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Karlsruhe/Karlsdorf-Neuthard Spedition Kunze verlässt Karlsruhe im Streit

Die Spedition Kunze bricht nun endgültig die Zelte in Karlsruhe ab. Im Juli verlässt das Traditionsunternehmen die Fächerstadt in Richtung Karlsdorf-Neuthard. Die Spedition geht im Streit. Die Stadt habe nicht alles dafür getan, um die Spedition zu halten, behauptet das Unternehmen. Die Stadt widerspricht: Man habe alles getan, doch die Spedition habe zu viel gefordert.

"Uns als Unternehmen und als Familie ist es schwer gefallen, nach 48 Jahren den Standort Karlsruhe zu verlassen. Die Unfähigkeit der Stadt Karlsruhe, 2006/2007 für uns als Spedition geeignete Geländeflächen zur Verfügung zu stellen, war für uns eine schwere Enttäuschung", heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens. "Wir hätten gerne all unsere Aktivitäten an einem neuen Standort in Karlsruhe zusammengeführt", meint Matthias Kunze, Geschäftsführer der Spedition. Die Verhandlungen mit der Stadt Karlsruhe seien ohne Ergebnis verlaufen. "Wir wurden vertröstet und auf längere Zeit hingehalten oder sollten Gelände ohne Bebauungsplan und Baurecht erwerben. Das war nicht wirtschaftsfreundlich", behauptet der Unternehmer.

Die Erste Bürgermeisterin der Stadt Karlsruhe, Margret Mergen, widerspricht vehement. "Wir haben alles dafür getan, damit die Firma Kunze hier in Karlsruhe bleiben kann", betont Mergen gegenüber ka-news. Sie selbst habe etliche Gespräche sowohl mit der Firma Aurelis, die das Grundstück im Auftrag der Deutschen Bahn verwaltet und verkauft, als auch mit der Firma Kunze geführt.

Die Spedition Kunze hatte das ehemalige Bahngelände in Karlsruhe zum Jahreswechsel 1987/88 bezogen. Im Jahr 2000 wurde es zu weiten Teilen als Wohnbaugebiet ausgewiesen und in den Folgejahren bebaut. Aurelis, seit 2003 Eigentümerin des Grundstücks, hatte mit der Spedition schon länger Gespräche über eine vorzeitige Beendigung des Mietverhältnisses am Standort geführt. Das bis 2017 laufende Mietverhältnis wird nun vorzeitig im Juli 2011 beendet.

Die Stadt habe alles getan, um die Spedition zu halten

Es seien schwierige Verhandlungen gewesen. Doch die Stadt habe im Jahr 2007 der Spedition schließlich eine geeignete Fläche in der Wolfartsweirer Straße in der Karlsruher Oststadt angeboten, berichtet Mergen. Die Fläche sei größer als die bisherige gewesen und im Anschluss an die Südtangente und damit an die Autobahn gelegen.

"Wir haben große Anstrengungen unternommen, um der Firma ein alternatives geeignetes Areal anbieten zu können", so Mergen. Einzig der Gemeinderat habe noch einem Bebauungsplan zustimmen müssen. Doch die Firma war zu "ungeduldig" und habe die wenigen Monate bis zu dieser politischen Entscheidung nicht abwarten wollen und lehnte das Angebot schließlich ab. "Uns lag sehr daran Kunze zu halten", betont die Bürgermeisterin. Dabei sei es weniger um die durch den Umzug wegfallende Gewerbesteuer gegangen, als viel mehr darum, dass Karlsruhe  ein gewachsenes Traditionsunternehmen und damit auch Arbeitsplätze verliere.

Bereits in den 90er Jahren habe es Diskussionen bezüglich einer Verlagerung des Unternehmens gegeben. Schon zu diesem Zeitpunkt habe die Firma Kunze zu hohe Forderungen gestellt, berichtet Mergen. Die Geschäftsführung habe den Bau neuer Hallen sowie die Finanzierung des Umzugs auf Kosten der Stadt gefordert. "Sie wollten alles neu, aber nicht einen Euro dazugeben", sagt die Wirtschaftsdezernentin.

Flächenmangel großes Problem für die Fächerstadt

Die Spedition Kunze ist allerdings nicht das einzige Unternehmen, das Karlsruhe den Rücken kehrt. Zahlreiche Unternehmen möchten expandieren, finden aber keine geeignete Fläche in Karlsruhe. Der Stadt fehlen oftmals Flächen, möglichst mit Autobahnanschluss zu günstigen Preisen. Einige Firmen sind daher schon aus Karlsruhe abgewandert. "Leider haben wir Schwierigkeiten Flächen bereit zu stellen. Dennoch hoffen wir weiter auf die Standorttreue der Unternehmen", sagte Mergen im Juli des vergangenen Jahres.

Doch die Stadt sei nicht untätig. Seit geraumer Zeit arbeite eine Arbeitsgruppe in Abstimmung mit der Wirtschaftsförderung Karlsruhe daran, um zu überprüfen ob mögliche Brachflächen im Innenstadtbereich nutzbar gemacht werden könnten. Zudem werde geschaut, ob Ackerflächen in Autobahnnähe zu Gewerbegebieten umfunktioniert werden könnten. Auch nach Lösungen für Gebiete die im Zuständigkeitsbereich mehrerer Kommunen liegen, werde gesucht, so die Finanzbürgermeisterin.

