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Karlsruhe WLAN in Karlsruhe: Unitymedia will private Router in Hotspots umwandeln

In ganz Karlsruhe kostenloses WLAN? Ob beim Shoppen in der Kaiserstraßen oder auf dem Heimweg in der Südstadt - der Traum von schnellem Internet überall in der Fächerstadt könnte bald wahr werden: Kabelnetzbetreiber Unitymedia will bis zum Ende des Jahres 1,5 Millionen WLAN-Hotspots im eigenen Verbreitungsgebiet aktivieren. Um das ehrgeizige Ziel zu erreichen, setzt man auf die Router der Kunden. Allerdings ohne Nachfrage.

Das Verbreitungsgebiet von Unitymedia reicht laut eigenen Angaben von Bielefeld, Münster und Dortmund im Norden, über Fulda, Frankfurt am Main und Heidelberg bis Reutlingen, Ulm und Freiburg im Süden. 12 Millionen Kunden hat der Konzern, drei Millionen davon im Internetbereich. Geplant ist die "große mobile Freiheit" an "hunderttausenden Standorten" - darunter auch Karlsruhe.

Verbraucherschützer schlagen Alarm

Vor allem Datenschutzbetreiber gehen angesichts dieser Pläne auf die Barrikaden: "Wir halten das Vorgehen für eine Belästigung des Kunden", so eine Juristin von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gegenüber ka-news. "Der Kunde sollte selbst entscheiden, schließlich wird dafür ein Vertrag abgeschlossen." Aus der Sicht der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sollte die Entscheidung beim Kunden liegen.

"In diesem Fall werden Verträge umgangen; denn in den abgeschlossenen Verträgen steht nichts zum Thema Wifi-Hotspots", so die Juristin weiter. Anders würde es sich im Falle eines neuen Vertragsabschlusses verhalten, hier wäre für die Verbraucher Zentrale eine Klausel denkbar, die die Umwandlung zum Wifi-Hotspot beinhaltet.

"Einwilligung des Kunden nicht erforderlich"

Auch die Verbraucherschutz Zentrale Nordrhein-Westfalen sah in dem Vorgehen von Unity Media ein Problem. Der Grund: lediglich per Schreiben wurden die Kunden über eine Öffnung ihres Routers informiert, wer diese nicht wünscht, muss aktiv widerrufen. 

Das Unternehmen äußert dazu: "Das Vertragsverhältnis und die damit verbundene vertraglich vereinbarte Leistung wird nicht beeinträchtigt und bleibt unberührt – eine explizite Einwilligung der Nutzer ist deshalb nicht erforderlich", so der Pressesprecher des Unternehmens Helge Buchheister auf Anfrage von ka-news. "Gleichzeitig wollen wir aber, dass die Nutzer frei entscheiden können, ob sie sich an den Wifi-Spots beteiligen. Deshalb haben unsere Kunden jederzeit die Möglichkeit, Widerspruch einzulegen", erläutert Buchheister weiter.

Unitymedia: Keine Nachteile für Kunden

Unitymedia rechtfertigt seine automatische Router-Freischaltung mit dem Community-Gedanken: "Wenn wir ein wirklich weitreichendes WLAN-Netz für die Kunden schaffen wollen, liegt es nahe, möglichst viele Kunden über ihre Kabelrouter miteinander zu verbinden und alle Teilnehmer von den Vorteilen profitieren zu lassen", so der Pressesprecher.

"Wir haben alle Vorkehrungen dafür getroffen, dass die Freischaltung keinerlei Nachteile für die Kunden mit sich bringt", erklärt Buchheister. Die Leistung des Anschlusses bleibt laut Unitymedia unbeeinträchtigt, der Kunde bekommt "eine Schippe Bandbreite" auf die gebuchte Leistung. Durch die Aufschaltung des zweiten WLAN-Signals gäbe es auch keine relevanten Steigerungen beim Stromverbrauch oder bei der Stärke der WLAN-Abstrahlung, beteuert der Pressesprecher.

Wer haftet bei illegaler Nutzung?

Und wie sieht es mit der Störerhaftung aus - wer haftet im Falle von einer gesetzwidrigen Nutzung? "Der Betreiber der WifiSpots ist Unitymedia und nicht etwa der Kunde", versichert Helge Buchheister, Pressesprecher bei Unitymedia. Damit treffe das Unternehmen auch jede eventuelle Haftung. Technisch sei der private Internetzugang durch ein sicheres Tunnel-Verfahren von dem öffentlichen Zugangspunkt strikt getrennt.

Was passiert wenn ein Kunden seinen Router ausschaltet zum Beispiel im Urlaub? Darf er dann die anderen Wifi-Spots nicht mehr nutzen? "Das kann der Kunden natürlich machen. Sofern der Router nur für einen gewissen Zeitraum ausgestellt wird, bleibt der Zugang in jedem Fall bestehen", so Buchheister.

Was sagt Karlsruher Freifunk?

"Aus unserer Sicht braucht es bundesweit mehr freie WLAN-Zugänge", erklärt Martin Gebhardt vom Karlsruher Freifunk. Die unkommerzielle Initiative hat es sich zur Aufgabe gemacht freie Funknetzwerke zur Verfügung zu stellen. Die Angebote der Telekom, Unitymedia oder anderen kommerziellen Anbietern seien nicht als frei zu sehen, da diese zumeist mit Einschränkungen der Bandbreite und Limitierungen des Volumens einhergehen, kritisiert Gebhardt. Zudem bedürfe es in der Regel einer Registrierung, daher könne man hier nicht von "freien" Zugängen sprechen.

