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Karlsruhe Ute Klingelhöfer - die Frau vom Shitstorm-Notruf

Ute Klingelhöfer hat in Karlsruhe Technische Redaktion studiert. Sechs Monate nach dem Abschluss wagte sie den Sprung die Selbstständigkeit und gründete contentwerk. Voraussichtlich ab April bietet sie mit mehreren Kollegen zusammen außerdem einen Shitstorm-Notruf für Unternehmen an. Im ka-news-Interview erzählt die 26-Jährige, warum sie sich für die Selbstständigkeit entschieden hat, mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen hatte und weshalb ein Shitstorm-Notruf überhaupt notwendig ist.

Frau Klingelhöfer, Sie haben sich sechs Monate nach dem Ende Ihres Studiums selbstständig gemacht. Warum?

Zugegeben, geplant hatte ich das nicht. Den Wunsch, einmal selbstständig zu sein, hatte ich zwar bereits früh im Studium entwickelt, doch auch ich wollte erst einmal klassisch mit einer Festanstellung starten. Als ich mir meinen Zukunftsplan gemacht hatte, habe ich dann ein gutes Angebot für einen Auftrag in der Social Media Kommunikation eines Mobilfunkanbieters erhalten und griff zu. Dort habe ich sprichwörtlich Blut geleckt, tauschte mich mit anderen Selbstständigen aus und entschloss mich schließlich dazu, bei der Selbstständigkeit zu bleiben.

Hatten Sie denn keine Angst, dass es schief gehen könnte?

Am Anfang gar nicht - ich gehe gern Risiken ein und war auch viel zu euphorisch, weil es mir so viel Spaß machte, endlich so arbeiten zu können, wie ich es immer vorhatte. Da man als Selbstständige jedoch selten voraussehen kann, was der nächste Monat bringt, gehören auch ungewisse Phasen dazu, mit denen man lernen muss, umzugehen.

Rückblickend betrachtet: Was waren die größten Schwierigkeiten, mit denen Sie zu kämpfen hatten?

Während ich durch entsprechende Kurse und Literatur die Rechts- und Steuersachen am Anfang halbwegs selbst überblicken konnte, hatte ich eher Schwierigkeiten bei der Angebotserstellung, also Aufwand und Zeit für meine Leistungen richtig zu kalkulieren. Für solche und andere Fragen habe ich mir dann einen Existenzgründungsberater gesucht, der mich hier gut berät.

Wie haben Ihre Familie und Ihre Freunde reagiert, als Sie angekündigt haben, sich selbstständig zu machen?

Meine Eltern, insbesondere mein Vater als Beamter, hätte sich wohl lieber einen Job gewünscht, bei dem jeden Monat der Betrag X auf dem Konto seiner Tochter landet. Mittlerweile hat aber wohl auch er bemerkt, dass es mir gut damit geht. Meine Freunde haben sich mit mir gefreut und unterstützen mich auch sehr, indem sie Augen und Ohren für neue Aufträge offen halten.

Ihre Firma heißt contentwerk. Was bieten Sie an?

Ich berate Unternehmen im sinnvollen Einsatz von Social Media, beispielsweise überlege ich mir, wie man Unternehmen aus der Region in den sozialen Netzwerken als attraktiven Arbeitgeber darstellen kann. Soziale Netzwerke sind prima Plattformen, um die Menschen und Kultur hinter einer Marke oder einer Firma zu zeigen. Vor allem befriedigen sie das Bedürfnis, bei einem Problem oder einer Nachfrage schnell mit einem Ansprechpartner in Kontakt treten zu können - ein Grund, warum serviceorientierte Unternehmen zum Beispiel auch Facebook und Twitter als weiteren Support-Kanal geöffnet haben. Vom Konzept bis zur Umsetzung helfe ich den Unternehmen, eine runde Sache aus ihrer Online-Kommunikation im Social Web zu machen.

Für die meisten Firmen ist das Thema Social Media zwar nicht mehr ganz neu, aber immer noch ungewohntes Terrain. Was bieten Sie diesen Firmen, das diese selbst nicht leisten können?

