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Karlsruhe Von der Idee zur Umsetzung: Was steckt hinter der Teststrecke für Autonomes Fahren in Karlsruhe?

Es ist so weit: Die Teststrecke für Autonomes Fahren in Karlsruhe wird nun in Betrieb genommen. Künftig soll dort automatisiertes Fahren im alltäglichen Straßenverkehr erprobt werden. Alles rund um das Testfeld in der Fächerstadt und dessen Entwicklung haben wir zusammengefasst.

2018 sollen in Karlsruhe verschiedene Einrichtungen und Hersteller ihre autonomen Fahrzeuge testen können, so die Idee hinter der Einrichtung des "Testfelds Autonomes Fahren Baden-Württemberg" (TAF-BW). Am Donnerstag wird diese Idee Wirklichkeit: Die Teststrecke in Karlsruhe geht offiziell an den Start - der Probebetrieb ist beendet.

Künftig können "Firmen und Forschungseinrichtungen zukunftsorientierte Technologien und Dienstleistungen rund um das vernetzte und automatisierte Fahren im alltäglichen Straßenverkehr erproben, etwa automatisiertes Fahren von Autos, Bussen oder Nutzfahrzeugen wie Straßenreinigung oder Zustelldienste", beschreibt das Forschungszentrum Informatik (FZI) die Vielseitigkeit der Strecke gegenüber der Presse.

Autonomes Fahren
Die Teststrecke für autonomes Fahren wird in Karlsruhe in Betrieb genommen. | Bild: Daniel Naupold

Verschiedene Institutionen beteiligt

Konzeption, Planung und Ausbau des Projekts wurde und wird auch noch in Zukunft umgesetzt. Unter anderem von einem Konsortium aus dem FZI, der Stadt Karlsruhe, dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), der Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft, dem Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB, der Hochschule Heilbronn und der Stadt Bruchsal sowie weiteren assoziierten Partnern das Testfeld. Der zukünftige Testfeldbetreiber ist der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV). Sie werden am Donnerstag das Testfeld eröffnen.

Von der Idee zur Teststrecke:


April 2016

Im April 2016 gab Oberbürgermeister Frank Mentrup bekannt, dass sich mehrere Forschungseinrichtungen zusammen mit den Städten Karlsruhe und Bruchsal als Testfeld für automatisiertes Fahren bewerben wollen. Hintergrund war die Ausschreibung zum Aufbau eines Testfelds des damaligen Ministeriums für Finanzen und Wirtschaft sowie die gemeinsame Ausschreibung des Forschungsförderprogramms "Smart Mobility" der Ministerien für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Ministeriums für Verkehr.

Schon damals sah das Konsortium mehrere Testzonen und Strecken vor: Diese sollten sich dann am Campus des KIT, in der Oststadt, dem Hauptbahnhof, in den südlichen Stadtteilen sowie auf den Autobahnstrecken bis Stuttgart und Heilbronn befinden. Auch die Stadt Bruchsal war nach der damaligen Planung des Konsortiums durch den Forschungscampus an das Testgebiet angeschlossen.

Autonomes Fahren
Bild: FZI auf Basis Map data © OpenStreetMap contributors, tiles GIScience Research Group @ Heidelberg Universität

Oktober/November 2016

Wenige Monate später dann die Zusage: Das Land Baden-Württemberg unterstützt das Projekt mit 2,5 Millionen Euro. Verkehrsminister Winfried Hermann übergab im Oktober 2016 einen Zuwendungsbescheid des Landes. Ab diesem Zeitpunkt stand fest, dass Karlsruhe Standort eines Testfeldes wird.

Das Konzept des Projekts war noch in Arbeit. Dass der Prototyp "Olli", ein autonom fahrender Elektro-Mini-Omnibus der Firma Local Motors, in ähnlicher Form als Fahrzeug auf dem Testfeld unterwegs sein wird, war aber sicher.

