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Karlsruhe Start Up-Hochburg: "Karlsruhe sollte selbstbewusst unterwegs sein!"

Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) gibt es jährlich bis zu 25 Neugründungen: Die Fächerstadt ist damit im deutschlandweiten Vergleich ganz vorne mit dabei. Jens Fahrenberg ist Leiter des Innovations- und Relationsmanagement am KIT und kennt sich in der Start Up-Szene aus. ka-news hat mit ihm über Problemen, bekannte Karlsruher Start Ups und benötigten Support aus der Lokalpolitik gesprochen.

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Herr Fahrenberg, vielen Dank, dass Sie Zeit für uns gefunden haben. Als Leiter des Innovations- und Relationsmanagement für das KIT haben Sie doch sicherlich viel zu tun?

Die Zeit ist heutzutage glaube ich bei allen knapp, ich halte eine gute Kommunikation aber für überaus wichtig, so dass ich hier wirklich gerne zur Verfügung stehe.

Sie kennen sich in der studentischen Gründer-Szene gut aus: Wie innovativ ist Karlsruhe im Vergleich zu anderen Städten?

Zu einem direkten Städtevergleich kann ich wenig sagen. Wenn man jedoch feststellt, dass das KIT auf Platz zwei der großen Hochschulen im neuesten nationalen Gründungsradar des Stifterverbands ist und auch die vielen Aktivitäten und Statistiken des Cyberforums sieht – um nur zwei Punkte zu nennen – sind wir sicherlich in der Spitzengruppe.

Wie viele Gründungen gibt es am KIT unter Betreuung des Innovationsmanagements?

Am KIT gibt es jährlich im Schnitt zwischen 20 und 25 erfasste Gründungen von Beschäftigten oder Studierenden, die wir auf unterschiedliche Art begleiten. Im Gespräch sind wir natürlich mit sehr viel mehr Teams, die sich zunächst vielleicht nur für eine Gründung interessieren, die noch einen Förderantrag schreiben oder deren Idee in einem noch früheren Stadium ist.

Wie sieht ihr Arbeitsalltag aus? Wie kann man sich das Managen von Innovation vorstellen?

In meiner Rolle manage ich persönlich keine Innovationen mehr, ich bin sehr stark in strategische Aufgaben am KIT eingebunden. Ich habe aber ein tolles Team, die hier insbesondere die WissenschaftlerInnen des KIT bei Ihren Innovationen beraten und begleiten.

Das fängt oft bei einer Erfindungsmeldung an und geht über Patentierungsfragen, Marketing, Finanzierung von Projekten bis zur Verhandlung konkreter Industriekooperationen oder Gründungen, die ja letztlich das Ergebnis in den Markt bringen. Wir arbeiten mit unseren Angeboten als Partner der Wissenschaft entlang dieser durchaus komplexen Prozesskette. Am KIT wurde umstrukturiert: Seit 1. Januar 2017 wurde das Innovationsmanagement mit dem Relationship Management zur neuen Dienstleistungseinheit Innovations- und Relationsmanagement (IRM) zusammengeführt.

Am KIT wurden verschiedene Aktivitäten gebündelt, die eine enge inhaltliche Nähe haben. In unserem Fall bilden wir in der Administration des KIT nun eine wichtige Schnittstelle zur Privat-Wirtschaft und Privat-Personen, das heißt wir engagieren uns jetzt beispielsweise sowohl im Technologietransfer als auch bei den Alumni oder im Fundraising.

Welche Vorteile sind daraus entstanden? Wie groß ist ihr Team?

Ich empfinde das als großen Vorteil für alle Seiten, da man nun verschiedene relevante Angebote für ähnliche oder sogar die gleichen Zielgruppen in einer Hand koordiniert und damit viel effektiver kommunizieren und abgestimmt handeln kann. Aufgrund der vielen Aufgaben umfasst das neue Team rund 60 Personen, die jedoch nicht alle über das KIT finanziert werden – wir haben verschiedene Angebote und viele Projekte, die sich in Teilen auch selbst finanzieren – zwei Beispiele wären das Team hinter dem KIT-Business-Club oder auch dem Career Service.

Hat die Zusammenlegung auch Nachteile?

Wir sind nach sechs Monaten sicher immer noch etwas in der Startphase, haben aber von vielen Partnern intern wie extern sehr positives Feedback bekommen – insofern würde ich zunächst mal sagen Nein.

An wen richten sich die Angebote des IRM?

Wie bereits erwähnt sind es zum einen natürlich die Beschäftigten des KIT, zum anderen aber auch die Partner aus der Wirtschaft, die entweder Kontakt mit dem KIT suchen und an einer engeren Kooperation interessiert sind, oder diese schon haben und von uns betreut werden. An unserem Innovationstag am 28. Juni – wir hatten so viele Anmeldungen wie noch nie – haben wir genau diese Mischung gesehen.

Mit welchen Problemen haben die jungen Gründer am häufigsten zu kämpfen?

Neben den finanziellen Fragestellungen ist es aus meiner Sicht der Wechsel von einer anfangs technologieorientierten zu einer klaren produkt- oder kundenorientierten Sichtweise und sich hier als Team auch entsprechend aufzustellen.

Wie könnten Politik und Stadt Karlsruhe helfen, diese Probleme zu lösen?