Das stimmt, privat werden Social Media schon viel genutzt, doch sobald es dann an die berufliche Nutzung geht, tauchen Fragen auf. Was darf ich in Social Media sagen? Wie reagiere ich auf Kritik zum Unternehmen? Oder ganz klassisch: Wir haben eine Facebook-Seite, doch wir wissen nicht, was wir dort schreiben sollen. Hier unterstütze ich die Unternehmen durch Schulung und Workshops mit den Mitarbeitern und helfe, die richtigen Themen für Social Media zu identifizieren. Denn oftmals ist schon ganz viel Wissen vorhanden, es fehlt jedoch eine Strategie und ein übergreifendes Ziel, was man mit Social Media erreichen möchte.

Unter anderem bieten Sie auch einen "Shitstorm-Notruf" an. Für weniger online-affine Leser: Was ist ein Shitstorm - und warum braucht man dafür einen Notruf?

Ein Shitstorm ist kurz gesagt die ungewöhnliche Häufung von extrem kritischen Beiträgen über ein Unternehmen in Social Media. Durch die schnelle Kommunikation, die einfachen Möglichkeiten des Teilens und die hohe Reichweite im Internet kann sich die Kritik schnell ausbreiten. Eine Reaktion darauf sollte jedoch zeitnah erfolgen. Der Notruf ist dazu da, Unternehmen im Krisenfall kompetent zu beraten, wie eine solche Erstreaktion aussehen kann. Dazu habe ich mich mit Kollegen zusammen getan. Wir sind ein interdisziplinäres Team und haben zum Beispiel auch einen Fach-Anwalt für IT-Recht dabei, der zu den rechtlichen Fragen in Social Media berät. Darüber hinaus bieten wir selbstverständlich auch präventiv Beratung an und unterstützen Unternehmen bei der Strategie- und Organisationsentwicklung für Social Media.

Sie sind nun seit etwa einem Jahr selbstständig. Was raten Sie jemandem, der ebenfalls mit dem Gedanken spielt, sich selbstständig zu machen?

Anderen Gründern rate ich, schnell den Austausch mit erfahrenen Selbstständigen zu suchen - das Wissen und die Erfahrung derer ist unbezahlbar. Hier kann man auch über die Zusammenarbeit mit einem Existenzgründungsberater nachdenken. Letztendlich ist die Selbstständigkeit eine Typfrage: Man sollte das Glas immer als halbvoll ansehen und für das, was man gerne tut, auch ein paar schlaflose Nächte in Kauf nehmen können. Die nächste Überraschung - positiv wie negativ - kann in jedem Moment um die Ecke kommen.

Wenn Sie heute noch einmal die Wahl hätten: Würden Sie wieder den Sprung in die Selbstständigkeit wagen?

Auf jeden Fall!

Fragen: Felix Neubüser

www.contentwerk.eu
www.shitstorm-notruf.de (voraussichtlich ab April online)

Ute Klingelhöfer hält am Donnerstag, 21. März, im Rahmen der 5. Social Media Night Karlsruhe einen Vortrag zum Thema "Community Manager - Das Sprachrohr zum Kunden" in der Karlshochschule. Beginn der Veranstaltung ist um 18:30 Uhr. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos, Anmeldung und weitere Infos unter www.amiando.com/somenika5.html

Ein Hinweis in eigener Sache: Auf der Suche nach neuen Karrierewegen? Stellen aus Karlsruhe und der Region in der ka-news-Karrierelounge.

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Kommentare (30)
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  • unbekannt
    (301 Beiträge)

    20.03.2013 18:21 Uhr
    DAS BILD
    sagt ja wohl alles grinsen
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  • unbekannt
    (1211 Beiträge)

    20.03.2013 13:54 Uhr
    Sinn und Zukunftsträchtigkeit der Idee
    kann ich nicht beurteilen. Wohl aber, dass ich auch so eine PR-Veröffentlichung will.
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    20.03.2013 14:50 Uhr
    Da muss
    ich dir mal recht geben, der Artikel gehört 'rechts oben' mit dem Wort Anzeige gekennzeichnet.
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  • unbekannt
    (40 Beiträge)

