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Stuttgart Windenergie in Baden-Württemberg wächst nur noch langsam: "Die Windkraft ist eine Säule der Energiewende"

Baden-Württemberg muss fürchten, bei der Windenergie abgehängt zu werden. Der Ausbau stockt. Der windreiche Norden hat die Nase bei Ausschreibungen vorn. Der EnBW-Chef fordert eine Quote für den Süden.

Der Ausbau der Windenergie im Südwesten stockt. Nach 123 Anlagen im Jahr 2017 seien im vergangenen Jahr nur 35 Windräder in Baden-Württemberg neu gebaut worden, teilte Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) am Mittwoch in Stuttgart mit. "Das war das erwartet schwierige Jahr." Als Grund nannte er die Umstellung der Förderung auf ein Ausschreibungssystem ohne Ausbauquote für den Süden Deutschlands. 2018 seien nur noch für 27 Anlagen Genehmigungen erteilt worden.

Der Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns EnBW, Frank Mastiaux, forderte eine feste Quote für den Süden. Unterstützung kommt auch vom NABU-Landesvorsitzenden Johannes Enssle. Obwohl es Konflikte gebe, müsse die Windenergie zum Ausbau der erneuerbaren Energien dazugehören. Aus Sicht des BUND geht es nicht nur bei der Windenergie in Baden-Württemberg in Trippelschritten voran. Die Landesregierung müsse sich beim Klimaschutz in allen Bereichen stärker engagieren, forderte Landesgeschäftsführerin Sylvia Pilarsky-Grosch.

Ende 2018 produzierten 720 Windräder in Baden-Württemberg Strom. Insgesamt seien 44 weitere Anlagen genehmigt und könnten gebaut werden. Damit könnte die installierte Leistung von mehr als 1.500 Megawatt (MW) um weitere 155 MW steigen.

Windrad am Energieberg
Dieses Windrad wird nach Angaben der Arbeter im Herbst folgen und abgebaut. | Bild: Tim Carmele

Alle Windräder im Südwesten zusammen produzieren bei günstigem Wind etwa so viel Strom wie der noch arbeitende Block 2 des Atomkraftwerks Philippsburg. "Die Windkraft ist eine Säule der Energiewende auch in Baden-Württemberg und damit ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz", wertete Untersteller die Zahlen. Er forderte, den Süden gegenüber dem Norden - wo im Durchschnitt stärkerer Wind weht - im Wettbewerb um neue Windkraftprojekte nicht zu benachteiligen.

Der energiepolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Gernot Gruber, warf der grün-schwarzen Landesregierung vor, selbst zu bremsen. So sei der Mindestabstand für Windkraftanlagen vor zwei Jahren faktisch von 700 auf 1.000 Meter erhöht worden. Damit kämen viele Standorte nicht mehr in Frage, kritisierte der Politiker und forderte die Rückkehr zur alten Regelung.

Windrad am Energieberg
Dieses Windrad wird nach Angaben der Arbeter im Herbst folgen und abgebaut. | Bild: Tim Carmele

Aus Sicht von EnBW-Chef Frank Mastiaux muss der Süden bei Windkraftanlagen deutlich aufholen. Aus Transport- und Kostengründen müsse Windenergie jedoch viel stärker dort produziert werden, wo sie verbraucht wird. "Windkraft muss deshalb gleichmäßiger verteilt werden. 25 Prozent der Windparks sollten daher südlich der Mainlinie gebaut werden", sagte der Chef von Deutschlands drittgrößtem Stromkonzern im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Die ehemals atomlastige EnBW hat sich in den vergangenen Jahren einem grundlegenden Wandel verschrieben und seit 2010 die Ökostrom-Sparte stark ausgebaut. Bis 2025 sollen weitere rund fünf Milliarden Euro in Erneuerbare Energien investiert werden, das meiste in Windkraft. Die derzeit rund 1.000 MW installierter Leistung zu Land und auf hoher See sollen bis 2025 auf 3.500 MW erweitert werden. Auch will Mastiaux das Know-how international in ausgewählten Ländern vermarkten. Derzeit betreibt die EnBW in der Türkei Windkraftprojekte. In den USA, Frankreich, Schweden und Taiwan sind die Karlsruher mit eigenen Ländergesellschaften vertreten. In Schweden baut die EnBW einen Windpark. Zugleich hat sie dort sieben Parks erworben.

Auch mit Sonne will das Unternehmen aus Karlsruhe künftig mehr glänzen: 13 Solarparks mit 55 Megawatt Leistung hat die EnBW derzeit, 8 Solarparks mit 45 Megawatt sind in Bau und in Planung. 200 bis 300 Megawatt, so schätzt Mastiaux, könnten hinzukommen. Die Solarenergieerzeugung werde "zunehmend interessant" weil es sich angesichts neuer Technologien, günstigeren Solarmodulen und größeren verfügbaren Flächen besser rechne. "Das war früher schlicht zu teuer, um es profitabel zu betreiben."

