibt, dann ist es doch eine volle Bahn oder ein voller Bus: Viele Menschen auf engem Raum mit wenig Luftaustausch! Danke - aber danke nein! Da bestelle ich doch lieber soweit möglich im Internet oder gehe in die Einkaufzentren in der Peripherie.
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  •   Bimbo
    (212 Beiträge)

    12.11.2020 18:47 Uhr
    Wer hat gesagt, dass ÖPVN
    eine Gewinn und Kostendeckende Einrichtung sein soll?
    Wo sind jetzt die ganzen Ökos????

    Wenn wir Betriebswirtschaftlich denken, lohnt sich ÖPVN für eine PKW Vesitzer nicht.
    Fixkosten Steuer, Versicherung usw. laufen. Ticket muss ich sagen mitterweile, sehr sehr teuer!
    Auch als 4er Pack!

    Ich fahre nur noch ÖPVN, wenn ich weiss, dass ich Alk trinken werde! Da ich meistens auch Restaurant Besuch auch ohne machen kann und will. Fahre ich seltenst mit ÖPVN in die Stadt.

    Betriebswirtschaftlich loht sich nicht!!!

    Abends und Nachts meide ich die Innenstadt! Es passiert zuviel! Und auf "besondere" Bekantschaften habe ich keine Lust!

    Und woher Geld nehmen, mal vieleicht darüber nachdenken, den schwachsinn der Steuer Finanziertne KSC Finanzierung (übrigens ein Verein, der mit Gewalt glänzt und Sportlich seit Jahrzehnten mau ist), die schwachsinnigen Strassen umbauten um Öko-Fahrradfreundlich zu sein, usw. Da ist viel Geld um es in den ÖPVN zu stecken!
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  •   Robert1959
    (2055 Beiträge)

    14.11.2020 04:47 Uhr
    Ich bin kein VFB Fan!
    Ich gehe gern ins Stadion und ich freue mich schon auf das neue Stadion! Diese Krawallmacher sind keine Vereinsmitglieder und somit hinkt der Vergleich! Der KSC bringt viele Auswärtsfans nach Karlsruhe und sorgt so für Steuereinnahmen und er unterstützt auch den KVV durch seine Eintrittskarte, obwohl viele dies gar nicht in Anspruch nehmen kann!
    Andere Großprojekte, die erheblich teurer sind, werden problemlos ignoriert. An was das wohl liegen kann?
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  •   Freigeist1
    (1553 Beiträge)

    13.11.2020 23:08 Uhr
    Wobei
    das Fahrrad auch an Adventssamstagen in vieler Hinsicht mit Abstand das beste Verkehrsmittel ist.
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  •   Schillerlocke
    (360 Beiträge)

    14.11.2020 06:39 Uhr
    so lange es nicht regnet
    oder schneit. Ein Hoch auf den Klimawandel.
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  •   Neureuter
    (77 Beiträge)

    12.11.2020 16:00 Uhr
    Na ja ...
    ... ist ja auch immer so ne Sache ... mit dem "Verkehr" ... so irgendwie ... und dann auch noch mit Maske ... Hmm!!!
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  •   myopinions
    (1158 Beiträge)

    12.11.2020 14:49 Uhr
    meine Einkäufe erledige
    ich entspannt und bequem in Ettlingen. Ganz einfach!
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