    20.03.2013 12:59 Uhr
    Das ganze Shitgestorme...
    ...ist völlig überbewertet. Vor nicht allzu langer Zeit (die Älteren erinnern sich noch) gab es mal eine Partel, die ihr "Anderssein" nahezu ausschließlich über den zwanggesteuerten Einsatz moderner Kommunikation definiert hat.
    Habe ich als Unternehmen eine gute Position in meinen Märkten und meine Kunden so weit im Griff, dass sie meine Produkte nehmen (müssen), kann mir das Social Media-Geschwätz sowas von egal sein. Soll nicht heißen, dass ich diese Kanäle konsequent ignorieren kann - aber aus Angst vor vermeintlichen Shitstorms jede Entscheidung so lange rumdrehen und rauszögern, bis nichts davon übrig bleibt, ist lächerlich. Eigentlich ist es schlimm, dass solche Notruf-Services offenbar gefragt sind - ist in der Konsequenz aber eine tolle Geschäftsidee der jungen Dame!
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  •   Propagandahilfskraft
    (1279 Beiträge)

    20.03.2013 14:40 Uhr
    Shit-Storm ...
    ... ist nur eines von vielen Buzz-Words und im Moment gerade in. Herumdoktern an den Symptomen beseitigt die Probleme aber nicht. Die Probleme basieren auf der unreflektierten und damit falschen Nutzung von bidirektionalen Medien. Das Problem fällt gerade auch den politischen Parteien auf die Füße. Das ist aber reine Dummheit, denn an jedem Stammtisch mit paar angesoffenen Laberern sieht man die Probleme der bidirektionalen Kommunikation schon seit Jahrhunderten.

    Auf etwas abstrakterer Ebene betrachtet sind das uralte Probleme, aber die Nutzung der „neuen“ Technik scheint vielen Menschen den Blick zu versperren. Das Ganze ist ziemlich unproduktiv, ob sich dieses Modell auf Dauer trägt? Potentielle Kunden habe IMHO noch weitere Probleme mit der Wahrnehmung, die Probleme in den Sozialen Netzwerke sind nur Symptome, und sind ganz heiße Absturzkandidaten.
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  • unbekannt
    (1 Beiträge)

    20.03.2013 10:39 Uhr
    Anscheinend gibt es auch bei KA-News Bedarf für den Shitstorm-Notruf
    Schade dass ich beim Vortrag nicht dabei sein kann. Auch wenn ich den Term "Shitstorm" immer noch blöde finde...(was wohl die automatische Suchwortindizierung bei Google zu diesem Begriff an Werbung einblendet...) Bedarf ist ja da was man in den oberen Kommentaren eindrucksvoll sieht... Viel Erfolg morgen!
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  •   petsto69
    (900 Beiträge)

    20.03.2013 10:22 Uhr
    Ist eine sehr gute Idee...
    ... es gibt noch genug Unternehmen die bei diesem Thema zurück liegen bzw. sich einfach nicht zu helfen wissen. Respekt auch vor dem Mut in die Selbständigkeit. Drück Ihnen feste die Daumen dass es erfogreich wird/bleibt.
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  • unbekannt
    (1924 Beiträge)

    20.03.2013 09:33 Uhr
    ok
    !
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  •   NeubueserF
    (673 Beiträge)

    20.03.2013 08:59 Uhr
    Gelöscht
    Zur Info, um Verwirrung zu vermeiden:
    Wir haben in diesem Kommentarstrang mehrere Kommentare eines Nutzers mit ziemlich plumpen Beschimpfungen gesperrt. Die übrigen Kommentare, die sich auf diesen Kommentar beziehen, haben wir stehen lassen, auch wenn diese nun natürlich "in der Luft" hängen.
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  •   hajmo
    (4154 Beiträge)

    20.03.2013 10:20 Uhr
    Nicht nur den Kommentar löschen,
    sondern den lieben Herrn Bier komplett entsorgen. Solche Teilnehmer, fast hätte ich Deppen geschrieben, braucht das Forum nicht!
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