32  

Karlsruhe Schutz von Wohnraum vor Airbnb und Co.: Stadt schränkt Ferienwohnungen auch künftig nicht weiter ein

Ferienwohnungen werden immer beliebter. Doch die Hotel-Alternative sorgt in vielen Städten für Unmut, begünstigt sie doch den vorherrschenden Wohnraummangel noch weiter. Auch die "Linke"-Fraktion des Karlsruher Gemeinderats schlägt Alarm - und fordert die Stadt auf, den gewerblichen Ferienwohnungs-Anbietern einen Riegel vorzuschieben.

Zu wenig Wohnraum und fehlende Bauflächen - dass Karlsruhe ein Wohnungsproblem hat, ist ein offenes Geheimnis. Erschwerend kommt hinzu: Ferienwohnungen verknappen den dringend benötigten Wohnraum weiter.

"Der Wohnungsmangel ist unumstritten!"

Das zumindest kritisieren die Stadträte der "Linken", Sabine Zürn und Niko Fostiropoulos, in einer Anfrage an den Karlsruher Gemeinderat: "Der Wohnungsmangel ist unumstritten!" Sie fordern die Stadt daher auf, dem Vorbild von Freiburg, Konstanz, Stuttgart, Tübingen und Heidelberg zu folgen und auch in Karlsruhe ein sogenanntes Zweckentfremdungsverbot durchzusetzen.

Doch warum sind Ferienwohnungen ein großes Problem für die Städte? Online-Mietportale wie Airbnb, Wimdu und Co. sollten ursprünglich Plattformen allein für private Vermieter sein. Doch die Angebote an Ferienwohnungen professionalisieren sich zunehmend - das treibt zum einen die Mietpreise in die Höhe, zum anderen wird der Wohnraummangel noch weiter begünstigt. Das Zweckentfremdungsverbot soll das verhindern.

Airbnb
Portale wie Airbnb bieten zunehmend gewerblichen Vermietern eine Plattform - zum Leidwesen für Wohnungssuchende. (Symbolbild) | Bild: pixabay.com@TeroVesalainen

Rechtfertigung mithilfe veralteter Daten 

Hat auch Karlsruhe unter den gewerblichen Vermietungen von Ferienwohnungen zu leiden? "In Anbetracht der Wohnungsmarktsituation ist es in Karlsruhe um jede Wohnung schade, die nicht dem Zweck Wohnen dient", macht die Stadt in ihrer Stellungnahme auf die Anfrage der Stadträte deutlich. Ein Zweckentfremdungsverbot will sie dennoch nicht einführen. Der Grund: Die Anzahl der Ferienwohnungen in Karlsruhe sei nicht bedeutend genug.

Insgesamt 168 der Ferien-Domizile wurden nach Angaben der Stadt im Jahr 2011 gezählt. Mit 25 Wohnungen hatte Durlach die größte Auswahl zu bieten, der zweitbeliebteste Stadtteil war die Weststadt mit 16 Unterkünften. Dahinter reihen sich die Innenstadt-Ost sowie Neureut mit jeweils 11 und die Südweststadt mit 10 Wohnungen. "Die Anzahl der Ferienwohnungen macht lediglich 0,1 Prozent aller Wohnungen in Karlsruhe aus", rechtfertigt die Stadt ihre Entscheidung.

Die Anzahl an Ferienwohnungen in Karlsruhe steigt stetig. (Symbolbild) | Bild: Corina Bohner

Aber: Die Daten der Erhebung stammen aus dem Jahr 2011 - und damit lange vor dem großen Boom von Online-Portalen wie Airbnb. Laut diesem liegt die Anzahl der tatsächlichen Ferienwohnungen in der Fächerstadt aktuell bereits über 300 - Tendenz steigend. Diese Tatsache konnte auch die Stadt nicht leugnen. In einer Pressemeldung gab sie zu: "Die Zahl der Buchungen über die Portale nimmt stetig zu." Bis 2030 sollen nochmals 473 bis 683 Unterkünfte dazukommen. 

Zweckentfremdungsverbot lässt weiter auf sich warten

Warum bleibt das Zweckentfremdungsverbot also weiter aus? In ihrer Stellungnahme gibt die Stadt zu, dem Gesetz eine "schwer messbare präventive Signalwirkung" nicht absprechen zu können. Die messbare Erfolgsquote allerdings bewege sich in einem überschaubaren Rahmen. Zudem sei die Umsetzung mit einem sehr hohen Verwaltungsaufwand verbunden.

Wohnungsschlüssel
Vorerst läuft die Vermietung von Ferienwohnungen in Karlsruhe ohne Einschränkungen weiter. (Symbolbild) | Bild: pixabay.com@mastersenaiper

Das Verbot gewerblich vermieteter Ferienwohnungen wird in der Fächerstadt also erst einmal weiter auf sich warten lassen. Die Stadtverwaltung räumt allerdings ein, die Situation hinsichtlich der Ferienwohnungen weiter beobachten zu wollen, "um bei einer wesentlichen Veränderung tätig werden zu können."

Mehr zum Thema

Vielerorts gibt es Airbnb-Einschränkungen: Muss auch Karlsruhe die Vermietungen eindämmen?

