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Karlsruhe Wenig Geld, viele Rechnungen: So viele Haushalte sind in Karlsruhe verschuldet

Jedes Jahr tappen rund 30.000 Haushalte in Karlsruhe in die Schuldenfalle. Das zeigt eine Untersuchung, die die Stadt auf Anfrage der Karlsruher Linken veröffentlicht hat. Doch schnelle Hilfe kann die Stadt seit vergangenem Jahr nicht mehr bieten.

Das Geld reicht nicht mehr zum Leben und die Rechnungen stapeln sich. Diese Erfahrung mussten seit 2011 durchschnittlich 30.000 Haushalte in Karlsruhe machen. Sie gelten nach Aussage der Stadt als verschuldet. Der häufigste Grund für die Schuldenfalle: Konflikte in Mietverhältnissen. Die Betroffenen haben dann laut Stadt zwei Anlaufstellen für Hilfe: die Stadt selbst und die Caritas.

Gleichbleibende Zahl an Fällen, aber weniger Berater

Während die Caritas sich aller überschuldeten Einwohner -mit Ausnahme von Gewerbe- und Immobilienschulden- annimmt, gibt die städtische Beratungsstelle Sozialleistungsbeziehenden, Mitarbeitern der Stadtverwaltung und Menschen in Wohnungsnotsituationen Hilfestellung.

Insgesamt haben die Schuldnerberater der Stadt im vergangenen Jahr 852 Fälle bearbeitet, davon wurden 226 aus dem Vorjahr übernommen, berichtet die Stadt in ihrer Stellungnahme. 626 kamen im Laufe des Jahres hinzu. Insgesamt betrachtet bewegt sich dieser Wert nach Aussage der Stadt in einem Mittelmaß.

Weniger Fälle hat die Caritas zu bearbeiten. Laut Angaben der Stadt hätten sich im vergangenen Jahr rund 480 verschuldete Karlsruher bei der Beratungsstelle gemeldet.

Schuldner müssen länger auf Termin warten

Auch wenn sich die Fallzahlen im Laufe der Zeit kaum verändert haben, so hätte sich die Situation für die Schuldner selbst deutlich verschlechtert, räumt die Stadt ein. "Die Wartezeit bei der städtischen Schuldnerberatung betrug bis September 2015 ein bis zwei Monate. Seit Oktober 2015 hat sich die Wartezeit auf vier Monate erhöht", so die Stadt. Telefonische Kurzberatungen würden allerdings innerhalb von vier Tagen erfolgen.

In der Regel hätten die Klienten zwischen zwei und fünf Beratungsgespräche bei der städtischen Beratungsstelle. Aber auch während der Schuldenregulierung sei man Ansprechpartner für die Betroffenen, heißt es in der Stellungnahme. Bei der Caritas wird die Dauer des Beratungsprozess nicht ausgewertet. Im Schnitt seien es aber rund sieben Beratungskontakte, so die Stadt.

Aber warum kommt es zu immer längeren Wartezeiten? Als Grund nennt die Stadt die "Reduzierung der Personalkapazität von zwei Beratern auf nur noch eine Person". Der langjährig eingesetzte zweite Berater bei der Stadt habe die Stelle zusätzlich ausgefüllt. Mittlerweile sei er allerdings verstorben.

Da im Stellenplan allerdings auch nur ein Posten vorgesehen ist, wurde kein zweiter Berater eingestellt. "Eine Ausweitung der Personalkapazität würde die Wartezeit wieder entspannen", gibt die Stadt in ihrer Stellungnahme an. Ob das allerdings geplant ist, bleibt vorerst offen.

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Kommentare (17)
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  •   malerdoerfler
    (5136 Beiträge)

    07.11.2016 14:38 Uhr
    Wenn die Leute in die Schuldnerberatung der Stadt gehen
    lernen sie dann auch Sparen a la Karlsruhe?

    Interessant, welche "Einnahmen" und GEbühren die Privathaushalte dann erhöhen um zu sparen.
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  •   Knaddle
    (77 Beiträge)

    07.11.2016 10:09 Uhr
    Konsumverhalten überdenken ...
    Früher hat man gelernt (Sch...., jetzt rede ich auch schon so), dass man nur das ausgeben kann, was auf der anderen Seite reinkommt. Wer Mathematik halbwegs beherrscht, sollte damit keine Probleme haben. Heute wird durch die Konsumindustrie vermittelt, dass du die Waschmaschine, das Handy, den Mixer etc. alles auf Pump spielend leicht erwerben kannst. Sowas sollte gar nicht erlaubt sein, um eben die Mitmenschen, die nicht rechnen können, schon gar nicht in Versuchung zu führen. Erst Sparen - dann kaufen. Wenn das nicht funktioniert, kann ich mir eben das gewünschte Teil einfach (noch) nicht leisten.
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  •   andip
    (9538 Beiträge)

