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Karlsruhe Trotz Protesten im Internet: dm lässt Nestlé-Produkte im Sortiment

Aktuell sorgt eine Online-Petition an den dm-Chef Erich Harsch für Aufsehen. Die Forderung: Produkte des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé sollen "raus aus dem dm-Sortiment". Die Begründung: Das Unternehmen stelle "schmutzige" Produkte her - trete Menschenrechte mit Füßen. Was sagt der Karlsruher Drogerie-Riese zu den Vorwürfen?

Derzeit hat die Online-Petition auf der Petitionsplattform von "Campact" - einer Bürgerbewegung - nach nur knapp einer Woche über 18.700 Unterschriften gesammelt. Die Menschen dahinter stimmen damit unter anderem dem Vorwurf zu, dass Nestlé Menschen in die Irre führe, dabei deren Leben aufs Spiel setze und dm das durch den Verkauf der Produkte unterstütze.

Konkret sieht die Petition Änderungsbedarf unter anderem in dem laut Petition vom Nahrungsmittelkonzern Nestlé  unterstützten Wachstum von Kinderarbeit. Zudem stehe insbesondere Babynahrung wegen Verletzung der Menschenrechte in der Kritik. "Nestlés irreführende Werbekampagnen untergraben das Stillen von Säuglingen, welches nicht selten den Tod zur Folge hat," heißt es in der Petition.

Einen weiteren Kritikpunkt wird in der Vermarktung von Wasser gesehen. Demnach fehle insbesondere in ärmeren Ländern vielen Menschen das Wasser als Lebensgrundlage. "Genau dort schöpft Nestlé viel Wasser ab und verkauft es in Plastik verpackt an die dort arme Bevölkerung - in einer Vielzahl von Ländern der Welt," erklären die Verantwortlichen der Petition auf ihrer Homepage weiter.

Vorwurf an dm: "Kein gemeinschaftliches Vorbild"

Die Kritik geht allerdings in erster Linie an dm: Der Karlsruher Drogeriemarktkette wird vorgeworfen, dass die Zusammenarbeit mit Nestlé dem Leitmotiv des Unternehmens "soziale Verantwortung" entgegen spreche.

"Es kann kein gemeinschaftliches Vorbild und auch keine soziale Verantwortung sein, einen Großkonzern - durch den Verkauf seiner Produkte - zu unterstützen, der sich derart gegen ein friedliches Leben auf diesem Planeten stellt und seinen Profit so unverfroren ohne Rücksicht auf Umwelt und Menschen einfährt," so die Verantwortlichen der Petition zur Begründung.

Online-Petition an den dm-Chef Erich Harsch
Aktuell hat die Online-Petition an den dm-Chef Erich Harsch schon über 18.700 Unterschriften. | Bild: Screenshot ka-news

"Kein Anlass, Produkte aus dem Sortiment zu nehmen"

Doch was sagt dm zu den Vorwürfen? Der Geschäftsführer für Marketing und Beschaffung von dm, Sebastian Bayer, erklärt in Hinblick auf die Petition gegenüber ka-news: "Wir sehen aufgrund der Informationen durch Nestlé keinen Anlass, Produkte dieses Lieferanten aus dem Sortiment zu nehmen." Nachdem man von der Petition gehört hatte, setzte man sich nach Aussage des Geschäftsführers sofort mit Nestlé in Verbindung und bat um ein Statement, auf das sich die Drogeriemarktkette jetzt beruft.

Das Ergebnis ist eine Erklärung des Unternehmens, in dem vor allem auf die Vermarktung von Säuglingsmilchnahrung und um den Umgang mit dem Recht auf Wasser eingegangen wird. Insgesamt gehe das Unternehmen nach eigener Aussage mit Kritiken offen um und ist sich demnach auch bewusst, dass es in der Vergangenheit häufig Diskussionen um die Vermarktung von Säuglingsnahrung gab.

Diese Diskussionen seien allerdings schon längst veraltet. Bereits seit 1982, als Nestlé das erste Unternehmen war, das den WHO Kodex umsetzte - der zum Ziel hat, die Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten auf Kosten des Stillens zu verhindern - wurde dieser eingehalten, heißt es in der Stellungnahme des Unternehmens. Außerdem sei das Unternehmen in den "FTSE4Good Index" aufgenommen worden, der unter anderem "strenge Anforderungen und Überprüfungen zur Vermarktung von Säuglingsmilchnahrung" beinhalte.

"Nestlé unterstützt das Menschenrecht auf Wasser"

Auf die Kritik in Bezug auf das Wasser reagiert der Nahrungsmittelkonzern folgendermaßen: "Nestlé unterstützt ausdrücklich das Menschenrecht auf Wasser, insbesondere für die persönliche Flüssigkeitsversorgung und für die Basishygiene. Die damit verbundenen Verpflichtungen sind auch Gegenstand unserer Unternehmensgrundsätze und stellen damit eine verbindliche Grundlage für unsere Geschäftstätigkeit weltweit dar."

Weiter habe sich das Unternehmen nach eigener Aussage Ziele gesetzt, um Verantwortung für den Umgang mit Wasser noch mehr gerecht zu werden. Schon jetzt werde man aber von kritischen Organisatoren, wie beispielsweise der Hilfsorganisation Oxfam, positiv bewertet.