Umzug im Juli 2011

Bereits im April 2009 verlagerte die Spedition Kunze den Schwerpunkt ihrer geschäftlichen Aktivitäten von Karlsruhe nach Karlsdorf-Neuthard. Sie gab an, an der bisherigen Betriebsstätte sei keine räumliche Erweiterung mehr möglich gewesen. Im Juli 2011 werden jetzt die auch die Lagerlogistikaktivitäten nachziehen. Damit werden nach Angaben des Unternehmens ab Sommer in Karlsdorf-Neuthard fast 200 Mitarbeiter und 90 Transportunternehmer beschäftigt sein.

Die Unternehmensfamilie Kunze wurde 1927 in Heidenau/Dresden gegründet. Es werden laut Unternehmen insgesamt rund 500 Menschen an den Standorten Bielefeld, Karlsdorf-Neuthard, Dresden, Karlsruhe und Heidenau beschäftigt.

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Kommentare (42)
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  •   Laetschebachschorsch
    (3230 Beiträge)

    16.02.2011 07:54 Uhr
    Zeiträume?
    Seit wann ist bekannt, dass auf dem alten Ausbesserungswerk Wohnungen entstehen sollen? Mindestens ab diesem Zeitpunkt war klar, dass die Spedition dort weg muss.
    Auch die Zukunft der Auto-Waschanlage in der Stuttgarter Str. ist ungewiss. Holz-Bumb ist auch schon teilweise umbezogen, und die verbliebenen Schrotthändler (Gebrauchtwagen-Händler) sind ja auch gleich weg. Damit ist dort noch eine Fläche von der derzeitigen Bebauung bis zur Stuttgarter Str. (ohne Kleingärten), bis zur Bahnline und dem Messplatz an der Durlacher Allee zu verplanen. Gut, Industrie gehört an den Stadtrand. Aber ist noch bekannt welche Standorte für das Wildpark-Stadion im Gespräch waren? Aber auch die brauchen das ja nicht mehr.
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    unbekannt
    (11392 Beiträge)

    14.02.2011 19:24 Uhr
    Brachflächen im Innenstadtbereich
    Ja genau, beim ZKM (nördliche davon) ist ein ca. 5000 m² großes Grundstück. Da könnte man 'ne Spedition hinbauen!
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    unbekannt
    (4144 Beiträge)

    14.02.2011 19:23 Uhr
    Ungeduldig?
    Geduld um auf die Entscheidung eines Gemeinderates oder Bauausschusses zu warten kann man sich als Unternehmer nicht leisten, zumal diese oft Jahre dauern. Das Problem ist schon seit 2003 bekannt und wenn man in 7 Jahren fuer ein solches Unternehmen keinen Platz findet, dann spricht dies Baende.
    In der freien Wirtschaft ticken die Uhren nun mal etwas schneller als bei den oeffentlichen Verwaltungen.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (10716 Beiträge)

    14.02.2011 17:15 Uhr
    -->Patrioten??
    Frechheit, die "Wirtschaft" diktiert die Politik wie sie es will und braucht. Was für mutlose Patrioten hier und da das Geld verdien...äh bekommen.
    --
    Die Kosten sollen / werden (mal) wieder sozialisiert und die Gewinne privatisiert. Weg mit solchen Finanzparasiten.
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    unbekannt
    (2476 Beiträge)

    14.02.2011 16:55 Uhr
    byebye
    Wollte sowieso nicht, daß KA als "Speditionshauptstadt" bekannt wird!
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    14.02.2011 15:34 Uhr
    Das Problem ist doch
    Zitat Mergen: "Einzig der Gemeinderat habe noch einem Bebauungsplan zustimmen müssen. [...] die wenigen Monate bis zu dieser politischen Entscheidung [...]"

    Gibt es einen sachlichen Grund, warum eine solche Entscheidung "wenige Monate" dauern muss? Ob die Firma deswegen gleich abwandern muss, sei mal dahingestellt. Aber nach meinem Gefühl ist das zu lang.
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  •   80er
    (6188 Beiträge)

    14.02.2011 15:38 Uhr
    Einen Bebauungsplan zu...
    ...erstellen geht nicht von heute auf morgen. Sondern es dauert tatsächlich einige Monate - wobei ein halbes schon recht kurz ist. alleine diejenigen, die vor der Aufstellung einen B-Planes befragt werden müssen. Z. B. die "Träger öffentlicher Belange". Angefangen von allen Konzernteilen der DB AG, der deutschen Telekom, der deutschen Post, den Umweltverbänden, den Anliegern, den Versorgungsträgern etc etc....da geht schon mal ein Jahr drauf.
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    unbekannt
    (11392 Beiträge)

    14.02.2011 19:45 Uhr
    worauf warten...
    Dann soll die Stadt schonmal anfangen!
    Bei der Messe ist noch genug Platz für Gewerbegebiete!
    Und bei der Gelegenheit gerne noch ein paar Wohngebiete, damit der Wohnraummangel mal ein Ende hat und man für 400 Euro mehr kriegt als eine 15 m² Bude in der Südstadt...
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    15.02.2011 00:49 Uhr
    wenn ein
    Unternehmen sich an der Messe ansiedelt, verlässt es Karlsruhe. Zumindest solange Rheinstetten nicht eingemeindet wird.

    Würde man das Flächenproblem mit einem großen Sprung lösen wollen, würde man es wagen die Eingemeindung des gesamten südlichen Landkreises Karlsruhe nach Karlsruhe Stadt anzugehen. Es gibt derzeit aber bei weitem keine politische Figur in Karlsruhe, der dieses Projekt auch nur halbwegs zuzutrauen wäre.
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  •   80er
    (6188 Beiträge)

    14.02.2011 15:43 Uhr
    Wen es...
    ...wirklich interessiert, hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Bebauungsplan
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