Karlsruhe ZG Raiffeisen-Gruppe

Die Zentrale der badischen Genossenschaften in Karlsruhe (Foto: pr)
Ebenso wie der badische Genossenschaftsverband (ka-news berichtete) blickt auch sein zusammen mit den Volksbanken bekanntester Teilbereich, die auf Handel mit ihren Mitgliedern aus der Landwirtschaft spezialisierte Raiffeisen Gruppe, auf ein gutes Jahr zurück. 2007 konnte sie in Baden erstmals mehr als eine Milliarde Euro Umsatz erzielen. Die Aussichten für das laufende Jahr sind dank gestiegener Preise für Agrarprodukte ebenfalls ziemlich sonnig. Agrarmärkte sind durch diese Entwicklung zu Finanzmärkten, also zu einem Tummelplatz für Spekulanten geworden.

Die ZG Raiffeisen-Gruppe erwirtschaftete im Jahr 2007 einen Gesamtumsatz von 1.009,8 Millionen Euro. Dies bedeutet gegenüber 2006 einen Anstieg um 7,1 Prozent. Das Wachstum ist im Wesentlichen auf das größere Agrargeschäft zurückzuführen.

Agrarprodukte werden zu Spekulationsobjekten

Es ist nicht so wie es aussieht: Mais gedieh im letzten Jahr in Baden in Rekordmengen (Foto: ka-news)
Der Umsatz im Geschäftsbereich Vermarktung ist mengen- und preisbedingt um 45 Prozent auf 242 Millionen Euro gestiegen. Der Getreide- und Ölsaatenhandel musste sich im Berichtsjahr auf stark volatile Märkte einstellen. Erneut fiel die Ernte in Europa und in den anderen Teilen der Welt unterdurchschnittlich aus. Dies führte dazu, dass Getreide in unserem Arbeitsgebiet aber auch weltweit knapp war.

Die dynamische Getreide- und Ölsaatenmärkte zogen in den letzten Monaten auch sehr viel branchenfremdes, zum Teil spekulatives Kapital an. Die über Jahrzehnte als langweilig erachteten Agrarmärkte wurden plötzlich zu Finanzmärkten. Dies bedeutet einen weiteren Unsicherheitsfaktor für die Preisbildung und führt zu großen Preisschwankungen.

Geschäftsbereich Energie setzt auf Holzpellets

Der Geschäftsbereich Energie steuert immer noch den größten Umsatzanteil der ZG Raiffeisen bei. Nach der stürmischen Umsatzentwicklung im Vorjahr musste er infolge des milden Winters und der preisbedingten allgemeinen Kaufzurückhaltung einen Umsatzrückgang inklusive der Beteiligungsunternehmen von rund 10 Prozent auf 289 Millionen Euro hinnehmen. Zu diesem Umsatzrückgang haben auch der Umsatzeinbruch von Biodiesel aufgrund der Besteuerung sowie der stark rückläufige Markt für Holzpellets beigetragen. Auf dem von der Raiffeisen-Gruppe in den letzten Jahren mit viel Kraft aufgebauten Markt für Holzpellets wird nach einem schwierigen Jahr 2007 und einem verhaltenen ersten Halbjahr 2008 wieder steigende Absatzzahlen erwartet. Ein Indikator für diese Annahme ist die wieder wachsende Anzahl von neu installierten Holzpelletsheizungen. Im Gegensatz zu allen anderen alternativen Energieträgern kommen die Holzpellets- und Hackschnitzelproduktion ohne staatliche Subventionen aus. Dies spricht ebenfalls für die Zukunftsfähigkeit dieser Brennstoffe.

Ausblick auf 2008: Biodiesel steigend, für Getreide Preissicherungsmodelle angeboten

Der Umsatz von über einer Milliarde Euro wurde von über 2.000 Beschäftigten erwirtschaftet. Als Jahresüberschuss blieben knapp zwei Millionen Euro übrig - etwas weniger als im Vorjahr. Zum Jahresende hatte die ZG Raiffeisen in Baden 2.672 Mitglieder.

Der Agrarmarkt ist vom Bullen geprägt - dem Symbol steigender Preise (Foto: ka-news)

In den ersten fünf Monaten des Jahres 2008 ist der Umsatz der ZG Raiffeisen-Gruppe um 36,1 Prozent auf 472,7 Millionen Euro gestiegen. Im Agrargeschäft verzeichnete sie in allen Geschäftsbereichen zum Teil kräftige Umsatzzuwächse. Diese sind sowohl preis- als auch mengenbedingt. Im Geschäftsbereich Energie konnte nach dem starken Absatzrückgang im Vorjahr in den ersten fünf Monaten fast wieder das Absatzniveau von 2006 erreicht werden. Durch den starken Anstieg der Dieselpreise beginnt sich der Markt für Biodiesel auf niedrigem Niveau wieder zu erholen.

Der Geschäftsverlauf in der zweiten Jahreshälfte wird erfahrungsgemäß durch die neue Ernte geprägt. Der bisherige Witterungsverlauf und der Saatenstand lassen auf eine gute Durchschnittsernte schließen. Durch die deutliche Ausdehnung der weltweiten Anbauflächen wird ein Anstieg der Getreideproduktion erwartet. Insgesamt wird sich jedoch aufgrund der nochmals steigenden Nachfrage bestenfalls eine knapp ausgeglichene Versorgungssituation des Weltgetreidemarktes ergeben. Vermutlich wird einer knappen Versorgung des Weltmarktes eine Überschusssituation in Europa gegenüberstehen.

Nachdem in den letzten Tagen bekannt wurde, dass in den USA aufgrund des schlechten Wetters die Mais- und Sojabohnenaussaat verzögert oder zum Teil überhaupt nicht erfolgte, hat an der Börse eine Preisrallye eingesetzt. Sollten sich diese Nachrichten verdichten, kann mit einem Erzeugerpreisniveau über dem Vorjahr gerechnet werden. Um sich gegen Preiseinbrüche abzusichern und gleichzeitig die Chance für eventuelle Preissteigerungen zu wahren, bietet die ZG Raiffeisen ihren Mitgliedern für Weizen, Raps und Körnermais ein Preisabsicherungsmodell an.

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