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Karlsruhe Während der Ferien haben Lkws auf den Autobahnen samstags Fahrverbot - das trifft Karlsruher Speditionen und Einzelhändler

Wenn Baden-Württembergs Schüler Ende Juli in die wohlverdienten Sommerferien starten, zieht es viele Familien zum Urlaub weg aus der Heimat - das wird spätestens bei einem Blick auf stauverstopfte Autobahnen klar. Auch rund um Karlsruhe ist Ferienzeit Stauzeit. Um die Situation zu entspannen, gilt seit dem 1. Juli auf mehreren Autobahnen ein Samstagsfahrverbot für Lkws. Doch welche Auswirkungen hat das auf Speditionen und den Einzelhandel? Und halten sich tatsächlich alle Lkw-Fahrer an das Verbot?

Seit 1985 ist es in der sogenannten Ferienreiseverordnung bundesweit gesetzlich geregelt: Jährlich vom 1. Juli bis einschließlich 31. August sind Lastwagen samstags zwischen 7 und 20 Uhr auf bestimmten Straßen Tabu - zumindest dann, wenn sie mit einem zulässigen Gesamtgewicht über 7,5 Tonnen oder Anhängern unterwegs sind. Sondergenehmigungen werden nur in dringenden Einzelfällen oder bei bestimmten Lebensmitteltransporten ausgesprochen.

Satu auf der A8 in Richtung Karlsruhe
Solche langen Blechlawinen - wie hier auf der A8 - sollen durch die Verordnung vermieden werden. | Bild: Peter Eich

Das gilt auch für Strecken rund um Karlsruhe: Das Regierungspräsidium Karlsruhe (RP) hat die A8, die A61 und die A5 zwischen dem Darmstädter Kreuz und Karlsruhe Süd während der Ferienzeit zur Lkw-freien Zone erklärt. Auch auf der A6 zwischen der Anschlussstelle Schwetzingen/Hockenheim und dem Autobahnkreuz Nürnberg Süd greift die Einschränkung. 

Zur Ferienzeit wird es eng auf den Autobahnen

Die Maßnahmen sollen einen reibungslosen Fernreiseverkehr während der Sommerferienzeit gewährleisten, denn: Kommen zu den Urlaubern auf der Autobahn auch noch die Lkws hinzu, wird es nicht selten eng auf den Straßen. Fast 80 Prozent der Güter werden laut Verkehrsministerium in Baden-Württemberg auf der Straße transportiert - allein im Jahr 2017 sind der Bundesanstalt für Straßenwesen (Bast) zufolge pro Tag rund 22.670 Laster über die A5 bei Karlsruhe gerollt.

Fehlende Rettungsgasse auf der A5 nach Bruchsal
Ganz schön was los: 22.670 Laster waren 2017 täglich auf der A5 unterwegs. (Symbolbild) | Bild: Florian Kaute

"Das Samstagsfahrverbot ist in unseren Augen natürlich sinnvoll, da durch die Reduktion der Lkws der Verkehr deutlich flüssiger fließt", erklärt Florian Herr, Sprecher der Polizei Karlsruhe, auf Nachfrage von ka-news.de. Doch halten sich tatsächlich alle Fahrer an den zusätzlichen Ruhetag? Schließlich könnten die Lkws einfach die gesperrten Teilstrecken umfahren, oder? "Das würde theoretisch gehen", meint Herr.

"Verstöße gegen das Fahrverbot sind selten"

"Allerdings sind diese Ausweichstrecken meist so unattraktiv, dass kaum jemand davon Gebrauch macht." Generell zähle die Polizei nur wenige Verstöße gegen die Verordnung. "Einzelne Fahrzeuge fallen natürlich gleich auf - das erhöht für uns den Kontroll-Druck", so Herr. Wer das Verbot doch einmal missachtet, wird mit 25 Euro zur Kasse gebeten. Fährt man länger als 15 Minuten, kostet es sogar schon 60 Euro.