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (32)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   de.schwule.sascha
    (165 Beiträge)

    13.10.2018 18:46 Uhr
    In
    der Millionenstadt Karlsruhe? Ja der Tourismus boomt...
    Mal einfach mehr (bezahlbare) Wohnungen schnell bauen, da die Bevölkerung jedes Jahr anwächst, reicht völlig.
    Außerdem leben hier, mit allen Kolonien zusammengenommen, über 1Millionen Ameisen(Im Moment).
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   IchKA
    (570 Beiträge)

    13.10.2018 11:38 Uhr
    Hoppla die Linke schreitet zur Attacke
    und hat mal wieder ein Thema ausgegraben. Natürlich löst illegale Umnutzung von dringend benötigtem Wohnraum zurecht Empörung aus. Nur, das linke Unterfangen erscheint doch recht populistische, denn die Zahlen in der Stadt sind nicht verifiziert. Handelt es sich bei den genannten "Ferienwohnungen" um Wohnungen, die dauerhaft dem Wohnungsmarkt entzogen sind, oder sind das Wohnungen die nur temporär vermietet werden, wenn beispielsweise die Mieter selbst in Urlaub sind, oder Wohnungen als Urlaubsdomizil tauschen.
    Zu einem viel wichtigeren Thema hört man von den Linken wenig. Die Innenverd(n)ichtung und Zerstörung von
    Grünstrukturen zur Klimaplanung in gewachsenen Wohnquartieren ist ein erheblich drängenderes Thema.
    Da gibts bei den LINKEN nur - Sendepause. Deshalb liebe Linke kümmert euch doch weiterhin darum, dass Sozialwohnungen gebraucht werden und nicht nur wie von der Stadt verkürzt dargestellt nur allgemein Wohnungen, die meist nur für Gutverdiener gebaut werden.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   linkesocke
    (3 Beiträge)

    13.10.2018 11:23 Uhr
    Zweckentfremdung
    ist in erster Linie, wenn immer mehr Hotels und Gewerbebauten in Innenstadtnähe errichtet werden. Der dadurch verlorene Wohnraum dürfte die gewerblichen Ferienwohnungen deutlich übersteigen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   stoersender
    (1158 Beiträge)

    13.10.2018 09:05 Uhr
    Populismus
    von links: Als ob ein paar Millionen Leute in Deutschland auf der Strasse leben müssten. Ich kann das Gejammer vom Wohnungsmangel nicht mehr hören.

    Ja, die Mieten sind gestiegen. Was aber an den hohen Immobilienpreisen liegt. Und die wiederum haben wir der EZB zu verdanken. Griechenlandrettung z.B., Herr Fostiroupulos.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ALFPFIN
    (6253 Beiträge)

    12.10.2018 22:56 Uhr
    Die Zahl der Ferienwohnungen
    ist aber bis jetzt in Karlsruhe überschaubar. Fangen wir aber doch einmal bei der Volkswohnung (Unternehmen der Stadt) an, die Genossenschaften, auch die Volkswohung haben in den letzten Jahren Gästewohnungen eingerichtet. Nichts anderes als Ferienwohnungen, wenn diese gut ausgebucht sind, bringen sie auf jeden Fall mehr Einnahmen als Monatsmieten. Wohnungen gut ausgestattet und in guter Lage. Und ich gehe davon aus, dass da der Trend, Mietwohnungen zu Gästewohnungen umzuwidmen nach oben geht. Aber das ist natürlich ganz was anderes. Zumindest was die Volkswohnung betrifft, müssten sich die Stadtpolitiker dann ja an den eigenen Kittel fassen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Malerdoerfler
    (4563 Beiträge)

    12.10.2018 22:18 Uhr
    Unnötig
    Karlsruhe ist doch nicht Berlin - auch wenn man manchmal ganz gerne richtig große Großstadt wäre.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Mondgesicht
    (1895 Beiträge)

    12.10.2018 21:06 Uhr
    Nächstes Jahr ist Kommunalwahl
    und die Linke muss rechtzeitig auf sich aufmerksam machen. Als ob Ferienwohnungen iin Karlsruhe ein Thema wären - lächerliches Politiktheater!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   betablocker
    (3331 Beiträge)

    12.10.2018 22:30 Uhr
    Hauptsache
    man bringt sich ins Gespräch. Und dieser angebliche Wohnungsmangel ist gut dafür. Ich schreibe angeblich, weil ich in Karlsruhe nirgends Horden von Menschen, familien auf der Strasse rumsitzen sehe. Es hat doch jeder eine Wohnung. Es gibt nicht viel drüber, ok, aber das ist doch in Ordnung. Haben wir schon keinen Leerstand durch den erst Häuser, dann Strassen und zum Schluss ganze Viertel runterkommen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Joerg_Rupp
    (2391 Beiträge)

    13.10.2018 11:01 Uhr
    es geht ja nicht
    alleine um Obdachlosigkeit, sondern schlicht oft genug um die Notwendigkeit, umzuziehen - bspw. weil die Familie größer wird. Oder um Zuzug von Fachkräften von anderswo.
    Teilweise werden große Wohnungen blockiert, weil die Person, die da noch drin wohnt, keine kleinere Wohnung findet.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   betablocker
    (3331 Beiträge)

    13.10.2018 15:24 Uhr
    Noch drin wohnt...
    vielleicht will die Person halt da drin wohnen? Wer sich eine Wohnung mit 100 qm leisten kann und darauf Wert legt wird wohl kaum in eine kleinere umziehen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 (4 Seiten)

Schreiben Sie Ihre Meinung
Ein neues Posting hinzufügen
Fett Kursiv Link Zitat
Sie dürfen noch Zeichen schreiben