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Kommentare (37)
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  •   Ninz
    (99 Beiträge)

    02.08.2017 09:37 Uhr
    Oh, und ganz nebenbei
    wirklich auf Milchpulver angewiesen sind bei halbwegs ausreichender Ernährung übrigens nur die wenigsten Frauen. Aber wer im Krankenhaus schon beim kleinsten Stillproblem eine Flasche zum Zufüttern beinahe schon aufgenötigt kriegt (selbst so erlebt - nur dass ich die Chuzpah hatte, abzulehnen und Hilfe von einer Hebamme zu fordern), der hat halt oft schlechtere Karten für eine ausdauernde Stillbeziehung mit genug Milchproduktion. Zufüttern ist der erste Schritt zur Flasche, und so lange schon die Krankenhäuser drauf gedrillt sind, möglichst jedem Neugeborenen schon die Flasche in den Hals zu drücken, sind natürlich mehr Frauen am Ende auf Hipp, Beba und co. "angewiesen". Und wer sponsort das? Lass mal überlegen, wer das sein könnte.... zwinkern
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  •   Ninz
    (99 Beiträge)

    02.08.2017 09:28 Uhr
    Also echt jetzt,
    man kann ja politisch Differenzen haben mit Herrn Rupp, aber ihm zu unterstellen, dass er gern Babies sterben sehen will, ist schon ziemlich drüber.

    Was er meint, nehme ich zumindest an, ist die Tatsache, dass Nestlé, aber auch andere Hersteller, ihre Babymilch in Drittweltländern offensiv anpreisen und dort ist eben oft kein sauberes Wasser dafür da (ganz perfide - danke dafür an Nestlé, Mama kauft Pulvermilch und Wasser noch dazu!). In vielen dieser Länder wäre es besser, wenn man den Frauen Hilfe beim Stillen gibt, statt Probepäckchen zu verteilen.

    Wer sich in einem Industrieland gegen Stillen entscheidet, kann das tun, und hat genug sauberes Wasser und Ressourcen dafür. Dass es fürs Baby meistens (!) besser wäre, würde man stillen, ist halt ein anderes Paar Schuhe. Ist eine individuelle Entscheidung.
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  •   ALFPFIN
    (6687 Beiträge)

    01.08.2017 20:45 Uhr
    Ob die Kritik
    so berechtigt ist, will ich mal dahingestellt lassen, aber warum gehen die Herrschaften nur gegen DM vor. Nestle wird von anderen Drogeriefilialisten, wie Roßmann, Müller und wie sie alle heißen geführt und sicher ja auch von den Discountern. Haben die jetzt etwas gegen Nestle oder gegen DM?
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  •   andip
    (9689 Beiträge)

    02.08.2017 08:58 Uhr
    Stimmt
    Produkte von Nestle kann man wirklich in fast jedem Laden bekommen, egal ob Supermarkt, Discounter, Drogeriemarkt oder sonstwas und welchem Betreiber auch immer.
    Wenn man was gegen Nestle-Produkte hat, dann sollte man einen allgemeinen Boykottaufruf gegen die machen anstatt sich hier eine einzelne Kette heraus zu picken.
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  •   Ludwigsstammtischbruddler
    (765 Beiträge)

    01.08.2017 19:23 Uhr
    Nestle befindet sich in meinem
    Dividenden-Depot. Ich wäre euch also dankbar wenn ihr weiterhin Nestleprodukte konsumiert. Das gleiche gilt u. a. auch für Coca-Cola, McDonald's und Altria (Marlboro). grinsen
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  •   RechterRand
    (971 Beiträge)

    01.08.2017 22:58 Uhr
    Ich habe
    in Rüstung und Stahlindustrie investiert. Das geht immer.

    Woher sollen denn sonst die ganz Waffen und Messer herkommen, die inzwischen in bestimmten expandierenden Kreisen zur Grundausstattung gehören?
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  •   Nachteule
    (645 Beiträge)

    01.08.2017 19:04 Uhr
    Ich werde jetzt gezielt Nestlé-Produkte kaufen
    und zwar aus Solidarität mit einer großartigen Schweizer Firma. Und kaufen werde ich diese vor allem bei dm - einer großartigen Karlsruher Firma. Es genügt, dass die Klimaschutzmafia schon die Energiekonzerne kaputt gemacht hat und nun auch die Automobilindustrie kaputtreden möchte. Man darf denen, die uns vor allem schützen wollen, nicht weiter auf den Leim gehen. Schützen müssen WIR uns vor diesen Leuten.
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  •   timo
    (3088 Beiträge)

    01.08.2017 20:17 Uhr
    aus Solidarität mit
    der Automobilbranche habe ich vorhin direkt durch den Auspuff eines Dieselfahrzeugs geatmet. Nimm das linksgrünes Zauselgesocks!!
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  •   Ein_Gravierend
    (111 Beiträge)

    01.08.2017 19:14 Uhr
    Großartig!
    Was tut diese großartige Firma für dich, dass sie das verdient hat? Wo ist der ethische Zusammenhang für sie, auf dem Solidarität bekanntlich fußt? Oder will man hier nur dagegen sein?
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  •   ralf
    (3653 Beiträge)

    02.08.2017 00:04 Uhr
    Großartige Firnen unterstützen
    Ich überlege mir, ein Monatsgehalt an Heckler & Koch zu spenden. Diese Firma hat sich zuletzt sehr human gezeigt, in dem sie davon Abstand nimmt, Waffen nach Nordkorea liefern zu wollen (was zuvor wegen Sanktionen nicht gemacht wurde). Auch hat sie vom Verband der Waffenindustrie Menschlichkeits-Zertifikate erhalten.
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