Lkw-Kontrolle am Rasthof Bruchsal
Um samstags fahren zu dürfen, brauchen viele Fahrer Ausnahmegenehmigungen - die sie aber nicht immer haben. | Bild: Lukas Hiegle

Doch nicht alle heißen das Samstagsfahrverbot gut: Maron Giu, Sprecher des Verbandes Spedition und Logistik Baden-Württemberg (VSL), sieht hier einen steigenden Druck für die Speditionen im Land: "Auch wenn die Lastwagen stehen: Der Bedarf an Gütern ist schließlich trotzdem da", erklärt er im Gespräch mit ka-news.de. "Die gleiche Menge muss dann in einer kürzeren Zeitspanne transportiert werden."

"Die Einschränkungen sind planbar"

Und auch der Einzelhandel steht dem Samstagsfahrverbot skeptisch gegenüber. Swen Rubel, Geschäftsführer des Handelsverbands Nordbaden, sagt: "Natürlich bedeutet das für die Einzelhändler gewisse Einschränkungen in der Flexibilität."

Swen Rubel
Swen Rubel, Geschäftsführer des Handelsverbands Nordbaden. | Bild: Handelsverband Baden-Württemberg

Dennoch ist er - wie auch VSL-Sprecher Maron Giu - sicher, dass sowohl Speditionen als auch der Einzelhandel sich auf die temporäre Veränderung eingestellt haben. "Die Einschränkungen sind in gewisser Weise ja schon planbar", meint er gegenüber ka-news.de und beruhigt: "Versorgungsengpässe muss also niemand befürchten!"

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  •   ramius
    (184 Beiträge)

    13.07.2019 14:09 Uhr
    Diskriminierend
    Wer denkt sich denn so einen Blödsinn aus? Wir brauchen auch ein PKW-Fahrverbot. Das einseitige LKW-Fahrverbot ist diskriminierend.
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  •   Rambazamba
    (348 Beiträge)

    13.07.2019 12:45 Uhr
    Als ob...
    "Allerdings sind diese Ausweichstrecken meist so unattraktiv, dass kaum jemand davon Gebrauch macht." Welch frommer Wunsch. Wo fahren dann bitte die LKWs, wenn nicht auf der Autobahn? Richtig, auf den Land- und Bundesstraßen daneben. Schon jetzt quetschen sich so viele durch die engen Gassen hier im Hügelland (Kraichgau), da A6 oben und A8 unten immer voll sind und immer Stau ist.
    Es ist offensichtlich, dass hier Maut und Zeit gespart wird - auch wenn die großen Fahrzeuge sich bestimmt nicht so einfach durch die zugeparten, engen Straßen steuern lassen. Und:
    Heißt das, dass die Parkplätze jetzt schon Freitag Abends so voller LKW sind, dass man überhaupt nicht mehr drauf fahren, geschweige denn parken kann? Das wird die Urlauber sicher freuen. Sorry, Leute, Pinkelpause fällt aus, da die Parkplätze am WE voller LKW sind.
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  •   Freigeist1
    (758 Beiträge)

    13.07.2019 00:07 Uhr
    Im Urlaub können einem deutsche Butter,
    Joghurt, Käse etc. nicht nur auf der Autobahn begegnen, sondern auch im Laden auf Sardinien, in Portugal oder in Kroatien. Wasser wird über den Brenner eifrig süd- und nordwärts chauffiert, wobei die Quellen auch häufig noch dem selben Konzern gehören (z.B. Nestlé). Deutsche Mineralwasserfirmen kreieren fleissig eigene Designerflaschen, für mehr Verkehr. Ist das der Fortschritt, den wir brauchen? Erhöht das die Lebensqualität? Oder geht es da um die "Best Practice" Beispiele deutscher und europäischer Subventionsakquise. Merke: Der freie Verkehr von Gütern ist wichtig, gut und toll, nur müsste er angemessen viel kosten. Mit den Einnahmen kann man z.B. den Bahngütertransport unterstützen (leiser, umweltfreundlicher, kapazitätsstärker machen)
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  •   froschi
    (63 Beiträge)