Der Elektro-Mini-Omnibus "Olli". | Bild: myh

 


August 2017

Es wird tatsächlich ernst: Wie das FZI im August 2017 mitteilte, begann in diesem Monat der Aufbau der Infrastruktur für das Testfeld an der Kreuzung von Ostring und Durlacher Allee. Konkret wurden also Kameras zur Aufnahme der Verkehrssituation während des Testbetriebs installiert, "um die Computer-Algorithmen für die Objekterkennung an die Kreuzung anzupassen."

Außerdem verkündete das FZI erstmals die Strecke des Testfelds: "Sie führt vom Karl-Wilhelm-Platz entlang der Haid-und-Neu-Straße und biegt in den Ostring ab. Vom Ostring aus führt die Strecke einerseits über die Wolfartsweierer Straße zurück zum Karl-Wilhelm-Platz, andererseits über die B10 weiter auf die Südtangente bis zur Kreuzung mit der Ebertstraße", hieß es.

 


Dezember 2017

Und letztendlich: Seit Dezember 2017 sind die ersten autonomen Fahrzeuge auf den Straßen in Karlsruhe im Rahmen eines Probebetriebs unterwegs. "Mit dem Start des Probebetriebs beginnt der Countdown zur Eröffnung des Testfeldes Autonomes Fahren im Frühjahr 2018", so Mentrup bei der damaligen Eröffnung, "in einer beispielhaften Kooperation von Städten, Forschungseinrichtungen und dem KVV schaffen wir mit dem Testfeld für Industrie, Forschung und Dienstleistungen ein attraktives Angebot zur Erforschung und Erprobung zukunftsfähiger Mobilitätsentwicklungen - in und für Baden-Württemberg. Karlsruhe und die Region stehen mit diesem interdisziplinären Start-up einmal mehr für Innovationsfreude und Standortqualität."

ka-news-Hintergrund:

Das gesamte Streckennetz des TAF reicht von urbanen Bereichen mit gemischtem Fahrzeug-, Fahrrad- und Fußgängerverkehr über innerstädtische Tempo- 30- und Tempo- 50-Zonen, städtische Parkhäuser, Wohngebiete, Landes- und Bundesstraßen bis hin zu Autobahnabschnitten.

Testfeld-Strecken sind außerdem: der Hauptbahnhof und südliche Stadtteile Karlsruhes, die drei Campus des KIT, verbindende Straßen sowie Autobahnstrecken bis Stuttgart und Heilbronn sowie der Forschungscampus Bruchsal und die Testfelder für automatisierte Logistik und Nutzfahrzeuge in Bruchsal und Heilbronn.

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Kommentare (22)
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  •   huntzundkuntz
    (1 Beiträge)

    03.05.2018 12:50 Uhr
    Als Radfahrer fühle ich mich dann sicherer
    ich bin mir sicher dass die autonome Autos besser auf die Radfahrer achten als manche die ganz ohne Spiegel und steifes Genick herumkutschieren...
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  •   Rundbau-Gespenst
    (11179 Beiträge)

    03.05.2018 08:02 Uhr
    was steckt dahinter?
    ein Versuch am lebenden Objekt.

    Hier werden Humanversuche mit den übrigen, eigentlich nicht beteiligten Verkehrsteilnehmern unternommen. warum macht man das nicht z.B. bei Weissach auf der abgegrenzten Teststrecke?
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  •   FinnMcCool
    (186 Beiträge)

    03.05.2018 15:01 Uhr
    warum?
    Aus dem gleichen Grund, warum neue Auto-Typen auch unter reellen Bedingungen getestet werden, ohne dass eine generelle Freigabe vorher erteilt wurde. Was soll also an einem "Erlkönig" anders sein, wie bei einem autonom fahrenden Fahrzeug? Beides muss unter reellen Bedingungen getestet werden und dafür hat das Fahrzeug auf öffentlichen Strassen zu fahren.
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  •   NeoTiger
    (675 Beiträge)

    03.05.2018 13:51 Uhr
    Na und?
    Autoverkehr ist ein ständiger Versuch am lebenden Objekt. Wie z.B. der Versuch mit 1,5 Promille noch nach Hause zu fahren. Oder der Versuch mit 90 kmh durch die Kaiserallee zu heizen. Oder der Versuch beim Tempo 150 dem Vordermann nur 5 Meter hinterherzufahren. Oder der Versuch im innerstädtischen Verkehr schnell eine WhatsApp zu schreiben. Oder ...