Auch wenn Gebhardt das Vorgehen der Unitymedia nicht rechtlich werten will, so äußert er doch Bedenken: "Aus Sicht der Kunden sollten Unternehmen aller Art jedoch der Auffassung der Verbraucherzentralen folgen und Änderungen an Verträgen nur mit Zustimmung bestätigen lassen", mahnt der Freifunker.

Zwischenzeitlich konnte Unitymedia laut Buchheister fast alle Kritikpunkte mit der Verbraucherzentrale NRW klären und durch eine Anpassung der besonderen Geschäftsbedingungen bereinigen.

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  •   bobber
    (2119 Beiträge)

    17.07.2016 19:38 Uhr
    Offenes WLAN
    Ich bin, Gott sei Dank, bei der TELEKOM und ich habe mein WLAN für die TELEKOM nutzbar geschaltet. Als Gegenleistung habe ich mit meinem Handy Zugriff auf andere öffentliche WLAN-Netze der TELEKOM und nur der TELEKOM. Die Datenstöme wirken sich nicht auf mein monatliches Datenvolumen aus. Als WLAN Name (SSID) erscheint "TELEKOM_FON (offen)".
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  •   Petzi
    (247 Beiträge)

    26.06.2016 19:17 Uhr
    Mein Gott,
    ist es denn so unmöglich mal auf sein Sch.....Smartphone / Tablet etc. zu verzichten? Muss mann/frau immer und überall online sein und jedem der es hören und/oder nicht hören will, seinen ganzen privaten Scheiß mitteilen und taub und blind für alles durch die Gegend laufen? Diese lebenunfähigen Smartphone-Zombies werden langsam so lästig wie Fußpilz.
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  •   mueck
    (10147 Beiträge)

    21.06.2016 12:43 Uhr
    ?
    Was ist eigentlich in dem Fall, dass mein sein privates WLAN am Router ausgeschaltet hat, weil man das nicht braucht (Wohnung verkabelt mit WLAN-Kabel, äh, Ethernet zwinkern )?
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  •   karl143
    (329 Beiträge)

    21.06.2016 11:13 Uhr
    Das ist bei Vodafone, bzw. Kabel Deutschland
    schon seit Jahren möglich. Jeder, der bei seinem Router einen Hotspot zulässt, kann selber über andere Hotspots kostenlos surfen. Es gibt davon ein paar Zehntausende. Eine Übersicht gibt es hier https://www.hotspot.kabeldeutschland.de/hotspots.html

    Die nächsten stehen in Wörth.
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  •   fuzzynervzwerg
    (1148 Beiträge)

    21.06.2016 10:27 Uhr
    Für Nicht-Unitymedia-Kunden ist das schon gut.
    Die surfen dann künftig gratis wenn der Nachbar schön brav zahlt. grinsen
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  •   stefko
    (2008 Beiträge)

    21.06.2016 10:32 Uhr
    Na eben nicht
    Auch UM-Kunden können den Dienst nur nutzen, wenn sie selbst daran teilnehmen und ihren Router für ein zweites WLAN öffnen. Fremdkunden sind ganz raus.
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  •   fuzzynervzwerg
    (1148 Beiträge)

    21.06.2016 10:48 Uhr
    Na eben doch
    Lies mal hier grinsen
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  •   stefko
    (2008 Beiträge)

    21.06.2016 11:06 Uhr
    Wenn ich das richtig verstehe
    sind das zwei paar Stiefel. Was Du verlinkt hast sind Public Wifi-Spots, die UM betreibt - ähnlich wie die Telekom.
    Klick mal auf den mittleren Tab "für unsere Kunden". Das ist's um was sich der Artikel hier dreht und dort steht eben auch "Ab Sommer, EXKLUSIV für UM-Kunden".
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  •   ALFPFIN
    (6376 Beiträge)

    21.06.2016 10:17 Uhr
    "WLAN für alle über private Router"?
    Zitat von Konstantin Maier Zwischenzeitlich konnte Unitymedia laut Buchheister fast alle Kritikpunkte mit der Verbraucherzentrale NRW klären und durch eine Anpassung der besonderen Geschäftsbedingungen bereinigen.


    Da hat aber die Verbraucherzentrale NRW schnell nachgegeben.

    Ich finde das schlicht unverschämt von Unitymedia, einzig und allein zu deren geschäftlichen Vorteil. Man könnte meinen, die haben noch nie etwas von kriminellen Machenschaften gehört, bzw. das wird einfach "niederargumentiert."

    Wäre ich dort Kunde, würde ich sofort den Provider wechseln. Es ist allerdings zu befürchten, dass die anderen die Idee auch aufgreifen. Da hilft nur sofort zu widersprechen.
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    (999 Beiträge)

    21.06.2016 14:06 Uhr
    Ich bin mir
    relativ sicher, daß UM zwar Sicherheit verspricht, dies aber nicht halten kann. Jeder einigermaßen gute Hacker kommt in Dein WLAN rein und kann es zu seinen Zwecken mißbrauchen. Und wer haftet dann wenn nachts die Polizei in meiner Wohnung steht, weil ich Terrorverdächtiger bin? UM ? Wird mir eine finanzielle Entschädigung von 500 Euro helfen, wieder aus diesem Alptraum rauszukommen? Zu diesem Thema habe ich ich schon so einiges gelesen und daher vertraue ich nicht darauf, wenn mir so ein Anbieter Sicherheit garantiert. Den Keyless-Autokäufern wirde garantiert auch Einbruchsicherheit zugesagt...
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