    12.07.2019 17:23 Uhr
    Vielleicht sollte man
    wieder daran denken, Güterverkehr stärker auf die Bahn zu verlagern. Früher hatte jeder kleine Bahnhof eine Laderampe und Güterhalle. Aber dann wurde das alles abgebaut, weil der LKW billiger und flexibler war. Darum hat man jetzt halt die vollen Straßen. Und ein Neubau oder ein Wiederaufbau von Güterbahnhöfen und Bahnstrecken ist heute kaum noch durchsetzbar, weil diese Flächen gleich anderweitig genutzt werden. Auch beim Karlsruher Güterbahnhof sitzen die Immobilien-Geier schon in den Startlöchern und wollen dort einen neuen Stadtteil bauen - lasst es, wir werden die Güterbahn noch brauchen!
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  •   dipfele
    (5496 Beiträge)

    12.07.2019 20:59 Uhr
    Die Frage ist doch....
    … warum ist der LKW billiger???
    Ausserdem hat sich die bahn selbst amputiert, in dem sie grosse Güterverkehrsstellen wie in Karlsruhe an der Kappellenstr. in Ettlingen und Bruchsal geschlossen hat. In Ettlingen und Bruchsal gab es dazu noch umfangreiche Gleisanschlüsse. Ein Manager von DB Cargo hatte mal vor Jahren vorgerechnet, dass sich ein Gleisanschluss mit 100.000 (!!) Tonnen Fracht nicht rechnet. Er kam zum Ergebnis, dass die Verlagerung auf die Strasse 20 LKW mehr täglich ausmachen würde und das das die Stassen verkraften könnten. Aber z.B. 10 solcher 100.000 Tonnen Gleisanschliesser ergeben eben gleich eine Million Tonnen, die der Bahn verloren gegangen sind und 200 LKW mehr auf den Strassen. Aber soweit können leider Bahnmanager nicht denken. Und die Verkehrspolitikrt erst recht nicht. Es zählt nicht die Vernunft, sondern
    der autofahrende Wähler.
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  •   bingobongo
    (279 Beiträge)

    12.07.2019 08:10 Uhr
    Und?
    Seit 1985 ist das also so.

    Wie konnten unsere Einzelhändler und Speditionen nur 34 Jahre mit diesem Zustand überleben?!?
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  •   Ullermann
    (97 Beiträge)

    12.07.2019 08:50 Uhr
    Dieser Artikel ist bestimmt eine Dauervorlage...
    ...und wird jährlich kurz vor Ferienbeginn gebracht. grinsen
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  •   andip
    (9772 Beiträge)

    12.07.2019 08:31 Uhr
    Stimmt
    Und wo waren die ganzen verstopften Landstrassen und Ortsdurchfahrten, weil angeblich alle LKW dann auf die ausweichen?
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  •   Schattegustl
    (136 Beiträge)

    11.07.2019 21:18 Uhr
    25 EUR?
    Ich lach mich tot. Das ist ja gar nix
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  •   Rundbau-Gespenst
    (11319 Beiträge)

    11.07.2019 19:45 Uhr
    "das trifft Karlsruher Speditionen und Einzelhändler"
    so ein Quatsch!

    Man kann das Bestellverhalten ändern, es muß ja auch nicht das gesamte Lager draußen auf der Autobahn, oder der Landstraße im LKW sein. Jeder Quadratmillimeter wird zur Verkaufsfläche. Aber: Lager???

    Die Einzigen, denen ich die Fahrt am Wochenende gönne sind diejenigen, die medizinische Produkte an Kliniken und Apotheken liefern. Die niedergelassenen Ärzte trifft man ohnehin am Weekend kaum in der Praxis an, eher auf dem Tennisplatz...

    ...p.s.: ich bin Nestbeschmutzer, habe über 50 Jahre in der Transportbranche durchgehalten. Ich weiß, wovon ich berichte!
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