    07.11.2016 12:11 Uhr
    Auch früher schon
    gab es genug Leute, die alles haben wollten und es auf Pump kauften. DAs ist wirklich kein neues Phänomen.
    Und nicht bei jedem liegt es daran, dass man zu viel haben will. Arbeitslos geworden oder ähnliches und schon hat man kein Einkommen mehr.
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  •   zahlenbeutler
    (1158 Beiträge)

    07.11.2016 16:38 Uhr
    Hartz IV nochmal zur Erinnerung
    wenn man in Hartz-IV abrutscht, hat man € 404 zum Leben. Miete und Heizung werden, soweit als angemessen eingestuft, extra bezahlt.
    Strom, Versicherungen usw. müssen von den 404 € bezahlt werden, wie soll da jemand noch Raten abbezahlen, schon ist man in der Schuldenfalle
    und das unter Umständen bis ans Lebensende, wenn man nicht irgendwas hat, das man verscherbeln kann.
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  •   Mondgesicht
    (1999 Beiträge)

    07.11.2016 15:23 Uhr
    Allerdings wurde früher
    nicht so offensiv mit Ratenzahlungen geworben. Verschuldung z.B. für einen neuen Fernseher? So was war doch früher nicht üblich. Entweder man konnte den bar bezahlen oder es gab halt keinen neuen.

    Schaut man heute die Werbung von Saturn oder Mediamarkt und wie sie alle heißen an, dann muss man nach dem tatsächlichen Barzahlungspreis erst mal suchen, weil in großer Schrift erst mal nur "0 Euro Anzahlung" bzw. extrem niedrige Raten angegeben sind. Und vor irgendwelchen Telefonläden sieht man Schilder mit "Jetzt mitnehmen - später zahlen".
    Wer da der Versuchung nachgibt, der schaut schnell in die Röhre, so bald vielleicht mal nur eine einzige größere Ausgabe kommt (Autoreparatur o.ä.).

    Natürlich gab es auch früher Menschen, die nicht mit Geld umgehen konnten. Aber die Anreize sind heute weitaus größer.
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  •   Zutraeger
    (1074 Beiträge)

    07.11.2016 16:32 Uhr
    Korrekt,
    die sogenannte 'Teilzahlung' (so hiess das früher) war insbesondere ein Werbeinstrument des Versandhandels. Otto, Baur, Neckermann, Quelle usw.
    Im Einzelhandel war das kaum verbreitet. Entweder du hast die Kohle hingelegt oder es gab eben nichts. Auch Neuwagen wollten erspart sein, dafür war der Zyklus natürlich länger. Als das Leasing aufkam war das eigentlich für Firmen gedacht.

    Früher war Ratenzahlung regelrecht verpönt, wer das nötig hatte galt als arm.
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  •   Mammut
    (766 Beiträge)

    06.11.2016 22:21 Uhr
    Bei der finanziellen Situation bräuchte zuerst mal die Stadt Karlsruhe...
    ...eine intensive Schuldenberatung!
    Wer selber in so eine Schuldenfalle tappt, wie soll der dann andere in so einer Situation beraten?
    Wenn aber ein Privatschuldner zur Beratung zu einem städtischen Schuldenberater geht, dann ist der ganz schön blauäugig!
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  •   malerdoerfler
    (5136 Beiträge)

    07.11.2016 14:37 Uhr
    DA hat ja jeder weniger Schulden als
    die Stadt KArlsruhe.
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  •   Zutraeger
    (1074 Beiträge)

    06.11.2016 17:09 Uhr
    Hilfreich
    wäre zu wissen, was Überschuldung wirklich ist. Schulden zu haben ist das eine, solange man die in regelmässigen Raten sauber abtragen kann ist das alles kein Problem.
    Aber wann ist man wirklich ÜBERschuldet? Da gibts doch garantiert eine genaue Definition. Man gilt als überschuldet wenn man seine Schulden X Monate nicht begleichen kann und es auch keine günstige Prognose für die Zukunft gibt.
    Und dieses X, das würde mich interessieren.
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  •   Graf_von_Felsenstein
    (182 Beiträge)

    06.11.2016 17:20 Uhr
    Zur Information
    Verschuldung liegt immer dann vor, wenn ein Mensch Schulden hat - unabhängig davon, wie groß die mit diesen Schulden verbundene objektive und subjektive Belastung ist.

    Überschuldung liegt dann vor, wenn nach Abzug der finanziellen Mittel für den grundlegenden Lebensbedarf der verbleibende Rest nicht ausreicht, um Zahlungsverpflichtungen pünktlich zu erfüllen.

    Anzeichen für Überschuldung sind beispielsweise
    - Mietrückstände
    - Energiesperrung oder Ratenzahlungen auf Rückstände
    - Telefonsperrung oder Ratenzahlungen auf Rückstände
    - Stundung von Kreditraten
    - Kündigung von Kreditverträgen
    - Einkommens-, Sach-, Kontopfändung
    - Abgabe der Eidesstattlichen Versicherung.

    agvf
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