Wir sind hier in Karlsruhe über die Gründerallianz überaus gut vernetzt, die wichtigen Angebote sind in der Allianz vorhanden und werden einrichtungsübergreifend angeboten. So würden wir am KIT zum Beispiel nie ein Seminar auflegen, dass es schon beim Cyberforum gibt. Helfen würde an der ein oder anderen Stelle sicherlich ein eigenes Budget für die Gründerallianz, die von uns allen quasi im Ehrenamt betrieben wird.

Sie sagten einst in einem Interview, Karlsruhe sei eine Start-Up-Hochburg: Wie viele der hier gegründeten Start Ups bleiben in Karlsruhe – wie viele ziehen in andere Städte?

Ich selbst habe hier keine verlässliche Statistik. Die meisten KIT-Gründungen, die mir jetzt spontan einfallen, sind alle in der TRK geblieben. Von einigen webbasierten IT-Gründungen weiß ich aber auch, dass es sie in Richtung Berlin gezogen hat. Mein Gefühl sagt mir jedoch, dass Karlsruhe ein durchaus attraktiver Standort ist und weiter bleiben wird.

Wenn ja: Warum der Wegzug in andere Städte? Was ist dort attraktiver – wo müsste Karlsruhe nachbessern oder sind diese Faktoren nicht beeinflussbar?

Ein solcher Vergleich ist sehr schwierig, jeder Standort hat seine spezifische Community und seine Attraktivität – wenig beeinflussbar. Auch Karlsruhe hat sein Profil, wird auf der Landkarte wahrgenommen und sollte hier selbstbewusst unterwegs sein. Was natürlich nie schaden kann ist eine Stärkung des Standortmarketings aber auch hier hat man ja mit der Gründung der TRK GmbH schon Weichen gestellt. Auch das KIT ist hier übrigens Gesellschafter.

Was sind nach Ihrer Meinung die aktuellen Top 5 Karlsruher KIT-Start Ups, die man kennen sollte?

Wir haben viele Gründungen, die man kennen sollte - einige hier herauszuheben fällt mir schwer. Da es recht wenige Technologiegründungen außerhalb des IT-Sektors gibt, würde ich aus den letzten zwölf Monaten daher einfach mal die Ineratec GmbH und die memetis GmbH nennen, die die letzte Runde des Elevator Pitch BW gewonnen hat.

Ist ein Trend bei der Gründung von Start Ups zu erkennen – wird zum Beispiel besonders viel im Bereich Robotik gegründet?

Bei Robotics fällt mir natürlich sofort die Artiminds GmbH ein. Ansonsten sind wir natürlich ein sehr starker IT-Standort mit entsprechend vielen Gründungen.

Was glauben Sie anhand der bisherigen Entwicklungen: Wie wird sich die Gründerszene in den kommenden Jahren entwickeln – tendenziell mehr oder weniger Neugründungen?

Ich hoffe, dass wir uns als KIT und Region in der gleichen Dynamik weiterentwickeln werden wie in den vergangenen Jahren – dann wird mir nicht bange. Es gibt natürlich noch sehr viel Gründungspotenzial, aber es ist auch ein sehr konjunkturabhängiges Themenfeld. Ich würde die reine Zahl daher gar nicht unbedingt deutlich steigern wollen. Ich wünsche mir primär wirtschaftlichen Erfolg und Nachhaltigkeit für die, die hier den Mut haben, diesen herausfordernden Weg einzuschlagen.

ka-news-Hintergrund
Jens Fahrenberg, geboren 1963, studierte Elektrotechnik an der Universität Karlsruhe, wo er 1991 sein Diplom machte. Seine Promotion schloss er 1994 im Bereich der Mikrosystemtechnik am Forschungszentrum Karlsruhe (FZK) ab.

Anschließend arbeitete er bis 1999 als Programmbevollmächtigter der Programmleitung Mikrosystemtechnik am Forschungszentrum, wo er im Jahr 2000 die Leitung des Industrieforums Mikrofertigungstechnik übernahm. 2002 wurde er als Leiter der Stabsabteilung Marketing, Patente und Lizenzen (MAP) in das zentrale Management des FZK berufen.

Nach dem Zusammenschluss von Forschungszentrum und Universität Karlsruhe zum Karlsruher Institut für Technologie (KIT) im Jahr 2009 übernahm Jens Fahrenberg die Leitung der zentralen Dienstleistungseinheit Innovationsmanagement, die u.a. in den Themen Patente, Lizenzen, Technologiemarketing sowie Unternehmensgründungen und -beteiligungen tätig ist, und implementierte in den vergangenen Jahren weitere Instrumente wie den KIT-Business-Club oder den KIT-Hightech-Inkubator.

Seit Januar 2017 leitet Jens Fahrenberg das Innovations- und Relationsmanagement (IRM) mit rund 60 MitarbeiterInnen, dem neben den genannten Aspekten des Technologietransfers auch die Themenfelder Career Service, Alumni, Fundraising und Stiftungen zugeordnet sind.

Darüber hinaus hat er verschiedene Aufgaben und Funktionen im regionalen und nationalen Umfeld, so ist er u.a. Geschäftsführer der KIT Innovation gGmbH, engagiert sich in verschiedenen Funktionen bei der Helmholtz-Gemeinschaft und ist im Vorstand des Technologieallianz e.V., dem Deutschen Verband für Wissens- und Technologietransfer.
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