Mastiaux forderte für den Ausbau der Erneuerbaren Energien verlässliche Rahmenbedingungen von der Politik und Änderungen bei Genehmigungsverfahren: "Es dauert inzwischen bis zu fünf Jahre, bis sie einen Windpark gebaut bekommen, das ist viel zu lang." Auch könnte man im Rahmen von Ausschreibungen für neue Windräder den windschwachen Süden mehr berücksichtigen. Unabdingbar sei jedenfalls ein bestimmter Anteil an Reserve-Gas-Kraftwerken, die "auf Knopfdruck anspringen", wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint. "Wir sind ein Hochindustrieland, das wird immer unterschätzt." 

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Kommentare (7)
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  •   Mili
    (1237 Beiträge)

    25.01.2019 10:39 Uhr
    Fragt doch mal eure Politiker
    die haben doch alle auf Wind gesetzt, und jetzt ist alles nur heiße Luft - wie ein Pups.
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  •   glaubnetalles
    (399 Beiträge)

    25.01.2019 09:00 Uhr
    Abgehängt?
    "Baden-Württemberg muss fürchten, bei der Windenergie abgehängt zu werden.

    Das würde ich einen Standortvorteil nennen!
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  •   Nachteule
    (651 Beiträge)

    25.01.2019 02:17 Uhr
    Die Windkraft ist keine Säule, sondern ein Irrweg
    Und zwar ein Irrweg, der nur funktioniert, wenn er mit der Energierabgabe, sprich Steuergeld, subventioniert wird. Das kann man sogar sehr deutlich in Karlsruhe erkennen. Denn der ehemalige SPD-Mann Müllerschön, der die drei Windräder auf den Mühlburger Müllberg gepflanzt hat, hat statt sein Repowering durchzuziehen, das gesamte Ensemble an die Stadtwerke verhökert, nachdem der damalige Wirtschaftsminister Gabriel, ebenfalls SPD, die Subventionen für die Windkraft an Land gekürzt hat. Damit war die Anlage auf dem Müllberg für den Herrn Müllerschön uninteressant und vor lauter Ärger ist er dann auch noch aus der SPD ausgetreten. Da die Stadtwerke sich inzwischen an ganz vielen Windparks beteiligt haben, wird auch der Strom in Karlsruhe immer teurer. Soeben haben die Stadtwerke wieder eine neue Preiserhöhung angekündigt und zwar kräftig. Man muss es einfach nur kapieren: Windräder in unseren Regionen sind vollkommen ineffektiv und verschandeln nur die Landschaft.
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  •   glaubnetalles
    (399 Beiträge)

    25.01.2019 09:12 Uhr
    Der musste das an die Stadtwerke verhökern,
    weil nach 20 Jahren die EEG-Förderung aus läuft und die Unterhaltungskosten nicht mehr rein kommen.
    Deshalb musste man ja eine neue Windmühle aufstellen, für die gibt es wieder 20 Jahre Förderung.
    Damit hat man wieder 20 Jahre Zeit gewonnen um den wirtschaftlichen Mist zu verschleiern.
    Ein Großteil der "unvorhergesehenen" Unterhaltungskosten rührt aus den Fundamentschäden her, da man Zweifel an der Dauerhaltbarkeit dieser auf dem Mülluntergrund nicht wahr haben wollte.
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  •   art5gg
    (537 Beiträge)

    24.01.2019 18:36 Uhr
    Der 10. Januar 2019 hat ja gezeigt......
    ....wie stark die "Windenergie-Säule der Energiewende" tatsächlich ist.
    20 Uhr ist nun wirklich keine Hochlastphase im Stromnetz - und doch konnte das Netz nur durch Abwurf von 1500 MW Last stabilisiert werden.
    Der Gesetzgeber sollte lieber einen Anspruch auf eine Mindestwindstärke per Gesetz festlegen.
    Es muss sich nur jemand finden, gegenüber dem man diesen Anspruch einklagen kann.
    Die Stadtwerke Wuppertal haben jedenfalls schon mal den Tipp gegeben, das Licht oder Heizgeräte nur einzuschalten, wenn auch die Sonne scheint und den Wäschetrockner bevorzugt zu nutzen, wenn der Wind weht.
    Nur: Wenn der Wind weht, trocknet die Wäsche auch auf der Leine ruckzuck!
    Wenn man in Berlin ein Aufwindkraftwerk bauen würde könnte man die heisse Luft, die da von selbsternannten "Energieexperten" verbreitet wird, wenigstens zur Stromerzeugung nutzen!
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  •   andip
    (9693 Beiträge)

    24.01.2019 15:39 Uhr
    Was hindert die EnBW daran
    hier in BW weitere Windräder zu errichten?
    Das Land baut keine Windparks oder sonstige Kraftwerke, das machen die Energieversorger selber.
    Oder wollen die irgendwelche Subventionen oder stehen bürokratische Hindernisse im Weg?
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  •   Joachim
    (16 Beiträge)

    24.01.2019 12:29 Uhr
    Windenergie in BW
    Obwohl die Grüne an der Macht tut sich hier einfach so gut wie nichts. Nicht einmal in %, wobei eine Steigerung von 100% von fast nix nicht viel mehr ergibt. Die aufgefahrenen Geschütze (Gesetze) machen es auch sehr schwierig.

    Die Aussage Die Windkraft ist eine Säule der Energiewende auch in Baden-Württemberg ist ja wohl mehr als ein Witz.
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