    Ob mich ein Idiot oder ein Computerfehler über den Haufen fährt, macht für mich keinen Unterschied.

    Wenigstens ist der Computer ist in der Lage zu lernen und seine Erfahrungen weiterzugeben.
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  •   andip
    (9693 Beiträge)

    03.05.2018 15:41 Uhr
    Stimmt
    Vor allem, weil man den Computer schon vorher so programmieren kann, dass der das erst gar nicht versucht.
    Mit seinen ganzen Detektoren bekommt das autonome Auto auch wesentlich mehr von seiner Umgebung mit als die ganzen nichtautonomen Fahrer.
    Daher dürfte die grösste Gefahr eben von denen ausgehen.
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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    03.05.2018 18:54 Uhr
    Der Computer
    kann aber weder fühlen, noch riechen, noch denken. Der sieht nur, dass zB eine Person am Strassenrand steht, eine relativ wertlose Information. Ich dagegen kann an der Mimik oder den Bewegungen erkennen, dass der Fussgänger/Radfahrer/einbiegewillige Autofahrer jetzt gleich irgendeinen Blödsinn macht.
    Wenn alle Autos autonom fahren, idealerweise alle mit dem gleichen System und alles fehlerfrei läuft...dann ist ein Unfall nahezu ausgeschlossen. Zumindest untereinander. Hätte den Vorteil, dass Radfahrer und Fussgänger ihr Fehlverhalten nicht mehr auf die bösen Autos schieben können. grinsen
    Aber egal, ich hoffe halt, dass es ein paar kräftige Rückschläge in der Entwicklung gibt und ich es nicht mehr allzu sehr miterlebe. Der erste Versuchsträger für autonomes Fahren war übrigens ein Mercedes W140 Anfang der 90er Jahre. Ist 25 Jahre her, wenns nochmal so lange dauert (ich befürchte allerdings, dass nicht) soll es mir recht sein.
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  •   dipfele
    (5360 Beiträge)

    04.05.2018 05:54 Uhr
    Vor allem.....
    ..... steckt ja bei den Machern die alte Ideologie der Fortsetzung des Autowahnes mit anderen Mitteln dahinter, nicht Verkehrsreduzierung und ein Umsteigen auf den Öffi. Es soll wohl ein kollektives Autofahren
    mit minimalsten Bremsabständen werden, damit noch mehr Autos auf verstopfen Asphaltwüsten platz haben.
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  •   andi79
    (2755 Beiträge)

    03.05.2018 21:31 Uhr
    ..
    "Ich dagegen kann an der Mimik oder den Bewegungen erkennen, dass der Fussgänger/Radfahrer/einbiegewillige Autofahrer jetzt gleich irgendeinen Blödsinn macht."

    du unterschätzt die Möglichkeiten, Computer können inzwischen sehr gut mimik erkennen bzw. verhalten dank deep learning ganz gut einschätzen, und mit jedem Jahr können die Dinger mehr.. Verbaut man eine Wärmebildkamera kann man erkennen ob die Person Kopfhörer drin hat oder nicht und evt. deshalb nicht mitbekommt ob jemand kommt... oder oder oder. Wie intelligent Computer inzwischen sind ist faszinierend und erschreckend zugleich...
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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    03.05.2018 23:58 Uhr
    Ich sags ja,
    Zero...hat alles viele Vorteile aber bereits jetzt beginnen die Nachteile die Oberhand zu gewinnen.
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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    03.05.2018 14:13 Uhr
    90 in der Kaiserallee?
    Kein Wunder, dass ständig Stau ist bei solchen Schleichern...
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